An diesem Tag

Hrabanus Maurus

Erzbischof von Mainz und Leiter der dortigen Klosterschule; Verfasser zweier lateinischsprachiger Enzyklopädien

Anúncio

Hrabanus Maurus (auch: Rabanus oder Rhabanus, auch deutsch Hraban oder Raban, Rhaban; * um 780 in Mainz; † 4. Februar 856 in Winkel im Rheingau) war ein deutscher Mönch und von 822 bis 842 Abt des Klosters Fulda, Priester und Mainzer Erzbischof, Universalgelehrter, Lehrer und Autor. Als Gelehrter, Abt und Erzbischof gehört er zu den bedeutenden Gestalten der als karolingische Renaissance bezeichneten Umbruchzeit des 9. Jahrhunderts und stand in einem Nahverhältnis zu Kaiser Ludwig dem Frommen und dessen Gemahlin Kaiserin Judith, später auch zu Kaiser Lothar I. und dessen Gemahlin Kaiserin Irmingard, denen er auch einzelne seiner Werke widmete.

Hrabanus wurde um 780, nach Eckhard Freise erst „etwa 783“, als Sohn adeliger Eltern in Mainz geboren. Schon als Kind mit höchstens acht Jahren wurde er von seinen Eltern als puer oblatus in die Obhut des Klosters Fulda übergeben und besuchte ab 788 zur religiösen und wissenschaftlichen Erziehung die Schule des damals aufblühenden, aber noch keineswegs auf dem Gipfel seines später unter seiner eigenen Leitung gewonnenen Ruhmes angelangten Benediktinerklosters Fulda.

Nach erfolgter Ausbildung konnte er bereits früh am Hof Karls des Großen als Gelehrter glänzen. Hier wurde er von dem berühmten Gelehrten Alkuin, dem Leiter der kaiserlichen Hofschule zu Aachen, gefördert. Alkuin nannte ihn „Maurus“, wie auch der Ordensgründer Benedikt seinen Lieblingsschüler genannt hatte. Als Alkuin sich in seinen letzten Lebensjahren in das ihm übertragene Kanonikerstift Saint-Martin de Tours begab, folgte ihm Hrabanus, um dort Bibel-, Liturgie- und Rechtsstudien zu betreiben.

801 erhielt er die Diakonatsweihe und wurde noch vor Alkuins Tod 804 Lehrer an der Klosterschule seines Heimatklosters Fulda, später (wohl 818) wurde er deren Leiter. 814 hatte er die Priesterweihe erhalten.

Unter seinen Schülern waren bedeutende Autoren der dritten Karolingergeneration: Rudolf von Fulda, Lupus von Ferrières, Ermenrich von Ellwangen, Gottschalk von Orbais, Walahfrid Strabo, Hartmut von St. Gallen und Otfried von Weißenburg.

In der Zeit als Leiter der Klosterschule (bis 822) verfasste Hrabanus Schriften von großer thematischer Vielfalt. Sie gliedern sich in Bibelkommentare, Briefe, Gedichte, Hymnen, Predigten, Lehrschriften, dogmatische (darunter liturgietheoretische), kirchenrechtliche und hagiographische Schriften sowie Schriften zu politischen Streitfragen der Epoche. Das berühmteste Werk ist der Figurengedichtzyklus De laudibus sanctae crucis („Vom Lob des Heiligen Kreuzes“, fertiggestellt 814), ein Opus geminum. Es ist noch heute in Abschriften erhalten, die direkt unter der Aufsicht Hrabanus’ angefertigt worden sein dürften; das wichtigste Exemplar mit eigenhändigen Einträgen des Verfassers wird in der Vatikanischen Bibliothek aufbewahrt (Città del Vaticano, Biblioteca apostolica Vaticana, Vat. lat. 124). Von seiner Tätigkeit als Leiter der Schule zeugt sein 819 erschienenes dreibändiges Werk De institutione clericorum („Von der Ausbildung der Geistlichen“). An dieses Werk schließen sich später De sacris ordinibus und De ecclesiastica disciplina an.

Den größten Teil des Werkes machen Bibelkommentare aus, die nahezu das gesamte Alte und Neue Testament umfassen. Im engeren Sinne theologische Schriften sind De videndo deo, de puritate cordis et de modo poenitentiae, De praedestinatione, De anima sowie De passione Domini. Zur Liturgietheorie zählen De benedictionibus Dei, De divinis officiis, De Eucharistia, De corpore et sanguine Domini, das Opusculum de sacramentis, der Commentarius in Cantica laudum in matutinis sowie De coena. In den Bereich Hagiographie fällt sein Martyrologium. Kirchenrechtliche Fragen werden behandelt in De oblatione puerorum, in Quota generatione conubium licitum sit, in den Responsa canonica super quibusdam interrogationibus Reginbaldi episcopi, in De consanguineorum nuptiis et de magorum praestigiis falsisque divinationibus, in zwei Werken mit dem Titel Paenitentiale (an Erzbischof Otgar von Mainz und an Bischof Heribald von Auxerre). Der Streit mit Gottschalk von Orbais, der aus dem Kloster entlassen werden wollte, aber schließlich am erbitterten Widerstand Hrabans scheiterte, um die Oblation (Darbringung) von Kindern an Klöster durch ihre Eltern und die Frage der Bindewirkung einer solchen Entscheidung wird geführt in De oblatione puerorum, im oben erwähnten De praedestinatione sowie in Brief 42 an Markgraf Eberhard von Friaul. In die zeitgeschichtlichen Konflikte zwischen Kaiser Ludwig dem Frommen und seinen Söhnen greifen zu Gunsten des Kaisers ein De reverentia filiorum erga patres et subditorum erga reges und De virtutibus et vitiis.

