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Hunnen

Nomadische zentralasiatische Reitervölker, ethnisch heterogener Kriegerverband

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Hunnen ist ein Sammelbegriff für eine Gruppe zentralasiatischer Reitervölker mit nomadischer, später halbnomadischer Lebensweise. Ihre genaue Herkunft und Ethnizität ist in der modernen Forschung umstritten.

Die wenigen Sprachüberreste erlauben keine präzise Zuordnung: Einige Forscher gehen davon aus, dass die Hunnen eine Turksprache oder eine andere altaische Sprache sprachen. Andere Forscher gehen von einer heute ausgestorbenen Sprache aus bzw. bezweifeln die Möglichkeit einer exakten Zuordnung. Eine Studie aus dem Jahr 2025 favorisiert die Zugehörigkeit zu einer heute ausgestorbenen paläosibirischen Sprache.

Ebenso ist unsicher, ob der Begriff Hunnen eine klar umrissene Gruppe von Stämmen bezeichnete. In der modernen Forschung wird vielmehr oft angenommen, dass es sich bei der Bezeichnung Hunnen um einen in der eurasischen Steppenregion verbreiteten Prestigenamen für ansonsten heterogen zusammengesetzte Gruppen nomadischer Reiterkrieger handelte. In diesem Sinne wurde der Begriff Hunne von einigen oströmischen Geschichtsschreibern als ethnographischer Begriff für ganz verschiedene später auftauchende Reitervölker aus dem eurasischen Steppenraum benutzt.

Fest steht nur, dass die in spätantiken Quellen als „Hunnen“ bezeichneten Stämme um die Mitte des 4. Jahrhunderts im Raum zwischen den Flüssen Don und Wolga lebten und schließlich nach Westen vorstießen, wobei sie nicht unter einheitlicher Führung agierten. Sie fielen ab 375/76 mit dort unbekannter Reiterkampftechnik in Europa ein (siehe Völkerwanderung) und spielten in der spätantiken Geschichte noch bis ins späte 5. Jahrhundert eine bedeutende Rolle. Im frühen 5. Jahrhundert errichteten sie an der Donau ein Steppenreich zwischen West- und Ostrom. Unter Attila erreichte ihre Macht den Höhepunkt, wobei die Hunnen allerdings ökonomisch stets auf erzwungene römische Tributleistungen angewiesen waren. Nach Attilas Tod 453 und dem Zerfall seines Reichs zerstreuten sich die Hunnen wieder weitgehend; hunnische Hilfstruppen in oströmischen Diensten und als hunnisch bezeichnete Gruppen im nördlichen Schwarzmeerraum sind jedoch noch im 6. Jahrhundert belegt.

Namensherkunft und -verwendung

Das Wort Hunne wird in der Regel vom chinesischen Begriff für das Volk der Xiongnu abgeleitet. Die Bezeichnung Hunnen taucht in abgewandelter Form als Chounoi im 2. Jahrhundert n. Chr. in der Geographie des Griechen Ptolemaios auf. Dass damit die um 375 nach Osteuropa vorstoßenden Hunnen gemeint sind, wird in der neueren Forschung aber eher bezweifelt, da eine reine Namensähnlichkeit mit dieser 200 Jahre nach der Erwähnung bei Ptolemaios in Erscheinung tretenden Gruppe kaum aussagekräftig ist. In der neueren Forschung wird eine derartige Kontinuität nur von wenigen Historikern vertreten.

Der Name Hunnen wird in den verschiedenen Quellen oft eher allgemein gebraucht: Er diente wohl als „Prestige- und Übertragungsname“, der verschiedene Gruppen bezeichnen konnte, sodass Hunnen keine genaue ethnische Bezeichnung darstellte. In der spätantiken Geschichtsschreibung bezeichnet der Begriff Hunnen denn auch oft, wie zuvor „Skythen“, eine heterogen zusammengesetzte Gruppe, welche aus der gewaltigen Steppenregion Zentralasiens stammte, ohne dass damit eine Aussage über die ethnische Zugehörigkeit verbunden wäre. Walter Pohl hat dies folgendermaßen zusammengefasst: „Für alle europäischen Steppenvölker des ersten nachchristlichen Jahrtausends ist der pauschale Gebrauch des Namens ‹Skythen› bezeugt, der zu einer ethnographischen Kategorie geworden war.“

Priskos (dessen nur fragmentarisch überliefertes Geschichtswerk eine der wichtigsten Quellen bezüglich der Hunnen ist) bezeichnete die Hunnen unter Attila, an dessen Hof er 449 gereist war, im Rahmen klassizistischer ethnographischer Vorstellungen als „Skythen“. An anderer Stelle in seinem Werk berichtet er aber auch von „kidaritischen Hunnen“, die die Ostgrenze Persiens im 5. Jahrhundert bedrohten. So kämpften um 350 die persischen Sassaniden gegen Nomaden, die man Chioniten nannte; das mittelpersische Wort Xyon leitet sich wohl vom Begriff „Hunne“ ab und gab den Chioniten wahrscheinlich ihren Namen. Im 5. Jahrhundert folgten dann weitere Gruppen, die als iranische Hunnen bezeichnet werden (siehe auch die Ausführungen im Artikel Spätantike), die aber mit den um 375 nach Westen vordringenden Gruppen nicht identisch sind. Gruppen der iranischen Hunnen (eher die Alchon als die Hephthaliten) unternahmen im 6. Jahrhundert auch eine Invasion Nordindiens. Sie werden in indischen Quellen pauschal als Hunas bezeichnet und waren ein Faktor für den Zusammenbruch des Gupta-Reichs.

