Das Herzogtum Geldern war ein historisches Territorium des Heiligen Römischen Reiches im Niederrheinisch-Westfälischen Reichskreis.
Das Herzogtum Geldern grenzte im Norden und Westen an das Hochstift Utrecht, im Osten an das Hochstift Münster, das Kurfürstentum Köln sowie die Herzogtümer Kleve und Jülich und im Süden an das Herzogtum Brabant, im Westen an die Grafschaft Holland.
Das Herzogtum bestand im Wesentlichen aus dem Quartier Roermond (dem Oberquartier), in dem auch die Stadt Geldern liegt (weitere Städte: Erkelenz, Goch, Nieuwstad, Venlo, Straelen), Viersen und den drei Niederquartieren Arnhem (Veluwe; Unterstädte: Elburg, Harderwijk, Hattem, Wageningen), Nijmegen (Betuwe; Unterstädte: Gendt, Maasbommel, Tiel, Zaltbommel) und Zutphen (Unterstädte: Doesburg, Doetinchem, Groenlo, Lochem). Das Oberquartier am Niederrhein zu beiden Seiten der Maas war räumlich von den drei übrigen Gebieten im Südosten der Niederlande an IJssel und Waal getrennt.
Die heutige Provinz Gelderland in den Niederlanden deckt die drei vorgenannten Niederquartiere des ehemaligen Territoriums ab.
Das Herzogtum ist nach der Stadt Geldern im Kreis Kleve, Nordrhein-Westfalen benannt.
Territoriale Entwicklung der Grafschaft und des Herzogtums bis 1815
Zu der ersten Gerechtsame um 1021, dem Reichslehen für das Gebiet von Wassenberg, kamen zusätzliche Allodialbesitzungen um Wassenberg und an der mittleren Maas hinzu. 1054 wurde den Wassenbergern erstmals das Lehen für den Hattuaria-Gau am Niederrhein vom Kölner Erzbischof Hermann II. erteilt, wodurch sie im Territorialbereich um Geldern aktiv wurden. Danach wurden in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts die direkten Reichslehen mit Grafschaftsrechten für die Wetterau bei Styrum, im Hamaland bei Elten, in Westfalen bei Vreden und dem Reichswald bei Kleve erweitert.
Mit diesen Erweiterungen war bereits eine solide Basis für eine Grafschaft erreicht. Noch im 11. Jahrhundert kamen vom Utrechter Hochstift stammende Grafschaftsrechte durch Lehen für den Gau Teisterbant und in der Betuwe hinzu. Diese letzten Erweiterungen wurden um die Zeitwende zum 12. Jahrhundert durch die Übertragung der Vogteirechte für das Utrechter Marienstift einschließlich der Altarvogtei abgesichert. Diese Ausdehnung des Machtbereiches nach Nordwesten führte aber zeitweise zu Problemen mit den Grafen von Holland, die diese dortigen Territorien ebenfalls zu ihrem Einflussbereich zählten.
Ab 1118/1125 setzte sich die Bezeichnung „Grafen von Geldern“ endgültig durch, in diese Jahre wird auch der Bau der ersten Burg Geldern datiert. Der Name ging nun von der Landschaft, der späteren Vogtei Gelderland, auf die Burg und auf die sich anschließend entwickelnde Siedlung Geldern über. Wassenberg ging bereits Anfang des Jahres 1107 als Heiratsgut an die Herzöge von Limburg, später dann an das Herzogtum Jülich. Spätestens mit dem Verzicht auf Wassenberg verlagerten die Grafen ihr Herrschaftszentrum in die Burg Geldern. Spätestens Anfang des 12. Jahrhunderts wurden die Grafen von Geldern Lehnsleute der Erzbischöfe von Köln. Von diesen erhielten sie die Vogtei des Neusser Quirinstifts, Gebiete im Bereich von Geldern und die westlich der Maas liegende Grafschaft Kempen und den Bereich Peel. Besonders die neuen Lehnsgebiete um Geldern ergänzten die Besitzungen in diesem Bereich und rundeten sie ab. Hinzu kamen noch Mitte des 12. Jahrhunderts urkundlich brabantische Lehen im Bereich Veluwe und Grafenrechte im östlich davon liegenden Salland.
