Hugo Lederer (* 16. November 1871 in Znaim, Österreich-Ungarn; † 1. August 1940 in Berlin) war ein deutscher Bildhauer und Medailleur. Er lebte und wirkte im Berlin der Regentschaft Kaiser Wilhelms II. und der ersten deutschen Demokratie. Sein bekanntestes Werk ist das monumentale Bismarck-Denkmal in Hamburg (1902–1906).
Hugo Lederer war der Sohn des Zimmermalers Edmund Lederer und seiner Ehefrau Franziska geb. Balik. Er war verheiratet mit Anny, geb. Lauffs (1877–1952); das Paar hatte drei Kinder: Heinz (1905–1969), Hilde (1907–1984) und Helmut (* 1912).
Hugo Lederer besuchte in den Jahren 1884–1888 die k.u.k.-Fachschule für Tonindustrie in Znaim. Gleich nach seinem Abschluss engagierte ihn Adalbert Deutschmann für sein Kunstgewerbeatelier in Erfurt. Eine akademische Ausbildung hat Lederer nicht erhalten.
1890 wechselte Lederer nach Dresden in die Werkstatt des Bildhauers Johannes Schilling. Im Jahre 1892 reichte er einen Entwurf für „die Ausführung der Nischenfiguren und Reliefs für die Ostfaçade des neuen academischen Kunstausstellungsgebäudes auf der Brühlschen Terrasse“ ein. Zwei Jahre später warb ihn der Bildhauer Christian Behrens nach Breslau ab. Aber noch im selben Jahr ging Lederer nach Berlin zu Robert Toberentz.
1895 machte er sich als freier Bildhauer selbstständig und ließ sich in Berlin nieder. Für den Entwurf eines Bismarck-Denkmals für die Stadt Düsseldorf gewann er 1896 den dritten Preis. 1897 war er auf der Berliner Kunstausstellung mit mehreren Werken vertreten:
Am 6. Mai 1904 wurde er zum ordentlichen Mitglied der Wiener Secession ernannt. Die Skulptur „Der Fechter“ war von März bis Mai 1904 während der XX. Ausstellung der Secession gezeigt worden.
Eine Zeitlang – bis 1924 – wohnte und arbeitete er im Atelierhaus Siegmundshof 11 in Berlin-Tiergarten, wo August Gaul und seit 1912 auch Käthe Kollwitz ihre Bildhauer-Ateliers hatten. Danach zog er in die Knesebeckstraße 45 und erhielt Atelierräume in der Hardenbergstraße 34 in der Hochschule für bildende Künste. Seinen ersten öffentlichen Auftrag, eine Genius-Gruppe für Krefeld, erhielt er 1898. Es folgte das Bismarck-Denkmal in Wuppertal-Barmen, das am 18. Januar 1900 enthüllt wurde. 1901 gewann sein Entwurf Der Jugend den Mut, dem Alter die Weisheit (Fechterbrunnen) im Wettbewerb für einen Schmuckbrunnen auf dem Universitätsplatz zu Breslau den 2. Preis (600 Mark; kaufkraftbereinigt in heutiger Währung: rund 5.000 Euro) – er wurde zur Ausführung bestimmt und 1904 eingeweiht. Seinen größten Erfolg errang er 1902 bei dem Wettbewerb für ein kolossales Bismarck-Denkmal in Hamburg, als einer seiner zwei eingereichten Entwürfe, der gemeinsam mit dem Architekten Johann Emil Schaudt konzipierte Roland-Bismarck, mit einem Preisgeld von 10.000 Mark (kaufkraftbereinigt in heutiger Währung: rund 84.000 Euro) prämiert und zur Ausführung bestimmt wurde – die Denkmalseinweihung fand 1906 statt. Im Jahr 1903 verlieh ihm eine Jury auf der Großen Berliner Kunstausstellung die Kleine Goldmedaille.
Zusammen mit Hermann Feuerhahn und anderen Bildhauern gründete er 1905 die Werkstätten für Friedhofskunst. Im Jahre 1907 wurde er beauftragt, für das neu errichtete „Landesmuseum für die Provinz Westfalen“ in Münster das knapp überlebensgroße Reiterstandbild „St. Georg nach dem Sieg über den Drachen“ zu schaffen, das seit 1908 die Ostfassade des Gebäudes ziert. Erst als er 1909 zum Professor ernannt wurde, wählte ihn die Genossenschaft der ordentlichen Mitglieder der Königlichen Kunstakademie zum „hiesigen ordentlichen Mitglied“ der Akademie der Künste; frühere Aufnahmegesuche waren abgelehnt worden.
1910 wurde er Vierter im Wettbewerb für einen monumentalen Brunnen für Buenos Aires. Seinen Entwurf, den er mit Bezug zur Rindfleischproduktion in Argentinien gestaltet hatte, verkaufte er 1927 als Stierbrunnen/Fruchtbarkeitsbrunnen an die Stadt Berlin (Aufstellung 1934 auf dem Arnswalder Platz). Vom Wohlwollen der Kunstkritik begleitet begann er 1911 am Heine-Denkmal für Hamburg zu arbeiten; am 8. Juli 1913 wurde die 2,25 m hohe Bronze-Statue gegossen (die Aufstellung im Hamburger Stadtpark erfolgte 1926). Gleichzeitig fertigte er das Reiterdenkmal für Kaiser Friedrich III. in Aachen an. Es wurde 1911 im Beisein von Kaiser Wilhelm II. enthüllt. Dieser sorgte dann dafür, dass Lederer die Leitung der Bildhauerklasse an der Hochschule für Bildende Künste übertragen wurde, als Nachfolger von Ernst Herter. Dieses Lehramt übte er von 1916 bis 1921 aus.
