Hermione von Preuschen, eigentlich Hermine Ernestine Henriette Anna von Preuschen, (* 7. August 1854 in Darmstadt; † 12. Dezember 1918 in Lichtenrade) war eine deutsche Malerin und Dichterin.
Hermione von Preuschen war die Tochter von Freiherr Maximilian von Preuschen von und zu Liebenstein (Oberkonsistorialrat und hessischer Geheimrat) und Friederike Anna Albertine Ottilie geb. Scheffer von Althattendorf.
Sie begann 1869 mit 16 Jahren an der Kunstakademie in Karlsruhe Malerei zu studieren. Sie war dort überwiegend Schülerin von Ferdinand Keller und beendete dieses Studium nach drei Jahren. Die 19-Jährige erhielt in Karlsruhe im Haus von Gustav zu Putlitz weitere literarische Anregungen. Sie reiste durch Europa, unter anderem nach Sizilien, Rom, Paris und Berlin.
Seit 1873 stand von Preuschen in freundschaftlichem Kontakt zu dem Dichter Theodor Storm, den sie später mehrmals in dessen Alterssitz in Hademarschen besuchte. Hermione von Preuschen widmete – mit ausdrücklicher Zustimmung Storms, der allerdings die Gedichte noch nicht kannte – ihren 1888 erschienenen Lyrikband Regina vitae ihrem „theuern, väterlichen Freund Theodor Storm in liebevoller Verehrung“. Die Briefe, die sie rund 15 Jahre lang mit Storm wechselte, zeugen zum einen von der Wertschätzung, die der alternde Dichter und die junge Dichterin füreinander empfanden, zum anderen aber auch von ihren sehr unterschiedlichen Auffassungen in literaturästhetischen und die Wirkung von Dichtung betreffenden Fragen.
Sie heiratete 1882 den Münchner Arzt Oswald Schmitt; diese Ehe wurde 1889 geschieden. 1891 heiratete sie den Schriftsteller Konrad Telmann (eigtl. Zitelmann) und lebte die überwiegende Zeit in Rom, aber auch in Hökendorf bei Stettin. Sie malte in Rom, Hökendorf, München, Berlin und Kopenhagen. Sie war mit der etwa gleichaltrigen Malerin Emma Lutteroth bekannt und ihre Novelle Meine Freundin – Eine Frage weist autobiografische Züge dieser Bekanntschaft auf.
Nachdem ihr Ehemann im Januar 1897 in Rom gestorben war, zog sie sich in ihre Villa „Tempio Hermione“ in Lichtenrade zurück und begann, sich als Schriftstellerin zu etablieren. Sie verbrachte den Winter 1897/1898 in Kairo und verlegte dann ihre ständigen Wohnsitz nach Berlin. Von 1905 bis 1907 unternahm sie ausgedehnte Reisen nach Britisch-Indien, Britisch-Ceylon und Birma. Daneben malte sie einige Stillleben und sah sich 1911 veranlasst, einen Kommentar zur Erklärung ihrer Bilder zu veröffentlichen. Berühmt sind vor allem ihre Stillleben und frühen Blumenbilder; der bayerische Prinzregent Luitpold schätzte sie sehr.
Sie starb 1918 im Alter von 64 Jahren in Lichtenrade bei Berlin und wurde auf dem protestantischen Friedhof in Rom neben Konrad Telmann bestattet. Ihr zu Ehren wurde im Jahr 2009 der bisherige „Hohenzollernplatz“ in Lichtenrade in „Hermione-von-Preuschen-Platz“ umbenannt.
Der Mors-Imperator-Skandal (1887)
Ein prägendes Ereignis in Hermione von Preuschens Karriere war der öffentliche Eklat um ihr monumentales Gemälde „Mors Imperator“ (Der Tod als Kaiser). Das Werk zeigt ein Skelett in kaiserlichen Prunkgewändern, das über eine stürzende Weltkugel herrscht – eine klassische Allegorie auf die Vergänglichkeit jeder Macht. Doch im Berlin des Jahres 1887 stieß diese künstlerische Vision auf harten politischen Widerstand.
Da Kaiser Wilhelm I. zu diesem Zeitpunkt bereits 90 Jahre alt und gesundheitlich stark angeschlagen war, werteten die Behörden und die konservative Jury der Berliner Akademie das Bild als geschmacklose Provokation oder gar als Majestätsbeleidigung. Man befürchtete, das Publikum könne in dem knöchernen Imperator eine direkte Verspottung des sterbenden Monarchen sehen. Um einen handfesten Zensurstreit zu umgehen, lehnte die Akademie das Bild offiziell mit der Begründung ab, es sei handwerklich unzureichend.
Als Reaktion verfasste von Preuschen Protestbriefe an die Presse und an den Kaiser persönlich, um ihre künstlerische Integrität zu verteidigen. Als die staatlichen Ausstellungsräume ihr verschlossen blieben, mietete sie ein eigenes Ladenlokal in der Leipziger Straße. Diese private „Gegenausstellung“ wurde zu einem gigantischen Publikumsmagneten. Die Berliner strömten herbei, um das Bild zu sehen, das der Staat verbieten wollte, was von Preuschen schlagartig zur bekannten Künstlerin machte.
Die Geschichte verlieh dem Werk eine makabre Aktualität, als der Kaiser tatsächlich nur wenige Monate später verstarb. In der heutigen Forschung wird dieser Vorfall als Schlüsselmoment der frühen Moderne betrachtet: Er markiert den Punkt, an dem eine selbstbewusste Künstlerin die erstarrten Strukturen des Kaiserreichs herausforderte und die Mechanismen der modernen Öffentlichkeitsarbeit für sich zu nutzen wusste. Nach langer Zeit in Privatbesitz kehrte das Originalgemälde im März 2026 für eine Sonderausstellung in die Alte Nationalgalerie zurück.
Zwei Töchter aus der Ehe mit Konrad Telmann, Ingeborg (Inge) und Helga, wurden 1906 von Telmanns Schwager Henning von Holtzendorff adoptiert, der mit Telmans Schwester kinderlos verheiratet war. Die Töchter wurden dadurch 1907 in den preußischen Adelsstand erhoben. Beide Töchter gehörten später in Berlin zum Kreis um den Philosophen Constantin Brunner, mit dem auch ihre Mutter bekannt war. Inge von Holtzendorff (1896–1974), seit 1923 verheiratet mit dem Maler Conrad Westpfahl, betätigte sich seit ihrer Jugend als Dramatikerin. Ihre erste Dramensammlung (1920) widmete sie Constantin Brunner.
Traumgott, um 1894 (Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale))
Aus den Pariser halles centrales (1881)
1888 Regina Vitae (Gedichte) Digitalisat
1895 Via passionis (Gedichte) Digitalisat
1897 Noch einmal „Mors imperator“ (Ein Requiem für Konrad Telmann)