An diesem Tag

Horst Seehofer

Deutscher Politiker (CSU), Ministerpräsident a. D. von Bayern

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Horst Lorenz Seehofer (* 4. Juli 1949 in Ingolstadt) ist ein ehemaliger deutscher Politiker (CSU). Er war von 2008 bis 2019 Parteivorsitzender der CSU und ist seitdem ihr Ehrenvorsitzender.

Auf Bundesebene gehörte Seehofer vier Bundesregierungen an. Er war von 1992 bis 1998 Bundesminister für Gesundheit in den Kabinetten Kohl IV und Kohl V, von 2005 bis 2008 Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz im Kabinett Merkel I und zuletzt von 2018 bis 2021 Bundesminister des Innern, für Bau und Heimat im Kabinett Merkel IV.

Auf bayerischer Landesebene war er von 2008 bis 2018 Bayerischer Ministerpräsident. In dieser Funktion war Horst Seehofer von November 2011 bis Oktober 2012 Präsident des Bundesrates. Als dieser führte er nach dem Rücktritt von Christian Wulff von Februar bis März 2012 die Amtsgeschäfte des Bundespräsidenten.

Von 1980 bis 2008 war Seehofer Mitglied des Deutschen Bundestages und von 2013 bis 2018 Mitglied des Bayerischen Landtags.

Horst Seehofer und seine drei Geschwister wuchsen in Ingolstadt in konservativ-katholisch geprägten Familienverhältnissen auf. Sie waren Arbeiterkinder, der Vater Lorenz Seehofer war Lkw-Fahrer und Bauarbeiter, die Mutter Grete Seehofer war Hausfrau. Horst Seehofer war von 1974 bis 1982 mit Christine „Christl“ Hildegard verheiratet. Seit 1985 besteht seine zweite Ehe mit der Verwaltungsangestellten Karin Seehofer. Mit ihr hat Seehofer drei Kinder, Ulrike (* 1986), Andreas (* 1988) und die FDP-Politikerin Susanne (* 1991). Er hat eine 2007 geborene Tochter aus einer außerehelichen Beziehung mit der Büroleiterin Anette Fröhlich.

Er ist römisch-katholischer Konfession und hat seinen Wohnsitz im Ingolstädter Stadtteil Gerolfing.

Ausbildung und berufliche Tätigkeit (1961 bis 1980)

Von 1961 bis 1965 besuchte er bis zur mittleren Reife die Freiherr-von-Ickstatt-Knabenrealschule in Ingolstadt. Anschließend absolvierte er eine Lehre zum Amtsboten (Besoldungsgruppe A 1) in der Kommunalverwaltung von Ingolstadt. In seiner Freizeit spielte er Handball beim ESV Ingolstadt. Die Verwaltungsprüfung für den mittleren Dienst bestand Seehofer 1967 an der Bayerischen Verwaltungsschule in München. 1970 stieg er als Kommunalbeamter in den gehobenen Dienst als Verwaltungsinspektor auf. Von 1974 bis 1980 war Seehofer Geschäftsführer des Planungsverbandes und des Rettungszweckverbandes der Planungsregion Ingolstadt und für die Landratsämter Ingolstadt und Eichstätt in leitender Verwaltungsfunktion beruflich tätig. Seehofer bezeichnet sich selbst als „Erfahrungsjuristen“.

1979 beendete er nebenberuflich die Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie in München (als Jahrgangsbester) mit dem Abschluss Verwaltungs-Betriebswirt (VWA). Von 1980 bis 2014 (Erreichen des Pensionsalters) war Horst Seehofer als bayerischer Kommunalbeamter beurlaubt.

