Hubert Walter († 13. Juli 1205 in Teynham, Kent) war ein englischer Prälat. Als königlicher Beamter wurde er Justiciar und Lordkanzler, dazu wurde er 1189 Bischof von Salisbury und 1193 Erzbischof von Canterbury. Er gilt als einer der fähigsten Verwalter im England des 12. und frühen 13. Jahrhunderts.
Hubert Walter wurde während der Regierung von König Stephan (1136–1153) vermutlich in West Dereham in Norfolk geboren. Sein Vater war der Ritter Sir Hervey Walter, seine Mutter dessen Frau Matilda de Valognes, eine Tochter von Theobald de Valognes, Lord of Parham in Suffolk und Hickling in Norfolk. Hubert Walter hatte mindestens fünf Brüder, darunter sein Bruder Theobald Butler, der von Walter stark gefördert wurde. Bis zu seinem Tod hatte Hubert Walter enge Beziehungen zu seiner ostenglischen Heimat. Seine Tante Bertha de Valognes heiratete Ranulf de Glanville, Sheriff von Yorkshire und ab 1180 Justiciar von König Heinrich II. Hubert und sein Bruder Theobald Butler wurden von ihren Eltern zur Erziehung in den Haushalt von Glanville gegeben. Hubert besuchte nie eine Schule, doch in Glanvilles Haushalt erhielt er eine umfassende Ausbildung in Verwaltungs- und Rechtsfragen. Dort konnte er auch Kontakte knüpfen, die seine weitere Karriere wesentlich beeinflussten. Zeit seines Lebens hatte er jedoch auch Nachteile wegen seiner fehlenden schulischen Bildung. 1188 stiftete er in West Dereham das Prämonstratenserkloster St Mary für das Seelenheil seiner Familie einschließlich seiner Tante Bertha und seines Onkels Ranulf de Glanville.
Dienst unter Ranulf de Glanville
Im Gefolge seines Onkels kam Walter in den 1180er Jahren an den Königshof. Dort diente er als einer der Barons of the exchequer und zusammen mit Glanville regelmäßig als Richter am Exchequer Court. Dadurch erwarb er umfassende Kenntnisse im Rechtswesen und wurde schließlich der wichtigste Stellvertreter seines Onkels. Im seinem Onkel zugeschriebenen Rechtsbuch Tractatus de legibus et consuetudinibus regni Anglie, das zwischen 1187 und 1189 entstand, werden mehrere von Walters Urteilen erwähnt. Es wird sogar für möglich gehalten, dass Walter der eigentliche Verfasser des Werkes ist. In den letzten Jahren der Herrschaft von Heinrich II. diente er dazu in der königlichen Kanzlei sowie als königlicher Gesandter. Dabei überbrachte er Soldzahlungen für die königlichen Truppen nach Südwales oder Botschaften an den französischen König nach Frankreich. Auf Anordnung des Königs versuchte er dazu im Streit zwischen Erzbischof Balduin und den Mönchen des Kathedralpriorats von Canterbury zu vermitteln, die Balduins Gründung eines Kollegiatstiftes in Lambeth ablehnten. Während einer Vakanz der Erzdiözese York ernannte ihn der König 1186 zum Dekan von York Minster. Wenige Monate später benannte ihn das Kathedralkapitel als einen von fünf Kandidaten für das Amt des Erzbischofs von York, doch der König lehnte sowohl Walter wie auch die anderen vier Kandidaten ab.
Wahl zum Bischof von Salisbury
Als 1189 Richard Löwenherz englischer König wurde, wurde Ranulf de Glanville als Justiciar entlassen. In der Folge verloren auch viele von dessen Gefolgsleuten und Beamten ihre Ämter. Walter blieb auch unter dem neuen König in dessen Gunst. Zwar ernannte auch er nicht Walter, sondern seinen Halbbruder Geoffrey zum neuen Erzbischof der immer noch vakanten Erzdiözese York, doch Walter wurde stattdessen auf Anordnung des Königs am 15. September 1189 zum neuen Bischof von Salisbury gewählt. Am 22. Oktober 1189 wurde Walter von seinem langjährigen Freund Erzbischof Balduin in der St Katherine's Chapel in Westminster zum Bischof geweiht.
