An diesem Tag

Horst Stern

Deutscher Journalist, Filmemacher und Schriftsteller

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Horst Stern (geboren am 24. Oktober 1922 in Stettin; gestorben am 17. Januar 2019 nahe Passau) war ein deutscher Wissenschaftsjournalist, Filmemacher, Schriftsteller und Kolumnist.

Stern war Chefredakteur und Herausgeber mehrerer Zeitschriften und Autor zahlreicher Essays und Bücher über die heimische Tierwelt und den Umweltschutz. In den 1970er Jahren schuf er als Drehbuchautor, Regisseur und Moderator die Dokumentarfilmserie Sterns Stunde für das Erste Deutsche Fernsehen. Im Rahmen seines Engagements für den Umweltschutz war er 1975 ein Mitbegründer des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland, beteiligte sich 1982 daran, die Deutsche Umweltstiftung ins Leben zu rufen, und war 1988 Mitinitiator und Teilnehmer an der Gründungsversammlung des Ökologischen Jagdvereins Bayern e. V. (ÖJV Bayern). 1984 zog er sich aus seiner journalistischen Arbeit zurück und wanderte nach Irland aus. Dort verfasste er in den 1980er- und den 1990er-Jahren Romane und Kurzgeschichten. Sein biografischer Roman Mann aus Apulien wurde ein Bestseller. Der Schriftsteller Stern war Mitglied im PEN-Zentrum Deutschland. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland im Jahr 2000 lebte er in Passau.

Über die frühe Zeit des Lebens von Horst Stern ist ebenso wenig bekannt wie über sein Privatleben. Ludwig Fischer gab im Jahr 1997 unter dem Titel Unerledigte Einsichten ein Buch über den Journalisten und Schriftsteller heraus. Ein Jahr später wurde in der Reihe Zeugen des Jahrhunderts im Projekt Gedächtnis der Nation ein Zeitzeugeninterview veröffentlicht, das Thomas Hocke mit ihm geführt hatte. Buch und Interview gaben der Öffentlichkeit zahlreiche Hintergrundinformationen insbesondere über die Entstehungsgeschichten seiner zahlreichen publizistischen Projekte.

Horst Stern wurde vier Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkrieges in Hinterpommern geboren und wuchs zunächst dort bei seiner Mutter auf. Seinen Vater habe er nie kennengelernt, weil sich die Mutter bald wieder scheiden ließ. Auch habe sie – eine „schlichte Frau“, deren Vater Schmied war – nie mit ihm „über diesen Mann“ gesprochen.

Nach Besuch der Grundschule sei er auf das humanistische Gymnasium in Gollnow gekommen. Vier Jahre später heiratete die Mutter erneut und zog mit Mann und Kind nach Berlin. Dort besuchte Stern eine Oberrealschule. Weil die Familie in wirtschaftlich beengten Verhältnissen lebte und er „sehr gute Leistungen in der Schule erbracht“ habe, habe er ein Stipendium erhalten.

Ursprünglich an den Fächern Physik, Chemie und Mathematik interessiert, wandte Stern sich später hauptsächlich den Fächern Deutsch und Geschichte zu. Klagen der Lehrer über sein Nachlassen in anderen Fächern scherten ihn nicht. Das Stipendium wurde gestrichen, was den Schulbesuch „schwierig“ machte. Zudem war Stern „schulmüde“ geworden. So wurde er 1938 mit der mittleren Reife von der Schule genommen. Was er „da wegwarf“, sei ihm damals nicht bewusst gewesen. Im selben Jahr begann er auf Anraten seines Stiefvaters eine Banklehre.

Nach Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde Stern zum Reichsarbeitsdienst eingezogen. Von dort hätte er zu den Sturmpionieren übernommen werden sollen. Das wollte er nicht und weil die Fallschirmtruppen große Verluste gehabt und, wie Stern es nannte, „neues Menschenmaterial“ gebraucht hätten, sei er dem Ruf nach Freiwilligen gefolgt. Er spreche nicht gern über seine Kriegserlebnisse und auch, wenn es einem „wortgewandten Menschen nicht schwer“ falle, „sie im Nachhinein aufzuhöhen und ihnen wichtige Entscheidungseigenschaften beizumessen“, wolle er das nicht, „weil es nicht stimmt“. Er habe „unglaublich grausame Dinge gesehen“, möge es aber „nicht deuten“. Was ihm der Krieg eingebracht habe, seien ein „anhaltender Horror und eine Abneigung vor Gewalt“.

Als Fallschirmjäger wurde er unter anderem in Nordafrika eingesetzt. Schließlich geriet er auf Umwegen in amerikanische Kriegsgefangenschaft und wurde in das Lager Breckinridge in die USA verbracht. Anders als in anderen Lagern seien er und seine Mitgefangenen „niemals demokratisch indoktriniert“ worden. Stattdessen hätten sie „alle Möglichkeiten“ erhalten, sich „zu bilden“. Die Universitäten seien für jene, „die des Englischen einigermaßen mächtig waren“, geöffnet worden, sie hätten „Bücher kaufen“ und sich „Grammophone besorgen“ dürfen. Auch habe es eine Bibliothek gegeben. Stern habe, weil er „ganz gut Englisch konnte, in dieser Zeit als Dolmetscher gearbeitet“, weil „Leute gesucht“ worden waren, „die vermitteln konnten zwischen den Amerikanern und den Gefangenen“. Schließlich habe er an der Universität Chicago ein Fernstudium begonnen und es mit dem Geld, das er als Dolmetscher verdiente, bezahlen können. Die gewählten Fächer – angelsächsisches Recht und Literatur – hätten ihn weniger interessiert, aber er wollte sein Englisch „vervollkommnen“, denn er rechnete damit, es könnte später, nach seiner Rückkehr, in Deutschland nützlich sein.

