An diesem Tag

Henri Pyt

Schweizer Wanderprediger

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Henri-Frédéric-Victor Pyt (* 5. April 1796 in Sainte-Croix; † 21. Juni 1835 in Paris) war ein Schweizer Wanderprediger und hat mit der Erweckungsbewegung die Erneuerung des französischen Protestantismus in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Süden Frankreichs wie auch im Norden und in Paris bestimmt.

Henri Pyt war der Sohn des Uhrmachers Pierre-Frédéric Pyt, der aus Travers stammte, und dessen Ehefrau Marie Suzanne (geb. Jaques) († 1812 in La Sarraz); er hatte noch eine Schwester. Bereits in seiner Kindheit verstarb sein Vater im Alter von sechsunddreissig Jahren und nach dem Tod seiner Mutter zog er zu seinem Onkel David Pyt.

Am 5. Juni 1818 heiratete er die Genferin Jeanne, Tochter von Jean-Pierre Marc Bost (1764–1843) und eine Schwester des Erweckungspredigers Ami Bost; die Ehe blieb kinderlos.

Er nahm 1825 den späteren Missionar Eugène Casalis, der ihm als Kind von einem Verwandten empfohlen worden war, bei sich im Haus auf, um diesen zu erziehen und auszubilden.

Durch seine Grossmutter mütterlicherseits erhielt Henri Pyt bereits in seiner Kindheit Kontakt zur Gemeinde der Mährischen Brüder in Sainte-Croix.

Er schloss sich 1812 dem 1810 von Emile Guers gegründeten Bibelkreis Société des Amis an, die eine Brüderunität mährischer Richtung war, sich aber bereits 1813 auf Bestreben der Compagnie des pasteurs wieder auflöste. Die Auflösung erfolgte, weil die Zusammenkünfte nicht durch kirchliche Behörden genehmigt worden waren und auf eine dissidente Kirche hinausliefen. In dieser Zeit lernte er auch 1813 Juliane von Krüdener kennen, die ihm einen religiösen Impuls gab. Kurz darauf lernte er den englischen Industriellen Richard Wilcox kennen, der als Laienprediger in Genf predigte. Durch diesen lernte er 1817 den schottischen Laienprediger Robert Haldane kennen, der sich ebenfalls in Genf aufhielt.

Henri Pyt studierte in der Zeit von 1815 bis 1817 Theologie an der Akademie Genf; zu seinen Kommilitonen gehörten unter anderem Emile Guers, James DuPasquier, Jean Gonthier, Jean-Henri Merle d’Aubigné und Frédéric Monod.

Im Herbst 1816 verliess Ami Bost Genf, um eine Stelle in Moutier anzutreten. Aus diesem Grund hielt dessen Freundeskreis, unter ihnen Jean Gonthier, Emile Guers, Henri Pyt und Richard Wilcox ein Abschiedsfest, das mit dem Letzten Mahl der Zwölf verglichen wurde; dies wies auf das Selbstgefühl hin, zur Verkündigung ausgesandt zu sein und belegte die intensive Beschäftigung, ja Identifizierung mit der Zeit der Urgemeinde.

Henri Pyt brach 1817 sein Studium ab, nachdem die Compagnie des pasteurs den Genfer Pfarrern verboten hatte, über bestimmte Themen der reformierten Orthodoxie zu predigen; anschliessend verdiente er seinen Tagesunterhalt mit dem Unterrichten von Tages- und Internatsschülern.

Er gründete am 23. August 1817 gemeinsam mit Emile Guers und Jean Gonthier mit der Kirche Bourg-de-Four die erste von der angelsächsischen Erweckungsbewegung inspirierte Gemeinschaft in Genf; gemeinsam waren er und Jean Gonthier dort als Pfarrer tätig.

Im Juni 1818 verliess er, gemeinsam mit seiner Schwester Pauline und seiner Ehefrau, Genf, um im südfranzösischen Saverdun im Département Ariège eine Pfarrstelle anzunehmen, die ihm vom Komitee der Continental Evangelisation Society (deutsch: Festlandsgesellschaft zur Verbreitung religiösen Wissens oder auch Festlandsgesellschaft für die Ausbreitung wahren Christentums, auch: Festlandsgesellschaft zur Bekämpfung des Unglaubens), angeboten worden war; die Continental Evangelisation Society war 1817 von Henry Drummond gegründet worden.

Ende 1818 besuchte er Robert Haldane in Montauban, der von Genf dorthin gegangen war, um sich mit ihm über das weitere Vorgehen in Saverdun und der dortigen Umgebung zu besprechen. Diese Gespräche hatten einen grossen Einfluss auf seine Zukunft, weil er erkannte, dass er zukünftig, unabhängig von jeder kirchlichen Bindung von Ort zu Ort ziehen musste, um zu predigen.

