Hubert Oswald Stier (* 27. März 1838 in Berlin; † 25. Juni 1907 in Hannover) war ein deutscher Architekt, Baubeamter und Hochschullehrer. Er baute vorwiegend im Stil der Neorenaissance Bahnhöfe, Museumsbauten und Kirchen, vor allem in Berlin und Hannover.
Hubert Stier war der Sohn des Berliner Architekten Wilhelm Stier (1799–1856) und dessen Ehefrau Dorothea Carolina Sophia, geb. Oswald (1801–1863). Sein Vater war Professor an der Berliner Bauakademie und Mittelpunkt eines hunderte Studenten umfassenden Bewundererkreises, des heute noch existierenden Akademischen Vereins Motiv. Schon als Neunjähriger wurde er von seinem Vater zu dessen Vorlesungen in der Bauakademie und zu den Vereinssitzungen mitgenommen und studierte folgerichtig selbst Architektur. Nach dem Reifezeugnis erhielt er von 1855 bis 1856 die erste Ausbildung im Atelier seines Vaters. Nach dem anschließenden Studium an der Bauakademie in Berlin, das er 1858 mit der Bauführerprüfung abschloss, unternahm er 1862 eine Studienreise durch Deutschland und Österreich. Anschließend arbeitete er als Bauführer in verschiedenen Stellungen, u. a. beim Bau der Anatomie. Im Büro des Architekten Hermann Friedrich Waesemann war er von 1863 bis 1864 beteiligt beim Bau des Roten Rathauses in Berlin-Mitte. Er besuchte wieder die Bauakademie, wo er insbesondere Unterricht bei Heinrich Strack hatte und legte 1866 die Baumeisterprüfung ab. Nach erneuten Studienreisen zwischen 1866 und 1868 nach Frankreich und Italien wurde er 1868 Regierungsbaumeister in Berlin und war bis 1876 auch als Privat-Baumeister tätig. Von 1872 bis 1874 war er Direktor der Charlottenburger Baugesellschaft.
1876 ging er als Regierungsbaumeister nach Hannover zur Königlichen Eisenbahn-Direktion, wo er für den zweiten Entwurf des neu zu erbauenden Hauptbahnhofs der Stadt verantwortlich zeichnete. Der erste Entwurf des Berliner Architekten Friedrich Hitzig war am politischen Widerstand der Hannoverschen Bürgervereine gescheitert. Stiers Planung verband den Berliner Entwurf mit dem Rundbogenstil der Hannoverschen Architekturschule und eigenen Ideen. Die technische Ausführung des Hauptbahnhofs mit der der Zeit weit vorauseilenden Konzeption von Gepäck- und Personentunnel unter einem hochgelegten Gleiskörper, die außerhalb des Deutschen Reiches später als Hannover-System bezeichnet wurde, entwarf Ernst Grüttefien.
1880 wurde Hubert Stier Lehrer an der Technischen Hochschule Hannover, 1883 Professor, 1899 Baurat und 1905 Geheimer Baurat.
Unterdessen war Stier, der 1893 unter der Adresse Lützowstraße 1 in Hannover wohnte, das Ehrenkreuz von Schwarzburg 2. Klasse verliehen worden.
Neben Bauten von Geschäftshäusern in Hannover zeichnete Stier verantwortlich für zahlreiche Bauten.
Hubert Stier wurde auf dem Neuen St.-Nikolai-Friedhof in Hannovers Stadtteil Nordstadt begraben.
1866: Gründungsmitglied der Deutschen Bauzeitung
Ab 1869: Mitglied im Architektenverein zu Berlin, wo er sich mehrmals an den Monatskonkurrenzen beteiligte.
Ab 1878: Mitglied im Architekten- und Ingenieurverein in Hannover.
1899: Aufnahme als Ehrenmitglied in die Bauhütte zum weißen Blatt in Hannover
1903: Gründungsmitglied des Bundes Deutscher Architekten (BDA)
Hubert Stier war verheiratet mit Caroline Luthmer. Sie hatten mehrere Kinder. Der Sohn Hubert Wilhelm Ferdinand Stier (1886–1946) wurde Regierungsbaumeister und der Sohn Rudolf Wilhelm Oswald Stier (1890–1966) wurde Gartenarchitekt (Stadthallengarten in Kassel). Die Tochter Hedwig Karoline (* 1877) heiratete den Regierungsbauführer Walter Ludwig Eduard Hoffmann, deren Sohn Hubert Hoffmann ebenfalls Architekt wurde.
1872–1874: Flora-Etablissement in (Berlin-)Charlottenburg (nach Entwürfen von Johannes Otzen, 1904 abgerissen)
Um 1872: Entwurf für ein Kriegerdenkmal in (Berlin-)Charlottenburg, Ausführung durch den Bildhauer Albert Wolff, Denkmalschutz
1872–1877: Restaurierung des Doms zu Limburg a.d. Lahn
1875–1876: Mietshaus Bülowstraße 37 in Berlin-Schöneberg, Denkmalschutz
1875–1877: Herz-Jesu-Kirche (Berlin-Charlottenburg), Denkmalschutz