Hendrika van Gelder (* 7. Mai 1870 in Amsterdam; † 7. Mai 1943 im Vernichtungslager Sobibor) war eine niederländische Malerin und Zeichnerin, die Opfer des Holocaust wurde.
Hendrika van Gelder war das sechste Kind des Goldschmieds, Juweliers, Gold- und Silberhändlers Abraham Michael Emanuel van Gelder (1837–1909) und Reintje Simons (1841–1933). Sie wuchs in einer wohlhabenden, konservativen jüdischen Familie mit elf Geschwistern in Amsterdam auf. Bis 1908 lebte die Familie in der Oudezijds Voorburgwal, danach in der Nicolaas Maesstraat 72.
Hendrika van Gelder begann erst spät zu malen. Sie nahm Malunterricht bei Henriëtte Asscher und besuchte die Dagteeken- en Kunstambachtsschool voor Meisjes, wo sie unter anderem von Jo Bauer-Stumpff unterrichtet wurde und schloss die Ausbildung im November 1900 mit Zertifikat im Zeichnen ab. Vermutlich war sie aber nie selbst als Lehrerin tätig. Anschließend nahm sie ein Jahr Modellierunterricht bei dem Bildhauer Marinus Johannes „Rien“ Hack (1871–1939) und danach anderthalb Jahre lang Malunterricht bei dem Maler Eduard Frankfort, ermutigt durch den Direktor der Rijksacademie August Allebé, der sie für talentiert genug hielt, „um weitere Studien zu riskieren“.
In den zwanziger und dreißiger Jahren unternahm sie jährliche Kunstreisen nach Menton in Südfrankreich, um die Küste, Landschaften und Städte künstlerisch festzuhalten. Als einzige unverheiratete Tochter lebte Hendrika van Gelder bis zum Tod ihrer Eltern 1909 und 1933 im elterlichen Haus. 1934 bezog sie ein Atelierhaus im neu errichteten Künstlerkomplex in der Zomerdijkstraat in Amsterdam-Zuid. Gemeinsam mit Kollegen organisierte sie eine Eröffnungsausstellung, auf der ihre Landschaften großen Anklang fanden.
Aufgrund der Repressalien zu Beginn des Holocaust in den Niederlanden durfte Hendrika van Gelder als niederländische Jüdin ab 1941 nicht mehr Mitglied der Künstlervereinigungen sein, denen sie bis dahin angehört hatte. Mit dem Anschluss etwa von Arti et Amicitiae 1941 an die von den deutschen Besatzern während des Zweiten Weltkriegs eingerichtete Kontroll- und Zensurinstitution „Nederlandsche Kultuurkamer“ wurden die jüdischen Mitglieder aus dem Verein ausgeschlossen, darunter auch Hendrika van Gelder. 1943 wurde sie in der Zomerdijkstraat verhaftet, am 4. Mai in das Vernichtungslager Sobibor deportiert und am 7. Mai 1943 an ihrem 73. Geburtstag ermordet.
1904 wurde Van Gelder Mitglied der Kunstenaarsvereniging Sint Lucas in Amsterdam und beteiligte sich 1908 erstmals an deren Gruppenausstellung. 1909 wurde sie Mitglied von „Arti et Amicitiae“ und 1915 von „De Onhoudenen“. Zwischen 1909 und 1940 stellte Hendrika van Gelder fast jährlich mit diesen Vereinen aus, beteiligte sich aber auch an landesweiten Ausstellungen. Ab 1921 war sie Mitglied der „Vereniging van Beeldende Kunstenaars De Onafhankelijken“ in Amsterdam.
1908–1940: regelmäßige Gruppenausstellungen von „Arti et Amicitiae“, „De Onhoudenen“ und De „Onafhankelijken“
Ausstellungen im Pulchri Studio, Den Haag
Ausstellungen im Kunsthandel Nico van Harpen, Laren
1913: De Vrouw 1813–1913, Amsterdam
1915: „Nederlandsch Steuncomité voor Beeldende Kunstenaars“, Stedelijk Museum, Amsterdam
1917: Kunst van en over Vrouwen, Utrecht
1918: De schilderkunst der Amsterdamse vrouwen, „Maatschappij der Beeldende Kunsten“, Amsterdam
1924: „De Onafhankelijken“, Stedelijk Museum, Amsterdam
1933: Kunst S.O.S., Stedelijk Museum, Amsterdam
1939: Onze kunst van heden, Rijksmuseum Amsterdam
1945: Kunst in vrijheid, „Nederlandse Federatie van Beroepsverenigingen van kunstenaars“, Rijksmuseum Amsterdam
2022: U zult begrijpen dat … De keuzes van Arti et Amicitiae in en na WO2, Arti et Amicitiae, Amsterdam