Horst Lohse (* 16. März 1943 in Kulmbach) ist ein deutscher Komponist.
Nach seiner Ausbildung an der Pädagogischen Hochschule Bayreuth (1964–1967) wirkte Horst Lohse 1967–1970 in Mainleus bei Kulmbach als Grund- und Hauptschullehrer und als Chorleiter. 1970–1972 studierte er am Salzburger Mozarteum Violine bei Jürgen Geise und Hermann Kienzl sowie Komposition bei Helmut Eder. Parallel absolvierte er am Orff-Institut des Mozarteums ein Studium der Elementaren Musikpädagogik bei Wilhelm Keller, Hermann Regner und Barbara Haselbach. Meisterkurse besuchte er bei Bogusław Schaeffer und beim Österreichischen Ensemble für Neue Musik. 1972 wechselte Lohse an die Hochschule für Musik Würzburg. Dort studierte er Musiktheorie und -analyse bei Klaus Hinrich Stahmer sowie Komposition bei Bertold Hummel (1975/1976 als Meisterschüler). 1972–2005 unterrichtete er Musikmodell-Grundschulklassen in Bamberg. 1977–1984 war er Lehrbeauftragter der Hochschule für Musik Würzburg, 1987–1993 Juror und Dozent bei den Kompositionskursen der Jeunesses Musicales in Weikersheim. 1986 zählte er zu den Gründern des Vereins Neue Musik in Bamberg, dessen Vorsitz er 1991 übernahm. 1986–2010 leitete er die Tage der Neuen Musik Bamberg.
Horst Lohses kompositorisches Œuvre ist geprägt von intensiver Auseinandersetzung mit literarischen Themen. Ende der 1970er Jahre beginnt mit seinen Werken Epitaph und Mahan die Rezeption des Autors Nizami im Bereich der Neuen Musik, die durch Detlev Glanert und Samir Odeh-Tamimi fortgesetzt wurde (siehe Heutige Rezeption weltweit). In seiner Werkgruppe Mythen in Musik verbindet Lohse antike Sujets wie Orpheus, Phoinix und Narziss mit modernen philosophischen und psychologischen Fragestellungen. Sein Sisyphos (nach Albert Camus) wurde von Dirigenten wie Horst Stein, Jorma Panula, Klaus Bernbacher und Klauspeter Seibel interpretiert. Sein Monodram Verhüllung nach einem Text von Wolfgang Hilbig erlebte mit dem Ensemble berlin-projekt unter Art-Oliver Simon Aufführungen in Szczecin und Sankt Petersburg. 2010 wurden Lohses Reflexionen über Mond-Metaphern von Arno Schmidt zusammen mit boutaden von Robert HP Platz und Eckart Beinke beim CD-Projekt Konzert für Arno Schmidt unter Leitung von Benjamin Lang eingespielt.
Ein weiterer Schwerpunkt im Schaffen von Horst Lohse ist seine Beschäftigung mit Themen der Bildenden Kunst. In seiner Klavier- und Kammermusik finden sich Bezüge zu Paul Klee, Hans Hofmann, Marc Chagall und Roberto Matta. Lohses im Auftrag der Bamberger Symphoniker komponiertes Orgelkonzert Die vier letzten Dinge steht im Zentrum eines großangelegten Hieronymus-Bosch-Zyklus, zu dem auch das Rezital Cave cave Dominus videt gehört. Es entstand in Zusammenarbeit mit dem Autor Michael Herrschel und wurde mit Robert Hunger-Bühler als Rezitator im Dom St. Martin (Rottenburg) produziert. Mehrere Werke widmete Horst Lohse dem Andenken seines Schwiegervaters, des Künstlers Caspar Walter Rauh. Gemeinsam mit seiner Frau Sabine betreute Lohse Rauhs Nachlass, der heute großteils im Kunstmuseum Bayreuth verwahrt wird.
Horst Lohse lebt in Memmelsdorf. Seine Kompositionen sind publiziert bei Edition Gravis. Aufnahmen von Lohses Werken wurden produziert vom Bayerischen, Norddeutschen, Süddeutschen und Westdeutschen Rundfunk, vom Sender Freies Berlin, Radio Bremen, Deutschlandfunk und Südwestfunk sowie von Labels wie Kreuzberg Records, cpo und Neos Music.
1973 Förderungspreis für Komposition der Musikalischen Akademie Würzburg
1974 Kompositionspreis der Stadt Stuttgart (für die „Cantos sinfónicos“; zusammen mit Wolfgang Rihm, Ulrich Stranz und Manfred Trojahn)
1982 Orchesterkompositionspreis des Kulturkreises der Deutschen Wirtschaft und der Gesellschaft für Neue Musik (Laudatio: Friedhelm Döhl); 3. Preis beim Europäischen Kompositionswettbewerb des Symphonieorchesters Aarhus
1983 Ehrengabe der Stadt Bamberg
1984 2. Preis beim Internationalen Carl-Maria-von-Weber-Wettbewerb für Ballette der Dresdner Musikfestspiele (für „Die Abenteuer des schönen Mahan“; ein 1. Preis wurde nicht vergeben)
1999 Berganza-Preis des Kunstvereins Bamberg (Laudatio: Claus Kühnl)
2002 Otto-Grau-Kulturpreis (Laudatio: Godehard Schramm)
2006 Kulturpreis der Oberfrankenstiftung (Laudatio: Hans Angerer)
2008 E.-T.-A.-Hoffmann-Preis der Stadt Bamberg (Laudatio: Jörg Krämer)
2012 Friedrich-Baur-Preis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste (Laudatio: Michael Herrschel)
Die Abenteuer des schönen Mahan. Ballett in 4 Teilen (nach Nizami)
Fassung (1979/80). Teilaufführung 10. Oktober 2007 Nürnberg (Tafelhalle). Mey Sefan, Angela Lamprianidou (Tanz), Boris Lisowski (Performance), Choreografie: Alexandra Rauh, Videoprojektionen: Frank Halbig, Olivia Toffolini / ZKM, Pegnitzschäfer-Klangkonzepte: Werner Dörrmann, Gottfried Rüll (Klavier), Roland Schmidt, Hermann Schwander (Percussion)
Fassung (1980/1981) für Orchester