Das Hessische Staatstheater Wiesbaden in der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden ist ein Fünf-Sparten-Theater. Das neubarocke Gebäude wurde 1892 bis 1894 durch den preußischen König und deutschen Kaiser Wilhelm II. vom Wiener Architekturbüro Fellner & Helmer als Königliches Theater errichtet. Es verfügt heute über die vier Bühnen Großes Haus (1.041 Plätze), Kleines Haus (328 Plätze), Studio (89 Plätze) und die externe Spielstätte Wartburg (154 Plätze, seit 2003) an der Schwalbacher Straße. Es hat ca. 600 Beschäftigte. Von August 2014 bis zum Januar 2024 war der Regisseur und Schauspieler Uwe Eric Laufenberg Intendant des Hessischen Staatstheaters. Seit der Spielzeit 2024/25 bilden Dorothea Hartmann und Beate Heine eine Doppelspitze als Intendantinnen.
Im Jahr 1827 eröffnete in unmittelbarer Nähe des Hotels Nassauer Hofs der Herzog von Nassau sein neues Hoftheater. Nach dem Übergang Nassaus an Preußen erwies es sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts als baulich zu klein für die Repräsentationansprüche Wilhelms II., dem König von Preußen und Deutschen Kaiser.
Der Bau eines neuen Wiesbadener Theatergebäudes wurde als Königliches Theater maßgeblich durch Wilhelm II. initiiert und gefördert. Es wurden, nach einem beschränkten Architekturwettbewerb, zu dem neben Manfred Semper, einem Sohn des berühmten Gottfried Semper, auch Professor Georg Frentzen aus Aachen eingeladen wurde, die damals in ganz Europa bekannten Wiener Theaterarchitekten Ferdinand Fellner d. J. und Hermann Helmer engagiert, die das Gebäude 1892/1894 für ein Honorar von knapp 80.000 Goldmark für 1,8 Mio. Goldmark im Stil des Neobarocks errichteten. Vorbilder für das neue Haus waren u. a. Theater in Prag, Wien und Zürich.
Am 16. Oktober 1894 konnte Wilhelm II. das neue Haus nach nur 22 Monaten Bauzeit feierlich eröffnen. Auf dessen Wunsch wurde auch 1902 an der Ostseite des ursprünglich achsensymmetrischen Theaters für 600.000 Mark ein Foyer angefügt, das die Pracht des Zuschauerraums noch übertraf. Ergänzt wurde diese erste Erweiterung durch eine Probebühne, den Malersaal und diverse Werkstätten an der Südseite der Kolonnaden. Gebaut hatte diese Bereiche der Wiesbadener Stadtbaumeister Felix Genzmer. Im Freistaat Preußen erfolgte 1918 die Umbenennung in Preußisches Staatstheater.
Am 18. März 1923 kam es zu einem Bühnenbrand, der u. a. die Kuppel des Bühnenturmes vollständig zerstörte. Die Kuppel wurde aus Kostengründen ohne die ursprünglich vorhandenen Verzierungen nur vereinfacht wieder aufgebaut und das Theater nach 9 Monaten am 20. Dezember 1923 wieder eröffnet. Die Trägerschaft wechselte nach der Spielzeit 1932 vom Land Preußen zur Stadt Wiesbaden. Damit verbunden war eine erneute Umbenennung in Nassauisches Landestheater. Im Jahr 1937/38 wurde im Zuge der Umgestaltung der beiden Kolonnaden bei der Theaterkolonnade der neobarocke Säulenportikus mit der von fünf Panthern gezogenen Streitwagenskulptur abgebrochen und zu einem klassizistischen Portikus umgestaltet.
Während des Zweiten Weltkrieges wurde in der Nacht vom 2. auf den 3. Februar 1945 die Nordseite des Theaters durch Bombentreffer schwer beschädigt. Den Bomben zum Opfer gefallen sind der Säulenportikus der Theaterkolonnade, die ursprünglich reich verzierte Kassenhalle, sowie die Decke des Zuschauerraums. Die beschädigten Gebäudeteile wurden in der Nachkriegszeit nur sehr vereinfacht wieder aufgebaut. Das Deckenbild des Zuschauerraums wurde in diesem Zusammenhang 1947 von dem bildenden Künstler JoKarl Huber (1902–1996) neu gestaltet.
Nach einem erneuten Wechsel der Trägerschaft zu dem neu geschaffenen Bundesland Hessen im Jahr 1946 und einer zeitweiligen Nutzung des Großen Hauses durch die US-Streitkräfte konnte der Spielbetrieb 1947 als Großhessisches Staatstheater und später als Hessisches Staatstheater Wiesbaden wieder aufgenommen werden. In der Spielzeit 1949/50 wurde das prunkvolle Foyer baulich vom Theater abgetrennt und zum Spielcasino umfunktioniert. Diese Trennung wurde zu den Maifestspielen 1956 wieder aufgehoben.
