Ignacio Zuloaga y Zabaleta (* 26. Juli 1870 in Éibar; † 31. Oktober 1945 in Madrid) war ein spanischer Maler des beginnenden zwanzigsten Jahrhunderts, dessen Frühwerke teilweise Züge des sozialen Realismus, teilweise des Impressionismus aufweisen, während sein Hauptwerk der Tradition der spanischen Klassik folgt und der Ästhetik der España Negra zuzurechnen ist.
Ignacio Zuloaga y Zabaleta wurde am 26. Juli 1870 als drittes Kind von Placido Maria Zuloaga y Zuloaga und Lucia Zamora Zabaleta in Eibar, Baskenland, im Haus seiner Eltern geboren. Er entstammte einer alten angesehenen Kunsthandwerkerfamilie: Sein Urgroßvater Blas Antonio Zuloaga y Ubera war oberster königlicher Waffenschmied, sein Großvater Eusebio Zuloaga y Gonzalez Direktor der königlichen Rüstkammer. Sein Vater Placido Zuloaga hatte in Paris und später in Dresden die Kunst des Damaszenierens und Tauschierens gelernt und in diesem Beruf internationales Renommee erlangt. Nach Besetzung Eibars im dritten Carlistenkrieg durch die Truppen des Generals Lizarraga lebte die Familie von 1873 bis 1876 in Saint-Jean-de-Luz, Frankreich. Seinen Sohn Ignacio schickte Placido Zuloaga 1881 oder 1882 nach Paris, vermutlich auf die Schule des Instituts Notre-Dame de Sainte-Croix (Unserer Frau vom Heiligen Kreuz) in Neuilly-sur-Seine und anschließend auf das ehemalige, inzwischen säkularisierte Jesuitencolleg de l'Immaculée Conception (der Unbefleckten Empfängnis) in Paris-Vaugirard.
1884 wieder im Baskenland, besuchte Ignacio 2 Jahre die Handelsschule der Dominikaner in Bergara. Trotz guter Noten wollte er nicht wie sein älterer Bruder Eusebio Ingenieurwissenschaften studieren, sondern interessierte sich von Kindheit an für Kunst. Neueste Quellenrecherchen verweisen das bisher von seinen Biographen berichtete Erweckungserlebnis im Pradomuseum auf einer Reise mit seinem Vater nach Madrid mit all seinen Ausschmückungen ins Reich der Legende. Vielmehr bewarb sich Ignacio Zuloaga im Oktober 1886 bei der Universität Madrid um die Zulassung zu einem Kunststudium, eine Bewerbung, die er jedoch zurückzog, um sich privat von einem Maler in Madrid ausbilden zu lassen. Die Ergebnisse dieser Ausbildung stellte er im Sommer 1887 in Madrid, im Herbst 1887 in Eibar und 1888 in Gernika aus.
Im Herbst des folgenden Jahres begleitete er schließlich seinen Vater auf einer Reise zu einem Geschäftspartner nach London und traf schließlich gegen Weihnachten in Rom zur weiteren malerischen Fortbildung ein. Entgegen seiner ursprünglichen Absicht, dort zwei oder drei Jahre zu bleiben, war er schon im August 1889 zurück in Eibar anlässlich der Hochzeit seiner Schwester Candida und kehrte nicht wieder zurück nach Rom. Vielmehr reiste er Ende des Jahres 1898 oder zu Anfang 1899 nach Paris und schrieb sich dort in der Académie libre de la rue Verniquet bei Henri Gervex ein, einem damals in der Kunstszene gut vernetzten Maler, Gründungsmitglied des Salon de la Société nationale des beaux-arts. Hier lernte er seinen späteren Schwager, den Maler Maxime Dethomas kennen, der für Zuloaga zum Türöffner zur Pariser Gesellschaft wurde. Bald machte er auch Bekanntschaft mit einem baskischen Landsmann, dem Maler Pablo Uranga, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verbinden sollte. Sein in Rom entstandenes Bild A la forge konnte er im Frühjahrssalon 1890 von Paris und zeitgleich das Bild Forjador bei der Exposición Nacional de Madrid präsentieren. In der Galerie Boussod, Valadon & Cie. fand im April 1891 eine Ausstellung von Bildern mit Motiven – vermutlich aus Vororten von Paris – statt. Nach einem kurzen Ausflug nach Rom im Winter 1891 und einer ersten Teilnahme an einer Ausstellung in Barcelona im Mai 1891 sowie der Präsentation von 24 Werken in Bilbao im September 1891 war Zuloaga im Dezember erstmals in der Galerie Le Barc de Boutteville zusammen mit Paul Gauguin, Vincent van Gogh, Henri de Toulouse-Lautrec, Émile Bernard, Maurice Denis, Édouard Vuillard, Charles Cottet, Odilon Redon und Pierre Bonnard vertreten, 1892 und 1893 im Salon de la Société des Artistes Indépendants. Von der Académie libre de la rue Verniquet wechselte Zuloaga zu Eugène Carrière in der Académie Huimbez, Boulevard de Clichy, vermutlich identisch mit der sogenannten Académie de la Palette. Hier traf er mit der in Paris lebenden Gruppe katalanischer Maler um Santiago Rusiñol, Ramón Casas und Miquel Utrillo zusammen.
