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Hermenegildo Anglada Camarasa

Katalanisch-spanischer Maler des Postimpressionismus und des Modernisme

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Hermenegildo Anglada Camarasa, auf Katalanisch Hermenegild (abgekürzt:Hermen) Anglada i Camarasa, auch bekannt als Anglada-Camarasa, (* 11. September 1871 in Barcelona; † 17. Juli 1959 in Pollença) war ein katalanisch-spanischer Maler, dessen Werke vor dem Ersten Weltkrieg dem Symbolismus, Postimpressionismus, Modernisme und Dekorativismus zugerechnet werden.

Anglada Camarasa wurde am 11. September 1871 in Barcelona als Sohn des Kutschendekorateurs und Freizeit-Aquarellisten Josep Anglada Llecuna geboren. Im Alter von 7 Jahren verlor er seinen Vater, in dessen Werkstatt er die Liebe zur Malerei entdeckt hatte. Gegen den heftigen Widerstand seiner Mutter Beatriu Camarasa Casanovas setzte er durch, ab 1886 Malerei an der Escola de Belles Arts de Barcelona (Schule der Schönen Künste in Barcelona‘) – genannt Llotja – studieren zu können. Unterrichtet wurde er durch Tomás Moragas und später Modest Urgell, der seinen Stil naturalistischer Landschaftsmalerei prägte und von ihm stets als derjenige angesehen wurde, von dem er am meisten gelernt hatte. Nach mehrjährigem Arbeiten innerhalb einer Malergruppe im Dorf Arbúcies am Fuß des Montsena, zu der u. a. auch Eliseo Meifrén gehörte, und einer ersten erfolglosen Ausstellung seiner Bilder in der Kunstgalerie Sala Parés in Barcelona reiste er zum Studium der alten Meister erstmals im November 1894 nach Paris. Dort lebte er zunächst unter sehr einfachen Verhältnissen und musste aus Geldnot 1895 nach Katalonien zurückkehren. Mit dem peruanischen Maler Carlos Baca-Flor, mit dem er eine lebenslange Freundschaft schloss, zog er nachts durch die Casinos, Cabarets und Cafe-Concerts. Mit dessen Hilfe erreichte er eine laufende finanzielle Unterstützung durch seinen Schwager Josep Rocamora Pujola, was ihm ab 1897 einen dauernden Aufenthalt in Paris ermöglichte. Dort erwarb er um das Jahr 1900 die französische Staatsangehörigkeit.

Studien an der Académie Julian unter Benjamin Constant und Jean Paul Laurens sowie zusätzliche nächtliche Kurse an der Académie Colarossi unter Rene Prinet und Louis-Auguste Girardot mit an diesen Schulen gewonnenen Preisen in Komposition ermöglichten Anglada ab 1898 erste erfolgreiche Ausstellungen einiger Bilder im Salon der Société nationale des beaux-arts. An einer dieser Akademien lernte Anglada seine spätere erste Ehefrau, die Malerin Isabel Beaubois (* 6. Februar 1876; † nach 1927) kennen, die nach Scheidung dieser Ehe um 1911 den katalanischen Pianisten Enric Montoriol Tarrés heiratete und unter dem Namen Isabel Beaubois Montoriol bekannt wurde.

