An diesem Tag

Henriette von Poschinger

Deutsche Designerin

Anúncio

Henriette Emilie Julia Elisabeth Edle von Poschinger, geborene Steigerwald, Pseudonym Heriberta von Poschinger (* 1. Dezember 1845 in Deggendorf, Bayerischer Wald; † 29. September 1903 in Tutzing, Landkreis Starnberg, Oberbayern) war eine bayerische Glas-Designerin und Dichterin.

Poschinger geb. Steigerwald stammte aus einer wohlhabenden Glasfabrikantenfamilie und war die Tochter des Guts- und Glashüttenbesitzers Wilhelm Steigerwald und der Henrice Reinhold. Ihr Onkel Franz Steigerwald hatte 1836 die Glashütte Theresienthal gegründet, doch schon am 1. April 1861 wurde diese durch die Königliche Bank Nürnberg für 20.000 Gulden an Johann Michael II. von Poschinger verkauft, Henriettes späteren Schwiegervater.

Zwei Jahre später heiratete Henriette Steigerwald am 9. Juni 1863 in Zwiesel den königlich bayerischen Kommerzienrat Johann Michael III. Ritter und Edler von Poschinger (* 8. Dezember 1834 auf Gut Ober-Frauenau; † 18. Februar 1908 in München), Gutsherr und inzwischen auch Glashüttenbesitzer in Theresienthal. Er entstammte der alten bayerischen Familie Poschinger und war der Sohn von Johann Michael II. (1794–1863), Gutsherr auf den Gütern Oberfrauenau (Landkreis Regen), Drachselsried, Wettzell und Thallersdorf, und von Maria Schweikl (1810–1878).

Ihre beiden Enkel Hans von Poschinger (1892–1951) und Egon von Poschinger (1894–1977) erbten das künstlerische Talent ihrer Großmutter und wurden bekannte Kunstmaler.

Poschinger war Meisterschülerin des berühmten Malers Franz von Lenbach (1836–1904). Das junge Ehepaar übernahm die heruntergekommene Glashütte Theresienthal und führte sie zu erneutem Ruhm. Über mehrere Jahrzehnte arbeitete sie in ihrer Glashütte als Designerin und entwarf Glasformen und Ornamente stilvoller Gläser, hauptsächlich für Pokalen und Römern. Ihr Atelier befand sich im Turmzimmer des Theresienthaler Schlösschens.

In der Phase des Historismus studierte sie Gläser im Bayerischen und im Germanischen Nationalmuseum und griff deren Formen auf, um mit alten Techniken moderne Gläser zu entwerfen. Nach Marita Haller beruhen die meisten der für Theresienthal typischen Pokale und Römer auf ihren Mustern. Auch den gläsernen Jugendstil habe sie wie kein anderer Designer geprägt.

Daneben trat Poschinger als Dichterin hervor. Ihr Gedichtband Lieder der Waldfrau erschien 1893 bereits in zweiter Auflage unter dem Pseudonym Heriberta von Poschinger im Münchner Verlag Dr. E. Albert & Co. Ein zweites Pseudonym lautete Heinz Osser.

Poschinger wurde in Tutzing beigesetzt. Das Familiengrabmal ist ein geschütztes Baudenkmal.

1899 übertrug das Ehepaar Schloss Ismaning sowie die Güter Karlshof und Zengermoos der Stadt München und errichtete daraus eine Wohltätigkeitsstiftung. Die am 9. Februar 1900 entstandene Michael und Heriberta von Poschinger’sche Stiftung trägt ihren Künstlernamen. Sie wird von der Landeshauptstadt München verwaltet und dient heute der Förderung von Kindern im Münchner Kindl-Heim und im Münchner Waisenhaus.

Genealogisches Handbuch des Adels, Adelige Häuser B Band XII, Seite 431, Band 64 der Gesamtreihe, C. A. Starke Verlag, Limburg (Lahn) 1977, ISSN 0435-2408

Marita Haller: Erinnerungen an Henriette Steigerwald, alias Heriberta von Poschinger. In: Pressglas-Korrespondenz 2011-4, S. 160.

Biographie von Henriette Steigerwald auf der Internet-Präsenz von Theresienthal

Zur Geschichte des Römers aus Theresienthal unter Einbezug von Henriette Poschinger

Anúncio

Bald in der World in Stories App

Audio, Offline-Download, keine Werbung und mehr.

Premium entdecken
Henriette von Poschinger | World in Stories