Lange konnte Zuloaga jeweils nicht in Paris bleiben, wohl der Mangel an finanziellen Mitteln trieb ihn immer wieder zurück nach Spanien, wo er in Bilbao Anschluss an die Mitglieder des Kurding-Club fand. So wechselten auch seine Pariser Adressen von der Rue des Saules 1889–1890 zur Rue Durantin 1891, zum Impasse Helene (im selben Haus mit Paul Signac) und zur Rue Cortot 1892. Ungewiss ist eine angebliche erste Reise nach Sevilla im Jahr 1892, die u. a. von Portillo in seinem Buch Ignacio Zuloaga en Sevilla berichtet wird, jedoch nicht belegt ist. Danach habe sein besorgter Vater, der bei einem Besuch in Paris 1891 seine Befürchtungen bezüglich des Lebens seines Sohnes in Montmartre mit nächtlichen Festen und Cabarets bestätigt gesehen habe – dieses Leben ihm wie das eines Clochards erschien, und ihn gedrängt habe, eine einträglichere und besser angesehene Beschäftigung anzunehmen–, worauf auch die heimliche finanzielle Unterstützung durch seine Mutter versiegt sei. Zuloaga verdingte sich durch Vermittlung seiner Freunde aus Bilbao bei einer Minengesellschaft (Compañía Argentífera Sevillana) als eine Art Buchhalter; mit der weiteren Aufgabe, als berittener und bewaffneter Geldbote den Wochenlohn der Arbeiter von Sevilla zur Silbermine zu bringen. Diese Beschäftigung habe er jedoch bald wieder aufgegeben, um sich neben der Malerei als Händler von Antiquitäten, Bildern und Sammlerstücken zu betätigen, eine Tätigkeit, die er neben der Malerei während einer langen Zeit seines Lebens beibehielt, um seinen Lebensunterhalt und seine Reisen zu finanzieren. Belegt ist die vorübergehende Anstellung Zuloagas bei dem Minenunternehmen für die Zeit zwischen Juni und Oktober 1898 aus einem Brief Zuloagas an Emile Bernard. Tatsächlich war Zuloaga noch im März 1892 in Paris mit fünf Bildern beim Salon de la Société des Artistes Indépendents mit positiver Resonanz in der Presse, danach zusammen mit Pablo Uranga in Bermeo, wo er sich der Pleinairmalerei widmete; ferner malte er im Sommer in Olabeaga, einem Vorort von Bilbao, und war am 15. November 1892 wieder in Paris bei einer Ausstellung der Galerie Le Barc de Boutteville.
Auch weitere Daten seines Werdegangs bedürfen einer Berichtigung aufgrund der umfangreichen von Lertxundi Galiana recherchierten Dokumente: Aus dem Jahr 1893 belegt sind die Teilnahme Zuloagas an Pariser Ausstellungen im März beim Salon de la Société des Artistes Indépendents und der Galerie Le Barc de Boutteville, seine Abreise nach Spanien im Sommer, wo er zusammen mit Pablo Uranga zwei Monate an der Dekoration und Ausmalung des im September eröffneten neuen Casinos von Bermeo arbeitete, Bilder, die später durch ein schweres Unwetter weitgehend zerstört wurden. Das Honorar für diese Arbeiten, 1.500 Real, deckte kaum die Materialkosten. Noch im November malte er für den Kurding-Club von Bilbao das modernistische Bild El Amanecer und bezog schließlich gegen Ende November in Paris zusammen mit den Katalanen Rusiñol und José María Jordá und seinem baskischen Freund Pablo Uranga ein Haus am Quai Bourbon auf der Île Saint-Louis. Von hier brachen Rusiñol und Zuloaga im Frühjahr 1894 auf zu einer Reise nach Italien und in die Schweiz. Da Zuloaga dafür kein Geld hatte, engagierte ihn Rusiñol als Zeichner für die Illustrierung des von ihm in der Zeitschrift La Vanguardia zu veröffentlichenden Reiseberichts. Seine Absicht, an einer Ausstellung in Barcelona im Mai 1894 teilzunehmen, gab er auf und reiste Ende Juni nach London zur Familie Morrison, Geschäftsfreunden seines Vaters, porträtierte die ganze Familie und wohnte bei ihr in Fonthill House, Wiltshire während des ganzen Sommers.