Die Hisbollah (arabisch حزب الله Hizbullah, DMG Ḥizb Allāh ‚Partei Gottes‘, auch Hezbollah, Hizbollah, Hizbullah oder Hizb-Allah geschrieben) ist eine islamistisch-schiitische Partei und terroristische Organisation im Libanon, die sich hauptsächlich durch Unterstützung seitens Irans und durch eigene kriminelle Geschäfte finanziert. Als „Staat im Staat“ kontrolliert die Hisbollah den Libanon über ihre Miliz nicht nur militärisch, sondern über ihre Partei auch politisch. Für den Libanon ist die Hisbollah militärisch bedeutsamer als die Streitkräfte des Libanon, die sich selbst als Unterstützer der Hisbollah sehen. Allerdings ging die Organisation aus den Kämpfen mit Israel 2024 militärisch deutlich geschwächt hervor. Auch ihr politischer Handlungsspielraum im Libanon wurde seitdem eingeschränkt, obwohl sie weiterhin über erheblichen Einfluss und eine starke Unterstützerbasis verfügt. Die Hisbollah wird von vielen Ländern, darunter auch Deutschland, als Terrororganisation bezeichnet. Sie ist in Großbritannien, Japan, Kanada, den Niederlanden, den USA, seit April 2020 in Deutschland und seit Mai 2021 in Österreich verboten.
Die Hisbollah entstand ab 1982 als eine aus dem Untergrund operierende paramilitärische Organisation durch den Zusammenschluss verschiedener schiitischer Gruppen beim Widerstand gegen die damalige israelische Invasion. Die offizielle Gründung fand 1985 statt. Die Hochburgen der Organisation liegen im Süden des Libanon, in der Bekaa-Ebene sowie in Südbeirut. An ihrer Spitze stehen schiitische Gelehrte; als oberste geistliche Autorität wurde bis zu seinem Tod im Februar 2026 der Revolutionsführer der Islamischen Republik Iran, Ali Chamenei, angesehen. Generalsekretär und Oberbefehlshaber der Hisbollah-Milizen war von 1992 bis 2024 der im israelisch-palästinensischen Konflikt getötete Hassan Nasrallah.
Seit 1992 ist die Hisbollah auch in der libanesischen Nationalversammlung vertreten. Seitdem hat sie sich zu einem militärischen, sozialen und politischen Machtfaktor entwickelt. Sie stellt nach der Parlamentswahl 2018 mit 13 Mandaten etwa 10 % der Parlamentsabgeordneten und war schon in mehreren Kabinetten der libanesischen Regierung vertreten. Ihr unterstehen auch zivilgesellschaftliche Organisationen, wie das Islamische Gesundheitskomittee, das eigene Krankenhäuser, Ambulanzen, betreibt und das mitunter marode staatliche Gesundheitssystem ersetzt.
Die Hisbollah ist für zahlreiche Anschläge gegen die Israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF) verantwortlich. Bei vielen weiteren Anschlägen gegen jüdische oder westliche, vorwiegend US-amerikanische Einrichtungen weltweit wird ihre Beteiligung angenommen. Die Gruppe unterstützte den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad im syrischen Bürgerkrieg und zählt als Alliierte Irans in der von ihm sogenannten „Achse des Widerstands“.
Mit der Zerstörung der Infrastruktur der Hisbollah durch die IDF im Herbst 2024 gilt die Hisbollah unter Experten teilweise nicht mehr als „eigenständige Miliz“, sondern als „Teil der Quds-Einheit“ (der Iranischen Revolutionsgarde).
Die Hisbollah entstand im Verlauf verschiedener Spaltungen der politischen Bewegungen der Schiiten im Libanon. 1974 organisierte ein schiitischer Geistlicher, Imam Musa as-Sadr, eine Bewegung der Entrechteten, die deren soziale Lage verbessern sollte.
Diese Bewegung entwickelte sich später zur wichtigsten politischen Partei des Libanon, die sich Amal nannte. Im libanesischen Bürgerkrieg von 1975 bis 1990 baute die Bewegung eine eigene Miliz auf, die Amal-Miliz. 1978 verschwand Musa as-Sadr jedoch in Libyen, und die zunächst führungslose Partei geriet unter den Einfluss Irans, wo gerade in der islamischen Revolution Schah Reza Pahlavi abgesetzt worden war. Im Verlauf des Bürgerkriegs radikalisierten sich Teile der Amal. 1981 spaltete sich die Islamische Amal ab, wenig später unter Führung von Mohammad Hussein Fadlallah die Hisbollah.
