An diesem Tag

Historisches Archiv mit Rheinischem Bildarchiv

Stadtarchiv von Köln

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Das Historische Archiv mit Rheinischem Bildarchiv (bis Januar 2023 Historisches Archiv der Stadt Köln) ist das Stadtarchiv von Köln. Es archiviert Archivgut der Gremien und Ämter der Stadtverwaltung Köln sowie Archivgut von zahlreichen anderen Stellen wie zum Beispiel Unternehmen, Vereinen und Einzelpersonen mit Bezug zu Köln. Durch die dichte Überlieferung seit dem Hochmittelalter mit zahlreichen Urkunden, Akten, Handschriften und Nachlässen gelten die Bestände als geschichtlich besonders wertvoll. Mit einem Umfang von etwa 30 Regalkilometern Archivgut ist es das größte deutsche Kommunalarchiv.

Das Stadtarchiv Köln überstand den Zweiten Weltkrieg unbeschadet. Am 3. März 2009 stürzte der Gebäudekomplex samt zwei Nachbargebäuden aufgrund von Fehlern beim Bau eines U-Bahn-Tunnels ein. Dabei wurden zwei Menschen getötet und rund 90 Prozent des Archivguts verschüttet, ein Großteil davon im Grundwasser. Nach Abschluss der Bergungsphase im Jahr 2011, in der rund 95 % des verschütteten Archivgutes hatte geborgen werden können, dauerte die Erfassung der geborgenen Objekte bis 2021, die jedoch zu einem großen Teil restauriert werden müssen. Der 2017 begonnene Neubau des Archivs wurde am 3. September 2021 eröffnet. Er befindet sich am Eifelwall etwa eineinhalb Kilometer südwestlich des vormaligen Standorts. Seit März 2022 sind alle zwischenzeitlich auf Asylarchive verteilten Archivalien wieder nach Köln zurückgekehrt.

Organisatorisch gliedert sich das Archiv in die Abteilungen Verwaltung (44/1), Öffentlichkeitsarbeit (44/2), Vormoderne Bestände, Nachlässe und Sammlungen 44/3), Städtische Überlieferung seit 1815 und Grundsatzangelegenheiten (44/4), Bestandserhaltung (44/6), Benutzung, Bibliothek und Digitalisierung (44/7) und Rheinisches Bildarchiv (44/8). Die Fachabteilungen werden je nach Notwendigkeit durch fachübergreifende Projektgruppen ergänzt. So wurden für das Großprojekt Wiederaufbau des Historischen Archivs insgesamt sieben Projektgruppen gebildet, die Konzepte für Bestandszusammenführung oder den geplanten Neubau entwickelten und deren Umsetzung koordinierten. Neben Leitung, Fachabteilungen und Projektleitung wurde ein Provisorisches Archiv unter eigener Leitung gegründet.

Zum 1. Januar 2023 wurde das Rheinische Bildarchiv als Sachgebiet 44/8 an das Historische Archiv der Stadt Köln angegliedert- Die mit dem Kulturdezernat der Stadt Köln festgelegte Vereinbarung zwischen dem Historischen Archiv und dem Rheinischen Bildarchiv sichert eine dauerhafte Sichtbarkeit unter dem Namen Rheinischen Bildarchiv zu. Die Arbeitsbereiche und Aufgaben werden nicht verändert, sondern es sollen strukturelle Synergien im gemeinsamen Gebäude und im Bereich der Verwaltungsstrukturen genutzt werden.

Gesetzliche Grundlage für die Arbeit der nordrhein-westfälischen Kommunalarchive und damit auch des Historischen Archivs der Stadt Köln ist das Archivgesetz Nordrhein-Westfalen, das nach § 10 auch entsprechende Anwendung auf die Kommunalarchive findet. Für die Stadt Köln ist der Archivbetrieb durch die Archivsatzung (letzte Änderung im Jahr 2007) geregelt. Das Bundesarchivgesetz findet keine Anwendung.

Im Rathausturm und im Spanischen Gewölbe (15.–19. Jahrhundert)

Die in Köln praktizierte Art der Aufbewahrung von wertvollen Gütern oder wichtigen Urkunden der Kaufleute in eigens meist in Hinterhöfen errichteten gewölbten Lagerräumen wurde nicht nur von den Handelsherren angewandt, sondern auch durch die Stadtverwaltung. Archivgut waren Schriftstücke in Form von Privilegien, Verträgen, Prozessakten, Karten, Plänen, Siegeln, Nachlässen bedeutender städtischer Persönlichkeiten etc. Die wachsende, über die deutschen Grenzen hinaus auch international Handel treibende Stadt benötigte bald einen angemessenen sicheren Ort für ihre Akten.

