Henrik Arnold Wergeland, im Kirchenbuch „Henrich Arnold Wergeland“ (* 17. Juni 1808 in Kristiansand; † 12. Juli 1845 in Christiania), war ein norwegischer Dichter der Spätaufklärung und Romantik.
Sein Vater war Nicolai Wergeland (1780–1848), Adjunkt in Kristiansand, später Pfarrer in Eidsvoll. Seine Mutter Alethe Dorothea Thaulow (1780–1843) entstammte einer Familie, die schon vorher Künstler hervorgebracht hatte. Er war das älteste von fünf Kindern. Seine Schwester Camilla Collett wurde Schriftstellerin und gilt als erste norwegische Frauenrechtlerin.
Die Familie zog im Frühjahr 1817 nach Eidsvoll, wo Nicolai Wergeland Pfarrer wurde. Hier gab ihm die Natur die Eindrücke, die später die Quelle seiner romantischen Dichtung wurden. 1819 kam er an die Kathedralschule in Christiania. Ab 1821 besuchte er dort auch die neu gegründete Zeichenschule. Bald darauf schrieb er die ersten Erzählungen für die Zeitung Morgenbladet. 1825 bestand er das Examen artium mit besten Noten, musste allerdings das Fach Geometrie wiederholen. Er schrieb sich in die Universität ein und bestand ein Jahr darauf das Examen philosophicum. 1826 begann er das Theologiestudium. Dabei kam er auch mit der altnorwegischen Literatur in Verbindung; insbesondere las er die erste kritische Ausgabe der Sagaliteratur, die dreibändige Sagabibliothek von Peter Erasmus Müller, und weitere historische Schriften über Norwegen. Er engagierte sich sehr in der Studentenschaft und wurde mehrmals zum Redakteur der Studentenzeitung gewählt, wo er viele Beiträge verfasste. Er war Zeuge aus nächster Nähe der Entstehung der Verfassung und mit den Bauern in der Umgebung von Eidsvoll bestens vertraut, verlor aber die Verbindung zu den intellektuellen Kreisen in Christiania.
Allerdings wurde er durch seine Unbeherrschtheit auch in Prozesse verwickelt, die zu Bußgeldern führten. Einen Nachbarn, den Prokurator Jens Obel Praëm, der die Bürger nach seiner Meinung schlecht behandelte, titulierte er in Anwesenheit von Zeugen als „Blutsauger“, was ihm einen Prozess mit Strafe einbrachte. Seine Feindschaft zu Praëm ruinierte ihn schließlich an seinem Lebensende.
Seine Interessen lagen auf dem Gebiet der Botanik und der Geschichte. Sein Studium schloss er 1829 mit der nur ausreichenden Note „Haud illaudabilis“ ab, weil er sich mit dem Prüfer über den Charakter der Höllenstrafe unnachgiebig stritt.
1824 war es auf Initiative von Matthias Conrad Peterson in Trondheim zur ersten Feier des 17. Mai gekommen. Die übrigen Städte begingen diesen Tag noch nicht. Wergelands Einsatz für diese Feiern beschränkte sich auf Gedichte und andere Texte mit Bezug auf den 17. Mai. Aber daraus erwuchsen zunächst keine öffentlichen Veranstaltungen. Inzwischen wurden in Eidsvoll Feiern zum 17. Mai abgehalten. 1829 kam es in Christiania zu einer gewaltsamen Beendigung einer Demonstration zum 17. Mai durch das Militär. Diese Militäraktion, bei der Wergeland nur aus sicherer Entfernung Zeuge wurde, ging als „Torvslaget“ in die Geschichte ein und regte Wergeland zu der Farce Phantasmer an, die durch eine Karikatur von ihm über die Militäraktion kommentiert wurde. Er selbst erhielt auf dem Heimweg einen Säbelhieb von einer Reiterpatrouille auf seine offizielle Studentenuniform. In der Patrouille war der Sohn des Stadtkommandanten Grafen Wedel-Jarlsberg, Fritz Wedel-Jarlsberg. Wergeland sandte die Uniform an den Stadtkommandanten mit der Bemerkung, dass er eine solch gering geachtete Kleidung nicht länger tragen wolle. Darin sah er einen Anschlag auf die verfassungsmäßig garantierte Freiheit. Der schwedische Statthalter sah dagegen einen Verstoß gegen ein Verbot des Königs Karl Johan von 1828, den 17. Mai besonders zu feiern. Am 17. Mai 1833 wurde gleichzeitig des 1828 verstorbenen Staatsrats Christian Krohg durch Enthüllung eines Denkmals gedacht. Dabei wurde Wergelands Preislied für Krohg gesungen und er hielt die Festrede. In den Jahren 1835 bis 1837 wurde er im Studentenverband in dieser Sache aktiv, was ihm dann den Ruf einbrachte, die Feier des 17. Mai durchgesetzt zu haben. Aber es war eine ganze Gruppe führender Persönlichkeiten, die diese Tradition begründeten: Jonas Anton Hielm, Henrik Anker Bjerregaard, die Pfarrer Georg Prahl Harbitz, Iver Hesselberg, Hans Riddervold, Anton Martin Schweigaard und Frederik Stang. Diese verfassten am 12. Mai 1836 einen Aufruf in Den Constitutionelle, „an den Tag und den Ort, an dem die Verfassung gegeben wurde, zu erinnern“. Auch Wergeland trug zur Bildung einer organisierten Feier bei.