Berufliches Wirken in Frankreich

Am 15. Juli 1819 verliess er, begleitet von seiner Ehefrau und seiner Schwester, folgte er einer Einladung des Komitees der Continental Evangelisation Society nach Valenciennes, dass sie am 3. August 1819 erreichten. Auf Bitten des Komitees begann er in Valenciennes und der grösseren Umgebung zu predigen. Im Laufe der Zeit predigten weitere Laien in Absprache mit Henri Pyt im Norden Frankreichs und verteilten hierbei das Neue Testament. Im Laufe der Zeit bildeten sich neue Kirchen, die weder katholisch noch evangelisch, sondern nur christlich genannt werden wollten. Vermögende Männer stellten für deren Kirchenbau die Mittel für die Ziegel und die wichtigsten Materialien zur Verfügung; diejenigen, die kein Geld hatten, arbeiteten als Hilfsarbeiter; die Frauen und Mädchen, verkauften ihren Schmuck, um bei den Baukosten zu helfen.

Am 12. Dezember 1820 verliess er Valenciennes in Richtung Orléans, wohin ihn das Komitee der Continental Evangelisation Society als Pfarrer berief; dort wurde ihm allerdings untersagt, auf der Kanzel zu predigen und auf Betreiben des örtlichen Pfarrers wurde er durch den Präfekten des Ortes verwiesen, sodass er nach Guillonville in der Landschaft Beauce ging. Er predigte dort bis zur Zeit der Ernte 1821, unterbrach dann seine Tätigkeit und reiste nach Paris. Dort traf er sich mit Emile Guers und Jean Gonthier, die auf dem Weg zur Ordination nach London waren und schloss sich ihnen an, sodass er am 28. Juli 1821 ordiniert wurde.

Nach seiner Ordination erhielt er von der Londoner Continental Evangelisation Society erneut den Auftrag nach Südfrankreich zu reisen, um dort sein 1819 unterbrochenes Werk fortzusetzen. Ende August 1821 erreichte er, gemeinsam mit seiner Ehefrau, Montauban, dort predigte er mehrere Male in der Hauptkirche, unter anderem auch vor mehreren Theologiestudenten. Seine Predigten setzte er in den Gemeinden Nègrepelisse und Albefeuille-Lagarde fort. Am 15. September 1821 traf er in Toulouse ein und machte sich sofort auf den Weg nach Bagnères-de-Bigorre am Eingang des Campan-Tals, am Fuße der Pyrenäen. Von dort reiste er weiter nach Tarbes und Pau. Weil er sich in Bayonne bei Orthez niederlassen wollte, traf er sich in Orthez mit dem Präsidenten des Konsistoriums, in dessen Kirche er am 30. September 1821 predigte. Am 23. Dezember 1821 wurde eine neue Kapelle in Bayonne in Anwesenheit des Pfarrers aus Orthez eingeweiht. Seine Tätigkeit beschränkte sich nicht auf Bayonne, sondern umfasste auch die ganze benachbarte Region, so unter anderem in Béarn, Aix-en-Pévèle und Nomain sowie später im Baskenland; er begab sich unter anderem vom 1. August bis 10. Oktober 1822 auf eine Evangelisationstour und bereiste die Departements Haute-Garonne, Ariège und Tarn.

Aufgrund einer Epidemie und der französischen Invasion in Spanien 1823, kamen viele Spanier nach Bayonne; für diese empfand Henri Pyt grosses Mitleid, sodass er beschloss ihnen Trost zu spenden; hierzu erlernte er, gemeinsam mit seiner Ehefrau, die spanische Sprache und veranlasste unter anderem die Übersetzung des Neuen Testaments ins Spanische; diese wurde 1824 allerdings durch den Papst auf den Index gesetzt. In dieser Zeit bekehrte er auch den katholischen Priester Juan Calderón, der nach Bayonne geflohen war.

Weil es in dieser Zeit sechs baskische Provinzen auf beiden Seiten der Pyrenäen gab, drei spanische und drei französische, nämlich Nieder-Navarra, Soule und Labourd, die der Londoner Bibelgesellschaft bekannt geworden waren, und in denen kaum die spanische oder französische Sprache gesprochen wurde, erlernte er die baskische Sprache. Als der reformierte Glauben in Béarn eingeführt wurde, liess Jeanne d’Albret, Königin von Navarra, eine Version des Neuen Testaments in der baskischen Sprache anfertigen und verteilen; diese wurde jedoch, nach der Aufhebung des Edikts von Nantes, von den Priestern wieder eingetrieben und verbrannt. Ein Exemplar gelang jedoch in den Besitz der Oxford Library und auf diese Weise konnte die Londoner Bibelgesellschaft Henri Pyt sich um den Druck dieses baskischen Neuen Testaments kümmern. Weil sich die baskische Sprache seit dieser Zeit erheblich verändert hatte, war eine Neu-Übersetzung notwendig, die Henri Pyt, gemeinsam mit einem jungen Basken betrieb und fast seine gesamte Zeit beanspruchte.

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