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Hilfskreuzer

Umgerüstete, bewaffnete Handelsschiffe oder Passagierdampfer für den Handelskrieg

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Hilfskreuzer waren umgerüstete, bewaffnete Handelsschiffe oder Passagierdampfer für den Handelskrieg.

Zweck des Hilfskreuzer-Konzepts war es, durch Umrüstung von Handelsschiffen der Flotte eines Landes schnell und ohne großen Materialaufwand weitere Kriegsschiffe zur Verfügung zu stellen. Dieser Umbau bestand meistens lediglich aus dem Einbau mehrerer Geschütze sowie der dazugehörigen Feuerleitanlage. Größere Veränderungen, wie das Anbringen von Panzerung oder die Umgestaltung der inneren Struktur eines Handelsschiffs mit großen Frachträumen zum Kriegsschiff mit kleinen Räumen zur Schadensbegrenzung, wurden praktisch nicht durchgeführt, da sie zu zeitaufwendig gewesen wären und letztlich im Ernstfall nur einen geringen Nutzen gehabt hätten.

Einem echten Kriegsschiff waren Hilfskreuzer ohnehin jederzeit an Kampfkraft und bis auf wenige Ausnahmen auch an Geschwindigkeit weit unterlegen. Hinzu kam, dass reguläre Kriegsschiffe, etwa Kreuzer, im Regelfall einen entsprechenden Panzerschutz besaßen, während ein solcher bei Hilfskreuzern nicht vorhanden war beziehungsweise auch nicht nachgerüstet werden konnte. Entsprechend hoch war die Anfälligkeit gegenüber Geschützfeuer. Zusammenstöße zwischen Hilfskreuzern und regulären Kriegsschiffen endeten fast immer mit dem Verlust des Hilfskreuzers – eine seltene Ausnahme stellte 1941 das Zusammentreffen des deutschen Hilfskreuzers Kormoran mit dem australischen Leichten Kreuzer Sydney dar, wobei das Gefecht mit dem Untergang von beiden Schiffen endete.

Aus den Einschränkungen des Hilfskreuzers ergab sich auch sein Einsatzspektrum. Er wurde meistens zu Aufgaben eingesetzt, bei denen die Gefahr eines Kontaktes mit feindlichen Flottenkräften relativ gering war, die Aufgabe kein vollwertiges Kriegsschiff erforderte oder diese in nicht ausreichender Zahl zur Verfügung standen. Die genaue Art des Einsatzes hing von den Aufgaben und der Strategie der Seestreitkräfte des jeweiligen Landes ab, wobei das Aufgabenspektrum einerseits das Führen eines Handelskrieges (etwa bei den deutschen Hilfskreuzern), aber auch andererseits Patrouillen-, Blockade- oder Geleitschutzdienste (etwa bei den britischen Hilfskreuzern) umfassen konnte.

Abzugrenzen sind Hilfskreuzer vom Kaperschiff (englisch privateer; französisch corsaire), denn bei diesen handelte es sich im Regelfall um privat bewaffnete Schiffe, die nicht den offiziellen Marinestreitkräften eines Staates angehörten (die gleichwohl aber mit dessen Ermächtigung agierten, siehe Kaperbrief), während Hilfskreuzer Teil der offiziellen Marinestreitkräfte eines Landes waren beziehungsweise sind. Hinzu kommt, dass das Ausrüsten von Kaperschiffen seit der Pariser Seerechtsdeklaration von 1856 völkerrechtlich verboten ist.

Hilfskreuzer gab es bereits zu Zeiten der Segelschiffe. Während des Sezessionskrieges in den Vereinigten Staaten (1861 bis 1865) setzten die konföderierten Südstaaten bewaffnete Handelsstörer gegen die Schifffahrt der Nordstaaten ein; eines der erfolgreichsten Schiffe hierbei war die Alabama unter Raphael Semmes, die mit 71 aufgebrachten Schiffen bis heute einer der erfolgreichsten Hilfskreuzer überhaupt ist. Weitere sehr erfolgreiche Handelsstörer der Konföderierten waren die Shenandoah (36 gekaperte Schiffe) und das Dampfschiff Tallahassee (29 gekaperte Schiffe). Die Erfolge dieser Schiffe im Handelskrieg reichten allerdings nicht aus, um die deutliche wirtschaftliche und industrielle Überlegenheit der Nordstaaten ausgleichen zu können.

Im Rahmen der Balkankrise erwarb die russische Marine im Mai 1878 drei Handelsschiffe – Hammonia, Holsatia und Thuringia (siehe Hammonia-Klasse) – im Deutschen Reich und stellte sie im Juni 1878 unter den Namen Moskwa, Rossija und St. Petersburg als bewaffnete Hilfskreuzer in Dienst. Die Absicht russischerseits war es, diese Schiffe im Falle eines Konfliktes mit dem Vereinigten Königreich auf den Weltmeeren gegen den britischen Seehandel einzusetzen. Die Krise konnte indessen durch den fast zeitgleich einberufenen Berliner Kongress beigelegt werden und die drei Dampfer wurden nachfolgend, ohne dass sie zum Einsatz gekommen wären, abgerüstet und später als zivile Handelsschiffe eingesetzt.