Wergelands Nationalismus bestand im textlichen Beitrag zum nationalistischen Diskurs. Er war kein Organisator, politischer Führer oder nationalistischer Aktivist. Dies hängt auch damit zusammen, dass er sich in den entscheidenden 1830er Jahren bis 1834 nur selten in Christiania aufhielt, so dass er dort auch keinen Freundeskreis aufbauen konnte. Auch nach 1838, als er sich in Christiania niederließ, wohnte er außerhalb der damaligen Stadt.
Entwicklung seiner Weltanschauung
Aber seine mit mehreren Liebesaffairen durchsetzte Lebensweise empfahl ihn nicht zum Pfarrer und schon gar nicht zum Beamten. Als Führer der Studentenbewegung war er in den Augen der Regierung verdächtig. Er lebte mehrere Jahre zu Hause in Eidsvoll, predigte hin und wieder in der Kirche seines Vaters und half auch beim Konfirmationsunterricht aus. Hier vertrat er kritische Ansichten zu Luthers Katechismus und dessen Auslegung durch Erik Pontoppidan. Er verfasste daraufhin eine eigene theologische Schrift Hvad Mennesket veed, bør troe og gjøre (Was der Mensch weiß, glauben und tun muss), in der er Jesus als vollkommenen Menschen darstellte und sowohl Wunder als auch die Auferstehung des Fleisches sowie die Lehre vom Teufel und die Höllenstrafen ablehnte. Die Schrift wurde aber nicht gedruckt. Seitdem setzte er sich für die Volksbildung ein.
1830 reiste er nach Stockholm, wo er eine Audienz bei König Karl Johan bekam und eine Reihe schwedischer Politiker und Literaten traf. Über den Oppositionspolitiker Gustaf Hierta wurde er mit den Ideen des französischen Sozialisten Graf Saint-Simon bekannt.
Am 15. April 1831 rückte er eine Annonce in das Morgenbladet ein, in welchem er den Prokurator Jens Obel Praëm als einen „Verbrecher gegen den Staat und die Menschheit“ bezeichnete. Der sich daraus ergebende Prozess verfolgte ihn bis zum Lebensende.
Das Zeugnis der Prüfung in praktischer Theologie, verbunden mit Probepredigt und Prüfung, war zwar gut, enthielt aber die Mahnung, dass er seinen jugendlichen Leichtsinn (spreta juvenili levitate) aufgeben müsse, was die Stellungssuche sehr erschwerte. In den folgenden Jahren war er an vielen Orten nur kurzzeitig als Kaplan oder Lehrer tätig, nie fest angestellt.
Zwischen 1833 und 1837 verfasste Wergeland eine Reihe historischer Arbeiten, so eine über die Geschichte Karl Johans, in der er ihm durchaus Sympathie entgegenbrachte und lediglich das mangelnde Verständnis für die norwegischen Befindlichkeiten kritisierte, dann über norwegische Geschichte, Geschichte des norwegischen Volkes und seiner Sprache und eine Geschichte des Königreichs Schweden. Allerdings konnte er kein Altnorwegisch (Norrøn), so dass er keinen unmittelbaren Zugang zu den Quellen hatte, sondern sich an Keyser und P. A. Munch orientieren musste. Wergeland und allen damaligen Historikern war eine metaphysisch-teleologische Sicht auf die Geschichte gemeinsam. Die Geschichte hatte ein „Ziel“. Das Gute siegt letztendlich über das Böse, der Held nimmt sein Geschick in die eigene Hand und der Held war in diesem Fall das norwegische Volk.
Der Streit mit Welhaven und andere Konflikte
Nach der Veröffentlichung seines großen Gedichtes „Skabelsen, Mennesket og Messias“ 1830 sah er sich scharfen Angriffen von Welhaven ausgesetzt.
1834 veröffentlichte Welhaven eine Reihe Sonette unter dem Titel Norges Dæmring, in der er sich von der nationalen Ideologie Wergelands distanzierte und ihn als „Pöbelhäuptling“ bezeichnete. Wergeland antwortete mit einer Reihe von Zeitungseinlagen unter dem Titel „Verteidigung des norwegischen Volkes“. Er wandte sich auch gegen den dänischen Dichter Johan Ludvig Heiberg, als dessen Lehrling er Welhaven sah. Der Konflikt beruhte im Kern auf unterschiedlichen Auffassungen über die Entwicklung der norwegischen Nation: Welhaven und seine „Intelligenspartiet“, später „tropperne“ genannt, setzte auf das Recht und die Zuverlässigkeit der Rechtsordnung in der Gesellschaft als Voraussetzung für eine selbständige Nation. Wergeland sah in dieser Betonung eine sterile Bürokratisierung der Gesellschaft.