Waren bis zu diesem Zeitpunkt die Erwerbungen weitgehend Übertragungen von Lehen und den zugehörigen Rechten gewesen, so bauten die Grafen ihre Rechte durch eigene Anstrengungen nun zunehmend auch selbst weiter aus. Durch Rodungen und Kultivierungen von Öd- und Sumpfland besonders im Bereich von Wassenberg, Geldern und dem bisher weitgehend unerschlossenen Reichswald wurde der nutzbare Allodialbesitz vergrößert. Durch Verheiratung der Töchter wurde über Vererbung der Besitz ebenfalls erweitert. Letzteres betraf besonders den Erwerb der Grafschaft Zutphen in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts. Allerdings gingen über Vererbung durch das „Heiratsgut“ der Töchter auch Besitzungen wieder verloren. Letzteres betraf besonders das Gebiet des ursprünglich ersten Bereiches der Grafschaft Wassenberg. Dieses gelangte über die Heirat der Tochter Jutta (oder Judith) von Gerhard I. von Geldern Anfang des 12. Jahrhunderts bereits an die Grafschaft Limburg.
Während dieser ersten Phase für den Aufbau des geldrischen Territoriums lag der Schwerpunkt des Allodialbesitzes um die Zentren von Wassenberg und Geldern. Die Grafenrechte waren dagegen überwiegend weiter nördlich gelegen für Gebiete im Bereich der Mündung der Maas, der Waal und der Veluwe mit Salland. Durch den Fortfall der Gebiete um Wassenberg und das Erbe der Grafschaft Zutphen verschob sich damit insgesamt der Einflussbereich der Grafen von Geldern deutlich nach Norden. Dieser Einflussbereich war jedoch noch sehr heterogen und es gab noch keine weitgehend einheitliche Grafschaft Geldern mit einem in sich abgerundeten Territorialgebiet.
Zweite Phase bis zur Erhebung zum Herzogtum 1339
War in der ersten Phase das Hauptziel, den Einflussbereich möglichst stark zu erweitern, so wurde nun zunehmend die Arrondierung der eigenen Bereiche angestrebt. Durch die erworbenen Flusszölle war Geld zum gezielten Kauf von Herrschaftsrechten vorhanden. Unter den Grafen Otto II., Rainald I. und Rainald II. wurden sowohl einzelne Landgüter, Allodien, Burgen wie auch geschlossene Herrschaftskomplexe käuflich erworben. Durch Erbfall erwarb man zwar kurzfristig Ansprüche auf das Herzogtum Limburg, jedoch gingen diese durch die Schlacht von Worringen, bei der der amtierende Graf von Geldern zu den Verlierern gehörte, wieder verloren. Allgemein wurde nun außerhalb der Kernbereiche liegender Besitz wieder verkauft oder gegen Besitz innerhalb der Kernbesitzungen getauscht. Zusätzlich wurden kleinere bisher selbständige Herrschaftsbereiche durch Geldeinsatz in geldrische Lehen umgewandelt. Nachfolgend die wichtigsten Erwerbungen für Geldern in dieser Phase:
von 1243 bis 1251 Teile der Herrschaft Krickenbeck
1251 Erwerb der Besitzungen um Groenlo und Bredevoort
um 1250 Erwerb der Reichsrechte von Nijmegen
1255 Kauf des Goi bei Zelhem und Hengelo von Hermann II. von Lohn sowie von Gütern bei Lek und Lingen vom Marienstift in Utrecht
1256 Kauf der Allode Velp und Rijnwijk von der Abtei Deutz