Ilario Castagner (* 18. Dezember 1940 in Vittorio Veneto; † 18. Februar 2023 in Perugia) war ein italienischer Fußballspieler und späterer -trainer. Als Aktiver im Trikot der AC Reggiana, der AC Legnano, der AC Perugia, der AC Prato und Rimini Calcio spielend, trainierte er später neben der AC Mailand, Inter Mailand und Lazio Rom auch die AC Perugia, wo er mit der Mannschaft von Perugia dei Miracoli 1979 italienischer Vizemeister wurde.
Ilario Castagner, geboren am 18. Dezember 1940 im norditalienischen Vittorio Veneto in der Region Venetien, spielte ab 1959 zunächst für den AC Reggiana in Emilia-Romagna, wo er ein Jahr lang unter Vertrag stand und dem Verein zu Platz fünf in der zweitklassigen Serie B verhalf. Nach dem verpassten Aufstieg nahm Castagner, der in seiner Premierensaison nur neun Spiele für Reggiana gemacht hatte, ein Angebot der AC Legnano, einem mittlerweile in die Drittklassigkeit abgerutschten Traditionsverein. In seiner einen Spielzeit in Legnano entwickelte sich Ilario Castagner zum Stammspieler und machte 23 Saisonspiele in der Serie C 1960/61 und erzielte beim Erreichen des neunten Tabellenplatzes fünf Treffer. Ebenfalls in der Serie C spielte in dieser Zeit der AC Perugia, bei dem Ilario Castagner im Sommer 1961 einen Vertrag unterzeichnete. Für Perugia spielte der Angreifer drei Jahre lang in der dritthöchsten italienischen Fußballliga und erreichte jeweils Mittelfeldplatzierungen. Insgesamt brachte es Castagner in Perugia auf 84 Spiele mit 33 Torerfolgen.
Nach Ablauf der Spielzeit 1963/64 verließ Ilario Castagner den AC Perugia und schloss sich der AC Prato, der soeben aus der Serie B abgestiegen war. In Prato avancierte Ilario Castagner zur Stammkraft und wurde in drei Jahren in 83 Ligaspielen eingesetzt. Dabei gelangen ihm siebzehn Treffer. Von 1967 bis 1968 hatte Ilario Castagner dann seine letzte Station als aktiver Fußballspieler, als er zwei Jahre lang im Trikot von Rimini Calcio kickte und es noch einmal auf 51 Ligaspiele im Rahmen der Serie C brachte und darin sechzehn Mal das gegnerische Tor traf. Nach Ende der Spielzeit 1968/69 beendete Ilario Castagner dann seine aktive Laufbahn als Fußballspieler und startete eine Trainerkarriere.
Ilario Castagner machte im Jahre 1966 die Ausbildung zum Fußballtrainer. Drei Jahre später wurde er im Alter von 28 Jahren Assistent von Corrado Viciani, seinerzeit Coach von Atalanta Bergamo und behielt diesen Posten auch unter den Nachfolgern Vicianis. So bekam Ilario Castagner in den folgenden Jahren Erfahrung im Bereich der ersten und zweiten italienischen Fußballliga. Im Sommer 1974 unterbreitete ihm Franco D’Attoma, der neue Präsident des Zweitligisten AC Perugia, ein Angebot. Dies nahm Castagner an und arbeitete fortan für Perugia, wo er einst auch als Spieler agierte, auf der Trainerbank. Gleich in seiner ersten Saison führte Castagner den AC Perugia zum ersten Platz in der Serie B 1974/75, was den Aufstieg in die Serie A, den ersten in der Vereinsgeschichte überhaupt, zur Folge hatte.
Nach dem Aufstieg in die Serie A konnte sich die Mannschaft des AC Perugia dort etablieren und erreichte in ihrer Premierensaison einen achtbaren achten Tabellenrang, wobei man mit Siegen gegen Spitzenmannschaften wie Juventus Turin, die AS Rom oder die AC Turin, der in der Spielzeit 1975/76 erstmals seit 1949 wieder italienischer Meister wurde, für Furore sorgte. Noch erfolgreicher verlief die Serie A 1976/77 für Ilario Castagner und den AC Perugia, als am Ende der Saison der sechste Tabellenplatz zu Buche stand, wobei die Teilnahme am UEFA-Pokal nur um zwei Punkte gegenüber Lazio Rom verpasst wurde. Siebenter wurde die Mannschaft des AC Perugia dann in der Saison 1977/78. Diese Spielzeit wurde jedoch vom Tod des Perugia-Spielers Renato Curi überschattet, der im Rahmen des Ligaspiels gegen Juventus Turin am 30. Oktober 1977 vor etwa 30.000 Menschen in Perugia zusammenbrach und wenig später verstarb. Ihm zu Ehren wurde das Stadion des AC Perugia, das zuvor den Namen Stadio Pian di Massiano trug, in Stadio Renato Curi umbenannt.
