An diesem Tag

Ida Pfeiffer

Österreichische Entdeckerin und Schriftstellerin (1797-1858)

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Ida Pfeiffer, geborene Ida Laura Reyer (* 14. Oktober 1797 in Wien; † 27. Oktober 1858 ebenda), war eine österreichische Weltreisende, die als erste europäische Frau das Innere der Insel Borneo durchquerte. Sie verbrachte nach problematischen Jugend- und Ehejahren den dritten Abschnitt ihres Lebens als Weltreisende und erfolgreiche Reiseschriftstellerin. Damit war sie als Frau in der Zeit des Biedermeier eine viel beachtete Ausnahmeerscheinung. Auf ihren ausgedehnten Fahrten legte sie insgesamt 240.000 km zur See und 32.000 km auf vier Kontinenten zurück. Sie schrieb darüber 13 Bücher, die in sieben Sprachen übersetzt wurden.

Ida Reyer wurde als drittes Kind einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie in Wien geboren. Bis zu ihrem neunten Lebensjahr, als ihr Vater Aloys Reyer starb, erhielt sie die gleiche, strenge Erziehung wie ihre fünf Brüder. Erziehungsziele waren Mut, Entschlossenheit, Genügsamkeit und Widerstandsfähigkeit gegen Schmerzen. Die Mahlzeiten waren einfach, oft sogar knapp. Auch kleinste Wünsche der Kinder blieben häufig unerfüllt. Im Scherz versprach der Vater, er werde Ida später zum Offizier ausbilden lassen. Sie machte sich das ungewöhnliche Rollenbild ganz zu eigen, kleidete sich wie ihre Brüder, nahm an deren Spielen teil, war sportlich und unternehmungslustig. Puppen hatten für sie keinerlei Reiz. Schon als Kind las sie mit Vorliebe Reiseberichte und träumte davon, an Expeditionen teilzunehmen und ferne Länder zu sehen.

Nach dem Tod des Vaters bemühte sich die Mutter, die bisherige, männlich orientierte Erziehung der Tochter rückgängig zu machen. Zunächst verweigerte sie ihr die Kleidung, die sie bisher getragen hatte. Als Reaktion erkrankte Ida lebensgefährlich und durfte sich schließlich auf ärztlichen Rat bis zum 13. Lebensjahr anziehen wie bisher, änderte aber auch danach, wieder in Mädchenkleidern, ihr Verhalten nicht. Rückblickend urteilte sie: „… wie lächerlich mußte ich in den langen Kleidern aussehen, als ich dabei noch immer lief und sprang und mich in allem benahm wie ein wilder Junge!“ Um den üblichen weiblichen Tätigkeiten wie Klavierspiel oder der Ausbildung in Handarbeiten zu entgehen, schnitt sie sich in die Finger oder verbrannte sich die Hand.

Eine neue Situation entstand, nachdem 1810 ein Hauslehrer für Ida eingestellt worden war. Ihm vertraute sie, er überzeugte sie nach und nach, ihre Rolle als Mädchen zu akzeptieren. In ihren eigenen Worten: „Ich erlernte sogar verschiedene weibliche Fertigkeiten wie Nähen, Stricken und Kochen … Ihm verdanke ich es, daß ich im Verlaufe von drei bis vier Jahren vollkommen zu der Einsicht der Pflichten meines Geschlechtes gelangte …“. Und schließlich verliebten sich beide ineinander. Auch nach dem Ende seiner Anstellung blieb der Lehrer Gast im Hause der Familie, 1814 machte er Ida einen Heiratsantrag. Die Mutter verweigerte ihre Zustimmung, weil sie in ihm keine ausreichend gute Partie sah. Ihrer Tochter untersagte sie alle weiteren Kontakte zu dem Bewerber.

Ida ihrerseits lehnte eine Reihe von Heiratsvorschlägen ab. Um dem zerrütteten Verhältnis zu ihrer Mutter zu entkommen, willigte sie aber 1820 in die Vernunftehe mit einem 24 Jahre älteren Witwer ein, dem gut situierten Anwalt Mark Anton Pfeiffer aus Lemberg. Pfeiffer geriet bald in finanzielle Schwierigkeiten – er hatte einen Prozess gegen korrupte Beamte gewonnen, machte sich damit viele Feinde und verlor die gewohnten Aufträge aus öffentlichen Ämtern. Nachdem er deshalb seine Kanzlei in Lemberg hatte schließen müssen, suchte er in Galizien, in Wien und in der Schweiz nach Arbeitsmöglichkeiten, meist vergeblich. Diese Umstände erlaubten kein normales, gemeinsames Eheleben. Das Paar lebte getrennt – er in Lemberg, sie in Wien – ließ sich aber nie scheiden. Ida übernahm die Erziehung der beiden gemeinsamen Söhne, für längere Zeit unter bedrückenden Lebensumständen. In ihrer Autobiografie beschreibt sie diese Zeit: „… nun wußte ich oft kaum, wo … (ich) das Bisschen Geld hernehmen sollte, um mir nur das höchst Nöthige anzuschaffen. Ich verrichtete alle Hausarbeiten, ich fror und hungerte, ich arbeitete im Geheimen für Geld, ich ertheilte Unterricht in Zeichnen und Musik, und trotz aller Anstrengungen gab es oft Tage, an welchen ich meinen armen Kindern kaum etwas mehr als trockenes Brot zum Mittagessen vorzusetzen hatte.“