Von 1975 bis 1978 wurde der Zuschauerraum aufwendig saniert und teilweise nach historischem Vorbild rekonstruiert (Deckengemälde, Farbgebung, Stuckapplikationen etc.). Weiterhin wurde die Technik modernisiert und unter der Leitung des Architekten Hardt-Waltherr Hämer aus Berlin ein großer Anbau für Proberäume, Werkstätten, Intendanz und Verwaltung an der Südostecke des Theaters in Kontrast zum Altbau als Beton-Flachdachbau mit großen Glasfassaden und mit einer Bleiverkleidung ausgeführt. Die Außenansicht des Foyers ist seitdem bis auf das Dach den Blicken der Öffentlichkeit entzogen. Im Jahr 2002 wurde die Studio-Bühne umgebaut und erneuert, sowie der Zuschauerraum des Kleinen Hauses, welcher seither nur noch 285 Zuschauerplätze fasst. Durch ein Unwetter wurde am 11. Juli 2014 die tiefliegende Studio-Bühne und viele Werkstätten unter Wasser gesetzt.
Das Wiesbadener Staatstheater wurde im neobarocken Stil errichtet. Der Haupteingang befindet sich in der Mitte der Theaterkolonnade, die zusammen mit der gegenüber liegenden Kurhauskolonnade das sogenannte Bowling Green flankieren. An der Stirnseite dieses Platzes befindet sich das Wiesbadener Kurhaus.
Die Rückseite des Theaters wurde als Schauseite ausgeführt. Von der großen Außentür gelangt man direkt auf die Bühne. Hier befindet sich ein klassischer Säulenportikus mit einem aus Savonnières-Kalkstein geschaffenen Relief im Giebel, gestaltet von Professor Hermann Volz aus Karlsruhe. Die Giebel-Inschrift, welche erst 1905 angebracht wurde, zitiert aus Schillers Gedicht Die Künstler: „Der Menschheit Würde ist in Eure Hand gegeben. Bewahret sie!“ Das Giebelfeld zeigt in der Mitte sitzend die Kunst oder Poesie, zu ihrer Rechten lehnt die poetische, weibliche Verkörperung der Trauer, zu ihren Füßen spielt Scherz in Gestalt einer mit einer Narrenmütze bekleideten Putte. Die Gruppe links zeigt einen sterbenden Helden, halb auf dem Schoß der Parze liegend, die seinen Lebensfaden durchschneidet, was die Tragödie symbolisiert. Die Gruppe rechts zeigt das Lustspiel in Form eines sich küssenden Liebespaars, das von einem kleinen Amor belauscht wird, während ein schön gewachsener Faun ein Tamburin schlägt.
Die Giebelspitze bekrönte einst ein Genius, der eine Fackel hochhielt. Er wurde, wie die auf den Giebelschenkeln exponierten Sphinxe und die beiden vier Meter hohen Skulpturengruppen dahinter, vom Wiener Bildhauer Franz Vogel, einem Schüler des Bildhauers Edmund von Hellmer, modelliert. Bei der linken (westlichen) Skulpturengruppe ist die Muse der Musik mit Lyra, einer Sphinx und einem Knaben dargestellt. Beim östlichen Pendant bläst sie eine Posaune, trägt die Maske des Romus in der Hand und wird von einem Panther sowie einem Putto begleitet. Die Eckrisalite des Bühnenbaus werden von Quadrigen ähnlichen Panthergespannen überragt, die den figürlichen Hauptschmuck der Seitenfronten bilden. Geschaffen wurden die vier aus Zinkblech getriebenen, ursprünglich mit einer Kupferschicht überzogenen Gruppen von dem Berliner Bildhauer Prof. Gustav Eberlein. Sie zeigen in verschiedenen Varianten die den Thyrusstab schwingende Muse Euterpe in einem von drei Panthern gezogenen Streitwagen. Ein fünftes Gespann thronte bis 1945 auf dem zerstörten Eingangsportikus. Die vier zum Teil beschädigten Nischenfiguren der Südfassade unterhalb des Giebels stellen Drama, Gesang, Musik und Tanz dar. Sie wurden von dem Stuttgarter Bildhauer Theodor Bausch geschaffen.
Vor dem Portikus breitet sich ein Landschaftspark mit Teich und Fontäne (Warmer Damm) aus. Ein von dem Bildhauer Joseph Uphues geschaffenes Denkmal des Dichters Friedrich Schiller steht seit 1905 direkt vor der nur der Ästhetik dienenden Auffahrt. Kaiser Wilhelm II. besaß eine eigene Einfahrt für seine Kutsche (die „Kaiserfahrt“), in der er seine Loge von der Wilhelmstraße durch den Keller direkt erreichen konnte. Das von dem der Loge vorgelagerten Empfangsraum zu erreichende Ankleidezimmer des Kaisers (heute ein Teil der Seitenbühne), wurde in seiner Ausstattung dem entsprechenden Raum der kaiserlichen Yacht Hohenzollern ganz genau nachgebildet.