Im Mai 1900 veranstaltete Anglada eine viel beachtete Einzelausstellung mit je 20 seiner in einem neuen Stil gemalten Pariser Gemälde sowie akademischer Zeichnungen, wiederum in der Sala Parés in Barcelona. Diese löste bei Kritikern und Publikum sehr gegensätzliche Reaktionen aus. Nach Ende der Ausstellung verfasste er im Oktober 1900 zusammen mit Sebastià Junyent ein in der Zeitschrift „Joventut“ veröffentlichtes Manifest, mit dem sie die Unterwerfung von Künstlern unter den Geschmack der Allgemeinheit aus merkantilen Gründen anprangerten und den Vorrang der künstlerischen Gestaltung vor der naturgetreuen Abbildung propagierten. Neben diversen erfolgreichen Ausstellungen in Paris folgte in den nächsten Jahren die Teilnahme an Kunstausstellungen in Berlin (Kunstsalon Eduard Schulte 1901, 1902, 1904; XI. Secession 1906), Brüssel (Libre Esthétique 1902, 1911; Exposition Générale des Beaux Arts 1907), Gent (XXXVIII Exposition 1902), London (International Society of Fine Arts 1903; International Art Society 1908), Düsseldorf und Köln (1903), Dresden (große Kunstausstellung 1904), Wien (Secession 1904), München (Secession 1903; Kunstverein 1905; Galerie Heinemann 1911), Venedig (Biennale 1903, 1905, 1907, 1914), Barcelona (Exposició d'obres d'art i llibres catalans 1906; Sala Parés 1909), Zürich (Kunsthaus 1910), Buenos Aires (Exposición Internacional de Arte del Centenario del Mayo 1910), Rom (Exposizione Internazionale de le Belle Arti 1911; III Exposizione Internazionale della Secessione 1914), Prag (1913) und Moscau (Salon Artistique 1914). Wie schon 1900 in Barcelona stellte Anglada gewöhnlich seine Zeichnungen zusammen mit den Gemälden aus, um der immer wieder geäußerten Kritik, seinen Gemälden mangle es an Zeichnung, gegenüber zu zeigen, dass er durchaus akademisch zu malen verstand. Über zwei Jahrzehnte weigerte er sich ebenso wie der mit ihm befreundete Baske Ignacio Zuloaga, an offiziellen spanischen Ausstellungen teilzunehmen. So stellten beide bei der großen internationalen Kunstausstellung von Rom 1911 ihre Werke abseits des spanischen Pavillons auf Einladung der Veranstalter in für sie reservierten Räumen des italienischen Pavillons aus. Aber auch auf Pariser Salons waren Angladas Bilder ab 1908 nicht mehr vertreten; die dort aufgekommenen Strömungen der Avantgarde lehnte er ab und kritisierte 1911 in Rom scharf die Vorherrschaft der Franzosen in der Welt der Kunst.

Von 1901 bis 1904 lehrte Anglada an der Académie Colarossi, ab 1905 bis 1913 auch an der Académie Vitti, deren Gründungsmitglied er war. Dort sammelte er einen Kreis lateinamerikanischer Maler als Schüler um sich, darunter die Argentinier Tito Cittatini und Gregorio López Naguil und der Mexikaner Roberto Montenegro.

Nach einem ersten Besuch der Insel Mallorca im Jahr 1909 auf Empfehlung von Antoni Gaudí und einem längeren Aufenthalt von August bis November 1913 zusammen mit seiner zweiten Ehefrau Simone Martini ließ sich Anglada Camarasa im Juli 1914 endgültig in Pollença nieder, nachdem er am 21. Juli mit Hilfe seines Anwalts, des Politikers Francesc Cambó die spanische Staatsangehörigkeit zurück erlangt hatte. Dort lebte und arbeitete er, umgeben von lateinamerikanischen Schülern seiner Pariser Zeit sowie weiteren Künstlern und Intellektuellen bis im Jahr 1936. Durch den Krieg und die Abgelegenheit Mallorcas abgeschnitten von der europäischen Kunstwelt konzentriert sich Anglada auf Spanien, stellt seine Werke 1915 in Barcelona (Palau des Belles Arts) aus und beteiligte sich an einem Manifest der spanischen Intellektuellen zur Unterstützung der Alliierten. Der Erlös der Ausstellung war für die Witwen und Waisen im Krieg gefallener Künstler bestimmt. Auf Einladung von mehr als 30 Künstlern und Intellektuellen, darunter Valle-Inclan, Ortega y Gasset und Unamuno, erfolgte 1916 in Madrid (Palacio de Cristal del Retiro) eine Ausstellung, wodurch dessen Bevölkerung erstmals in Kontakt mit einer modernen Kunstströmung jenseits des Postimpressionismus kam. Dies löste in der Presse starke Kontroversen aus, in der manche Anglada Unpatriotismus, Anarchismus, Jugendgefährdung, Homosexualität und Geisteskrankheit vorwarfen. Begeisterung löste er hingegen 1919 bei der internationalen Kunstausstellung von Bilbao aus.

