Henry Drummond (* 5. Dezember 1786 in Alresford, Hampshire; † 20. Februar 1860 in Albury, Surrey) war ein Partner der Drummond’s Bank in London und Mitglied des Unterhauses, 1810–1813 für Plympton Erle, Devonshire, und 1847–1860 für West Surrey. Bekannt wurde er als Mitbegründer und späterer Apostel der katholisch-apostolischen Gemeinden.
Henry Drummond war der älteste Sohn von Henry Drummond (1730–1795), einem angesehenen Bankier der Messrs Drummond Bank in London, die 1749 gegründet wurde. Ab 1793 wurde der junge Henry an der Harrow School erzogen. Danach studierte er ab 1802 im Christ Church College in Oxford.
Nach dem Tod seines Vaters 1795 und dem Ausstieg aus der väterlichen Bank bezog er ein gutes Einkommen und stellte sich daher in den Dienst der von Henry Thornton, William Wilberforce, Thomas Chalmers, Edward Irving sowie James und Robert Haldane getragenen Erweckungsbewegung. 1817 zog er sich aus seiner Kirche, der Church of England, zurück und schloss sich evangelikalen Kreisen an.
Im Juni 1817 ging er mit seiner Frau nach Genf, wo er erneut auf Robert Haldane traf und sich verstärkt missionarischen Unternehmungen zuwandte. Drummond hatte einen Einfluss auf die Genfer Erweckungsbewegung, den Réveil. Diese Bewegung wandte sich mit ihrer persönlichen Frömmigkeit gegen die rationalistischen Tendenzen des Sozinianismus und der liberalen Theologie in der reformierten Kirche Genfs.
In den Jahren von 1826 bis 1829 organisierte er auf seinem Landgut Albury Park Zusammenkünfte von etwa 30 Geistlichen verschiedener Kirchen und namhaften Laien. Bei der ersten Konferenz am 1. Sonntag im Advent 1826 handelte es sich um eine achttägige Zusammenkunft, um unter Gebet und Bibelstudium die unterschiedlichen Deutungen prophetischer Verheißungen und die daraus resultierenden Endzeiterwartungen zu klären. Die Ergebnisse dieser Gespräche, deren prominentester Teilnehmer Edward Irving war, wurden von Drummond veröffentlicht.
Inzwischen war es in Schottland und London zu charismatischen Erweckungen gekommen. Im Juni 1831 hörte Drummond erstmals von den aufgetretenen Geistesgaben. Er untersuchte diese zunächst skeptisch, war dann aber von deren göttlichem Ursprung überzeugt. Daraufhin initiierte er eigene Gebetsversammlungen, was den Widerstand des Ortspfarrers und Vorsitzenden der Albury-Konferenzen, McNeile, hervorrief. Deshalb begann Drummond am 29. Juli 1832 mit seiner Familie und etwa 20 Gleichgesinnten eigene Gottesdienste auf seinem Landgut zu halten. Im ersten Gottesdienst trat erstmals die Gabe der Prophetie hervor. Am 20. Oktober 1832 wurde Henry Drummond dann zum „Hirten“ der ersten katholisch-apostolischen Gemeinde berufen. Elf Tage später, am 31. Oktober 1832, wurde John Bate Cardale erstmals als Apostel angesprochen.
Am zweiten Weihnachtstag 1832 ordinierte Cardale Drummond als „Engel“ (= Bischof) der Hausgemeinde von Albury, die damit nun das Abendmahl feiern durfte. Bei dem von Drummond sofort informierten Ortspfarrer stieß er damit abermals auf Ablehnung. Am 25. September 1833 wurde auch Drummond als Apostel berufen.
1836 erklärte Drummond aufgrund einer Prophezeiung, dass den Aposteln die Stämme Israels anvertraut würden. Jeder Apostel wurde daraufhin einem der zwölf Stämme zugeordnet und erhielt ein Arbeitsgebiet. Henry Drummond erhielt den Stamm Benjamin zugewiesen, was Schottland und die protestantische Schweiz bedeutete. Die Entwicklung des neuapostolischen Stammapostelamtes erfolgte erst später, als diese Kirche klare Ämter, eigene Sakramente und feste Strukturen entwickelte.
Bis zum 12. Juli 1836 wirkte er als „Engel“ der Gemeinde Albury, als „Pfeiler der Hirten“ und als Apostel. Er setzte sich sehr für die Ausbreitung des katholisch-apostolischen Werkes ein und konnte am 1. Juli 1849 in Basel und am 18. Oktober 1850 in Paris eine Gemeinde gründen.
Am 20. Februar 1860 starb Henry Drummond im Alter von 73 Jahren. Er ist mit seiner Frau und vier seiner Kinder auf dem Old St Peter and St Paul Churchyard in Albury Park begraben.
Henry Drummonds Vater, Henry Drummond Senior (1730–1795), war verheiratet mit Elizabeth Compton, sie hatten fünf Kinder, darunter Spencer Rodney Drummond, Anne und Elizabeth Drummond.
Henry Drummond Junior heiratete 1807 Lady Henrietta Hay-Drummond (1783–1854), als Tochter ist namentlich Lady Adelaide Drummond Rokewode-Gage (1818–1883) bekannt.
Drummonds: A History, Royal Bank of Scotland, Edinburgh 2002.
H. Bolitho, D. Peel: The Drummonds of Charing Cross, George, Allen & Unwin, London 1967.
Henry Drummond (Bankier). In: Encyclopædia Britannica. Abgerufen am 3. Juni 2026 (englisch).
Henry Drummond in der Datenbank Find a GraveVorlage:Findagrave/Wartung/Wikidatakennung nicht gesetzt (17. Februar 2010, englisch).
11.3 Wiederbesetzung des Apostelamts in der Katholisch-apostolischen Kirche, in: Der Katechismus der Neuapostolischen Kirche, Website nak.org.