Henri, Großherzog von Luxemburg (vollständiger Name Henri Albert Gabriel Félix Marie Guillaume von Nassau; * 16. April 1955 auf Schloss Betzdorf in Betzdorf), war vom 7. Oktober 2000 bis zum 3. Oktober 2025 Großherzog von Luxemburg, Herzog von Nassau und damit das Staatsoberhaupt des Großherzogtums Luxemburg.
Familie, Ausbildung und Privates
Henri wurde auf Schloss Betzdorf als ältester Sohn des damaligen Thronfolgers Jean und seiner Frau Joséphine Charlotte geboren. Er hat vier Geschwister: Prinzessin Marie Astrid (* 1954), Prinz Jean von Nassau (* 1957), Prinzessin Margaretha von Liechtenstein (* 1957) und Prinz Guillaume von Nassau (* 1963). Er besuchte Schulen in Luxemburg und Frankreich. Im Jahr 1973, dem Jahr seiner Volljährigkeit, bekam er den Titel Erbgroßherzog zugesprochen und übernahm ab dann repräsentative Aufgaben. Bis zum Oktober 1980 studierte Henri an der Universität Genf Politikwissenschaften. Während seines Studiums lernte er auch seine jetzige Frau Maria Teresa Mestre kennen, die er am 14. Februar 1981 heiratete. Zusammen haben sie fünf Kinder, die Söhne Guillaume, Félix, Louis und Sebastian sowie eine Tochter, Alexandra.
Zur militärischen Ausbildung war er an der Königlichen Akademie von Sandhurst in England.
Henri spricht Französisch, Englisch, Deutsch und Luxemburgisch. Er ist Ehren- und Devotions-Großkreuz-Bailli des Malteserordens.
Am 4. März 1998 übernahm der damalige Erbgroßherzog Henri als Vertreter („Lieutenant-Représentant“) seines Vaters Großherzog Jean die Aufgaben als Staatsoberhaupt von Luxemburg. Nach der freiwilligen Abdankung seines Vaters wurde er am 7. Oktober 2000 als Großherzog von Luxemburg vereidigt und bezog die großherzogliche Residenz Schloss Berg.
Am 17. und 18. März 2006 besuchte der Großherzog Henri zusammen mit seinem Sohn, dem Erbgroßherzog Guillaume, und seiner Frau anlässlich der Feierlichkeiten zum 200. Jahrestag der Gründung des Herzogtums Nassau Wiesbaden, ehemals Residenzstadt der nassauischen Herzöge, heute Landeshauptstadt des deutschen Landes Hessen.
Institutionelle Staatskrise 2008
Wie am 2. Dezember 2008 bekannt wurde, teilte Henri dem luxemburgischen Premierminister Jean-Claude Juncker mit, dass er die Unterschrift unter das geplante und kurz vor der zweiten Abstimmung stehende Sterbehilfe-Gesetz aus Gewissensgründen verweigern werde. Die Unterzeichnung durch den Monarchen war damals noch eine laut Verfassung notwendige Voraussetzung, damit ein luxemburgisches Gesetz Gültigkeit erlangt (bisherige Fassung von Art. 34: „Der Großherzog bestätigt und verkündigt die Gesetze. Er gibt seine Entschließung binnen drei Monaten nach dem Beschluss der Abgeordnetenkammer bekannt.“). Dies wäre seit 1912 das erste Mal, dass der regierende Großherzog die Unterschrift unter ein vom Parlament verabschiedetes Gesetz verweigert.
