An diesem Tag

Hermann Bausinger

Deutscher Volkskundler und Germanist

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Hermann Bausinger (* 17. September 1926 in Aalen; † 24. November 2021 in Reutlingen) war ein deutscher Kulturwissenschaftler und Germanist.

Bausingers Vater war zunächst Bankbeamter, ab 1935 Vorstand der Gewerbebank Aalen, seine Mutter eine Wirts- und Arbeitertochter.

Im Alter von 17 Jahren wurde Hermann Bausinger zur Wehrmacht eingezogen. Im Jahr 1946 kehrte er aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft heim, 1947 machte er das Abitur am Schubart-Gymnasium Aalen.

Sein Studium der Germanistik, Anglistik, Geschichte und Volkskunde schloss Hermann Bausinger 1952 mit Staatsexamen und Promotion an der Eberhard Karls Universität Tübingen ab, 1959 folgte seine Habilitation. Das Thema seiner Habilitationsschrift lautete Volkskultur in der technischen Welt. Darin argumentierte er für eine Neuorientierung (Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit, Abwendung vom damaligen Volkskulturverständnis und Gegenwartsbezogenheit der Forschung) des Faches Volkskunde. Ab 1960 war er Professor für Volkskunde in Tübingen. Er baute seinen Lehrstuhl für Volkskunde zum Ludwig-Uhland-Institut für Empirische Kulturwissenschaft aus, dessen Direktor er bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1992 war. Der Kulturwissenschaftler Wolfgang Kaschuba, der Ethnologe Karl Braun und der Medizinhistoriker Eberhard Wolff gehören zu seinen Schülern.

Seine Forschungsschwerpunkte lagen in der Erforschung der Alltagskultur, der Erzählforschung, der Landeskunde und der Kultur- und Sozialgeschichte.

Dem Schwäbischen Heimatbund widmete Bausinger seine lebenslange Mitarbeit, sein erster Beitrag in der Schwäbischen Heimat erschien 1951, sein letzter 2021 – 70 Jahre.

Er war Mitherausgeber der Enzyklopädie des Märchens und von Klöpfer & Meyers Kleiner Landesbibliothek. Ferner war er unter anderem Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Suevica – Beiträge zur schwäbischen Literatur- und Geistesgeschichte.

Bausinger galt als einer der führenden Köpfe der deutschen Nachkriegsvolkskunde, der mit seinem Abschied vom Volksleben (so der Titel eines Sammelbands) eine programmatische Wende hin zu einer empirischen Kulturwissenschaft einleitete, worin auch die Umbenennung des Tübinger Instituts begründet war. Er starb im November 2021 im Alter von 95 Jahren.

Bausinger war zwei Mal verheiratet und hatte vier Kinder. Seine zweite Frau ist die Philologin Brigitte Bausinger.

1993: Brüder-Grimm-Preis der Philipps-Universität Marburg

1994: Ordentliches Mitglied der Academia Europaea

1993: Auswärtiges Mitglied der Finnischen Akademie der Wissenschaften

2001: Große Ehrenplakette der Stadt Aalen in Silber

2009: Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg

2016: Europäischer Märchenpreis

mit Markus Braun und Herbert Schwedt: Neue Siedlungen. Volkskundlich-soziologische Untersuchungen des Ludwig-Uhland-Instituts Tübingen. Kohlhammer, Stuttgart 1959.

als Herausgeber: Schwäbische Weihnachtsspiele. (= Schwäbische Volkskunde. NF 13, ISSN 0723-8665). Silberburg-Verlag, Stuttgart 1959.

Volkskultur in der technischen Welt. Kohlhammer, Stuttgart 1961, (Mehrere deutschsprachige Auflagen; in englischer Sprache: Folk culture in a world of technology. Indiana University Press, Bloomington IN 1990, ISBN 0-253-31127-6; in ungarischer Sprache: Népi kultúra a technika korszakában. Osiris-Századvég, Budapest 1995, ISBN 963-379-038-7; in italienischer Sprache: Cultura popolare e mondo tecnologico (= Strumenti e ricerche. 27). Guida, Neapel 2005, ISBN 88-7188-938-X; in japanischer Sprache und Schrift: 科学技術世界のなかの民俗文化. 文楫堂, 新宮 2005; in griechischer Sprache und Schrift: Ο λαϊκός πολιτισμός στον κόσμο της τεχνολογίας. Πατάκης, Αθήνα 2009, ISBN 978-960-16-3371-8; in chinesischer Sprache und Schrift: 技术世界中的民间文化. 广西师范大学出版社, 廣西 2009, ISBN 978-7-5495-5290-0).

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