In den Nachkriegsjahren startete Anglada ein come back in den USA. Auf Einladung des Direktors des Kunstmuseums des Carnegie Instituts in Pittsburgh (wo das Jahr zuvor Werke von Pierre Bonnard und das Jahr danach von Claude Monet gezeigt wurden), Homer St. Gaudens, schickte Anglada 1924 zunächst fünf, dann neun seiner wichtigsten Bilder erstmals in die USA, wo sein Konkurrent Sorolla längst bekannt und vertreten war. Ausstellungen erfolgen u. a. in Washington (Van Dyck Galleries), New York (Brooklyn Museum), Chicago, Los Angeles, San Francisco, Philadelphia, Boston und Cleveland. Der Veröffentlichung der ersten Monographie über Anglada durch Samuel Hutchinson Harris in England im Jahr 1929 folgten von diesem organisierte Ausstellungen in London und Liverpool 1930.

1931 baute sich Anglada ein eigenes Haus in Port de Pollença und heiratete zum dritten Mal, diesmal seine 30 Jahre jüngere Großnichte Maria Teresa Huelín Rocamora. Im August 1933 wurde ihre Tochter Beatriu geboren.

Als Anglada sich 1936 gerade zur Vorbereitung einer Ausstellung in Barcelona aufhielt, brach der Spanische Bürgerkrieg aus und fiel Mallorca in die Hände des Bando national (der Francisten). Als bekennender Republikaner und Freimaurer konnte Anglada nicht zurück nach Mallorca und nahm auf Einladung der Generalidad von Katalonien zunächst mit Ehefrau und Tochter Zuflucht im Kloster von Montserrat. Von dort ging die Familie zu Beginn des Jahres 1939, nachdem Barcelona gefallen war, ins Exil nach Frankreich, wo sie vorübergehend Aufnahme bei Carlos Baca-Flor in Neuilly-sur-Seine fand, um sich schließlich in Pougues-les-Eaux niederzulassen. Während dieser Zeit litt die Familie große Not, so dass Anglada nicht das Geld hatte, Farben für die Fertigstellung seiner Gemälde zu kaufen, und war auf Unterstützung von Freunden angewiesen. 1948 gelang es Anglada eine Entschuldung seines in Port de Pollença gelegenen Grundstücks „El Pinaret“ in Port de Pollença, die Rückgabe seiner Bilder aus der Verwahrung einer Bank und eine Rückkehr in seine Wahlheimat zu erwirken. Wegen seiner angegriffenen Gesundheit konnte Anglada nur noch wenig malen, jedoch die in seinem Besitz verbliebenen Werke wiederholt in Barcelona und Madrid ausstellen. 1959 verstarb Anglada in Pollença. Gemäß seinem Wunsch, dass seine Werke nicht in aller Welt verstreut werden sollen, wurde sein Haus 1967 von seiner Witwe, seiner Tochter und seinem Schwiegersohn Alfonso Pizarro in ein Privatmuseum umgewidmet. 1989 wurde sein Nachlass von der Kulturstiftung des katalanischen Kreditinstituts La Caixa erworben und wird derzeit in Palma im ehemaligen Gran Hotel permanent ausgestellt; Kuratorin ist seine Enkelin Silvia Pizarro. Weitere Ausstellungen seit Mitte der 1990er Jahre, insbesondere in verschiedenen Filialen der Caixa sowie im Museo Carmen Thyssen Malage, machten den sowohl international als auch in seinem Heimatland weitgehend in Vergessenheit geratenen Künstler in Spanien wieder bekannt. Erste Erwähnung erfuhr der Künstler in der spanischen Enzyklopädie „Summa Artis“ erst 1991, 10 Jahre nach Veröffentlichung der Monografie von Fontbona/Miralles.

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