Die Erbschaft nach dem Tod ihrer Mutter 1837 befreite Ida Pfeiffer von den drückenden Sorgen und ermöglichte ihr, die Söhne nach ihren Vorstellungen erziehen zu lassen. Als beide erwachsen waren und in ihren Berufen Fuß gefasst hatten, sah sie endlich die Möglichkeit gekommen, ihrer Neigung zu Reisen und Abenteuern nachzugehen. Bei einem Familienbesuch in Triest hatte sie zum ersten Mal das Meer gesehen und es erwachte in ihr, wie sie später schrieb, „eine kaum zu bewältigende Reiselust“. Für ihren Mann, der 1838 gestorben war, und für die Erziehung ihrer Kinder hatte sie viel von dem ererbten Vermögen verbraucht, daher waren ihre finanziellen Mittel sehr begrenzt. Aber sie war an Sparsamkeit gewöhnt und vor allem fest entschlossen, ihr Ziel zu erreichen.

Am 22. März 1842, also im Alter von 44 Jahren, verließ Ida Pfeiffer Wien zu ihrer ersten großen Reise. Sie gab vor, nur eine Freundin in Konstantinopel besuchen zu wollen, schon das schien Freunden und Verwandten äußerst gewagt. Ihr eigentliches Ziel aber waren Palästina und die angrenzenden Länder, ein politisch unruhiges Gebiet, das zudem nicht frei war von Ausbrüchen der Pest. Die Reise ging über die Donau und das Schwarze Meer nach Konstantinopel, Beirut, Jerusalem, zum Toten Meer, nach Damaskus, Baalbek und Alexandria bis nach Kairo; von dort nach einem Kamelritt durch die Wüste zur Landenge von Sues zurück nach Wien, mit Aufenthalten in Sizilien, Neapel, Rom und Florenz. Im Dezember 1842 kam sie wieder zuhause an. Freunde und ein Verleger überredeten sie, ihr Reisetagebuch zu veröffentlichen. Es erschien 1843 anonym unter dem Titel Reise einer Wienerin in das Heilige Land und wurde wegen des schlichten, eingängigen Stils und der Glaubwürdigkeit seiner Beschreibungen ein großer Publikumserfolg. Erst 1856, mit der vierten Auflage, erklärte sich Ida Pfeiffer als Autorin. Die Einnahmen ermöglichten es ihr, weitere Reisen zu finanzieren.

Island, Norwegen, Schweden (1845)

Als Vorbereitung auf kommende Reisen eignete sich Ida Pfeiffer naturkundliche Kenntnisse an, unter anderem die Grundlagen fachgerechter Tier- und Pflanzenpräparation. Sie lernte Englisch und Dänisch und das Notwendigste über Fotografie, die als Daguerreotypie noch in den Kinderschuhen steckte. Die Nordlandreise begann im April 1845 und führte über Prag, Leipzig, Hamburg und Kiel nach Kopenhagen, von dort nach Island. Von einem einheimischen Führer begleitet, besuchte Ida Pfeiffer auf anstrengenden Exkursionen Schwefelquellen und Geysire, Grotten und Vulkane. Da sie sich Island als „das wahre Arkadien“ vorgestellt hatte, als perfektes Idyll des Landlebens, war sie von dem Erlebten enttäuscht. Nach harter Überfahrt auf einem Segelschiff landete sie wieder in Kopenhagen an, reiste weiter nach Christiania, dem heutigen Oslo, und unternahm von dort aus eine Rundfahrt im Pferdewagen, den sie selbst lenkte. In Stockholm wurde sie der schwedischen Königin Josephine vorgestellt. Zurück in Wien war sie im Oktober 1845. Im folgenden Jahr erschien, in zwei Bänden, die Reise nach dem skandinavischen Norden.

Zu dieser Reise brach Ida Pfeiffer im Mai 1846 auf, über Hamburg gelangte sie nach Rio de Janeiro. In Brasilien entkam sie nur knapp einem Mordanschlag. Im Februar 1847 machte sie die gefürchtete Schiffspassage durch die stürmischen Gewässer um Kap Hoorn nach Valparaíso in Chile. Über Tahiti, wo sie von der Königin empfangen wurde, erreichte sie Macau, danach Hongkong und Kanton. In diesen Orten war das Auftreten einer weißen Frau ein so außerordentliches Ereignis, dass sie immer wieder in Bedrängnis geriet. Über Singapur ging es weiter nach Ceylon, von dort nach längeren Exkursionen Ende Oktober 1847 nach Südindien. Hauptsächliche Stationen ihrer Reise durch den indischen Subkontinent waren Kalkutta, Benares und Bombay. Sie fand Aufnahme in den Häusern reicher und vornehmer Inder, nahm an einer Tigerjagd teil, legte aber auch weite Strecken auf Ochsenkarren zurück. Im April 1848 reiste sie weiter nach Mesopotamien und Persien, sie besuchte Bagdad, begleitete Karawanen durch die Wüste, sah die Ruinen von Babylon und Ninive, wurde von Räubern bedroht. Der britische Konsul in Täbris, ein Landeskenner, war von der Kühnheit ihrer Unternehmungen tief beeindruckt. Über Armenien, Georgien, Odessa, Konstantinopel und Athen ging es nach Hause. In Wien traf sie im November 1848 ein, kurz nachdem die Revolution von 1848 in Österreich gewaltsam niedergeschlagen worden war. Die Aufzeichnungen von dieser Reise, Eine Frauenfahrt um die Welt, erschienen 1850 in drei Bänden.

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