An diesem Tag

Indianerkriege

Unterwerfung der Indianer Nordamerikas durch die weißen Siedler

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Als Indianerkriege werden im engeren Sinn die Kriege und militärischen Auseinandersetzungen zwischen den Indianern Nordamerikas und den europäischen Einwanderern bzw. – nach der amerikanischen Unabhängigkeit 1783 und der Bildung der Kanadischen Konföderation 1867 – den Truppen der Vereinigten Staaten oder Kanadas bezeichnet. Diese fanden von Anfang des 17. bis zum Ende des 19. Jahrhunderts statt und führten zur Unterwerfung, Vertreibung oder Ausrottung eines großen Teils der indianischen Urbevölkerung Nordamerikas. Ihr Anfang wird gewöhnlich mit dem Krieg der ersten englischen Kolonisten gegen die Powhatan-Föderation ab 1620 datiert, ihr Ende mit dem Massaker von Wounded Knee im Dezember 1890, mit dem der Widerstand der Prärie-Indianer endgültig gebrochen wurde. Als bekanntestes Einzelereignis der Indianerkriege gilt die Schlacht am Little Bighorn 1876, in der eine aus Sioux, Cheyenne und Arapaho bestehende Indianerstreitmacht dem US-Heer eine schwere Niederlage zufügte.

Begriffsverwendung und Ursachen

Welche Konflikte genau unter den Begriff „Indianerkriege“ fallen und welcher zeitlich-geografische Rahmen sie am besten umfasst, ist nicht eindeutig festgelegt. In der Regel kommt der Begriff bei folgenden Konflikten und Konfliktphasen zur Anwendung:

die Unterwerfung, Vertreibung sowie teilweise Vernichtung amerikanischer Ureinwohner während und nach der Periode der Entdeckung Amerikas im „Zeitalter der Entdeckungen“,

die frühen Indianerkriege der Dreizehn Kolonien sowie die daran anschließenden Grenzkriege im Zuge der Ausweitung des ursprünglichen Kolonisationsgebiets,

die Indianerkriege nach Gründung der USA – ein Zeitraum, der mit der schrittweisen Erweiterung des Staatsterritoriums eng verknüpft ist und in der Regel in folgende drei Phasen untergliedert wird:

(abschließende) Kolonisierung des Alten Nordwestens sowie des tiefen Südens,

Besiedlung sowie damit verbundene Grenzkriege im Westen bis zum Beginn des Sezessionskrieges,

die Zeit der „klassischen“ Indianerkriege 1860 bis 1890.

einigen kriegerischen Auseinandersetzungen mit Ureinwohnern außerhalb der USA – insbesondere in Mittel- und Südamerika.

In Darstellung und öffentlicher Wahrnehmung genießen die aufgeführten Phasen unterschiedliche Aufmerksamkeit. Geschichtliche Abhandlungen in Europa und in den USA charakterisieren mit dem Begriff meist jene Abfolge kriegerischer Auseinandersetzungen, die mit der Besiedlung des Territoriums der heutigen USA einhergingen. Eine engere Sichtweise fokussiert stark ausschließlich auf die Indianerkriege mit den Prärie-Indianern im 19. Jahrhundert – insbesondere in der Periode zwischen 1860 und 1890, als die Auseinandersetzungen mit den noch freilebenden Stämmen einen gewaltsamen Abschluss fanden. Zusätzlich befördert wird dieser Blickwinkel durch das geläufige, allseits präsente Bild vom Wilden Westen. Während die herkömmliche, vorwiegend an Staaten und Nationen ausgerichtete Geschichtsforschung Indianerkriege eher als Nebenaspekt der US-amerikanischen Siedlungsgeschichte thematisiert, favorisieren aktuelle Historiker einen epochenübergreifenden, stärker kulturanthropologischen Blick. In diesem Kontext sind sie lediglich ein Teilaspekt des Zusammenpralls unterschiedlicher und unterschiedlich entwickelter Kulturen und Gesellschaften. Damit hängt eng zusammen, dass die sich ausdehnenden Siedlungen auf unterschiedliche Indianerkulturen stießen und diese in der Folge auf unterschiedliche Art veränderten.