Jean-Claude Juncker teilte mit, dass, auch wenn er die Bedenken des Großherzogs teile, ein vom Parlament beschlossenes Gesetz auch in Kraft treten müsse. Daraufhin verständigten sich die Regierung und alle Fraktionen des Parlaments auf eine Verfassungsänderung, die den Großherzog formal entmachtete und ihm zukünftig nur noch die Aufgabe übertrug, Gesetze zu „verkünden“ – das Wort „bestätigt“ (sanctionne) in Artikel 34 der Verfassung wurde gestrichen. Das Parlament stimmte in erster Lesung dieser Änderung mit 56 Ja-Stimmen bei einer Enthaltung am 11. Dezember 2008 zu. Ein Volksbegehren gegen die Verfassungsänderung scheiterte am 11. Februar 2009 mit nur 796 statt der erforderlichen 25.000 Unterschriften, so dass am 12. März 2009 alle 52 anwesenden Abgeordneten in zweiter Lesung das Gesetz zur Verfassungsänderung verabschiedeten. Auch der Großherzog, der zum letzten Mal ein Gesetz billigen musste, stimmte zu. So konnte das Sterbehilfegesetz mit den Unterschriften von Großherzog Henri und Gesundheitsminister Mars Di Bartolomeo im Amtsblatt veröffentlicht werden.
Besuch der Olympischen Winterspiele 2022
Im Februar 2022 reiste Großherzog Henri zur Eröffnung der Olympischen Winterspiele nach Peking. Mit Blick auf die Menschenrechte in China und das Fernbleiben anderer europäischer Staatsoberhäupter wurde dies in der heimischen und internationalen Presse negativ kommentiert. Henri besuchte nicht nur die Eröffnungsfeier, wo er den beiden luxemburgischen Athleten mit der Nationalflagge zuwinkte, sondern auch den chinesischen Staats- und Parteichef Xi Jinping. Ferner nahm er an einem Bankett für ausländische Würdenträger teil.
Am 23. Juni 2024 kündigte Großherzog Henri anlässlich des luxemburgischen Nationalfeiertages an, im Oktober des Jahres sein Amt als Staatsoberhaupt an seinen ältesten Sohn Guillaume übergeben zu wollen. Dieser sollte zunächst Vertreter („Lieutenant-Représentant“) werden, eine Abdankung Henris war damit noch nicht verbunden.
Am 24. Dezember 2024 erklärte Henri, dass er am 3. Oktober 2025 nach 25 Jahren auf dem Luxemburger Thron abdanken werde.
Am Vormittag des 3. Oktober 2025 fand die Abdankungszeremonie statt. Dabei unterzeichnete Henri den Erlass über seine Abdankung und der Premierminister zeichnete sie gegen.
Dem amerikanischen Wirtschaftsmagazin Forbes zufolge ist Großherzog Henri mit seinem Vermögen der meistunterschätzte Monarch der Welt. So wurde das Privatvermögen 2006 auf 4,6 Milliarden Euro geschätzt. Die belgische Zeitung Het Laatste Nieuws veröffentlichte im September 2007 eine Liste der reichsten Monarchen Europas, auf der Großherzog Henri mit einem Vermögen von 1,2 Milliarden Euro lediglich auf dem vierten Platz unter den europäischen Monarchen geführt wird, hinter Fürst Hans-Adam II. von Liechtenstein (3 Milliarden Euro), der ehemaligen britischen Königin Elisabeth II. (1,8 Milliarden Euro) und dem ehemaligen spanischen König Juan Carlos I. (1,7 Milliarden Euro). Der großherzogliche Hof Luxemburg nannte „die zum Teil verbreitete Meinung, die großherzogliche Familie verfüge über ein ungeheures Vermögen“, ein „Hirngespinst“.
Er führt als vollständigen Titel „Seine Königliche Hoheit Henri, Großherzog von Luxemburg, Herzog von Nassau, Prinz von Bourbon-Parma, Pfalzgraf bei Rhein, Graf von Sayn, Königstein, Katzenelnbogen und Diez, Burggraf von Hammerstein, Herr von Mahlberg, Wiesbaden, Idstein, Merenberg, Limburg und Eppstein“.
Da in Luxemburg per Gesetz das Bild des Großherzogs auf den Münzen Vorschrift ist, ist keine andere Person häufiger als Henri auf Euro-Münzen abgebildet. Das Porträt von Großherzog Henri prangt auf insgesamt 29 verschiedenen Euromünzen (Stand: 2016). Zu sehen ist es auf allen acht luxemburgischen Euromünzen sowie auf 21 2-Euro-Gedenkmünzen (20 luxemburgische, 1 belgische).