Hermann Maier (* 7. Dezember 1972 in Altenmarkt im Pongau) ist ein ehemaliger österreichischer Skirennläufer aus Flachau. Er wurde zweimal Olympiasieger, dreimal Weltmeister und gewann viermal den Gesamtweltcup. Hinzu kommen der zehnmalige Gewinn einer Weltcup-Disziplinenwertung und 54 Weltcupsiege. Bei der Wahl zu Österreichs „Sportler des Jahres“ wurde er viermal ausgezeichnet und erhielt zusätzlich zwei Ehrenpreise. Außerdem erhielt er 2004 einen Laureus World Sports Award in der Kategorie „Comeback des Jahres“.
Beginn und Durchbruch (1996–1997)
Hermann Maier ist gelernter Maurer und staatlich geprüfter Skilehrer. Er litt in seiner Jugend an Morbus Osgood-Schlatter, wodurch sein Talent lange verborgen blieb. Am 6. Jänner 1996 nahm er als Vorläufer an einem Weltcup-Riesenslalom in seinem Heimatort Flachau teil und fiel dadurch auf, dass er im Falle einer Wertung Platz zwölf belegt hätte.
Der Österreichische Skiverband honorierte diese Leistung und ließ Maier bereits zwei Tage später erstmals im Europacup bei einem Riesenslalom in Les Arcs starten, wo er hinter Steve Locher den zweiten Platz belegte. Nach weiteren Einsätzen und fünf Siegen im Europacup gab Hermann Maier noch in derselben Saison, am 10. Februar 1996, bei einem Riesenslalom im Hinterstoder im Alter von 23 Jahren sein Weltcupdebüt und fuhr mit Rang 26 auch auf Anhieb in die Punkteränge.
Seine erste volle Weltcup-Saison 1996/97 verlief zunächst durchwachsen. Maier wurde vorerst nur in den Riesenslaloms eingesetzt. Dabei schied er im Startbewerb in Sölden im ersten Lauf aus.
Ein Highlight setzte er am 25. November in Park City mit Rang 6. In Chamonix wurde er am 11. Jänner 1997 erstmals in einer Weltcup-Abfahrt eingesetzt, wobei er schwer stürzte und sich das linke Handgelenk brach, so dass eine Nominierung für die Weltmeisterschaften in Sestriere nicht in Frage kam. Doch gleich beim Weltcup-Comeback, bei den beiden Super-Gs in Garmisch-Partenkirchen, erreichte Maier am 21. Februar 1997 mit dem zweiten Rang hinter dem Franzosen Luc Alphand sein erstes Weltcuppodest; er feierte am 23. Februar seinen ersten Weltcupsieg und verwies dabei Kristian Ghedina und Lasse Kjus auf die Plätze.
Durchbruch und Doppelolympiasieg (1997/98)
Den wirklichen Durchbruch schaffte Hermann Maier in der Saison 1997/98. Der Flachauer gewann in diesem Winter zwei Weltcupabfahrten, drei Riesenslaloms, eine Kombination sowie vier Super-Gs. Maier sicherte sich damit erstmals den Gesamtweltcup vor seinen beiden Teamkollegen Andreas Schifferer und Stephan Eberharter und gewann auch die Kristallkugeln im Super-G sowie im Riesenslalom. Im Abfahrtsweltcup musste sich der Salzburger nur Schifferer geschlagen geben.
In dieser Saison nahm Hermann Maier auch an seinen ersten Titelkämpfen teil. Seine Antritte bei den Olympischen Winterspielen 1998 im japanischen Nagano verliefen spektakulär. Der erste Wettbewerb, an dem Maier teilnahm, war der Kombinationsslalom, nach dem er in aussichtsreicher Position lag. Aufgrund eines Schneesturms, der die olympischen Skipisten heimsuchte, mussten sowohl die Kombinations- als auch die klassische Abfahrt immer wieder verschoben werden und wurden schließlich am selben Tag, am 13. Februar ausgetragen. Doch schon beim Abfahrtslauf kam Maier schwer zu Sturz. Nach etwa 18 Sekunden Fahrzeit hob der Österreicher bei einer S-Kurve ab, segelte fast 40 Meter waagrecht durch die Luft und landete schließlich im Tiefschnee außerhalb der Piste. Er erlitt dabei allerdings nur leichte Verletzungen an Knie und Schulter, nahm am olympischen Super-G drei Tage später wieder teil und gewann sensationell die Goldmedaille vor den gleichplatzierten Hans Knauß und Didier Cuche. Ihm kam dabei zugute, dass dieser Super-G nicht gleich am vorgesehenen Termin, 14. Februar, ausgetragen wurde – Nebel verhinderte an jenem Datum und auch am 15. Februar die Durchführung, sondern erst am 16. Februar. Dadurch konnte er sich von den Verletzungen besser auskurieren.
