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Hermann Gerstner

Deutscher Schriftsteller

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Hermann Gerstner (* 6. Januar 1903 in Würzburg; † 17. August 1993 in Grünwald bei München) war ein deutscher Schriftsteller und Bibliothekar, zuletzt als Oberbibliotheksrat.

Hermann Gerstner wurde als jüngstes von vier Kindern des beim Staatsbauamt Würzburg als Architekt bzw. Baumeister beschäftigten technischen Verwaltungsoberinspektors Michael Gerstner und seiner Frau Berta Gerstner, geborene Flößa, in Würzburg, Randersackerer Straße 24, geboren. Neben seiner zwölf Jahre älteren Schwester Lina hatte er noch die beiden zehn bzw. elf Jahre älteren Brüder Valentin und August. Seine Eltern bewohnten eine Fünf-Zimmer-Wohnung in einem der drei von ihnen errichteten Mietshäuser zwischen der Randersackerer und Heidingsfelder Straße (heutige Friedrich-Spee-Straße).

Gerstner besuchte von 1909 bis 1913 die Schiller-Volksschule und anschließend bis 1922 das Alte Gymnasium in seiner Geburtsstadt. Der in einem bürgerlichen Elternhaus behütet aufgewachsene Gerstner war katholisch und erlebte mit dem Tod seines Bruders Valentin, der am 30. November 1916 in einem Feldlazarett an der Westfront seinen Verwundungen erlag, einen ersten Einbruch in die bisherige Idylle.

Sein Vater stammte aus Rimpar, einem Dorf unweit nördlich von Würzburg, in dem das Maurerhandwerk traditionell weit verbreitet war. Sowohl sein Vater als auch sein Onkel, der Bezirksbaumeister in Marktheidenfeld war, entsprachen dieser Tradition. Auch sein Bruder August wurde Diplom-Ingenieur und arbeitete wie sein Vater am Staatsbauamt Würzburg. Gerstner jedoch, mit einem auffallenden Selbstbewusstsein ausgestattet, entwickelte schon früh schöngeistige und vor allem schriftstellerische Ambitionen, so dass er sich für ein Studium der Philosophie, Germanistik, Geschichte und Geographie an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg entschied und sich später für das Wintersemester 1923/24 an der Ludwig-Maximilians-Universität München immatrikulierte. In München knüpfte er Verbindungen mit Wilhelm Weigand und Michael Georg Conrad, die ebenfalls aus Mainfranken stammten. Für sein Schlussexamen wählte er das Thema Das Erlebnis in der Lyrik von Julius Grosse, das auch seiner Promotion vom 24. Februar 1928 zum Dr. phil. zugrunde lag. Ab 1927 war er im höheren Lehramt tätig.

Berufliche Anfänge und Entwicklung

Als Studienreferendar leistete Gerstner seine praktische Ausbildung an der Oberrealschule in Würzburg ab. In dieser Zeit entstand innerhalb der Würzburger Gesellschaft für Literatur und Bühnenkunst der „Kreis der Jüngeren“, zu dessen Gründungsmitgliedern Gerstner neben Ludwig Friedrich Barthel, Wilhelm Grimm, Alo Heuler, Rudolf Ibel und Oskar Kloeffel zählte. Im Alter von 26 Jahren legte er sein Assessorexamen ab. Eine baldige Übernahme in den Staatsdienst für ein Lehramt war jedoch nicht in Sicht, so dass Gerstner sich zunächst seiner Dissertation widmete und 1928 als Studienassessor eine Privatlehrerstelle am Ursulinen-Realgymnasium für Mädchen in Berlin antrat. Dort unterrichtete er Deutsch, Geschichte, Geographie und Latein. Nebenbei schrieb Gerstner Theaterkritiken für auswärtige Zeitungen. Ein erster Gedichtkreis mit dem Titel „Nordische Landschaft“ entstand. Seine Freizeit verwendete er zum Schreiben von nie veröffentlichten Manuskripten. Ein Novellenband Von Liebenden und anderen armen Teufeln erschien allerdings 1930 im Würzburger Amend-Verlag, 1932 gefolgt vom Gedichtzyklus Buddha-Legende; Werke, die nahezu unbeachtet blieben.

In Berlin traf Gerstner Rudo Ritter, den aus Würzburg stammenden Komponisten und zum Broterwerb als Drehbuchautor tätigen Bruder des Ufa-Filmregisseurs Karl Ritter. 1928 lernte Gerstner auch die 17-jährige Ingeborg „Inge“ Ruegenberg kennen, die als Schülerin die Obersekunda besuchte. Die in St. Petersburg geborene und gegen Ende des Ersten Weltkrieges nach Berlin gekommene Tochter eines deutschen Kaufmanns, wurde später seine Frau.

1929 entstand sein erstes Romanmanuskript Erste Kreatur, das unveröffentlicht blieb. Im selben Jahr unternahm Gerstner eine Skandinavienreise, die ihn nach Dänemark, Schweden und Norwegen führte. Mit seiner Freundin Inge verbrachte er im Jahr darauf einen gemeinsamen Urlaub auf der Kurischen Nehrung.

Bibliothekar an der Bayerischen Staatsbibliothek

1931 bewarb sich Gerstner für den bayerischen Bibliotheksdienst in München, da ihn seine 1927 begonnene Lehrertätigkeit auf die Dauer nicht befriedigte. Den praktischen Teil seiner Ausbildung zum Bibliotheksassessor leistete er vom 15. Juli 1931 bis Frühjahr 1932 an der Universitätsbibliothek Würzburg ab. Im Sommersemester 1931 belegte er ein Seminar über angewandte Dramaturgie.