Als er 1948 aus der Gefangenschaft entlassen wurde, gehörte seine Geburtsstadt Stettin zu Polen und so ging er zunächst nach Berlin. Da sei „niemand mehr“ gewesen, den er noch kannte. Die Mutter habe in Hamburg gewohnt. Er aber sei nach Süddeutschland gegangen, weil dort Fritz Grube lebte, ein Architekt, den er aus der Gefangenschaft kannte. Der habe ihn mit „nach Ludwigsburg zur Militärregierung“ genommen.

Nach seiner Rückkehr nach Deutschland war Stern zunächst als „Dolmetscher der US Army in Ludwigsburg“ tätig. Durch seine Arbeit am dortigen Militärgericht war er in Kontakt mit Journalisten gekommen und habe schließlich den Wunsch entwickelt, selbst zu schreiben. Dieser Wunsch hatte nicht nur, aber auch damit zu tun, dass ihm klar war, seine Dolmetschertätigkeit würde auf Dauer keine Zukunft haben können. Zunächst wurde er Gerichtsreporter bei den Stuttgarter Nachrichten. Bei diesem Wechsel in den Journalismus kam ihm ein Zufall zu Hilfe. Ein Verfahren beim Militärgericht, das im Jahr 1950 „große Aufmerksamkeit“ erregt hatte, war für die meisten deutschen Journalisten schwer zu verstehen. Stern dagegen kamen nicht nur seine Englischkenntnisse zugute, sondern auch sein Studium des angelsächsischen Rechts und die fast dreijährige Erfahrung bei diesem Gericht, so dass er mehr als andere etwas von der schwierigen „Prozeßmaterie verstand“. Deshalb seien, so behauptete Stern, die Stuttgarter Nachrichten „für die ganze Dauer des Prozesses das einzige Blatt“ gewesen, das als „verläßlich […] in der Berichterstattung“ galt. Von nun an schrieb er für diese Tageszeitung „jahrelang Gerichtsberichte“.

In seiner Redaktion begegnete Stern Wolfgang Bechtle. Mit ihm freundete er sich an und begann, dessen Interesse an der Tierwelt zu teilen. Wie Bechtle baute er sich ein Gehege, in dem er sich „einheimische Tiere“ hielt. Deren Verhalten konnte er dadurch in Ruhe studieren, achtete aber darauf, „sie nicht an sich zu binden und als Schmusetier zu missbrauchen“. Diese von Bechtle begleiteten Anfänge wurden bestimmend für seinen weiteren Lebensweg. Seitdem stritt er sein ganzes Berufsleben lang mit verschiedenen Mitteln „gegen Wald- und Artensterben, gegen Massentierhaltung und Gentechnik“.

1955 verließ Stern die Stuttgarter Nachrichten, ausgelöst durch einen Eklat, über den Stern 1998 im Zeitzeugeninterview ausführlich berichtete. Es sei „eigentlich eine Lappalie“ gewesen, aber er konnte sich über die Publikation einer von ihm recherchierten Geschichte gegen seinen Chefredakteur nicht durchsetzen, verlor die Beherrschung und kündigte.

Danach wurde er bei dem Familienunternehmen des Delius Klasing Verlages Redaktionsberater und betreute in verschiedenen Funktionen mehrere Zeitschriften. Der Verlag gab Fachzeitschriften heraus. Deren Problem sah Stern 1997 darin, dass „dort unter Umständen sehr gute Fachleute“ seien, doch „die guten Journalisten“ seien „anderswo“. Weil damals auch in den Fachzeitschriften „guter Journalismus wichtiger wurde“ und Stern sich inzwischen einen Namen gemacht hatte, wurde er eingesetzt, wenn andere Chefredakteure „scheiterten“.

Stern habe, so Ludwig Fischer 1997, seine „journalistische Arbeit immer wieder sozusagen am eigenen Leib erprobt“. Er habe Tiere gehalten, wenn er über Tiere schrieb, sei segeln gewesen, als er die „Yacht gemacht“ habe, und habe „das Reiten von der Pike auf gelernt, um die Reitlehre zu schreiben“. Und als er anfing, über „Ökologie zu schreiben“, hatte er „sieben Jahre lang […] die Stelle eines Naturschutzbeauftragten wahrgenommen“. In der Naturwissenschaft wähnte Stern „die neue Religion“ – „und ich habe verdammt noch mal Recht behalten damit“, polterte er zwanzig Jahre später. In den 1970er Jahren sei „das öffentliche Leben noch nicht so von Wissenschaft durchdrungen“ gewesen.

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