Herbert Häber (* 15. November 1930 in Zwickau; † 10. April 2020 in Berlin) war ein Politiker der DDR und Mitglied des Politbüros des Zentralkomitees der SED der DDR.
Herbert Häber wurde in eine Arbeiterfamilie hineingeboren.
1945 war er Hilfsarbeiter im Metallwerk Zwickau. 1946 trat Häber der FDJ und der SED bei. Er war von 1947 bis 1949 Mitglied des FDJ-Kreisverbandes und der SED-Kreisleitung Zwickau sowie Korrespondent des Sowjetischen Nachrichtenbüros und des Allgemeinen Deutschen Nachrichtendienstes. 1949 absolvierte er ein Studium an der Landesparteischule und war danach Parteiinstrukteur und Sektorenleiter in der Abteilung Presse und Rundfunk beim Zentralkomitee der SED.
1951 gelangte Häber, zu diesem Zeitpunkt gerade 20 Jahre alt, nach Berlin. Er arbeitete bis Ende 1952 als politischer Mitarbeiter der Westkommission beim SED-Politbüro und übernahm Anfang 1953 die Leitung des Sektors für gesamtdeutsche Fragen in der Abteilung Presse und Rundfunk des SED-Zentralkomitees.
Von 1954 bis 1955 studierte er an der Parteihochschule der KPdSU in Moskau. Danach war er bis 1960 Sektorenleiter und bis 1965 als Leiter der Westkommission hauptamtlicher Mitarbeiter des Politbüros des ZK der SED. Von Juni bis November 1965 war er stellvertretender Leiter der Westabteilung des ZK der SED und bis 1971 Stellvertreter des Staatssekretärs für gesamtdeutsche Fragen.
Von 1971 bis 1973 amtierte er als Direktor des neu geschaffenen Instituts für Internationale Politik und Wirtschaft (IPW). 1973 bis 1985 war er Leiter der Westabteilung beziehungsweise der dann umbenannten Abteilung Internationale Politik und Wirtschaft beim ZK der SED. 1976 bis 1978 war er Kandidat, bis 1986 Mitglied des ZK und von 1984 bis 1985 Mitglied des Politbüros und Sekretär des ZK der SED.
Häber erhielt 1964 den Vaterländischen Verdienstorden in Bronze, 1966 in Silber und 1980 in Gold sowie 1970 den Orden Banner der Arbeit.
Häber und Philipp Jenninger unterstützten 1982/1983 das geheime deutsch-deutsche Kreditprojekt „Zürcher Modell“, das jedoch nicht realisiert wurde, weil Erich Honecker und Helmut Kohl den auf der „Südschiene“ zwischen Franz Josef Strauß und Alexander Schalck-Golodkowski ausgehandelten Milliardenkredit unterstützten.
Häber hatte als Leiter der Westabteilung des ZK der SED enge Kontakte zu Politikern der Bundesrepublik aufgebaut. Er galt dort als Brückenbauer, mit dem man „reden konnte“. Die Dialogpolitik Honeckers und der Wunsch nach engerer Zusammenarbeit der DDR mit der Bundesrepublik machten ihn damit zum idealen Fürsprecher von Honeckers Westpolitik im Politbüro. Dessen Politik des deutsch-deutschen Dialoges stieß aber in der Sowjetunion und besonders bei Tschernenko und Ustinow auf deutlichen Widerstand.
Honecker forcierte im Frühsommer 1984 seine Pläne eines von Moskau allerdings schon einmal abgelehnten Staatsbesuches in der Bundesrepublik. Häber sollte den Besuch vorbereiten. Um Honecker von seinen Reiseplänen abzubringen, bestellte ihn der Generalsekretär der KPdSU Tschernenko nach Moskau. Honecker wollte bei diesem Treffen Tschernenko allerdings von der Notwendigkeit eines solchen Besuches überzeugen. „Schreib mal alle Gründe auf, weshalb eine Reise nach Bonn unbedingt sein muss“, sagte er zu Häber, der offen für eine Koalition der Vernunft zwischen beiden deutschen Staaten warb und daraufhin ein Grundsatzpapier verfasste.
Honecker musste seine geplante Reise in die Bundesrepublik absagen.
„Die versteckte Drohung Tschernenkos, ein Abweichen von der bisherigen Rolle der SED als Gefolgschaft der KPdSU könne auch Konsequenzen für Honecker persönlich haben, veranlasste diesen, nach einem Sündenbock zu suchen. Er fand ihn schnell in Herbert Häber.“
Im Jahr 1985 wurde Herbert Häber Opfer einer gegen ihn und seine politische Zielsetzung gerichteten Intrige. Darin verbanden sich die von Tschernenko und Ustinow verkörperten Großmachtinteressen mit dem politischen Selbsterhaltungstrieb von Honecker, der Häber bis zum 17. August 1985 vertraut und unterstützt hatte. Hinzu kam, dass sich nicht nur die „Moskau-Fraktion“ im Politbüro gegen Häber wandte, sondern sich auch die anderen Mitglieder des SED-Führungsgremiums nicht gegen seinen statutenwidrigen Ausschluss zur Wehr setzten.
Häber wurde politisch isoliert. Er erlitt einen Nervenzusammenbruch und wurde am 18. August 1985 in das Regierungskrankenhaus in Berlin-Buch eingeliefert, wo ihm Honecker am 16. September das Rücktrittsgesuch „aus gesundheitlichen Gründen“ diktierte. Das ZK der SED entließ ihn am 22. November 1985 „auf eigenen Wunsch“ aus dem Politbüro.
Die angegebene Begründung für seine Abwahl wurde in Ost wie West von Anfang an bezweifelt.
Bis zum 18. März 1986 wurde Häber dann im Fachklinikum Bernburg für Psychiatrie untergebracht. Danach war er bis 1989 Mitarbeiter bei der Akademie für Gesellschaftswissenschaften beim ZK der SED.
1997 und 1998 äußerte sich Herbert Häber im Rahmen von verschiedenen wissenschaftlichen Veranstaltungen bzw. gegenüber Pressevertretern zu seiner Rolle als hochrangiger Parteifunktionär. Er thematisierte dabei immer wieder die Umstände seines auf sowjetischen Druck – und unter direkter und persönlicher Beteiligung von Erich Honecker und Erich Mielke – erzwungenen Ausscheidens aus dem politischen Leben. Er schlug einen Bogen vom Moskauer Geheimgipfel zwischen KPdSU-Generalsekretär Konstantin Tschernenko und SED-Chef Erich Honecker am 17. August 1984, zu dem Häber mit einer umfangreichen schriftlichen Ausarbeitung Koalition der Vernunft die inhaltliche Vorbereitung für den SED-Generalsekretär geleistet hatte, bis zu seiner Abwahl aus dem SED-Politbüro und der Einweisung in eine Station des Bezirkskrankenhauses für Psychiatrie in Bernburg Anfang Januar 1986.
Häber lebte zuletzt in Berlin-Köpenick. Er starb im April 2020 im Alter von 89 Jahren in Berlin.