An diesem Tag

Horst Mahler

Deutscher Jurist, späterer Neonazi und zuvor Linksradikaler und Gründungsmitglied der Rote Armee Fraktion

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Horst Werner Dieter Mahler (* 23. Januar 1936 in Haynau, Niederschlesien; † 27. Juli 2025 in Berlin) war ein deutscher Rechtsanwalt, Linksterrorist und späterer Neonazi und Holocaustleugner.

Als Mitbegründer des Sozialistischen Anwaltskollektivs vertrat er viele Aktivisten der Studentenbewegung, darunter auch spätere Mitglieder der Rote Armee Fraktion (RAF), zu deren Gründern er 1970 gehörte. Im selben Jahr wurde er verhaftet und danach zu 14 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt, u. a. wegen Bankraubs.

1975 lehnte er seine Freilassung im Austausch gegen den von der Bewegung 2. Juni entführten Peter Lorenz ab. Mahler selbst betonte immer wieder den Einfluss der Lektüre Hegels während seiner Haft, den er in seinem Sinne antisemitisch zu interpretieren versuchte. 1980 wurde Mahler auf Bewährung entlassen und 1987 wieder als Anwalt zugelassen.

Ab Ende der 1990er Jahre bewegte sich Mahler im rechtsextremen Milieu. Er war zeitweise Mitglied der NPD und vertrat die Partei auch in deren erstem Verbotsverfahren. Um die Jahrtausendwende war er einer der Köpfe des Deutschen Kollegs. Im Dezember 2003 veröffentlichte er die Verkündigung der Reichsbürgerbewegung. Wegen verschiedener Delikte, darunter Volksverhetzung (Holocaustleugnung, antisemitische und neonazistische Äußerungen) sowie Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, wurde er zu weiteren Geld- und Freiheitsstrafen verurteilt. Mit einer Unterbrechung von zwei Jahren war er von 2006 bis 2020 in Haft.

Mahler starb am 27. Juli 2025 im Alter von 89 Jahren in Berlin.

Horst Mahler wurde als drittes von vier Kindern des Zahnarztes Willy Mahler (1900–1949) und dessen Ehefrau Dorothea Nixdorf (1901–1975) im niederschlesischen Haynau geboren. Sein Onkel war der SA-Führer Reinhold Nixdorf. In einem Interview mit dem israelischen Reporter Naftali Glicksberg berichtete Mahler, seine Mutter habe ihm unter Tränen erzählt, dass auch Juden unter seinen Vorfahren waren.

Mahler wuchs zunächst in Haynau auf. Im Februar 1945 floh die Familie vor der anrückenden Roten Armee aus Schlesien nach Naumburg/Saale. Dort besuchte Mahler die Salztorschule; im Mai 1945 zog die Familie nach Roßlau/Elbe, wo der Vater eine Niederlassungsgenehmigung als freier Zahnarzt erhielt. Im Februar 1949 beging der Vater, an schweren Depressionen leidend, Suizid. Nach eigenen Angaben hatte Horst Mahler ein traumatisches Erlebnis in seiner Jugend: Obwohl er im Elternhaus antikommunistisch beeinflusst gewesen sei, ließ er es 1949 als 13-Jähriger nach eigener Einschätzung aus opportunistischen Gründen zu, zum Vorsitzenden der FDJ-Gruppe an seiner Schule gemacht zu werden; dafür sei ihm zugesagt worden, dass er später studieren könne.

Im November 1949 zog die Familie nach West-Berlin in den Bezirk Schöneberg. Als Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes studierte Mahler Rechtswissenschaften an der Freien Universität Berlin und war dort 1953/1954 Mitglied der pflichtschlagenden, farbentragenden Studentenverbindung Landsmannschaft Thuringia Berlin. Er stellte dort bereits im November 1956 beim Abschlussconvent den Antrag, aus der Thuringia auszutreten, um der SPD beitreten zu können. Dies lag daran, dass die SPD im Jahre 1954 die Unvereinbarkeit der Parteizugehörigkeit mit einer Mitgliedschaft in schlagenden Verbindungen beschlossen hatte.

1957 trat er in die SPD ein. Als Mahler auch dem Sozialistischen Deutschen Studentenbund beitrat, folgte 1961 der Parteiausschluss durch die SPD gemäß einem entsprechenden Unvereinbarkeitsbeschluss. Mahler wollte 1962 Journalist werden und sandte ein Manuskript an Die Zeit. Darin setzte er sich kritisch mit Helmut Schmidts (SPD) Verteidigungspolitik auseinander und forderte einen Austritt Deutschlands aus der NATO. Das Manuskript wurde nicht gedruckt.

Nach bestandenem Assessorexamen gründete Mahler 1964 eine Anwaltskanzlei in West-Berlin und spezialisierte sich auf die mittelständische Wirtschaft. Zuvor hatte er in der Kanzlei des prominenten Strafverteidigers Dietrich Scheid gearbeitet, der in späteren Prozessen sowohl den SDS vertrat als auch dem Verleger Axel Springer als Rechtsbeistand diente. Einer größeren Öffentlichkeit wurde Mahler ab 1964 als Verteidiger im landesweit beachteten Thyssen-Bank-Prozess bekannt. Mit einer Beschwerde gegen die überlange Untersuchungshaft von vier Jahren des später zu 6,5 Jahren verurteilten Finanzmaklers Karl-Heinz Wemhoff (1927–1975) war er 1966 als erster deutscher Anwalt beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg erfolgreich. 1966 unterstützte er eine Initiative des Historikers Joseph Wulf, die Villa der Wannseekonferenz in eine Gedenkstätte umzuwandeln.