Diese Beispiele belegen, dass der Begriff „Hunne“ nicht auf eine feste ethnische Gruppe bezogen werden kann. Étienne de la Vaissière unterstellt jedoch die Wirksamkeit einer starken, im Altai entstandenen, vielleicht von den letzten Xiongnu, die sich dorthin (so zumindest de la Vaissière) zurückgezogen haben sollen, beeinflussten politischen, kulturellen und religiösen Identität. Allerdings ist die Herkunft der Hunnen bis heute in der Forschung umstritten, wobei die meisten Forscher eine direkte Verbindung zwischen den Xiongnu und den Hunnen, die um 375 im Westen erschienen, ablehnen (siehe das folgende Kapitel zur Herkunftsvermutung).

Von der Sprache der 375 nach Westen vorstoßenden „Hunnen“ sind nur einige spärliche Überreste erhalten. Viele Forscher vertreten die Ansicht, dass die Hunnen des 4. und 5. Jahrhunderts eine altaische, möglicherweise eine oghurische, also alttürkische, jedenfalls keine iranische oder jenisseische Sprache gesprochen haben. Andere Forscher vertreten die These, dass es sich um eine andere, inzwischen ausgestorbene Sprache gehandelt habe. Eine Studie aus dem Jahr 2025 vertritt die These, Hunnen und Xiongnu hätten eine frühe Form des Arinischen gesprochen, eine heute ausgestorbene Sprache, die zur Gruppe der jenisseischen Sprachen gehört. Ein wissenschaftlicher Konsens bezüglich der hunnischen Sprache existiert bis heute nicht. Sicher scheint nur, dass sich im Umfeld der hunnischen Elite germanisch sprechende Krieger befanden, die lange an ihren Sprachen bzw. Namen festhielten.

Einige mittelalterliche Autoren benutzten später noch Hunne als anachronistische Bezeichnung für andere Steppenvölker.

Aufgrund der sogenannten Hunnenrede Kaiser Wilhelms II. wird der Begriff Hunne (englisch Hun) im englischen Sprachraum als Schimpfwort für Deutsche benutzt.

Die Herkunft der heute im Allgemeinen als Hunnen bezeichneten Stämme hatte die ältere Forschung (angefangen im 18. Jahrhundert mit Joseph de Guignes) noch in Zusammenhang mit dem Untergang des Xiongnu-Reiches an der Nordgrenze Chinas gesetzt. Das Xiongnu-Reich hatte sich um die Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. in einen nördlichen und einen südlichen Teil gespalten. Der südliche Teil wurde zu einem chinesischen Protektorat, während das Nordreich gegen Ende des 1. Jahrhunderts unterging, der Rest der Bevölkerung ging im Volk der Xianbei auf. Während im frühen 4. Jahrhundert die südlichen Xiongnu unter Liu Cong in China agierten, verschwinden die nördlichen Xiongnu bereits Mitte des 2. Jahrhunderts endgültig aus den Quellen. Auf ebendiese nördliche Gruppe bezogen sich alle Spekulationen hinsichtlich der Entstehung der „europäischen Hunnen“.

Die neuere Forschung ist bezüglich einer Verbindung zwischen den in chinesischen Quellen belegten Xiongnu und den mehr als zwei Jahrhunderte später auftretenden Hunnen im Westen weitaus skeptischer, wenn sie diese These nicht sogar ganz aufgegeben hat. Allerdings halten auch heute noch einige prominente Forscher wie James Howard-Johnston oder Étienne de La Vaissière an der Identifikation fest bzw. gehen zumindest von einer gewissen Kontinuität aus. Hyun Jin Kim, der die Geschichte der Hunnen von einer „asiatischen Perspektive“ aus betrachtet und diesbezüglich einen hochumstrittenen Beitrag geleistet hat, ist wie de La Vaissière der Ansicht, dass Kontinuitäten bestanden hätten und dass die Hunnen des Weiteren über ein gut organisiertes Staatsgebilde verfügt hätten; allerdings sind hier mehrere Schlussfolgerungen in der Forschung in methodischer Hinsicht auf scharfe Kritik gestoßen. Doch selbst moderne Befürworter der Verbindung Xiongnu-Hunnen sehen meist eher ein kulturelles und politisches Erbe und keine „genetische Verbindung“ (das steht auch für Hyun Jin Kim oder Étienne de La Vaissière fest) der heterogen zusammengesetzten Gruppen. Doerfer kann ebenfalls keine enge sprachliche Verwandtschaft feststellen.

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