Die Wiener Hofburg ist die ehemalige Winterresidenz der Habsburger in der österreichischen Hauptstadt Wien. Sie liegt zwischen Michaelerplatz, Josefsplatz, Heldenplatz und Ballhausplatz und umfasst eine Fläche von rund 300.000 Quadratmetern. Im Jahr 1279 erstmals urkundlich erwähnt, besteht sie aus dem gotischen Schweizertrakt von 1237, der Renaissance-Stallburg von 1556, dem Amalientrakt von 1582, dem barocken Leopoldinischen Trakt von 1670, der Hofbibliothek von 1726, dem Reichskanzleitrakt von 1728, der Winterreitschule von 1735, dem Redoutensaaltrakt von 1744, dem klassizistischen Zeremoniensaaltrakt von 1805, dem neobarocken Michaelertrakt von 1893 und dem Burggartentrakt von 1908. Ein Volksgartentrakt und ein Thronsaaltrakt, die als Teil des Kaiserforums geplant gewesen waren, blieben unausgeführt. Seit 1955 dient die Hofburg als Sitz des österreichischen Bundespräsidenten, der Nationalbibliothek und mehrerer Bundesmuseen.
Unter dem Habsburger König Rudolf I. 1279 erstmals urkundlich erwähnt, ist der Baubeginn bereits in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts unter den Babenbergern anzusetzen. Den Grundstein soll Herzog Leopold VI. († 1230) gelegt haben. Bis zur Fertigstellung des Neubaus um 1275 blieb jedoch die Babenberger-Burg (Am Hof) die Residenz der österreichischen Herzöge. Diese war von Heinrich Jasomirgott 1155/56 erbaut worden. Die Vollendung des Neubaus erfolgte unter dem böhmischen König Ottokar II. Přemysl (ab 1251 auch Herzog von Österreich, † 1278). Die Anlage, damals alles andere als eine repräsentative Residenz, war mit Wehrtürmen und Graben Teil der Wiener Stadtbefestigung. In der Folge wurde sie eine unter mehreren, aber die wichtigste der Burgen der Landesfürsten im Herzogtum Österreich unter der Enns, neben etwa der Burg am Leopoldsberg, der Burg Mödling oder der häufig genutzten Burg in Wiener Neustadt.
Der römische König und spätere Kaiser Ferdinand I. verlegte in der Mitte des 16. Jahrhunderts seine Hauptresidenz nach Wien, nachdem er im Wormser Teilungsvertrag 1521 und im Brüsseler Vertrag 1522 mit seinem Bruder Kaiser Karl V. die Übernahme der Regierung in den habsburgischen Erblanden vereinbart hatte. Er ließ die gotische Burganlage im Renaissancestil umbauen und bezog sie als Hauptresidenz. Zweitresidenz blieb die Innsbrucker Hofburg, von der aus Tirol, Oberösterreich und Vorderösterreich verwaltet wurden, während Innerösterreich von der Grazer Burg aus administriert wurde.
In den folgenden Jahrhunderten wurden die bestehenden Trakte umgebaut und durch neue Flügel erweitert, eine Tradition, die bis in die heutige Zeit anhält. Damit ist ein Rundgang durch die Hofburg auch ein Rundgang durch die Kunstgeschichte: Trakte der unterschiedlichsten Epochen, von der Gotik des Mittelalters über die Renaissance, das Barock aus dem 17. und 18. Jahrhundert, aber auch historistische Flügel aus dem 19. Jahrhundert bis hin zu zeitgenössischen Innenausbauten aus dem 20. und 21. Jahrhundert fügen sich zusammen. Ihr heutiges Aussehen erhielt die Hofburg durch das von Gottfried Semper und Karl Hasenauer begonnene, jedoch 1914 abgebrochene Projekt zum Bau des monumentalen Kaiserforums. Dieses hätte die Hofburg über die Ringstraße mit den Hofmuseen verbunden und aus insgesamt fünf Trakten bestanden: dem zentralen Thronsaaltrakt (nicht ausgeführt), dem nördlichen Volksgartentrakt für Staatsgäste (nicht ausgeführt), dem östlichen Burggartentrakt für die Kaiserfamilie (1908 vollendet), dem südlichen Kunsthistorischen Museum (1891 vollendet) und dem westlichen Naturhistorischen Museum (1889 vollendet).
Ihren heutigen Namen erhielt die Hofburg erst in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts; historisch ist sie auch bekannt als k. k. Hofburg bzw. Wiener Burg. Mit der Augustinerkirche, dem Palais Erzherzog Albrecht, dem Palmenhaus, dem Burggarten, dem Burgtor und dem Heldenplatz bildet die Hofburg ein Bauensemble. Dazu gehören weiters das Franzensdenkmal auf dem Platz In der Burg (ehemals Franzensplatz), das Josefsdenkmal auf dem Josefsplatz sowie das Prinz-Eugen-Denkmal und das Erzherzog-Karl-Denkmal auf dem Heldenplatz.