Ab 1964 engagierte er sich in der außerparlamentarischen Opposition, besonders als Anwalt für strafverfolgte Studenten. In dieser Zeit vertrat er offen politische Positionen, die denen der SED stark ähnelten, und pflegte Kontakte zu Vertretern der DDR und der Sowjetunion. Im Sommer 2011 berichtete Bild am Sonntag über angebliche Erkenntnisse der Staatsanwaltschaft Berlin, Mahler habe von 1967 bis 1970 dem Ministerium für Staatssicherheit der DDR zugearbeitet. Der Artikel wurde von zahlreichen Medien aufgegriffen und erreichte große öffentliche Aufmerksamkeit. Die Staatsanwaltschaft dementierte die Darstellung jedoch umgehend in einer Pressemitteilung, und Mahler selbst schloss jegliche Zusammenarbeit mit der Stasi aus.

Er verteidigte bis 1970 unter anderem Beate Klarsfeld, die Kommunarden Fritz Teufel und Rainer Langhans, den Studentenführer Rudi Dutschke, den 1967 wegen Demonstrationsdelikten angeklagten Peter Brandt und die Kaufhaus-Brandstifter Andreas Baader und Gudrun Ensslin. Im Verfahren gegen den Polizeibeamten Karl-Heinz Kurras, der Benno Ohnesorg erschossen hatte, vertrat Mahler die Familie Ohnesorg, die als Nebenkläger auftrat.

Am 1. Mai 1969 gründete Mahler mit Klaus Eschen, Ulrich K. Preuß und Hans-Christian Ströbele das Sozialistische Anwaltskollektiv in Berlin, das bis zur Gründung des Republikanischen Anwältinnen- und Anwältevereins 1979 bestand. Am 10. November 1969 wurde er im Zusammenhang der sogenannten Osterunruhen von 1968 als Rädelsführer angeklagt. In dem Verfahren, in dem auch Axel Springer in den Zeugenstand treten musste, wurde Mahler von Otto Schily und Kurt Groenewold verteidigt. Im Jahr 1970 war er an der Gründung der RAF beteiligt und plante die Baader-Befreiung und drei Banküberfälle im September 1970 mit. Nach Baaders Befreiung flüchtete er mit über 20 weiteren RAF-Mitgliedern nach Jordanien, um sich dort für den „bewaffneten Kampf“ ausbilden zu lassen.

Am 8. Oktober 1970 wurde er in Berlin verhaftet und später wegen Bankraubs und Gefangenenbefreiung zu 14 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Seine Verteidigung übernahmen Hans-Christian Ströbele und Otto Schily. Der spätere Bundesinnenminister Schily brachte ihm die Gesamtausgabe von Hegels Werken ins Gefängnis, deren Lektüre Mahler nach eigenen Angaben maßgeblich beeinflusste.

Mahler sagte sich im Gefängnis von der RAF los und wandte sich dann der maoistischen Kleinpartei KPD-AO zu. 1974 wurde Mahler aus der RAF ausgeschlossen.

Am 27. Februar 1975 entführte die „Bewegung 2. Juni“ Peter Lorenz, den CDU-Spitzenkandidaten bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin, um die Entlassung Mahlers sowie die von Verena Becker, Gabriele Kröcher-Tiedemann, Rolf Pohle, Ingrid Siepmann und Rolf Heißler zu erpressen. Am 1. März 1975 verkündete Mahler in der ARD-Tagesschau, dass er den Austausch ablehne.

In der Haft führte er Gespräche mit dem Bundesinnenminister Gerhart Baum (FDP), die 1980 als Buch veröffentlicht wurden. Ferner erhielt er Besuch vom Politikwissenschaftler Iring Fetscher und dem Sozialphilosophen Günter Rohrmoser; beide waren Mitglieder der von der sozial-liberalen Bundesregierung eingesetzten Kommission zur Erforschung der geistigen Ursachen des Terrorismus.

1980 erreichte Mahlers Rechtsanwalt, der Bundesvorsitzende der Jungsozialisten Gerhard Schröder, nach Ablauf von zwei Dritteln der Freiheitsstrafe eine Strafaussetzung zur Bewährung. Mahlers ehrenamtlicher Bewährungshelfer war der evangelische Theologe Helmut Gollwitzer. Nun sympathisierte er mit den Grünen, ehe er 1988 wieder als Rechtsanwalt zugelassen wurde, was Gerhard Schröder für ihn juristisch erreichte. In diesen Jahren stand Mahler politisch der FDP nahe. Mahler und Schröder standen damals im persönlichen Kontakt zu dem Stuttgarter Sozialphilosophen Günter Rohrmoser.

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