An diesem Tag

Hugo von Lincoln

Französischer Bischof

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Hugo von Lincoln (englisch Hugh of Lincoln; auch St Hugh of Lincoln oder Hugh of Avalon) (* unsicher: 1140 in Saint-Maximin (Isère); † 16. November 1200 in London) war ein Ordenspriester. In Burgund geboren, trat er in den Kartäuserorden ein und wurde 1186 Bischof der englischen Diözese Lincoln. Er wird in der römisch-katholischen und in der anglikanischen Kirche als Heiliger verehrt.

Herkunft, Jugend und Eintritt in den Kartäuserorden

Hugo war der jüngste Sohn des burgundischen Adligen Guillaume d’Avalon und seiner Frau Anne, die aus der Familie der Herren von Theys stammte. Vermutlich wurde er in Avalon, einem Dorf bei Saint-Maximin im damaligen Königreich Arelat geboren. Als seine Mutter um 1148 starb, trat sein Vater in das nahegelegene Augustiner-Chorherrenstift von Villardbenoît am Fluss Isère ein. Dabei nahm er seinen jüngsten Sohn mit in das Stift, der dort aufwuchs und im Alter von 15 Jahren die Ordensgelübde ablegte. Als Hugo Anfang zwanzig war, übernahm er das Amt eines Diakons in der Gemeinde Saint-Maximin. Wenig später besuchte er die Grande Chartreuse. Dieser Besuch im Mutterkloster der Kartäuser bewog ihn dazu, im Alter von 23 Jahren in den Orden einzutreten. Zehn Jahre später übernahm er das Amt des Schatzmeisters des Klosters.

Nachdem Hugo sechs Jahre lang Schatzmeister der Grande Chartreuse gewesen war, wurde er 1179 Prior der Kartause Witham im englischen Somerset. Diese war vom englischen König Heinrich II. wohl als Sühne für die Ermordung von Erzbischof Thomas Becket gegründet worden, doch aufgrund mangelnder Führung gedieh das Kloster nicht. Hugo wurde dem englischen König von Graf Humbert von Maurienne empfohlen, den er bereits durch frühere Verhandlungen über eine Heirat seines Sohns Johann Ohneland mit einer Tochter Humberts kannte. Zudem hatte 1179 der französische König Ludwig VII. zusammen mit Heinrich II. den Schrein von Becket in der Kathedrale von Canterbury besucht.

Ein Grundproblem der Witham Friary war, dass es Konflikte mit den dortigen Kleinbauern gab, die ihre Höfe nicht zugunsten des Klosters verlassen wollten. Hugo konnte dem König klarmachen, dass er weiteres Geld benötigte, um die Bauern großzügig zu entschädigen. Nachdem er so erfolgreich die Bauern dazu gebracht hatte, ihre Höfe zu verlassen, soll Hugo dem König mit einem Lächeln berichtet haben, dass er als armer Ausländer den König in seinem eigenen Land mit vielen Häusern bereichert hätte. Der König nahm dies nicht übel, sondern entwickelte im Gegenteil ein enges und gutes Verhältnis zu Hugo. Hugo rügte den König regelmäßig für seine Sünden, besonders, wenn er während langer Sedisvakanzen die Einkünfte von Bistümern und Abteien einbehielt. Dazu rügte er ihn, weil er freie Wahlen von Bischöfen und Äbten verhinderte und stattdessen verdiente Beamte in diese Ämter wählen ließ.

Schließlich bestimmte Heinrich II. 1186 Hugo zum Kandidaten für die Diözese Lincoln. Hugo bestand auf einer ordnungsgemäßen Wahl durch das Kathedralkapitel, worauf ihn die Kanoniker einstimmig wählten. Dazu verlangte Hugo, dass auch der Prior der Grande Chartreuse der Wahl zustimmte; daraufhin wurde eine Delegation nach Frankreich gesandt, um seine Zustimmung einzuholen. Schließlich wurde Hugo am 21. September 1186 in der St Katherine’s Chapel in Westminster zum Bischof geweiht.

Als Bischof von Lincoln, der größten und eine der reichsten englischen Diözesen, musste sich Hugo stärker mit weltlichen Angelegen befassen. Da er sehr darauf bedacht war, die Rechte der Kirche zu wahren, scheute er mehrfach auch den Streit mit den mächtigen angevinischen Königen nicht. Bereits kurz nach seinem Amtsantritt exkommunizierte Hugo den obersten königlichen Forstaufseher Geoffrey. Dieser hatte Pächter in Lincolnshire unterdrückt, doch dennoch zog sich Hugo damit den Zorn von Heinrich II. zu. Bevor dieser Streit jedoch eskalierte und das nach der Ermordung von Thomas Becket wieder mühsam verbesserte Verhältnis zwischen König und Kirche schwer belastete, suchte Hugo eine sachliche Auseinandersetzung mit dem König. Dabei entspannte er die Situation mit kleinen Scherzen und konnte so rasch die Gunst des Königs zurückgewinnen.