Für den 1933 im Verlag der Universitätsdruckerei C.J. Becker, Würzburg, erschienenen Fotobildband Streifzug durch Alt-Würzburg seines Jugendfreundes Paul Friede, fertigte Gerstner in dieser Zeit die Texte.

Im Frühjahr 1932 setzte er seine Ausbildung an der Bayerischen Staatsbibliothek fort und beendete diese mit der Note 1 bewertete Fachprüfung. Am 15. Juli 1932 wurde er als nichtetatmäßiger Beamter zum Bibliotheksassessor im wissenschaftlichen Bibliotheksdienst ernannt. Seine Freundin Inge hatte zwischenzeitlich ihr in Berlin begonnenes Studium der Zahnmedizin ebenfalls in München fortgesetzt und 1935 mit dem Staats- und Doktorexamen abgeschlossen. Die Heirat fand am 29. Juni 1935 in Berlin, der neuen Heimat der Schwiegereltern statt. Die Ernennung zum planmäßigen Staatsbibliothekar erfolgte zum 1. Oktober 1936. Damit war die berufliche Laufbahn Gerstners festgelegt, die ihm die wirtschaftliche Grundlage für seine angestrebte schriftstellerische Tätigkeit verschaffen sollte.

Politisch hatte sich Gerstner bis zur Machtübernahme durch die Nationalsozialisten weder gebunden noch engagiert. Zum 1. Mai 1933 trat er wie viele der sogenannten Märzgefallenen der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 1.925.875), ohne allerdings parteiliche Funktionen zu übernehmen.

Ab 1934 mussten alle Schriftsteller, die veröffentlichen wollten, Mitglieder der entsprechenden staatlichen Kulturorganisationen sein. Dem Reichsverband der deutschen Bühnenschriftsteller und Bühnenkomponisten trat er daher im Januar 1934 (Mitglieds-Nr. 1718) bei. In der Reichsschrifttumskammer, Fachschaft Bühnenschriftsteller, wurde er im September 1934 registriert. Ebenfalls Mitglied war Gerstner noch im Reichsbund der deutschen Beamten (seit Juli 1934), im Verein deutscher Bibliothekare (ab 1936), bei der NSV (seit 1935) sowie im Reichsluftschutzbund (ab 1937). Zum Beirat für Literatur und Bibliothekarsangelegenheiten wurde er am 1. Dezember 1936 bestellt. Schließlich war er ab 31. August 1939 Schriftleiter für Kulturpolitik beim Reichsverband der Deutschen Presse (Mitglieds-Nr. 13810).

Als Bibliothekar im Zweiten Weltkrieg

1938 absolvierte Gerstner eine zweimonatige Ausbildung in einer Nachrichteneinheit der Wehrmacht. Im März 1939 wurde er für die Rückführung und die damit verbundene militärische Wiederbesetzung des Sudetenlandes eingesetzt. Im unmittelbaren Anschluss daran unternahm das Ehepaar Gerstner eine größere Urlaubsreise, die es über Neapel, Taormina und Malta nach Nordafrika führte, wo neben Tripolis auch die Oase Ghadames besucht wurde. Eine Italienreise mit Stationen in Pompeji, Rom, Florenz und Venedig folgte im April 1939.

Am 25. August 1939 wurde Gerstner zur Nachrichtenabteilung 7 in München eingezogen. Den Beginn des Zweiten Weltkrieges erlebte er mit seiner Nachrichteneinheit zunächst in Jülich, bevor er an dem am 10. Mai 1940 begonnenen Westfeldzug teilnahm. Seit dem 6. November 1940 war er Mitarbeiter des Referates Bibliotheksschutz im Range eines Kriegesverwaltungsrates in Paris. Hier fertigte er eine Liste von ca. 2500 Handschriften und Drucken, die aus Deutschland stammend, wieder von Frankreich zurückgefordert werden sollten. Das Rückführungsprojekt wurde allerdings nicht durchgeführt.

Am 27. Februar 1942 wurde Gerstner nach Serbien befohlen und übernahm als Leiter die Heeresbücherei in Belgrad, wo er bis zum Rückzug der Wehrmacht im Herbst 1944 verblieb. Hier war er u. a. mit dem Abtransport der Bestände des Verlages Geca Kon befasst, nachdem die Deutschen den jüdischen Verleger Géza Kohn ermordet hatten, und der Übersendung von Belegexemplaren an deutsche Bibliotheken. Die Auszeichnung um Verdienste für die bulgarische Armee und das Kriegsmuseum in Sofia 1944 deutet darauf hin, dass Gerstner auch Bücherlieferungen an das mit Deutschland verbündete Bulgarien veranlasste. 1943 vermittelte er den Verkauf von Büchern der Königlichen Serbischen Akademie der Wissenschaften an die Nationalbibliothek Wien. Sein eventuelles Wissen um die Vergasung von über 5000 Juden im Lager Semlin, unweit von Belgrad sowie eine Zusammenarbeit mit dem „Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg“, wie in der Literatur (Dannhauer/Kellner) angedeutet, muss allerdings Spekulation bleiben. Als Hauptmann und Heereskriegsrat der Reserve wurde er im Januar 1945 noch zur Heeresbücherei nach Liegnitz mit Dienstsitz in München versetzt.

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