Im Spanisch-Amerikanischen Krieg von 1898 setzten sowohl die United States Navy als auch die Armada Española Hilfskreuzer ein. So kamen auf amerikanischer Seite insgesamt neun Hilfskreuzer zum Einsatz, darunter auch die Yosemite. Auf spanischer Seite wurden mindestens drei Hilfskreuzer ausgerüstet, eines der größten Schiffe war der bewaffnete Passagierdampfer Patriota. Während die US-Schiffe allerdings nur wenige und kurze Gefechte bestritten und zumeist für Blockade- und Truppentransportaufgaben eingesetzt wurden, sahen die spanischen Schiffe keine Einsätze. Auch im Japanisch-Russischen Krieg (1904 bis 1905) kamen Hilfskreuzer zum Einsatz, darunter mindestens zehn japanische und neun russische Schiffe, wobei der russische Hilfskreuzer Ural 1905 in der Seeschlacht bei Tsushima versenkt wurde.

Zahlreiche Hilfskreuzer wurden im Ersten Weltkrieg von den kriegführenden Mächten eingesetzt. Bereits vor dem Konflikt hatten fast alle führenden Seemächte den Bau von größeren Passagierschiffen beziehungsweise von Schnelldampfern staatlich subventioniert, um selbige im Falle eines Kriegsausbruches rasch requirieren und bewaffnen zu können. In der Marine von Österreich-Ungarn wurden Hilfskreuzer als Auxiliarkreuzer bezeichnet.

Von der vorgesehenen Aufgabe des Hilfskreuzers hing auch die Auswahl der Schiffe ab, die zu Hilfskreuzern umgebaut wurden. Für Geleit- und Patrouillenaufgaben wurden auf alliierter Seite beziehungsweise der Entente-Seite meistens große Passagierschiffe umgebaut, da diese über eine relativ große Geschwindigkeit verfügten, auf entsprechende Hafenkapazitäten zurückgreifen und die meisten anderen Handelsschiffe einholen konnten.

Da diese Schiffe aber große Mengen von Kohle verbrauchten, waren sie, wie sich zu Beginn des Ersten Weltkrieges rasch zeigte, für das deutsche Einsatzkonzept der Handelsstörer ungeeignet, da diese längere Zeit fernab der eigenen Basen operieren sollten. Zwar setzte die Kaiserliche Marine in der Anfangsphase des Ersten Weltkrieges notgedrungen auch große Passagierschiffe als Hilfskreuzer mit gewissen Erfolgen ein, etwa die Schnelldampfer Berlin, Kaiser Wilhelm der Große und Kronprinz Wilhelm, doch gingen diese Schiffe entweder nach Gefechten 1914/15 verloren oder mussten wegen Brennstoffmangels fast alle bis 1915 in neutralen Häfen interniert werden. Im späteren Verlauf des Ersten Weltkrieges wählte man deswegen deutscherseits kleinere und langsamere Frachtschiffe aus, da diese einen deutlich geringeren Bedarf an Treibstoffen und somit eine größere Seeausdauer hatten. In einem Fall setzte man auch ein (mit Hilfsmotoren ausgestattetes) Segelschiff ein, die Seeadler, die 1916/17 auf Feindfahrt ging.

Die deutschen Hilfskreuzer wurden, sowohl im Ersten wie auch im Zweiten Weltkrieg, als reine Handelsstörer eingesetzt. Sie sollten unerkannt und oftmals getarnt als neutrale Schiffe die britische Blockade durchfahren und dann britische und alliierte Handelsschiffe fernab vom Kriegsgebiet angreifen, damit die Royal Navy reguläre Kriegsschiffe aus dem Kriegsgebiet abziehen und zum Schutz ihrer Konvois und zur Suche nach den Handelsstörern einsetzen musste. Zwar operierten die deutschen Handelsstörer im Normalfall alleine, teils kam es aber auch zu gemeinsamen Operationen, etwa im Zweiten Weltkrieg bei den Angriffen auf die alliierten Phosphattransporte vor Nauru im Winter 1940/41 (siehe Fernost-Verband).

Die Bewaffnung der deutschen Hilfskreuzer bestand meist aus mehreren Geschützen verschiedener Kaliber und Torpedorohren. Mitgeführt wurden mitunter auch bis zu zwei Wasserflugzeuge mit Schwimmern zu Aufklärungszwecken, Minen und leichte Schnellboote, die zum Legen von Minen oder zum Abschuss von Torpedos vorgesehen waren. Die deutschen Hilfskreuzer wurden in Schwere Hilfskreuzer (ab 7.000 BRT) und Leichte Hilfskreuzer (max. 5.000 BRT) eingeteilt. Es wurden im Zweiten Weltkrieg auf deutscher Seite ausnahmslos ehemalige Schnell- oder Kühlfrachter mit leistungsfähigem Dampfturbinen- oder Dieselantrieb verwendet. Sie waren mit bis zu sechs Geschützen Kaliber 15 cm, leichterer Artillerie (Kanonen bis 10,5 cm), einigen Flugabwehrkanonen und bis zu sechs Torpedoausstoßrohren bewaffnet.

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