Zwei Schlüsselbegriffe kommen bei der Charakterisierung dieser Kriege regelmäßig zur Anwendung: Land und Frontier. Ursächlicher Anlass war in den meisten Fällen der Konflikt um Land. Ab dem Jahr 1608 kam es zunächst in Virginia, dann auch im Gebiet des heutigen Neuenglands sowie den Küstenabschnitten dazwischen zu Siedlungsgründungen der ersten, zumeist englischen Auswanderer. War in den ersten Jahrzehnten ein Zusammenleben aufgrund der geringen Zahl der europäischen Einwanderer und der Indianer sowie des weiten, zur Verfügung stehenden Raumes noch möglich, änderte sich das rasch ab Mitte des 17. Jahrhunderts. Mit den stetig größer werdenden Einwanderungswellen überschnitten sich indianische Interessen und europäische Territorialansprüche. Konflikte ergaben sich aus den unterschiedlichen Vorstellungen von Grenzen, Territorien und Besitzrechten. Mit dem stetigen Verschieben der Siedlungsgrenze nach Westen verschärften sich auch die Konflikte. In deren Verlauf wurde die amerikanische Urbevölkerung mehr und mehr zurückgedrängt, in weiter entfernte beziehungsweise entlegene Gebiete verdrängt und schließlich in Reservate zwangsumgesiedelt. Einher ging dieser Prozess mit einer zunehmenden Zerstörung der indianischen Lebensgrundlagen. Spektakulärstes Beispiel ist die Vernichtung der riesigen Bisonherden, welche die Lebensgrundlage der Präriestämme bildeten. Die Indianerkriege selbst waren in diesem Prozess eine Abfolge manchmal kleinerer, manchmal auch größerer Auseinandersetzungen zwischen Einwanderern, Siedlern und/oder Soldaten sowie einzelnen Stämmen oder Föderationen aus mehreren Stämmen.

Flankiert wurden die einzelnen Kriegskampagnen sowie die dazwischen liegenden Ruhephasen von einer Vielzahl unterschiedlicher Verträge, Abkommen sowie einseitiger Proklamationen. Einige – beispielsweise der Indian Removal Act zur Umsiedlung der östlichen Indianer in Gebiete westlich des Mississippi oder auch der Vertrag von Laramie 1868 – gelten als wichtige Wegmarken in der Geschichte der Indianerkriege. Die Praxis, einen rechtlichen Status zu etablieren, reicht jedoch zurück bis in die Zeit der Entdeckung. Die Spanier agierten gegenüber den Ureinwohnern in der Karibik, Mittel- und Südamerika unterschiedlich. Zur typischen Praxis avancierte im Verlauf des 17. Jahrhunderts das sogenannte Requerimiento – eine mit Kriegsdrohung verbundene Aufforderung zur Unterwerfung. Die von den Engländern, Franzosen und Holländern sowie den späteren USA getätigten Landnahme- und Friedensabkommen kehrten in der Regel zwar stärker den Aspekt von Abkommen zwischen gleichberechtigten Partnern hervor. Nichtsdestoweniger war auch die Vertragspraxis auf dem nordamerikanischen Kontinent von zahlreichen Widersprüchlichkeiten geprägt. 1871 setzten die USA die Praxis, mit den Indianerstämmen Verträge abzuschließen gänzlich aus und zwangen die noch freilebenden Stämme, sich in Reservaten unter die Verfügungsgewalt der US-Regierung zu stellen.

Während Kontrolle und Besitz von Land meist wesensbildende Kriegsauslöser waren, kennzeichnet der Begriff Frontier den Charakter der Siedlungsgrenze zu den jeweiligen Indianergebieten. Erstmals aufgetaucht war er im Jahr 1677 – zur Kennzeichnung des Unterschieds zwischen Koloniezentren und Peripherie. Zwischen der Anlandung der ersten Kolonisten 1608 und dem offiziellen Ende der Indianerkriege 1890 verschob sich die Frontier – und damit auch der Schauplatz von Indianerkriegen – stetig nach Westen. Im Jahr 1650 konzentrierten sich die Ansiedlungsgebiete noch auf einige schmale Landstreifen an der Ostküste (Virginia-Kolonie, Neuengland-Kolonien, Mittelatlantik-Kolonien; Ansiedlungen der Franzosen und Briten in Kanada). Fünfzig Jahre später war das Hinterland einbezogen und indianische Restpopulationen auf insulare Gebiete zurückgedrängt. Bis 1750 hatte sich die Siedlungsgrenze zu den Appalachen und Großen Seen vorgeschoben. In den Jahrzehnten nach dem Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg wurde das Ohio-Gebiet und der Alte Nordwesten erst zur „Frontier“, dann Teil des besiedelten Territoriums der Vereinigten Staaten. Bis 1850 bildete der Mississippi die Grenze zum Indianerterritorium. Nachdem 1838 die letzten östlichen Stämme in Gebiete westlich des Stroms zwangsumgesiedelt worden waren, gerieten auch die Territorien westlich davon immer stärker in den Blickpunkt. Zur traditionellen Siedlungsgrenze, der Farmer Frontier, gesellten sich im Zug der wirtschaftlichen Erschließung weitere Frontiers – die Miners Frontier der Goldsucher (Kalifornien, Colorado, Montana) oder die Cattlemen’s Frontier der Cowboys und Rinderzüchter (Texas, Kansas, Wyoming).

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