An diesem Tag

Hinrich Baller

Deutscher Architekt (1936–2025)

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Hinrich Baller (* 4. Juli 1936 in Stargard; † 23. Juli 2025) war ein deutscher Architekt mit Arbeitsschwerpunkt Berlin.

Nach dem Abitur besuchte er zunächst eine Musikschule in Berlin. Doch bald wechselte er auf die Technische Universität Berlin, um Musik und Architektur zu studieren. Nach 20 Semestern erwarb er das Diplom und sah sich nun nach Schaffensmöglichkeiten um. In der Schweiz fand Hinrich Baller einen Gönner, der ihm Bauland auf einem Plateau im Zürcher Oberland bereitstellte, wo zusammen mit Inken Baller das Haus Bachmann entstand. So entstand Ballers erstes selbst entworfenes Haus im Jahr 1966 und prägte nach eigener Aussage seinen naturbezogenen Baustil.

In Berlin wurde er wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Bernhard Hermkes an der TU Berlin. Bei dieser Tätigkeit lernte er seine erste Frau Inken kennen, und sie führten zwischen 1967 und 1989 in Berlin ein gemeinsames Architekturbüro. 1995 folgte die Scheidung. Von 1972 bis 2001 war Hinrich Baller Professor für Architektur an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg. Obwohl er in der Hansestadt unterrichtete, lebte und arbeitete er in Berlin, wo er sich an zahlreichen Wettbewerben beteiligte, bis 1989 mit seiner ersten Ehefrau Inken Baller und ab den 1990er-Jahren mit Doris Piroth, die er 1995 heiratete.

Bis zu seiner Emeritierung 2001 behielt er seine Professur in Hamburg.

Im Jahr 2023 wurden Inken und Hinrich Baller für ihr gemeinsames Werk mit dem Großen BDA-Preis ausgezeichnet. Die Jury würdigte die „eigenständige und ökologisch geprägte Entwurfshaltung, die unter den Bedingungen des sozialen Wohnungsbaus zu erstaunlichen Lösungen jenseits des Mainstreams“ geführt habe. Auch wenn die eigenständige Ästhetik nicht unumstritten gewesen sei, so sei sie doch im Rückblick „aufmüpfig, fröhlich, sozial und von eigenwilliger Schönheit“.

Baller starb am 23. Juli 2025 im Alter von 89 Jahren. Mit Inken Baller hatte er zwei Töchter. Er ruht auf dem Friedhof Grunewald.

Ballers Architektur ist eigenständig und folgt keiner zeitgenössischen Hauptströmung. Sie erinnert in Zügen an den Jugendstil oder die Organische Architektur, stützt sich aber verstärkt auf moderne Konstruktionsmittel wie Beton, Stahl und Glas. Seine Wurzeln sieht Baller bei den Architekten Bruno Taut, Bernhard Hermkes und Hans Scharoun. Beschreiben lässt sich der Stil vor allem durch die Wahl organischer freier Formen mit Verzierungen, aufschwingender Balkonlinien, spitzer Ecken, schiefer Winkel, tiefer Fenster und Räume, die sich ins Grüne hin öffnen. Darüber hinaus werden fast alle äußeren Metallteile der Bauten in mintgrün (= Farbe von oxidiertem Kupfer) lackiert, alle seine Wohnungen besitzen offene Küchen. Einen ähnlichen Baustil weisen in Berlin Gebäude des Architekten Johannes Friedrich Vorderwülbecke auf, die mit den Häusern von Hinrich Baller zunächst leicht zu verwechseln sind; sie kennzeichnen sich durch mehr Expressivität und weniger Farben. Als einem von wenigen Architekten gelang es Hinrich Baller an einigen Orten, die Berliner Stadtstruktur in ihrer hohen Baudichte und -schwere („steinernes Berlin“) aufzulockern. Er sieht seine Bauten auch als Beitrag des Konzeptes „Biotope City“, das in Großstädten weltweit Naturbereiche einzugliedern versucht. Die ebenso eindrucksvolle Landschafts- und Gartengestaltung vieler Bauten geht oft zurück auf seinen langjährigen Landschaftsarchitekten Raimund Herms.

In der Fachliteratur zu Architektur der Gegenwart und Architekturgeschichte kommen die Bauten von Baller kaum vor oder werden allenfalls als exotische Randerscheinung erwähnt. Die Wahrnehmung durch populäre Medien ist deutlich stärker. In den Jahren 2020 und 2021 erschienen Artikel auf den Webseiten von Monopol und Tip-Berlin. Das Newsletter-Magazin Ex Libris widmete Hinrich Baller eine ganze Ausgabe.

Zu den mehr als 100 realisierten Bauten von Hinrich Baller gehören unter anderem (chronologisch):

1973: Wohnhaus Beethovenstraße, Berlin-Lankwitz, mit Inken Baller und Volker Kranz

1975–1976: Wohnhaus Stallstraße/Nithackstraße, Berlin-Charlottenburg, mit Inken Baller

1976–1977: Umbau des sogenannten Aschinger-Hauses (1969–1973, Dietrich Garski), Joachimsthaler Straße 1–3, Berlin-Charlottenburg, mittlerweile abgerissen

1977–1978: Wohn- und Geschäftshaus Lietzenburger Straße 86, Berlin-Charlottenburg, mit Inken Baller

1977–1978: Wohnhaus Hundekehlestraße, Berlin-Schmargendorf, mit Inken Baller

1977–1982: Umbau Taut-Haus am Kottbusser Damm, Berlin-Kreuzberg, mit Inken Baller

1979–1985: Brandwandbebauung und Torhäuser Fraenkelufer Berlin-Kreuzberg im Rahmen der Internationalen Bauausstellung 1987 (IBA 87), mit Inken Baller

1981–1983: Neubau des Philosophischen Instituts (mit Bibliothek) der Freien Universität Berlin an der Habelschwerdter Allee in Berlin-Dahlem, mit Inken Baller

1982: Umbau Gleichrichtwerk Bastianstraße, Berlin-Gesundbrunnen, mit Inken Baller

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