An diesem Tag

Hermann von Pückler-Muskau

Deutscher Standesherr, Gartengestalter, Schriftsteller und Dandy

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Hermann Ludwig Heinrich von Pückler-Muskau (* 30. Oktober 1785 auf Schloss Muskau; † 4. Februar 1871 auf Schloss Branitz) war Graf einer Freien Standesherrschaft, ab 1822 Fürst von Pückler-Muskau, Generalleutnant, Landschaftsarchitekt, Schriftsteller und Weltreisender (sein Pseudonym als Autor und Reisender: „Der Verstorbene“ oder „Semilasso“) und seinerzeit ein bekanntes Mitglied der gehobenen Gesellschaft. 1822 wurde Pückler in den Fürstenstand erhoben.

Hermann von Pückler-Muskau war das älteste von fünf Kindern des Grafen Ludwig Carl Hans Erdmann von Pückler (1754–1811) und der Gräfin Clementine von Callenberg (1770–1850), die ihn als 15-Jährige zur Welt brachte. Pückler wuchs mit drei Schwestern in der Standesherrschaft Muskau auf, der größten der vier Oberlausitzer Standesherrschaften. Sein Bruder starb in der Kindheit an der Ruhr. Sein Großvater Georg Alexander Heinrich Herrmann von Callenberg lebte im Hause.

Seine Mutter, behauptete er als 16-Jähriger in einem Brief an den Vater, behandelte ihn wie ein Spielzeug, „ohne selbst zu wissen, warum sie mich bald schlug, bald liebkoste“. Der Vater, Erdmann Graf Pückler, galt als mürrisch und verschlossen. In demselben Brief beschrieb Pückler seine Erziehung: „In den frühen Jahren meiner Kindheit finde ich mich in den Händen theils dummer, theils roher Bedienten, die mich ziemlich nach Gefallen behandelten.“ Einzig sein Großvater Graf von Callenberg und sein Hauslehrer Andreas Tamm mochten den jungen Grafen; Tamm wurde jedoch früh zum Gehen gezwungen. Sein Nachfolger wurde Friedrich Brescius, der ihn nur eine kurze Zeit unterrichtete. Nach dem Tod seines Großvaters mütterlicherseits wurde der Neunjährige 1795 für vier Jahre zu den Herrnhutern nach Uhyst, dann aufs Pädagogium der Franckeschen Stiftungen nach Halle und schließlich auf das Philanthropinum in Dessau gegeben. In Halle wurde er aus der Schule geworfen, nachdem er ein Spottgedicht auf die Frau des Kanzlers geschrieben hatte, und auch das Dessauer Philanthropinum entließ ihn bald. Die streng pietistische Erziehung an der „herrenhutischen Heuchelanstalt“ (Pückler) in Uhyst begründete seine spätere Abneigung gegen den Protestantismus. Wenn er sich religiös äußerte, trat ein entschiedener Pantheismus hervor. Im hohen Alter konvertierte er zur römisch-katholischen Kirche.

Pückler immatrikulierte sich 1800 zum Studium der Rechte an der Universität Leipzig, brach das Studium jedoch frühzeitig ab und begann 1802 eine militärische Laufbahn im sächsischen Garde du Corps in Dresden. Ende April 1806 nahm er den Abschied mit dem Charakter eines Rittmeisters. Anschließend unternahm Pückler ausgedehnte Reisen – oft zu Fuß – in die Provence und nach Italien. Nach dem Tode des Vaters 1811 übergab er die Verwaltung Muskaus bald seinem Freund, dem Dichter Leopold Schefer.

In den Befreiungskriegen trat Pückler nach der Völkerschlacht bei Leipzig 1813 als Major in die Kaiserlich Russische Armee ein. Als sich im November 1813 Herzog Karl-August von Sachsen-Weimar-Eisenach von Napoleon gelöst und das Kommando über das III. Deutsche Armeekorps in der alliierten Nordarmee übernommen hatte, wählte er Pückler zu seinem Generaladjutanten. Nach dessen Übertritt in die Sächsische Armee beförderte er ihn zum Oberstleutnant. Im folgenden Feldzug in den Niederlanden fungierte Pückler als Verbindungsoffizier zum russischen Zaren Alexander I. Ein bravouröser Erfolg, die Rettung von 120 umzingelten Reitern, brachte ihm kurzzeitig die Stelle des Militärgouverneurs im Département Dyle mit dem Sitz in Brügge ein.

Im Sommer 1814 schied er nach dem Ersten Pariser Frieden aus den Diensten des Herzogs von Sachsen-Weimar-Eisenach aus. Er bereiste zusammen mit Leopold Schefer das erste Mal England, wo er angesichts der dortigen Parks seine Berufung zum Gartenkünstler entdeckte. Nach dem Wiener Kongress 1815 fiel Pücklers Teil der Lausitz von Sachsen an Preußen. Nach Schätzungen von Historikern war Pückler einer der fünfzehn größten Landbesitzer in Preußen. Fürst Pückler stieg 1815 (oder am 9. Oktober 1816, in Berlin) mit einem Freiballon von Gottfried Reichard (1786–1844) auf.

