Ingeborg Hallstein (* 23. Mai 1936 in München) ist eine deutsche Opernsängerin (Koloratursopran). Sie war Mitglied der Bayerischen Staatsoper in München, wurde 1968 Bayerische Kammersängerin und hatte ab 1978 eine Professur für Gesang an der Staatlichen Musikhochschule Würzburg inne.
Ingeborg Hallstein wurde 1936 in München als Tochter der Sopranistin und Gesangspädagogin Elisabeth Hallstein und eines Kunstmalers geboren. Mit 16 Jahren, noch während ihrer Schulzeit, wurde Gesangsschülerin ihrer Mutter, einer bekannten Liedersängerin der 1920er Jahre. Von der Musikhochschule München wurde sie 1954 nach der Aufnahmeprüfung abgewiesen. Sie besuchte in München die Schauspielschule Marie-Theres von Gernot Heindl und nahm Ballett- und Klavierunterricht.
Im Jahr 1957 erhielt die 21-jährige Hallstein ihr erstes Engagement am Stadttheater Passau und debütierte dort als Musetta in Puccinis La Bohème. 1958 bekam sie ein Engagement am Theater Basel, wurde aber schon 1959 von Willy Duvoisin als Lyrischer Koloratursopran an das Münchner Gärtnerplatztheater geholt.
Im August 1960 debütierte Ingeborg Hallstein als Rosina in Mozarts La finta semplice bei den Salzburger Festspielen, zu denen sie im Lauf ihrer Karriere immer wieder zurückkehrte. 1966 wirkte sie in der Uraufführung der Oper Die Bassariden von Hans Werner Henze mit. Von hier wurde sie auch vom damaligen Intendanten Rudolf Hartmann an die Bayerische Staatsoper engagiert, der sie von 1961 bis 1973 als ständiges Ensemblemitglied angehörte.
Von ihr auf der Bühne gesungene Opernpartien waren in der Folgezeit u. a. die Konstanze (Die Entführung aus dem Serail), Gilda (Rigoletto), Violetta (La traviata), Sophie (Der Rosenkavalier), Susanna (Le nozze di Figaro), Zerbinetta (Ariadne auf Naxos), Aminta (Die schweigsame Frau), Olympia (Les Contes d’Hoffmann), Ninetta (Die Liebe zu den drei Orangen), Fiorilla (Il turco in Italia), Isabella (L'Italiana in Algeri), Marzelline (Fidelio), Despina (Così fan tutte), die Norma (Norma) und die Adele (Die Fledermaus).
Gastspiele gab sie an allen großen Opernhäusern der Welt. Sie sang u. a. an der Deutschen Oper Berlin, der Hamburgischen, der Stuttgarter und der Wiener Staatsoper, am Teatro La Fenice in Venedig und Teatro Colón in Buenos Aires, am Royal Opera House in London unter Otto Klemperer, in Stockholm, in Helsinki, in Amsterdam, bei den Salzburger Festspielen und den Festwochen in München. Sie gestaltete unter Herbert von Karajan 1962 am Theater an der Wien anlässlich dessen Wiedereröffnung eine ihrer Paraderollen – die Königin der Nacht in Mozarts Zauberflöte.
Mit ihrer klaren, bis in höchste Höhen reichenden Stimme zählt sie zu den bedeutendsten Koloratursopranen der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts. Neben der Oper und Operette bildete das Kunstlied einen weiteren künstlerischen Schwerpunkt Ingeborg Hallsteins, dem sie in zahlreichen Liederabenden im In- und Ausland nachging.
Ein Exklusivvertrag mit der Deutschen Grammophon (Polydor) resultierte in Schallplattenaufnahmen zahlreicher Opern-, Operetten-, Musical- und Liedeinspielungen. Neben ihrer Opern- und Konzerttätigkeit im In- und Ausland wirkte sie in zahlreichen Rundfunk- und Fernsehproduktionen von Operetten und Opern mit und trat auch in großen Fernsehunterhaltungsshows auf (Peter-Alexander-Show, Dalli Dalli, Gaststar bei Klimbim, u. v. m.).
Im Jahr 1978 wurde Ingeborg Hallstein als Professorin für Gesang an die Musikhochschule in Würzburg berufen. Auf Grund ihrer zunehmenden pädagogischen Arbeit zog sie sich im Anschluss langsam von der Bühne zurück. Bis 2006 war sie in Würzburg tätig, heute (Stand 2009) gibt sie ausschließlich Privatunterricht, hält Meisterkurse im In- und Ausland und ist eine gefragte Jurorin bei Gesangswettbewerben.
Für ihre Verdienste, u. a. um den Sängernachwuchs, erhielt Hallstein, die auch seit 1968 Bayerische Kammersängerin ist, 1977 das Bundesverdienstkreuz, 1996 das Bundesverdienstkreuz I. Klasse und 1999 den Bayerischen Verdienstorden. Ihren Einsatz für die Musik von Johann Strauß würdigte die Deutsche Johann Strauss Gesellschaft im Januar 2007 mit einer Ehrenschirmherrschaft.
Karl-Josef Kutsch, Leo Riemens: Großes Sängerlexikon. Band 2. 3. Auflage. K. G. Saur, München 1999, S. 1483–1484.
Hallstein, Ingeborg. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s Who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 446.
Ingeborg Hallstein singt Mozart, Munich Records, 1993.
Great Recordings of the Century: Beethoven: Fidelio, EMI Classics, London Philharmonic Orchestra, Klemperer, Frick, Vickers, Ludwig.
Händel: Xerxes (Orfeo-Gesamtaufnahme: Kubelik, Töpper, Wunderlich).
Emmerich Smola/Ingeborg Hallstein: Höhepunkte 1961–1972.
Ingeborg Hallstein: Eine Sängerin von heute, Eurodisc 78465.
Mozart: Lieder, Salzburg 1958–1984, Orfeo-Live Recordings, Salzburger Festspiele, Festspieldokumente