Die älteste, spätromanische, dann gotisch ausgebaute Burg in Form eines Vierecks entspricht etwa dem heutigen Schweizertrakt. Sie wurde zur Zeit Kaiser Karls V. durch seinen Bruder, den römisch-deutschen König Ferdinand I. im Renaissancestil umgebaut. Abbildungen aus dieser Zeit zeigen eine karreeförmige Anlage mit vier wuchtigen Ecktürmen, einem seitlichen Torturm sowie der (Mitte des 15. Jahrhunderts gotisch umgebauten) spätromanischen Hofburgkapelle, deren Chor aus dem Geviert herausragte und die bis heute erhalten ist. Dieser Hof erhielt seinen Namen später von der Schweizer Garde. In den Flügeln des Schweizerhofs befinden sich auch die Geistliche und die Weltliche Schatzkammer (beide gehören administrativ zum Kunsthistorischen Museum), wobei in letztgenannter unter anderem die Herrschaftsinsignien des Heiligen Römischen Reiches (Reichskleinodien) und des Kaisertums Österreich aufbewahrt werden. Auch die Hofmusikkapelle hat dort ihren Sitz.
Besonders bekannt ist das rot-schwarze Schweizertor, auf dem die Titel Kaiser Ferdinands I. aufgezählt und die Insignien des Orden vom Goldenen Vlies abgebildet sind. Dieses Tor inklusive Bemalung wurde von Pietro Ferrabosco 1552 errichtet. In einer seitlichen Nische des Tores befindet sich der Schweizerhofbrunnen aus dem Jahr 1552 mit dem kaiserlichen Adler. Das Becken besteht aus hartem, weißem Kaiserstein aus Kaisersteinbruch. Der Brunnen bildete den Abschluss einer bereits 1534 angelegten Wasserleitung, die aus der Vorstadt St. Ulrich in die Burg geleitet wurde.
Unterhalb dieses Traktes war lange Zeit die Hofküche untergebracht. Insgesamt wird dieser Teil der Hofburg inklusive der Hofburgkapelle Schweizertrakt genannt. Der Name stammt von der aus Schweizer Söldnern gebildeten Truppe, die zur Zeit des Kaiserpaares Franz I. Stephan (von Lothringen) und Maria Theresia die Torwache stellte.
Über die Säulenstiege im Schweizertrakt erreicht man das Bundesdenkmalamt, das hier seinen Sitz hat. Hier befindet sich der Ahnensaal mit den Habsburger Kaiserporträts von Rudolf I. (1218–1291) bis Franz Joseph I. (1830–1916), eingerichtet um 1874 für Kronprinz Rudolf. Die Antekammer führt zum Marmorsaal im Zeremoniensaaltrakt, welcher aus dem 19. Jahrhundert stammt. Die besonders dicken Mauern stammen noch von einem der Wehrtürme der alten Burgbefestigung. Der Begriff Antekammer weist auf den ehemaligen Verwendungszweck als Vorraum hin. Nahe dem Schweizertor Richtung Michaelerplatz wurden im März 2013 Reste des 6 mal 20 Meter großen Fundaments der zwischen 1558 und 1563 erbauten Kunstkammer Kaiser Ferdinands I. entdeckt, der erste Museumsbau nördlich der Alpen. Die Entdeckung durch die Kunsthistorikerin Renate Holzschuh-Hofer erfolgte durch Auswertung teilweise schon länger bekannter Quellen, die nur falsch interpretiert worden waren.
Die Hofburgkapelle ist die älteste und Hauptkapelle der Hofburg und war die Hauskapelle der Habsburger. Vermutlich um 1287/88 ließ Albrecht I. eine spätromanische Kapelle errichten, die urkundlich 1296 erstmals erwähnt wurde. Von 1423 bis 1426 erfolgte unter Albrecht V. eine Erweiterung; das Holz des aktuellen Dachstuhls stammt aus dem Jahr 1421. Albrecht, der in diesem Jahr eine großangelegte Judenverfolgung in Wien in Auftrag gab, veranlasste wahrscheinlich auch, dass in das Fundament der Kapelle jüdische Grabsteine eingelassen wurden (sie wurden später entfernt und in einem jüdischen Friedhof aufbewahrt).
Von 1447 bis 1449 ließ Kaiser Friedrich III. die Kapelle im gotischen Stil um- und ausbauen. Maria Theresia veranlasste einen spätbarocken Umbau der Kapelle. Im Zuge des Klassizismus wurde sie 1802 wiederum regotisiert. In ihr konzertierte die von Kaiser Maximilian I. gegründete Hofmusikkapelle, deren Tradition von den Wienern Philharmonikern und den Wiener Sängerknaben fortgeführt wird. Bis zum Ende der Monarchie, 1918, diente die Hofburgkapelle als Pfarrkirche der exemten k.u.k. Hof- und Burgpfarre.