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Ilja Iljitsch Metschnikow

Russisch-französischer Biologe, Begründer der Phagozytenlehre, Nobelpreisträger (1845–1916)

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Ilja Iljitsch Metschnikow (russisch Илья Ильич Мечников, wissenschaftliche Transliteration Il'ja Il'ič Mečnikov), auch Elias Metschnikoff oder Elias Metschnikow, französische, auch von Metschnikow benutzte Form: Elie Metchnikoff (* 3. Maijul. / 15. Mai 1845greg. in Iwanowka bei Kupjansk, Gouvernement Charkow, Russisches Kaiserreich; † 2. Julijul. / 15. Juli 1916greg. in Paris, Frankreich), war ein russischer Zoologe, Phylogenetiker, Darwinist, Bakteriologe und Immunologe.

Sein botanisch-mykologisches Autorenkürzel (er beschrieb auch pathogene Pilze) lautet „Metschn.“. Er entdeckte 1883 die Immunabwehr-Mechanismen gegen Bakterien durch weiße Blutzellen (Phagozytose), begründete damit die Phagozytosenlehre und erforschte die Heilung und Bekämpfung der Cholera. Im Jahre 1908 erhielt er für „Arbeiten über Immunität“ gemeinsam mit Paul Ehrlich den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin.

Metschnikows wissenschaftliche Leistungen sind vielfältig:

Er ist mit der Entdeckung der zellulären Immunabwehr ein Begründer der modernen Immunologie,

er betrieb die medizinische Erforschung des Alterns, um Alterung zu verhindern, und prägte den Ausdruck „Gerontologie“,

er erfand und propagierte die probiotische Ernährung (Probiotikum),

er versuchte, durch Experimente an Schimpansen ein Heilmittel gegen Syphilis zu finden,

er erforschte die Embryologie wirbelloser Tiere, um ihre evolutionären Verwandtschaftsverhältnisse aufzuklären,

und er propagierte mit seinen in die meisten Weltsprachen übersetzten populärphilosophischen Schriften ein szientistisches, von Religion und Metaphysik „befreites“, optimistisches Weltbild, in dem die Naturwissenschaften als „Zukunftsreligion“ fungieren sollten.

1845–1867: Herkunft, Jugend, Studium

Der Adelige Metschnikow wurde auf dem Gutshof Panasowka (bei Iwanowka) in der Oblast Charkow (heute in der Ukraine) geboren, wo er auch aufwuchs, und war Sohn eines pensionierten Gardeoffiziers aus St. Petersburg und einer Schriftstellerstochter. Die väterlichen Vorfahren waren Anfang des 18. Jahrhunderts aus Moldau nach Russland eingewandert, Metschnikows Name (meč: russisch für „Schwert“) ist eine Lehnübersetzung von rumänisch „spadă“, abgeleitet vom byzantinisch-griechischen „Spatha“. Sein Großvater mütterlicherseits war der Schriftsteller Lew Nikolajewitsch Newachowitsch (Jechuda Lejb Ben Noach, 1776–1831) aus Podolien, einer der ersten jüdischen Aufklärer (Haskala) in Russland. Metschnikow war dezidiert areligiös, schrieb aber wissenschaftliches Interesse und Begabung seinen jüdischen Wurzeln zu. Sein älterer Bruder war der Geograf Lew Iljitsch Metschnikow (1838–1888), sein anderer Bruder Iwan war das literarische Vorbild für die Hauptperson in Der Tod des Iwan Iljitsch von Lew Nikolajewitsch Tolstoi.

In Charkow besuchte Metschnikow das Gymnasium. Seine Karriere als Naturwissenschaftler begann mit einem Missgeschick: Zum Zoologie-Studium in Würzburg erschien er 1862 einen Monat zu früh – und reiste entmutigt wieder ab, bevor das Semester überhaupt angefangen hatte. Stattdessen schrieb er sich noch 1862 an der Universität Charkow ein, wo er zwei Jahre später seinen Abschluss als Zoologe machte und promoviert wurde. Danach versuchte er es ein zweites Mal in Deutschland. Er erforschte auf Helgoland die Meeresfauna, studierte 1864–1865 in Gießen bei Rudolf Leuckart, dann in Göttingen (u. a. bei Jakob Henle, der bereits immunologische Versuche mit Dornen machte) und in München und beschäftigte sich unter anderem mit der geschlechtlichen und ungeschlechtlichen Vermehrung des Froschspulwurms Ascaris nigrovenosa oder mit der intrazellulären Verdauung der Landplanarie Geodesmus bilineatus. In München traf er auf Carl Theodor von Siebold.

Die deutschen Einflüsse wurden in dieser Phase für Metschnikow sehr wichtig: In Deutschland kam Metschnikow, der auch Abstammungen erforschte, mit dem Darwinismus und wissenschaftlichen Materialismus in Berührung, zwei Strömungen, die sein Denken prägen sollten, hier lernte er die Schriften von Fritz Müller (Für Darwin. 1864), Charles Darwin (auf Deutsch!) und Carl Vogt kennen. Metschnikow sprach fließend Deutsch, ein Teil seiner (frühen) wissenschaftlichen Publikationen ist auf Deutsch geschrieben.

Ein ministerielles Stipendium seines Heimatlandes ermöglichte ihm die Arbeit am meeresbiologischen Institut von Neapel, wo er bei Anton Dohrn gemeinsam mit einem russischen Kollegen an Schwämmen forschte.

1867–1882: Wissenschaftliche Arbeiten und Karriere

1867 erhielt Metschnikow einen Lehrauftrag der Universität von Odessa, wo er allerdings nur eine kurze Zeit verbrachte: Sankt Petersburg bot ihm eine Professur für Zoologie, und Metschnikow folgte dem Ruf, allerdings um kurz darauf enttäuscht wieder nach Neapel zurückzukehren. Bei seiner Rückkehr nach St. Petersburg erkrankte er. Ljudmila Wasiljewna Fjodorowitsch (gestorben 1873), die Tochter eines Freundes, pflegte ihn, und nach seiner Genesung verlobten sich beide. Die Hochzeit 1869, zu der die lungenkranke Braut getragen werden musste, war überschattet von Ljudmilas Tuberkulose und ihre kurze Ehe geprägt von der Suche nach Heilung.

Metschnikow pendelte zwischen Italien und Russland: In La Spezia untersuchte er die Embryologie der Seesterne, kehrte aber immer wieder nach Odessa zurück. Hoffnung auf Besserung führte das Ehepaar nach Madeira: hier starb Ljudmila am 20. April 1873, Metschnikow unternahm einen Selbstmordversuch, der an der zu niedrig gewählten Morphindosis scheiterte.

Nach seiner Genesung widmete sich Metschnikow erneut der Forschung: im Jahre 1875 arbeitete er wieder an der Universität Odessa, wo er auch die 17-jährige Olga Nikolajewna Belokopitowa (1858–1944) heiratete. Die Ehe blieb kinderlos. Streit mit Kollegen, die politische Lage und eine schwere Typhus-Erkrankung Olgas ließen ihn 1880 einen zweiten Selbstmordversuch unternehmen. Metschnikow infizierte sich absichtlich mit dem Blut eines an Rückfallfieber Erkrankten (der Erreger Borrelia sollte später nach einem seiner Schüler benannt werden). Er überlebte nach schwerer Erkrankung.

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