Ildefons Betschart OSB (* 25. November 1903 in Schwyz; † 6. Mai 1959 in Salzburg; heimatberechtigt in Illgau) war ein Schweizer Benediktiner-Pater, Philosoph, Psychologe, Paracelsusforscher und Hochschullehrer.
Engelbert Betschart (Taufname) war der älteste Sohn und stammte aus der Familie Betschart, aus dem Schwyzer Oberland, deren Mitglieder seit Generationen prominent in kirchlichen und staatlichen Ämtern tätig waren. Sein Vater Engelbert Betschart (* 2. März 1878; † 4. Januar 1962), der nach Schwyz gezogen war, betrieb ein kleines Heimet und war im Zeughaus beschäftigt. Seine Mutter war Maria (geb. Styger; * 13. Oktober 1884; † 22. August 1945); er hatte noch vier Geschwister. Die Familie war im Schwyzer Quartier Dorfbach heimisch, wo Betschart seine Jugend verbrachte.
Er erhielt seinen ersten Religionsunterricht bei Pfarrer Martin Marty (1850–1916), dem späteren Domherrn von Chur. Marty, ein Bruder von Bischof Martin Marty OSB, gab ihm wohl auch den ersten Hinweis auf das Studium der Theologie.
Nach der Primarschule in Schwyz besuchte er das Kollegium Maria Hilf (siehe Kantonsschule Kollegium Schwyz) und schloss seine Ausbildung mit der Maturität ab; seine damaligen Lehrer waren unter anderem Josef Scheuber, Kanonikus Karl Kündig (1871–1969) und Ehrendomherr Paul Reichmuth (1891–1969). Während dieser Zeit betreute er das Amt eines Sigristen und Zeremoniars im Frauenkloster St. Peter am Bach.
Klosterleben und Priesterweihe
Nach einer einjährigen Kandidaturzeit legte Betschart am 13. September 1926 die einfachen Ordensgelübde des Benediktinerordens ab und erhielt den Ordensnamen Ildefons. Mit diesem Namen trugen bereits zwei Vorgänger aus der Betschart-Familie das Benediktinerhabit. Seine feierliche Profess folgte am 22. September 1929, die Priesterweihe erfolgte am 4. Mai 1930 und die Primiz am 10. Juni 1930.
Nach seiner Priesterweihe wurde Betschart durch Abt Ignatius Staub von Oktober 1930 bis 1932 zum Lehrer der dritten Klasse in der Klosterschule Einsiedeln ernannt und übernahm die Aufsicht der Jüngeren. Ab 1932 studierte er Philosophie an der Universität Freiburg unter Dozenten wie Anton Rohner, Marc de Munnynck (1871–1945) und Gallus Maria Manser (1866–1950). Seine Dissertation zum Thema Das Wesen der Strafe brachte ihm 1938 den Doktortitel ein.
Wissenschaftliche Tätigkeit in Einsiedeln
Ab 1936 lehrte Betschart Philosophie am Lyzeum (siehe Stiftsschule Einsiedeln). Vorher und parallel dazu verfasste er bereits historische Arbeiten, darunter 1934 eine Biografie des Missionars und Bischofs Martinus Marty.
Von 1934 bis 1945 war Betschart Redakteur der Zeitschrift St. Meinrads Raben, in der er mehrere geschichtlich fundierte Artikel veröffentlichte. 1945 erschien seine Monografie Schweizer Klöster in der Reihe Schweizer Heimatbücher, die die Entstehung, Bedeutung und Aufgaben von Klöstern systematisch darstellte.
Er verfasste 1946 für den Jahresbericht der Stiftsschule seine dritte wissenschaftliche Beilage mit dem Titel Das psychologische Experiment im Dienste der Erkenntnis und Behandlung des Menschen.
Ein Schwerpunkt seiner wissenschaftlichen Bestrebungen galt der Aufarbeitung des Lebens von Raymund Netzhammer, dem ehemaligen Erzbischof von Bukarest; dieser war auch Nestor der schweizerischen Paracelsusforscher. Aufgrund einer engen persönlichen Freundschaft und der gemeinsamen Zugehörigkeit zum Benediktinerorden trug er über Jahre hinweg umfangreiches Quellenmaterial für eine grossangelegte Biografie zusammen. Trotz dieser intensiven Vorarbeiten blieb das Werk unvollendet. Hauptgrund hierfür war der fehlende Zugang zu den rumänischen Staatsarchiven, deren Konsultation unter den damaligen politischen Rahmenbedingungen unmöglich war. Da somit wesentliche Primärquellen für eine wissenschaftlich fundierte Darstellung von Netzhammers Amtszeit in Bukarest unzugänglich blieben, konnte die geplante Lebensbeschreibung nicht zum Abschluss gebracht werden.
1937 fiel zudem die Neuherausgabe des Gebetbuchs Das Grosse Gebet der Eidgenossen, für das er eine fundierte historische Einleitung verfasste.
Pastorale und Erziehungsaufgaben
1947 wurde Betschart vom Lyceum des Stifts Einsiedeln an die Universität Salzburg berufen; sein Nachfolger an der Stiftsschule wurde Ludwig Räber.
Von 1938 bis 1947 betreute Betschart die 1852 gegründete Bruderschaft Marianische Sodalität an der Klosterschule und verfasste regelmässig Festgrüsse für die Studenten. Daneben war er gefragter Prediger in der Stiftskirche und in verschiedenen Pfarrgemeinden. Besondere Aufmerksamkeit erregte 1947 seine satirische Gumelipredigt (Herdöpfelpredigt), ein Gegenstück zu Josef Ignaz von Ah's Käsepredigt, für den Schwyzerverein Zürich.
Er wirkte als Seelsorger an der Akademie Kollegium Heilig Kreuz der Menzinger Schwestern in Freiburg sowie am Gymnasium und Lyzeum in Einsiedeln. Später leitete er im Benediktinerkollegium St. Benedikt in Salzburg die Ausbildung des Ordensnachwuchses für österreichische und bayerische Benediktiner- und Zisterzienserklöster.
Er übernahm auch die Leitung der Laienbrüder und war Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für Erziehung und Unterricht des Schweizer Katholischen Volksvereins sowie 1942 Leiter der Katholischen Mittelschulkonferenz.