Auch als Bischof wurde Walter erneut in den Streit zwischen Erzbischof Balduin und den Mönchen des Kathedralpriorats von Canterbury verwickelt, doch um seine Diözese konnte er sich kaum kümmern. Wie sein Onkel Ranulf de Glanville und zahlreiche von dessen Freunden legte er ein Kreuzzugsgelübde ab und schloss sich dem Dritten Kreuzzug unter Richard Löwenherz an. Bis zur Abreise des Königs im Dezember 1189 blieb Walter fast ständig in dessen Gefolge. Danach besuchte er vermutlich kurz seine Diözese, ehe er vor März 1190 in die Normandie übersetzte, wo er erneut den König traf. Anschließend reiste er erneut nach England, doch nach kurzem Aufenthalt war er am 3. Juli wieder in der Normandie. Am 5. August schiffte er sich in Marseille für die Seereise nach Palästina ein. Zusammen mit seinem Onkel Ranulf und Erzbischof Balduin erreichte er am 16. September 1190 Tyros. Anfang Oktober schlossen sie sich dem Belagerungsheer an, dass das muslimisch besetzte Akkon belagerte. Im Belagerungsheer herrschten katastrophale hygienische Zustände. Noch vor Ende November 1190 waren mit Ranulf de Glanville, Erzbischof Balduin und dem Earl of Derby alle Führer des englischen Kontingents an Krankheiten gestorben. Als Bischof von Salisbury wurde Walter nun bis zur Ankunft König Richards der Anführer der englischen Kreuzfahrer vor Akkon. Rasch ergriff er Maßnahmen, um die Lage der Belagerungstruppen zu bessern. Als Testamentsvollstrecker von Balduin verwendete er dessen Besitztümer, um den Truppen ihren ausstehenden Sold zu zahlen und um Lebensmittel für die einfachen Fußsoldaten zu kaufen. Er kümmerte sich sowohl um die Seelsorge der Kreuzfahrer, führte aber auch Angriffe auf die Truppen von Sultan Saladin, die die Belagerungstruppen eingeschlossen hatten. Durch diese Maßnahmen steigerte er die Moral der Kreuzfahrer, und als König Richard im Juni 1191 in Akkon eintraf, fand er die Truppen in wesentlich besseren Zustand vor, als Walter sie bei seiner Ankunft vorgefunden hatte.
Nach der Ankunft des Königs stieg Walters Ansehen innerhalb des Kreuzfahrerheeres weiter an. In mehreren Kämpfen zeichnete er sich durch Tapferkeit aus, dazu vermittelte er erfolgreich zwischen den einander misstrauenden Führern der Kreuzzugskontingente aus England, aus Deutschland und vor allem aus Frankreich. Als König Richard im August 1192 erkrankte, handelte er einen Waffenstillstand mit den Muslimen aus. Kurz darauf war er führend an den Verhandlungen beteiligt, die zum Vertrag von Ramla führten, das die Kämpfe des Dritten Kreuzzugs beendete. Nach Abschluss dieses Abkommens erfüllte Walter sein Kreuzzugsgelübde und führte eine der ersten Pilgergruppen, die das den abendländischen Christen offenstehende Jerusalem besuchte. Zusammen mit König Richard verließ er im Oktober 1192 das Heilige Land. Während der König jedoch einen anderen Weg wählte, reiste Walter über Sizilien nach Rom, wo er im Januar 1193 Papst Cölestin III. besuchte. Vermutlich noch in Rom erreichten ihn erste Gerüchte über die Gefangennahme Richards in Österreich. Walter reiste sofort nach Deutschland. In Begleitung von William de Ste Mère-Église, einem Beamten des Schatzamtes, war er spätestens Ende März 1193 in Speyer, wo Richard in die Gefangenschaft Kaiser Heinrichs VI. gebracht worden war. Damit war er der erste von Richards Untertanen, die den König nach seiner Gefangennahme erreichten. Sofort bemühte sich Walter um Verhandlungen für eine Freilassung des Königs. Mit Briefen des Königs an seine Mutter Eleonore von Aquitanien und an den Justiciar Walter de Coutances brachen er und Ste Mère-Église nach England auf, das sie im April erreichten. In den Briefen traf der König erste Anordnungen, um das geforderte Lösegeld zu beschaffen. In einem weiteren Brief an die Mönche des Kathedralpriorats von Canterbury, den Ste Mère-Église überbrachte, befahl der König die Wahl von Walter als Nachfolger des vor Akkon verstorbenen Balduins zum Erzbischof.
Wahl zum Erzbischof und Ernennung zum Justiciar
Die Mönche des Kathedralpriorats kamen der Aufforderung des Königs nach und wählten Walter am 28. Mai 1193 in Canterbury zum neuen Erzbischof, einen Tag, bevor zu diesem Zweck in London eine königliche Ratsversammlung stattfand. Am 29. Mai unterrichten das Kathedralpriorat die Ratsversammlung über die Wahl von Walter zum neuen Erzbischof, worauf die anwesenden Suffraganbischöfe der Kirchenprovinz Canterbury der Wahl zustimmten. Auch der Papst stimmte der Wahl von Walter zu, und am 7. November 1193 wurde Walter vom päpstlichen Nuntius als Erzbischof eingesetzt und erhielt das Pallium. An Weihnachten 1193 traf zudem die Nachricht ein, dass der gefangene König Walter zudem zum neuen Justiciar ernannt hatte.