Am 9. Oktober 1817 heiratete Pückler die neun Jahre ältere Lucie von Hardenberg (1776–1854), geschiedene von Pappenheim, Tochter des preußischen Staatskanzlers Karl August von Hardenberg. König Friedrich Wilhelm III. erhob Pückler und Lucie 1822 in den Fürstenstand, wobei die Freie Standesherrschaft Muskau nicht als Fürstentum anerkannt wurde, im Gegensatz zu den schlesischen Freien Standesherrschaften Oels, Trachenberg, Carolath und Pless. Er übernahm ihn 1824 in die preußische Armee, in der er ihm 1826 den Charakter eines Obersten verlieh.

Im Jahr 1826 schied sich Pückler pro forma von Lucie. Lucie von Pückler hatte ihrem Mann den ungewöhnlichen Vorschlag gemacht, die Ehe aufzulösen, damit er erneut auf die Suche nach einer vermögenden Frau gehen konnte. Im Februar 1826 wurde die Ehe geschieden. Als offizieller Grund wurde die Kinderlosigkeit des Paares angegeben. Kurz zuvor, im Januar 1826, hatte Pückler seiner Frau die Standesherrschaft Pückler-Muskau überschrieben, um seinen Besitz vor einer möglichen Pfändung zu retten.

Pückler begab sich im September 1826 tatsächlich auf Brautsuche nach England. Die Suche endete erfolglos, was mit Spott kommentiert wurde. Während des zweijährigen Aufenthalts in England bewunderte er den Lebensstil des englischen Landadels, den er als das beste Element in der englischen Gesellschaft betrachtete, und gewann wichtige Anregungen für die Parkgestaltung. Dennoch kritisierte er in den Briefen an seine Frau Lucie mit scharfen Worten die rücksichtslose Vertreibung der Landbevölkerung in Irland durch englische Adelige, die dort die Schafzucht intensivierten. Lucie hob alle Briefe auf und bereitete sie für eine Veröffentlichung vor. Nach Pücklers Rückkehr erschienen die Briefe in zwei Bänden. Seine Reiseberichte wurden ein literarischer und finanzieller Erfolg in Deutschland, dann auch in England und den USA.

Eine Reise nach Nordamerika scheiterte, als er wegen eines Duells sein Schiff verpasste. Stattdessen reiste er über Algier nach Ägypten, wo er vom Khediven Muhammad Ali Pascha als Staatsgast empfangen wurde und einen Palast mit Personal zugewiesen bekam. 1837 kaufte er auf dem Sklavenmarkt in Kairo die etwa 11-jährige Machbuba und nahm diese mit auf seine weitere Reise. Er reiste 1837 weiter in den Sudan, bis er 1838 südlich von Khartum entkräftet den Rückweg antrat. Er nahm Machbuba mit nach Europa, die ab dann als seine Mätresse in Muskau lebte. Das Mädchen verstarb am 27. Oktober 1840 in seinem Schloss und wurde in Muskau begraben. Ferner reiste er in den Nahen Osten – Zusammentreffen mit Lady Hester Stanhope –, nach Konstantinopel – er versuchte später erfolglos, dort preußischer Botschafter zu werden – und nach Griechenland.

Er vertrat liberale Positionen und stand den preußischen Reformern um den Freiherrn vom Stein nahe. So plädierte er für eine Selbstverwaltung auf kommunaler Ebene. Dies sowie sein erklärter Pantheismus und sein extravaganter Lebensstil machten ihn im reaktionären Preußen der Biedermeier-Ära suspekt. Pückler beteiligte sich jedoch, ganz der offiziellen deutschnationalen Linie folgend, aktiv an der Germanisierung seiner überwiegend sorbischen Untertanen und vernachlässigte die Volksbildung in seiner Herrschaft. Der preußischen Armee blieb er weiterhin verbunden. Bereits vom Dienst entbunden, war Pückler 1833 zum charakterisierten Generalmajor aufgestiegen, stand seit 1862 à la suite der Armee und wurde 1863 zum charakterisierten Generalleutnant ernannt. Als solcher gehörte er 1866 im Deutschen Krieg dem Hauptquartier König Wilhelms I. an. Eine Teilnahme am Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 blieb dem 85-Jährigen allerdings verwehrt.

Da er sich mit der Anlage seines Parks in Muskau finanziell übernommen hatte, verkaufte er 1845 die Standesherrschaft Muskau. Er zog auf sein Erbschloss Branitz bei Cottbus. Den Erlös aus dem Verkauf von Muskau verwendete er, um das Schloss Branitz (unter starkem Einfluss von Gottfried Semper) umbauen zu lassen und um erneut einen Landschaftsgarten nach englischem Vorbild, den heutigen Fürst-Pückler-Park, anzulegen.

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