Im Jahr 1982, kurz nach dem israelischen Einmarsch in den Südlibanon, griffen nach einer vom Ajatollah Chomeini ausgerufenen Fatwa zugunsten der schiitischen Milizen iranische Truppen aktiv in den libanesischen Bürgerkrieg ein. Die etwa 1500 Pasdaran (Revolutionsgarde), die zunächst in der Scheich-Abdullah-Kaserne in Baalbek stationiert waren, sollten die islamische Revolution nach iranischem Vorbild in den Libanon exportieren (Revolutionsexport). Sie organisierten sich in der Bekaa-Ebene nahe der syrischen Grenze, wo die ersten Ausbildungslager der Pasdaran errichtet wurden. Die iranischen Kämpfer, die sich von nun an Hisbollah nannten, was namentlich an die sogenannten Hezbollahi (Chomeini-Anhänger) während der iranischen Revolution angelehnt ist, rekrutierten nach Vorbild der freiwilligen Miliz der Basidsch meist junge Libanesen zu Guerilla-Einsätzen und Himmelfahrtskommandos. Aus ihnen bildeten sich die Gruppen, die später in der Hisbollah aufgingen. Sie rekrutierten sich überwiegend aus ehemaligen Mitgliedern der schiitischen Amal-Miliz und aus mehreren kleineren Gruppen wie der Houssein Suicide Squad, Dschundollah (Armee Gottes), der Islamischen Studenten-Union und Mitgliedern der libanesischen Dawa-Partei. Zu den ersten Gründern und Aktivisten der Organisation gehörte der Vorbeter Raghib Harb (gestorben 1984) aus Jibsheet im Südlibanon, der gegen die israelische Besatzung und den Zionismus predigte.
An der Formierung, Finanzierung und Gründung der erst 1985 offiziell unter dem Namen Hisbollah in Erscheinung getretenen Organisation waren die ersten Kommandeure der Iranischen Revolutionsgarde Abbas Zamani (Abu Scharif) und Mostafa Tschamran, der sich zuvor an der Ausbildung der Amal-Miliz und den ersten Kämpfen beteiligte, sowie die Ajatollahs Ali Akbar Mohtaschami und später Ali-Reza Asgari als Koordinatoren aktiv beteiligt.
Ab 1985 kam es zu schweren Kämpfen zwischen der von Iran unterstützten Hisbollah und der Amal, die wiederum von Syrien unterstützt wurde. Die Amal hatte zuvor mit schweren Waffen die palästinensischen Flüchtlingslager Sabra und Schatila angegriffen und zahlreiche Zivilisten getötet. Die Hisbollah stellte diese auch oft als Massaker bezeichneten Angriffe als Grund für die Kämpfe mit der Amal dar. Es wird aber allgemein vermutet, dass Machtkonkurrenz zwischen den beiden schiitischen Milizen ein mindestens ebenso wichtiges Motiv war. Hisbollah errichtete 1985/86 zwei Stützpunkte in Baalbek and al-Hirmil in der Bekaa-Ebene und 1989/90 weitere Stützpunkte im Süden, insbesondere in Iqlīm at-Tuffāh in der Nähe von Sidon und den Palästinenserlagern. Zwischen 1988 und 1989 brachte die Hisbollah ihre großen Projekte im wirtschaftlichen, sozialen, edukativen und medizinischen Bereich zur Unterstützung bedürftiger Schiiten auf den Weg. Die Gründung von Genossenschaften, Kliniken, Apotheken, Krankenhäusern und Sportanlagen brachte ihr viele Anhänger.
Anschläge und Entführungen in den 1980er Jahren
Im westlichen Ausland wurde die Hisbollah vor allem durch Anschläge gegen die israelische Armee bekannt. Sie betrieb Entführungen von israelischen Soldaten, Geiselnahmen und Mörser-Angriffe auf vom israelischen Militär besetztes Territorium bzw. Stellungen während dessen Besatzung des südlichen Libanons.
Bei vielen weiteren Anschlägen gegen jüdische oder westliche, vorwiegend US-amerikanische Einrichtungen weltweit wird ihre Beteiligung angenommen:
Im November 1982 sprengten zwei Selbstmordattentäter einen Kommandoposten der israelischen Armee im libanesischen Tyros in die Luft. Dabei starben 75 israelische Soldaten. Im April 1983 kamen bei einem Bombenanschlag auf die US-Botschaft in Beirut 63 Menschen ums Leben. Im folgenden Oktober wurden bei zwei nahezu parallel ausgeführten Sprengstoffanschlägen auf Einrichtungen der Multinationalen Streitkräfte im Libanon (MNF) 58 französische Fallschirmjäger und 241 US-Marines getötet. Dies waren die ersten Selbstmordanschläge im Nahen Osten. Die Gruppierung Islamischer Dschihad bekannte sich damals als Urheber der Anschläge. Die Hisbollah stritt offiziell ab, für die Anschläge verantwortlich zu sein, und behauptete, die Organisation habe 1983 noch gar nicht existiert. Scheich Subhi at-Tufaili gab später jedoch zu, dass einige der ersten Mitglieder von Hisbollah tatsächlich verantwortlich seien. Dies deckt sich mit Aussagen von Zeugen aus dem Jahr 2003 in einem Zivilprozess, den Hinterbliebene des Anschlags in den USA angestrengt hatten und der mit einer Verurteilung Irans zu Schadensersatzzahlungen in Milliardenhöhe endete.