An diesem Tag

Hermann Burger

Schweizer Germanist und Schriftsteller (1942–1989)

Anúncio

Hermann Burger (* 10. Juli 1942 in Aarau; heimatberechtigt in Burg; † 28. Februar 1989 in Brunegg) war ein Schweizer Schriftsteller, Journalist und Germanist.

Hermann Burger wurde als Sohn des Versicherungsinspektors und Plastikers Hermann Burger (1910–1982) und dessen Frau Gertrud, Pfendsack (1915–1984), einer Hauswirtschaftslehrerin, in Aarau geboren und verbrachte seine Kindheit in einem gutbürgerlichen Haus in Menziken. Sein Grossvater väterlicherseits, Hermann Burger (1882–1943), war Wirt; sein Grossvater mütterlicherseits war der Kunstmaler Hugo Pfendsack (1871–1940). Er hatte zwei jüngere Geschwister. Früh zeigten sich künstlerische Talente, neben dem Schreiben, Malen und Zeichnen auch im musikalischen Bereich; als Jugendlicher spielte Burger in einer Jazz-Combo drei Instrumente. Nach Erwerb seiner Matur an der Alten Kantonsschule Aarau studierte er (während vier Semestern) Architektur, dann Germanistik und Kunstgeschichte an der Universität Zürich.

Nach seiner Promotion im Jahr 1973 bei Emil Staiger (mit einer Dissertation über Paul Celan) und seiner Habilitation (mit einer Studie zur Schweizer Gegenwartsliteratur) war er ab 1975 als Privatdozent für deutsche Literatur vorab an der ETH Zürich sowie als Feuilletonredaktor beim Aargauer Tagblatt tätig. Nachdem der Künstler Felix Hoffmann und später der Lehrer, Schriftsteller und Kulturredaktor Anton Krättli (1922–2010) das Atelier im Gartenhaus des früheren Besitzers Heinrich Remigius Sauerländer auf dem Grundstück der Laurenzenvorstadt Nr. 61 aufgegeben hatten, benutzte es Burger von 1968 bis 1972.

Burger war ab 1987 Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.

Er war verheiratet und Vater zweier Söhne. 1989 beging er Suizid durch die Einnahme einer Überdosis Medikamente an seinem Wohnsitz im Pförtnerhaus von Schloss Brunegg. Zu diesem Zeitpunkt lebte Burger bereits getrennt von seiner Familie.

Sein Nachlass befindet sich im Schweizerischen Literaturarchiv in Bern.

Hermann Burgers erste Publikation überhaupt war ein Aufsatz in der vierten Ausgabe des «Zürcher Student» 1967. Burger hatte damals gerade sein Studienfach von Architektur zu Germanistik gewechselt und beschäftigte sich in «Schreiben Sie, trotz Germanistik?» mit der Situation dessen, der literaturhistorisch gebildet ist und zugleich selbst als Schriftsteller in Erscheinung treten will. Dieses Dilemma des poeta doctus wurde für Burger zu einem prägenden Thema, das auch in diversen Prosatexten verhandelt wird. So arbeitete er beispielsweise 1970 an dem Roman Lokalbericht. Ich-Erzähler in dem Fragment gebliebenen Werk ist ein Doktorand der Literaturwissenschaft, der sich nebenher als Romancier versucht und grandios scheitert. In Brenner 1: Brunsleben kehrt Burger die Konstellation um und imaginiert sich statt als gelehrten Dichter als unbelesenen Tabakkaufmann. Auch in der Frankfurter Poetikvorlesung sowie dem St. Galler Vortrag über wissenschaftliche und poetische Sprache greift Burger diese Themen auf und bezieht sich auf seinen Aufsatz von 1967.

Neben poetologischen Überlegungen beschäftigen sich Hermann Burgers Texte immer wieder auch mit Aussenseitern der Gesellschaft, die er als Einzelgänger würdigt. Dieses Schicksal teilte Burger mit seinen Figuren – sei es als musisch hoch talentiertes und gleichzeitig sehr sensibles Kind, das unter seiner als extrem kühl empfundenen Mutter-Beziehung litt, sei es als unter schweren Depressionen leidender Schriftsteller, für den Schreiben ein lebenserhaltender Prozess war.

Die Figuren seiner Romane und Erzählungen versuchen auf sprachlich virtuose und detailverliebte Weise ihre Lebenssituation – zumeist die eines kranken Menschen – darzulegen. In Burgers Romandebüt Schilten von 1976 geschieht das in Briefform, Adressat ist die «Inspektorenkonferenz»: Der Lehrer von Schilten hätte der Konferenz über den Unterricht und das Fortkommen der Schulkinder zu berichten. Da er anstelle eines Pausenplatzes jedoch einen Friedhof vor dem Schulhaus vorfindet, erzählt er mit enormer Sachkunde zusehends mehr von Totenkult, Friedhöfen und Abdankungen als vom Schulbetrieb. Burger vermischt in Schilten und anderen Texten Realität und Fiktion sowie Autobiographisches mit Erfundenem. Diese Technik bezeichnete er als Methode der «schleifenden Schnitte». Als literarische Vorbilder können unter anderen Franz Kafka und Thomas Bernhard gelten.

Der 1982 erschienene Roman Die Künstliche Mutter war seiner Ehefrau gewidmet und trägt in der Erstausgabe die Widmung «Für Anne Marie». 1988 erfolgte ein Wechsel vom langjährigen Verleger S. Fischer zum Suhrkamp Verlag.

Sein früher Förderer, der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki, schrieb wenige Tage nach seinem Tod, am 3. März 1989, in einem Nachruf: «Hermann Burger war ein Artist, der immer aufs Ganze ging, der sich nicht geschont hat. Er war ein Mensch mit einer grossen Sehnsucht nach dem Glück. Die deutsche Literatur hat einen ihrer originellsten Sprachkünstler verloren.» Zu Burgers Schreibstil schrieb Reich-Ranicki: «Zwischen einer zuweilen schon hypertrophen Beredsamkeit und einer mitunter erschreckenden Sprachlosigkeit schwankend, artikulierte er sein Lebensgefühl».

1977: Preis der Schweizerischen Schillerstiftung, für Schilten

1979: Conrad-Ferdinand-Meyer-Preis

1983: Friedrich-Hölderlin-Preis der Stadt Bad Homburg, für Die Künstliche Mutter

1985: Ingeborg-Bachmann-Preis, für die Erzählung Die Wasserfallfinsternis von Badgastein, ein Hydrotestament in fünf Sätzen (in: Blankenburg)

1986: Werkauftrag der Stiftung Pro Helvetia

1988: Gesamtwerkspreis der Schweizerischen Schillerstiftung

Rauchsignale. Gedichte. Artemis, Zürich 1967.

Anúncio

Bald in der World in Stories App

Audio, Offline-Download, keine Werbung und mehr.

Premium entdecken
Hermann Burger | World in Stories