Henri Michaux (* 24. Mai 1899 in Namur (Belgien); † 19. Oktober 1984 in Paris) war ein französischsprachiger Dichter und Maler.
Henri Michaux wurde in eine bürgerliche Familie hineingeboren. Ab dem Alter von zwölf Jahren besuchte er eine von Jesuiten geleitete Schule. 1919 brach er sein Medizinstudium ab und schiffte sich 1920 als Matrose ein. Danach kehrte er nach Brüssel zurück. 1922 begann er zu schreiben. 1927 unternahm er zusammen mit dem ecuadorianischen Dichter Alfredo Gangotena eine Reise nach Ecuador, die er literarisch im gleichnamigen Reisebericht darstellte. Danach übersiedelte er nach Paris. 1927 veröffentlichte Michaux seine ersten Bücher, Meine Besitzungen und Ein gewisser Plume. Es folgten Reisen nach Anatolien, Nordafrika und Italien. 1930–31 unternahm er eine große Asienreise nach Indien, Indonesien, China und Japan. 1935 war er in Montevideo und Buenos Aires.
1937 hatte er seine erste Ausstellung in der Galerie Pierre in Paris. Nach dem Einmarsch der Deutschen in Paris während des Zweiten Weltkriegs im Jahre 1940 siedelte Michaux in die sogenannte „Unbesetzte Zone“ von Vichy-Frankreich um. 1948 starb seine Frau nach einem Unfall an schweren Verbrennungen.
Der einflussreiche Kritiker Michel Tapié stellte ihn 1947 dem Galeristen René Drouin vor, woraus im April 1948 eine Zusammenarbeit mit der Ausstellung Henri Michaux, dessins à la plume sur lavis d’aquarelle resultierte. 1952 erwarb Tapié drei seiner Werke für seine private Sammlung. Tapié verfasste mehrere ermutigende Artikel in Kunstzeitschriften sowie die Vorworte für einige Ausstellungskataloge und nahm Michaux in das Buch über nordamerikanische Künstler Un art autre auf, das 1952 veröffentlicht wurde.
Im selben Jahr machte Henri Michaux in der Galerie du Dragon der Galeristin Nina Dausset mit dem Maler Sam Francis Bekanntschaft. Durch Vermittlung von Jean-Jaques Lebel kam er zudem mit der literarischen Bewegung der Beat Generation in Kontakt und besuchte während deren Paris-Aufenthalt häufig das Beat Hotel. Dort frequentierte er unter anderen Allen Ginsberg, Gregory Corso und William S. Burroughs.
1955 wurde er französischer Staatsbürger. 1956 machte er das erste seiner Meskalin-Experimente, über die er ab 1961 drei Bücher schrieb. Er war Teilnehmer der documenta 2 1959, der documenta 3 1964 und der documenta 6 1977.
1960: Einaudi-Preis der Biennale von Venedig
1965: Großer Staatspreis für Literatur der Republik Frankreich (er nahm ihn nicht an)
Ecuador. Journal de voyage. Paris 1929.
Deutsch: Ecuador. Reisetagebuch. Droschl, Graz 1994, ISBN 3-85420-379-9 (übersetzt von Dieter Hornig).
Deutsch: Ein Barbar in Asien (= Die Andere Bibliothek. 161). Eichborn, Frankfurt am Main 1998, ISBN 3-8218-4161-3 (EA Graz 1992, übersetzt von Dieter Hornig).
Un certain Plume et autres Textes. Paris 1963 (EA Paris 1938).
Deutsch: Plume und andere Gestalten. Limes Verlag, Wiesbaden 1960 (übersetzt von Kurt Leonhard).
Deutsch: Ein gewisser Plume. Suhrkamp, Berlin 2017, ISBN 978-3-518-46912-5 (EA Frankfurt am Main 1986, übersetzt von Kurt Leonhard).
Voyage en Grand Garabagne. Paris 1936.
Deutsch: Reise nach Groß-Garabannien. S. Fischer, Frankfurt am Main 1989, ISBN 3-10-049112-2 (EA Frankfurt am Main 1986, übersetzt von Traugott König u. a.).
Au pays de la magie und Ici Poddema. Paris 1948 (EA Paris 1941).
Deutsch: Im Lande der Zauberei und Hier Poddema. Droschl, Graz 1996, ISBN 3-85420-411-6 (übersetzt von Rainer G. Schmidt).