Erster Weltkrieg und Weimarer Republik
Lederer gehörte ab 1915 dem politischen Club „Deutsche Gesellschaft 1914“ an. Von der 1916 gebildeten staatlichen Beratungsstelle für Kriegerehrungen wurde er als Sachverständiger in Anspruch genommen. 1915 bestellte Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg ihn und andere Künstler in das Oberkommando des Heeres an der Ostfront (Ober Ost) nach Kowno, um sich von ihnen medienwirksam porträtieren zu lassen. Vermutlich blieben ihre Leistungen hinter Hindenburgs Erwartungen zurück, denn im November 1915 wurde noch Akademiepräsident Ludwig Manzel zugezogen, und erst seine Porträt-Büste und ‑Statuette fanden Hindenburgs uneingeschränkte Zustimmung.
1919 berief die Akademie der Künste in Berlin Lederer in ihren Senat und als Nachfolger von Louis Tuaillon zum Vorsteher eines der staatlichen Meisterateliers für Bildhauerei. Lederer erhielt das große Meisteratelier an der Ostseite der Hochschule für bildende Künste. Am 13. April 1921 wurde er verbeamtet. Der „Ausschmückungs-Kommission“ des Reichstags, bestehend aus dem Reichstagspräsidenten, dem Reichstagsdirektor und einer größeren Zahl von Abgeordneten gehörte er zusammen mit Ludwig Hoffmann und Arthur Kampf als nicht-stimmberechtigter Beirat an. Am 7. Juni 1923 wurde er gemeinsam mit Albert Einstein, Max Liebermann und Felix Klein in den Orden Pour le Mérite für Wissenschaft und Künste aufgenommen. 1925 ernannte ihn die Akademie der Bildenden Künste München zum Ehrenmitglied. Er war auch Mitglied der Deutschen Gesellschaft der Wissenschaften und Künste für die Tschechoslowakische Republik. Er schuf in der Zeit von 1922 bis 1932 mehrere Werke für dortige Auftraggeber, zum Beispiel für die Hüttenwerksgesellschaft in Brno (Brünn) oder die Schicht-Werke in Ústí nad Labem (Aussig). Er schuf ein Goethe-Denkmal für Teplice (Teplitz). Die feierliche Enthüllung fand in Lederers Anwesenheit am 9. Mai 1932 statt. Schon 1910 und 1914 waren seine Werke in Brünn beziehungsweise Znaim ausgestellt worden, 1928 erneut in Brünn und 1936 in der Prager Nationalgalerie.
Als in Berlin 1926–1928 das Deutsche Sportforum erbaut wurde, sind mehrere von Lederers Plastiken mit Sport-Bezug (Ringer/Sieger von 1908, Bogenschütze von 1916/1921, Diana von 1916, Sieger von 1927, Läufergruppe von 1928) im Stadtgebiet von Berlin öffentlich aufgestellt worden, und der Amorbrunnen von 1928 auf dem Gelände des Sportforums selbst. Unter Berliner Lokalpolitikern hatte Lederer potente Gönner, darunter Oberbürgermeister Gustav Böß und Stadtbaurat Ludwig Hoffmann. So konnte er weitere post-wilhelminische Skulpturen und Anlagen zur Dekoration des öffentlichen Raumes an die Stadt veräußern: Den Bärenbrunnen am Werderschen Markt, die Säugende Bärin vor dem Rathaus Zehlendorf und den Fruchtbarkeitsbrunnen auf dem Arnswalder Platz – diese Werke existieren noch heute. Auch Großindustrielle aller Sparten bestellten Werke bei Lederer, wie zum Beispiel Friedrich Krupp (Denkmäler, Gebäudeausschmückungen, Porträtbüsten) und Friedrich Carl Duisberg (Porträt-Büste, Caritas-Brunnen). Lederer porträtierte Gustav Stresemann und wurde 1929 mit der Abformung der Totenmaske und der Gestaltung der Grabstätte des verstorbenen Friedensnobelpreisträgers beauftragt.
Für das 1924 von Reichskanzler Marx und Reichspräsident Ebert initiierte Projekt einer nationalen Gedenkstätte für die Gefallenen des Weltkriegs (Reichsehrenmal) schuf Lederer ungefragt ein Modell. Dieses wurde 1929 von Vertretern der Frontsoldaten-Verbände (Stahlhelm, Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold) im Atelier inspiziert und gutgeheißen. Als 1931 trotzdem ein Wettbewerb ausgeschrieben wurde und sein Entwurf unterlag, reagierte er mit persönlichen Ausfällen, die am 13. Juli 1932 von der Presse publik gemacht und letztlich (unter anderem von Reichskunstwart Edwin Redslob) mit einer kolportierten psychischen Erkrankung Lederers in Verbindung gebracht wurden.