So beschloss der Rat Concordatum anno 1406 quo supra feria quinta post assumptionis beate Marie (= am Donnerstag nach Maria Himmelfahrt, also am 19. August) den Bau des Rathausturms, eines vielen Zwecken und Aufgaben dienenden Gebäudes. Der von 1407 bis 1414 unter dem Rentmeister Roland von Odendorp (zeitweilig auch Bürgermeister der Stadt Köln) erbaute Rathausturm, um 1440 raizthorn genannt, war von seinen Erbauern auch zur Aufnahme und sicheren Lagerung städtischer Urkunden, Privilegien und Geldbriefen bestimmt. Das spätgotische Bauwerk ähnelt niederländischen Belfrieden, hat zwei vierkantige Obergeschosse mit weiteren zwei aufgesetzten achteckigen Geschossen und erreicht eine Höhe von 61 Metern. Aufgrund dieser Höhe war das oberste Geschoss, die Kure, die Wachstube des Feuerwächters. Im Turm, dem neuen städtischen Wahrzeichen bürgerlicher Macht, befanden sich auch:

Ein „Kelre zo der Stede Weynen“ (Weinkeller), eine Ratskammer, eine Kammer „zo der Stede Reyschap“ (für Kriegsgerät der Reisigen) und ein „Gevolwe zo der Stede Privilegien“. Das „gedenkbuch der jahren“ (16. Jahrhundert, heute Buch Weinsberg genannt) aus dem Nachlass des schon im Alter von 22 Jahren zum Rektor der Kölner Cronenburse avancierten und späteren Ratsherren Hermann von Weinsberg wurde erst im Jahr 1858 vom ersten Direktor, Leonard Ennen, im Archiv entdeckt.

Das älteste Urkundenfindbuch, versehen mit der Krone des Stadtwappens, stammt aus dem Jahr 1408/09. Die Urkunden der mittelalterlichen Stadt wurden in einem gewölbten Raum (gewulffe) des Rathausturmes in Laden (Truhen oder Schränken) untergebracht, die mit den Buchstaben A bis X gekennzeichnet („gemirckt“) waren. Einen Ehrenplatz hatte der Verbundbrief als Verfassungsurkunde der Stadt, der in einer Lade mit Krone gelagert war. So heißt es in einer Urkunde:

1815 wurde Stadtsekretär Johann Jakob Peter Fuchs beauftragt, die zum Bestand hinzugekommene Sammlung Wallraf zu inventarisieren. Fuchs leitete nebenamtlich von 1815 bis zu seinem Tod im Jahr 1857 das Kölner Stadtarchiv und sorgte dafür, dass es der wissenschaftlichen Forschung zugänglich wurde.

Als erster Hauptamtlicher Archivar im Dienst der Stadt leitete Leonard Ennen nach Fuchs das Archiv. In seiner Amtszeit konnten Schriftstücke aus dem Nachlass Hermann von Weinsbergs, deren Bedeutung er erkannte, ins Archiv gelangen. Er leitete das Archiv bis zu seinem Tod 1880. Zu seinem Nachfolger wurde wegen seiner Hanse-Kenntnisse der Historiker Konstantin Höhlbaum berufen, der das Archiv bis 1890 leitete.

In der Amtszeit des Direktors Joseph Hansen (1891–1927) erfolgte der Umzug in den Archivneubau am Gereonskloster.

Nach Plänen des Stadtbaurates Friedrich Carl Heimann (1850–1921) errichtete die Stadt am Gereonskloster 12 ein repräsentatives neugotisches Gebäude. Heimann war ein Schüler des Architekten Julius Carl Raschdorff und wurde im Jahr 1913 erster Stadtkonservator Kölns. Neben Heimann waren Regierungsbaumeister Brugger und Architekt Mohr am Bau beteiligt. Der Grundstein wurde am 16. Mai 1894 gelegt, und im Dezember 1897 bezog das Archiv gemeinsam mit der Stadtbibliothek das neue Gebäude.

Das dreigeschossige Gebäude präsentierte sich an der Eingangsseite durch einen großen Mittelgiebel und im ersten Obergeschoss durch eine große, maßwerkverzierte Fensterfront, während die weiteren Fenster eher einfach gehalten waren. Skulpturen des Chronisten Gottfried Hagen und des ersten Kölner Buchdruckers Ulrich Zell flankierten unter verzierten Baldachinen das Hauptportal. Die vorderen Ecken des Gebäudes schlossen oben mit schlanken Flachthürmchen ab. Das Schieferdach hatte ursprünglich noch vergoldete Ziergitter als Schmuckwerk auf dem First, diese sind jedoch nicht mehr vorhanden, ebenso wie zwei das Gebäude rechts und links flankierende Toreingänge. Ein hinterer Gebäudeteil war als Backstein-Zweckbau architektonisch deutlich einfacher gehalten.

Die Innenräume des Bibliotheks- und Archivgebäudes hatten sowohl zweckmäßige als auch repräsentative Elemente. So gab es in Lesesaal und Treppenhaus Sterngewölbe, Säulenumgänge, goldverzierte Holzdecken und üppige Schnitzarbeiten an Türen und Konsolen. Der prachtvollste Raum war der Bibliotheks-Lesesaal im Erdgeschoss, der Archiv-Lesesaal im Obergeschoss wird „vornehm und in der Art eines Klosterrefektoriums“ beschrieben. Die großen Magazinräume waren durch ein System feuerfester Decken und feuersicherer Treppen geschützt, geheizt wurde mittels einer Niederdruck-Dampfheizung.

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