Im Februar 1188 nahm Hugo an der königlichen Ratsversammlung von Geddington teil, während der der König seine Kreuzzugspläne vorstellte. Im Sommer 1188 reiste er als Gesandter des Königs zum französischen König Philipp II.

Nach dem Tod von Heinrich II. im Juli 1189 nahm Hugo am 3. September an der Krönung von dessen Sohn Richard I. teil. Wenig später nahm er an der Ratsversammlung von Pipewell teil, während der der neue König die Regierung Englands regelte, während er seinen Kreuzzug nach Palästina führte. Während der Abwesenheit des Königs setzte sich Hugo 1191 für Erzbischof Geoffrey von York ein, nachdem dieser vom königlichen Justiciar William de Longchamp gefangen genommen worden war. Als Erzbischof Geoffrey jedoch Ende 1191 seinerseits Bischof Hugh de Puiset von Durham exkommunizierte, wurde Hugo von Papst Coelestin III. beauftragt, die Kirchenstrafe zu annullieren. Noch mehrfach wurde er vom Papst beauftragt, Entscheidungen in kirchlichen Streitfällen zu fällen, obwohl er diese Aufgaben ungern wahrnahm. Zusammen mit anderen Bischöfen exkommunizierte er 1194 Johann Ohneland, den Bruder des Königs, als dieser offen gegen seinen Bruder rebellierte.

Im Gegensatz zu seinem guten Verhältnis zu Heinrich II. hatte er allerdings zu Richard I. häufig ein schwieriges Verhältnis, da dieser für seine Kriege hohe finanzielle Forderungen auch gegenüber der Geistlichkeit stellte. Kurz nach der Rückkehr von Richard I. aus seiner Gefangenschaft, in die er auf der Rückreise vom Kreuzzug geraten war, stimmte Hugo 1194 der Forderung des Königs zu, dass die Diözese Lincoln einmalig 2000 £ anstelle regelmäßiger Abgaben an den König zahlen sollte. Dagegen konnte Hugo gegen den König erfolgreich seinen Anspruch auf Einsetzung des Abtes und das Patronatsrecht von Eynsham Abbey in Oxfordshire durchsetzen. 1197 kam es während einer Ratsversammlung der Bischöfe in Oxford, zu der der königliche Justiciar und Erzbischof Hubert Walter geladen hatte, zum offenen Konflikt. Hubert Walter verlangte im Namen des Königs, dass die Bischöfe 300 weitere Ritter für den Krieg in der Normandie gegen Frankreich stellen sollten. Diese Forderung lehnte Hugo ab, da die Bischöfe dazu nicht verpflichtet waren und die Forderung klar zum Nachteil der Kirche war. Dies führte dazu, dass zunächst alle Bischöfe die Forderung ablehnten, und nur mit Mühe konnte Erzbischof Walter die meisten Bischöfe überzeugen, der Forderung des Königs nachzugeben. Nur Hugo sowie Bischof Herbert Poor von Salisbury widersetzten sich weiterhin. Hugo reiste schließlich in die Normandie, wo er sich mit dem König aussöhnte, wobei er offenbar im Gegensatz zu Herbert Poor keine hohe Strafe zahlen musste. Als sich Hugo jedoch 1199 weigerte, zwölf seiner Kanoniker auf eigene Kosten im Auftrag des Königs in Ausland zu senden, ließ der erzürnte König die Temporalien der Diözese beschlagnahmen.

Die Kühnheit, mit der Hugo den mächtigen angevinischen Königen trotzte, wurde wohl nur deshalb hingenommen, weil er immer noch als Ausländer in England galt. Dazu stand er bereits zu Lebzeiten im Ruf der Heiligkeit.

Bereits als Prior, aber auch als Bischof lebte Hugo nach der Regel Papst Gregors des Großen, den er bewunderte. Dies führte dazu, dass er nicht zögerte, seine Mitmenschen für Verfehlungen offen zu tadeln. Einmal jährlich zog er sich für einige Zeit nach Witham zurück, wo er die Zeit im Gebet und mit Lesen und Meditieren verbrachte. Mehrmals stand Hugo vor schweren Gewissenskonflikten, zum Beispiel als junger Mann bei der Frage, ob er als Augustiner seinen Oberen gehorsam sein sollte oder doch seinem Wunsch folgen sollte, dem Kartäuserorden beizutreten. Auch der Erhebung zum Prior sei er nur zögernd gefolgt, da er fürchtete, weltlichen Versuchungen zu erliegen, gegen die er lange angekämpft hatte. Die Annahme der Wahl zum Bischof bereitete ihm Probleme, da er als Bischof nicht mehr nach dem Ideal der Kartäuser ein isoliertes Leben im Gebet folgen konnte. Deshalb wandte er sich an den Prior der Grande Chartreuse, worauf der Prior ihm auftrug, die Wahl anzunehmen.

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