Auch im Riesenslalom ließ Maier der Konkurrenz keine Chance und verwies Stephan Eberharter und Michael von Grünigen auf die Plätze. Als er gefragt wurde, was er während seines Sturzes dachte, meinte er: „Wenn ich jetzt noch Gold gewinne, bin ich unsterblich!“ Die Bilder seines Sturzes gingen um die Welt, waren auch bei den großen US-Sendern ein Ereignis und schafften es auf beinahe alle Titelblätter. Durch diesen Sturz und die anschließenden Erfolge erlangte Hermann Maier weltweite Berühmtheit und man gab ihm den Spitznamen „Herminator“ – in Anspielung auf den in Österreich geborenen „Terminator“ Arnold Schwarzenegger. Im Jahr 1998 wurde Maier zum ersten Mal von der Internationalen Vereinigung der Ski-Journalisten (AIJS) mit dem Skieur d’Or ausgezeichnet.
Die weiteren Jahre verliefen für den Doppelolympiasieger nicht minder erfolgreich. In der Saison 1998/99 musste Maier im Gesamtweltcup zwar den Norwegern Lasse Kjus und Kjetil André Aamodt den Vortritt lassen, er sicherte sich aber neben der kleinen Kristallkugel für den Super-G-Weltcup bei den Weltmeisterschaften 1999 in Vail/Beaver Creek zwei Weltmeistertitel. Nachdem er sich den Titel in seiner Paradedisziplin, dem Super-G, mit Lasse Kjus teilen musste, hielt er den Norweger in der Abfahrt auf Distanz. WM-Dominator Kjus wurde Vizeweltmeister. Maier erreichte den ersten Platz beim bis heute unerreichten Neunfach-Sieg des ÖSV-Skiteams am Patscherkofel.
Die darauffolgende Saison 1999/2000 dominierte der Österreicher nach Belieben. Mit exakt 2000 Weltcuppunkten stellte Hermann Maier einen Rekord bei den Herren auf. Dieser wurde erst in der Weltcupsaison 2022/23 durch den Schweizer Marco Odermatt gebrochen, der 2042 Punkte erzielte. Neben der Kristallkugel für den Gesamtweltcup sicherte sich der Flachauer auch jene für Abfahrt, Super-G und Riesenslalom.
Auch im Winter 2000/01 gewann Maier die Kristallkugeln in seinen drei Spezialdisziplinen sowie im Gesamtweltcup. In dieser Saison war er im Weltcup gleich 13-mal erfolgreich – darunter auch sein einziger Sieg beim Abfahrtslauf auf der Streif in Kitzbühel – womit er die Bestmarke des Schweden Ingemar Stenmark aus der Saison 1978/79 einstellte. Aufgrund dieser Erfolge waren die Erwartungen für die Heim-Weltmeisterschaften 2001 in St. Anton am Arlberg natürlich groß. Doch Maier konnte weder in der Abfahrt, noch im Super-G seinen Titel verteidigen und musste sich mit Silber im Abfahrtslauf hinter Hannes Trinkl und Bronze in seiner Lieblingsdisziplin, dem Super-G, zufriedengeben. Im Riesenslalom verpasste der Salzburger um eine Hundertstelsekunde die Bronzemedaille und belegte den vierten Platz.
Während einer abendlichen Fahrt mit dem Motorrad wurde Maier am 24. August 2001 in Radstadt, in der Nähe seines Heimatortes, in einen schweren Unfall verwickelt: Maier überholte ein Auto und wurde dabei von einem falsch abbiegenden Wagen erfasst.
Er zog sich einen offenen Unterschenkelbruch am rechten Bein und zahlreiche weitere schwere Verletzungen zu. Maier wurde im Unfallkrankenhaus Salzburg sieben Stunden operiert. Zunächst war nicht klar, ob er jemals wieder Skifahren würde, da sogar eine Beinamputation in Betracht gezogen wurde. Maier erhielt später per Vergleich eine nicht veröffentlichte Summe des Unfallgegners, der zusätzlich wegen fahrlässiger Körperverletzung zu 750 Euro Strafe verurteilt wurde. Das Gericht stellte eine geringe Mitschuld Maiers wegen Überholens bei unübersichtlicher Verkehrslage fest.
Hermann Maier musste dadurch die gesamte Saison 2001/02 sowie die Olympischen Winterspiele 2002 in Salt Lake City auslassen. Die Rolle des dominierenden Skirennläufers übernahm für die kommenden beiden Saisonen der bisher in seinem Schatten gestandene Rivale Stephan Eberharter.
Comeback und weitere Erfolge (2003–2006)
Durch die langwierige Heilung konnte Hermann Maier erst wieder am Winter 2002/03 teilnehmen. Am 14. Jänner gab Maier sein lange erwartetes Comeback beim Riesenslalom in Adelboden, wo er sich allerdings (mit Rang 31 und einem Minimalrückstand von fünf Hundertstelsekunden) nicht für den zweiten Lauf qualifizieren konnte. Nach sensationellen Ergebnissen bei den Abfahrten von Wengen und von Kitzbühel, wo er sogar den sechsten Rang belegte, feierte Maier am 27. Jänner 2003 beim Super-G auf seiner Lieblingsstrecke, der Streif in Kitzbühel, seinen ersten Weltcupsieg nach der Verletzung, seinen 42. insgesamt. Nur sechs Tage später wurde er bei den Weltmeisterschaften 2003 in St. Moritz ex aequo mit dem US-Amerikaner Bode Miller Vizeweltmeister im Super-G, geschlagen nur von Stephan Eberharter. Nach einem guten achten Rang im WM-Abfahrtslauf beendete Maier diese Saison.