Hermann Rollett (* 20. August 1819 in Baden bei Wien; † 30. Mai 1904 ebenda) war ein österreichischer Dichter des Vormärz, Museumsleiter, Lokalpolitiker, Kunstschriftsteller und Heimatforscher.
Kindheit, Jugend und Ausbildung
Hermann Rollett wurde als zwölftes Kind des Badener Arztes Anton Rollett (1778–1842) und dessen zweiter Ehefrau Josepha geb. Anger (1794–1874) geboren. Er wuchs in einem wohlhabenden, gutbürgerlichen Elternhaus auf, besuchte von 1824 bis 1831 die Stadtschule in Baden, dann das Piaristengymnasium in Wien. Prägend wurden für ihn mehrere Begegnungen mit Beethoven, den er um 1825 im Beisein von Nannette Streicher traf. Er verfasste darüber Erinnerungen und trug außerdem Überlieferungen zu Beethovens Aufenthalten in Baden zusammen.
Sein Vater hatte für ihn eine Laufbahn als Chirurg vorgesehen und beteiligte ihn an Operationen und Obduktionen. Er folgte diesem Wunsch nicht und begann 1837 ein Studium der Philosophie, Ästhetik, Erziehungskunst und Kunstgeschichte.
In Folge entschied er sich für die Pharmazie, absolvierte von September 1838 bis Oktober 1839 eine Pharmazielehre in der Badener Landschafts-Apotheke, dann in der Wiener Apotheke im Dorotheahof, anschließend studierte bis 1842 Pharmazie in Wien.
1845 wurde er Ehrenmitglied der Burschenschaft Arminia auf dem Burgkeller.
Dichterisches Wirken und Emigration
Bereits am 16. Oktober 1837 veröffentlichte Rollett erste Lyrik, sein Gedicht An Grillparzer wurde in der Wiener Allgemeinen Theaterzeitung veröffentlicht, mit Lob vom Vater. 1842 gab er die Sammlung Liederkränze heraus. Nach Veröffentlichung der Frühlingsboten aus Österreich 1845 musste er Österreich verlassen, lebte in verschiedenen deutschen Kleinstaaten, dort überwacht und immer wieder ausgewiesen von 1851 bis 1854 in der Schweiz.
Dezember 1854 kehrte er wieder nach Baden zurück, wo er ein Jahr lang lebte. 1857 wurde er in Gießen zum Dr. phil. promoviert. Von 1860 bis 1862 studierte er erneut Pharmazie in Wien. In seiner Heimatstadt Baden wurde er 1870 Schulrat und 1876 Leiter des Stadtarchivs. Als Gemeinderat und ab 1873 als Vizebürgermeister war er auch lokalpolitisch tätig.
Seine Ehefrau war Meta Rollett geb. Scheidlin (um 1833 bis 1919), mit Gründung des Patriotischen Frauen-Hilfsvereins – Zweigverein Baden, 1878, dessen Vizepräsidentin. Er war Onkel des Physiologen und Histologen Alexander Rollett (1834–1903).
Frühlingsboten aus Österreich, Jena 1845, 2. Aufl. 1849
Wanderbuch eines Wiener Poeten, Frankfurt 1846
Frische Lieder, 2. Auflage, Ulm 1850
Ein Waldmärchen aus unsrer Zeit, Leipzig 1848
(Hrsg.): Republikanisches Liederbuch, Leipzig 1848
Dramatische Dichtungen, Leipzig 1851(3 Bände, Die Ralunken, Thomas Müntzer, Flamingo) 1851
Jucunde, Leipzig 1853, 6 Lieder vertont von Clara Schumann 1853 (op. 23)
Die Kirmes, 12 Gesänge (mit Musik von Franz Abt), Schleusing 1854