Partei und Abgeordnetentätigkeit

Nach seinem Eintritt in die Junge Union 1969 trat er 1971 auch in die CSU ein. Von September 1994 bis zu seiner Wahl zum Vorsitzenden der CSU im Oktober 2008 war er stellvertretender Vorsitzender der CSU. Zudem war er Vorsitzender der Arbeitnehmer-Union der CSU (CSA). Nach der Erklärung von Edmund Stoiber im Januar 2007, im September 2007 sowohl den Parteivorsitz als auch das Amt des Ministerpräsidenten abgeben zu wollen, gab Seehofer bekannt, für den Parteivorsitz kandidieren zu wollen.

In Umfragen vom Januar 2007 unter den bayerischen Wählern zu den von ihnen bevorzugten Stoiber-Nachfolgern lag Seehofer weit vorn, insbesondere nach dem Bekanntwerden von Geheimabsprachen zwischen Günther Beckstein und Erwin Huber, während Huber noch hinter Beckstein, Alois Glück, Gabriele Pauli und Joachim Herrmann zurückfiel.

Im selben Monat veröffentlichte die Bild Informationen über eine langjährige außereheliche Beziehung, in der Seehofer Vater wurde (aus seiner Ehe hatte er bereits drei Kinder). Bild begründete die Enthüllung damit, Seehofer habe sein Privatleben stets „groß plakatiert, wer es politisch einsetzt, muss sich daran messen lassen.“ Vereinzelt unterstützten andere Journalisten diese Position. Die gezielten Indiskretionen gegenüber der Bild-Zeitung wurden von anderen Medien dem internen CSU-Machtkampf zugeschrieben. Die Veröffentlichung auf dem Höhepunkt des CSU-Machtkampfes löste eine Welle der Solidarität aus. Die Berichterstattung über die Affäre und das außereheliche Kind tangierten laut einer Forsa-Umfrage in Bayern im Juni 2007 den Ruf Seehofers. 53 % der Befragten waren der Ansicht, sein Ansehen sei deswegen in den Monaten zuvor gesunken. Parteifreunde forderten Seehofer im selben Monat öffentlich auf, vor der Wahl seine privaten Verhältnisse zu ordnen; Seehofer erklärte Anfang Juli 2007, er werde bei seiner Frau bleiben. Diese Aussage sorgte für große Erleichterung in der CSU.

Auf dem Parteitag der CSU in München am 29. September 2007 unterlag er mit 39,1 % seinem Konkurrenten um den Parteivorsitz, Bayerns Wirtschaftsminister Erwin Huber, der 58,19 % der Delegiertenstimmen erhielt. Dritter Mitbewerber war die Fürther Landrätin Gabriele Pauli mit 2,5 % der Stimmen. Auf Vorschlag Hubers wurde Seehofer daraufhin mit 91,81 % als stellvertretender Parteivorsitzender wiedergewählt.

Bundestagsabgeordneter (1980 bis 2008)

Seehofer war von 1980 bis 2008 Mitglied des Deutschen Bundestages. Von 1983 bis zu seiner Berufung zum Staatssekretär 1989 fungierte er als sozialpolitischer Sprecher der CSU-Landesgruppe. Ab Oktober 1998 war er Stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für die Bereiche Europa, Landwirtschaft und Umwelt. Meinungsverschiedenheiten bezüglich der von ihm abgelehnten Gesundheitsprämie in der gesetzlichen Krankenversicherung führten dazu, dass er am 22. November 2004 als stellvertretender Fraktionsvorsitzender zurücktrat. Er blieb jedoch weiterhin einer der stellvertretenden CSU-Vorsitzenden und behielt sein Mandat als Abgeordneter des Deutschen Bundestages. Seehofer ist von 1980 bis 2005 stets als direkt gewählter Abgeordneter des Wahlkreises Ingolstadt in den Bundestag eingezogen. Bei der Bundestagswahl 2005 erreichte er 65,9 % der Erststimmen; dies war das zweitbeste Ergebnis bundesweit.

Nach seiner Wahl zum Ministerpräsidenten legte Seehofer sein Bundestagsmandat mit Wirkung zum 4. November 2008 nieder.

Ämter in Bundesministerien und Bundesregierung (1989 bis 2008)

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