Außer De laudibus sanctae crucis verfasste Hrabanus Maurus zahlreiche weitere metrische und akzentrhythmische Gedichte, zum Teil in seltenen Versmaßen, darunter zahlreiche Altartituli sowie Epitaphien, darunter eines für das Reliquiengrab des heiligen Bonifatius in der Kirche S. Maria zu Mainz, dessen Stele mit Relief des Heiligen, rückseitigem Kreuz und der Inschrift sancta crux nos salva (Heiliges Kreuz, errette uns) sich in Mainz erhalten hat (sogenannter „Priesterstein“).

Auch Briefe haben sich in größerer Zahl erhalten.

Neben De Laudibus sanctae crucis war das wohl erfolgreichste Werk Hrabans seine um 842 fertiggestellte Enzyklopädie De rerum naturis in 22 Büchern, die, stark angelehnt an die Etymologiae des Isidor von Sevilla (um 570–636), unter anderem den Menschen (mit seiner Anatomie und seinen Krankheiten), die Gestirne sowie das Pflanzenreich (mit 23, beinahe wörtlich von Isidor übernommenen, Heilpflanzen-Beschreibungen im 19. Buch) in einen kosmischen Zusammenhang stellt. Ihre umfangreiche handschriftliche Überlieferung erstreckt sich vom 9. bis zum 15. Jahrhundert und weist mehrere illustrierte Exemplare auf, darunter als ältestes die berühmte Abschrift des 11. Jahrhunderts aus Monte Cassino (Montecassino, Biblioteca dell’Abbazia, cod. 132, ca. 1022/23). Bereits kurz vor 1467 erschien in Straßburg der erste Inkunabeldruck bei Adolf Rusch. Das Werk diente in erster Linie als Hilfsmittel der Bibelexegese. Ob die Illustrationen auf Hrabanus zurückgehen, ist umstritten, aber nicht unwahrscheinlich. Der Mainzer Wissenschaftler Franz Stephen Pelgen entdeckte gemäß einer Mitteilung des Bistums Mainz Ende Juni 2011 in der Mainzer Martinus-Bibliothek ein weiteres Handschriftenfragment des 9. Jahrhunderts aus diesem Werk.

Schriften zur Zeitrechnung und zur Grammatik entstammen ebenso dem Schulbetrieb.

Dass Hrabanus auch an der Entstehungsgeschichte des Fuldaer Sakramentars beteiligt war, und zwar als Kompilator eines Gregorio-Gelasianums, legt neben weiteren Indizien vor allem das Frontispiz des Fuldaer Sakramentars der Universitätsbibliothek und Niedersächsischen Landesbibliothek Göttingen nahe.

Zwar sind keine volkssprachlichen Texte von Hrabanus erhalten, doch gilt er als Förderer des zu seiner Zeit feststellbaren Bemühens um Verschriftlichung der Volkssprache für Zwecke der Schule und der Seelsorge in Fulda.

Am 15. Juni 822 wurde er für zwanzig Jahre Abt des Klosters Fulda, das damals unter Einschluss der Nebenklöster insgesamt über 600 Mönche und weitere Personen beherbergte. Er vergrößerte die Klosterbibliothek und baute die Klosterschule zu einer der renommiertesten im Fränkischen Reich aus. Die Kirchen- und Reliquienschätze vermehrte er bedeutend, ebenso die Reliquien dem Kloster Fulda zugehöriger Klöster (Kloster Solnhofen, Kloster Roßdorf und Kloster Holzkirchen). Er ließ den verstreuten Grundbesitz des Klosters in einer großangelegten Sammlung der Urkunden, einem achtbändigen sogenannten Chartular, erfassen und organisierte die Güterverwaltung durch ein hierarchisches System von Fronhöfen und Oberfronhöfen. Außerdem kümmerte er sich um die seelsorgerliche Versorgung der Bauern und ließ etwa 30 Kirchen und Kapellen errichten, darunter im Jahre 836 auch die Grabeskirche der Lioba St. Peter auf dem Petersberg bei Fulda. Fulda entwickelte sich unter seiner Leitung zu einem führenden kirchlichen Zentrum, wozu die von Hrabanus gepflegten engen Beziehungen zum Kaiserhaus beitrugen. Er übernahm immer wieder Aufgaben im Reichsdienst, die ihn vor allem in den späteren Jahren seines Abbatiats zu längerer Abwesenheit von seinem Kloster zwangen. Als entschiedener Verfechter des Reichseinheitsgedankens war er ein Gefolgsmann zunächst von Kaiser Ludwig dem Frommen, nach dessen Tod dann von Kaiser Lothar I., jedoch nicht von Ludwig dem Deutschen, zu dessen Herrschaftsbereich Fulda gehörte. Als er in die Auseinandersetzungen zwischen Ludwig dem Frommen und dessen Söhnen hineingezogen wurde, trat er 842 von seinem Amt als Abt zurück und zog sich als Gelehrter in die Propstei St. Peter auf dem Petersberg zurück.

Anúncio

Bald in der World in Stories App

Audio, Offline-Download, keine Werbung und mehr.

Premium entdecken
Hrabanus Maurus | World in Stories