Die Saison 1978/79 begann für den AC Perugia mit einem 2:0-Sieg gegen Lanerossi Vicenza. Dieser Sieg war der Auftakt von elf Siegen und neunzehn Unentschieden in dreißig Ligaspielen der Serie A 1978/79, womit der AC Perugia die Saison ungeschlagen beendete und am Ende den zweiten Tabellenplatz drei Punkte hinter dem neuen Meister AC Mailand belegte. Dieser unerwartete Erfolg brachte der damaligen Mannschaft des AC Perugia, in der sich unter anderem Spieler wie Salvatore Bagni oder Michele Nappi befanden, den Beinamen Il Perugia dei Miracoli und ihrem Trainer Ilario Castagner die Auszeichnung zu Italiens Trainer der Saison 1978/79 ein. Die Leistung, eine ganze Saison der Serie A ohne Niederlage zu überstehen, geschah erstmals im italienischen Fußball durch die Mannschaft von Ilario Castagner und wurde bis heute nur zwei weitere Male erreicht. Das Team der AC Mailand von Fabio Capello verlor in der Meistersaison 1991/92 keines ihrer 34 Spiele, 38 Partien ohne Niederlage schaffte das Juventus Turin von Antonio Conte in der Saison 2011/12.
Der zweite Rang in der Serie A 1978/79 berechtigte den AC Perugia zur Teilnahme am UEFA-Pokal 1979/80. Dort bezwang Perugia in der ersten Runde den jugoslawischen Vertreter Dinamo Zagreb mit 1:0 in Italien und 0:0 in Zagreb. Daraufhin traf man in der zweiten Runde auf Aris Thessaloniki aus Griechenland, gegen die man in deren Kleanthis Vikelidis Stadion ein 1:1-Unentschieden erreichte, allerdings beim Heimspiel in Perugia eine 0:3-Schlappe hinnehmen musste und aus dem Europapokal ausschied. Bis 2003 stellte dieses Spiel den letzten Europapokalauftritt des AC Perugia dar. Allgemein verlief die Spielzeit 1979/80 nicht annähernd so erfolgreich wie die vorherige. Auch in der Liga brachte es Perugia nur auf den zehnten Tabellenplatz. Im gleichen Jahr wurde der Totonero-Skandal, der erste Skandal des italienischen Fußballs, bekannt, in den auch der AC Perugia verstrickt war. Dem Verein wurden für die Spielzeit 1980/81 fünf Punkte in der Serie A abgezogen, dazu wurden zwei Perugia-Spieler gesperrt. Inwieweit der Abschied Ilario Castagners auf Perugia im Sommer 1980 mit der Verstrickung des Vereins in der Totonero-Skandal zusammenhängt, ist nicht bekannt. Jedenfalls verließ der Erfolgstrainer den Verein und wurde neuer Coach von Lazio Rom, das ebenfalls in den Skandal verwickelt war und in die Serie B zwangsabsteigen musste. Der AC Perugia indes stieg in der ersten Saison nach dem Weggang Ilario Castagners wieder in die zweite Liga ab. Erst 1996 gelang die Rückkehr in die Serie A.
Arbeit bei Lazio, Milan und Inter
Neben der AC Mailand war Lazio Rom der hauptschuldige Verein im Totonero-Skandal und musste wie auch Milan in die Serie B zwangsabsteigen. Dies bedeutete das Ende der Amtszeit von Trainer Roberto Lovati. Als neuer Coach für die Zweitligasaison 1980/81 wurde Ilario Castagner eingesetzt. Dieser hatte klar zum Ziel, den italienischen Meister von 1975 zurück ins Oberhaus zu führen, scheiterte aber an dieser Aufgabe. Es folgten für den Traditionsverein insgesamt drei Jahre in der Serie B, davon war Castagner zwei Jahre lang Trainer, ehe sein Nachfolger Roberto Clagluna den Wiederaufstieg schaffte. Unter Ilario Castagner belegte Lazio Rom in der Saison 1980/81 der Serie B nur den vierten Rang mit zwei Punkten Rückstand auf die drittplatzierte AC Cesena, der neben der AC Mailand und CFC Genua den Aufstieg erlangte. Auch die darauffolgende Spielzeit verlief nicht nach den Wünschen der Lazio-Bosse. In der Serie B kam die Mannschaft von Ilario Castagner nicht über den elften Tabellenrang hinaus, was die schlechteste Platzierung von Lazio Rom in der Serie B überhaupt bedeutete. Trainer Castagner wurde nicht über die Saison hinaus beschäftigt.
Im Jahre 1982 wurde Silvano Ramaccioni neuer Manager der AC Mailand. Mit Ramaccioni hatte Ilario Castagner bereits in Perugia zusammengearbeitet und das berühmte Perugia dei Miracoli geformt. Silvano Ramaccioni holte im Sommer 1982 dann auch Ilario Castagner als Trainer zur AC Mailand, nachdem der Verein soeben wieder aus der ersten Liga abgestiegen war. Castagner führte die Mannschaft der AC Mailand, in der sich zur damaligen Zeit Spieler wie etwa Verteidiger Franco Baresi, Mittelfeldspieler Alberigo Evani oder Mauro Tassotti befanden zum souveränen Aufstieg in die Serie A als Erster der Serie B 1982/83 mit acht Zählern vor Lazio Rom, das nach drei Jahren ebenfalls wieder aufstieg. Diesmal zeigte das Team der AC Mailand auch nach dem Wiederaufstieg gute Leistungen in der Serie A und es gelang der sichere Klassenerhalt als Tabellenachter, während der alte Rivale Juventus Turin den Scudetto holte.