Helmut Lent (* 13. Juni 1918 in Pyrehne, Kreis Landsberg/Warthe; † 7. Oktober 1944 in Paderborn), zuletzt Kommodore des Nachtjagdgeschwaders 3, war ein Nachtjägerpilot der deutschen Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg und – gemessen an den Abschusszahlen – der zweiterfolgreichste Nachtjägerpilot aller Zeiten.
Seriöse wissenschaftliche Literatur zu Lent liegt nach einem Gutachten des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes nicht vor. Die folgenden Informationen zum Leben entstammen zu einem wesentlichen Teil den Recherchen des Kommunalpolitikers Michael Quelle von der Partei Die Linke, der sich seinerzeit für die Umbenennung der damaligen Helmut-Lent-Kaserne einsetzte (siehe unten).
Helmut Lent war das fünfte Kind von Johannes Lent, einem evangelischen Pastor, und dessen Ehefrau Marie Elisabeth geborene Braune. Lent hatte zwei ältere Brüder, Werner und Joachim, und zwei ältere Schwestern, Käthe und Ursula. Seine Familie war sehr religiös, beide Brüder und auch seine Großväter waren Pastoren.
Von Ostern 1924 bis Ostern 1928 besuchte Helmut Lent die örtliche Grundschule in Pyrehne. Sein Vater und seine älteren Brüder gaben ihm Nachhilfe als Vorbereitung auf die Zulassungsprüfung für das Gymnasium in Landsberg.
Lent trat in das Jungvolk ein, die Kinder- und Jugendorganisation der Hitlerjugend. Auch nach Erreichen der Altersgrenze blieb er in dieser Organisation und stieg in der Hierarchie auf. Von März 1933 bis April 1935 war er Jungzugführer (30–45 Kinder und Jugendliche). Vom April bis November 1935 war er Fähnleinführer (Anführer von 120 bis 180 Kindern und Jugendlichen), bis er das Jungvolk verließ.
Militärische Vorkriegskarriere
Lent begann am 17. August 1936 seine Fliegerausbildung in der Luftkriegsschule Berlin-Gatow. Während dieser, die auch eine Ausbildung an Kraftfahrzeugen und Motorrädern einschloss, erlitt er zwei schwere Unfälle. Ein komplizierter Oberschenkelbruch im Jahr 1937 erzwang eine fünfmonatige Unterbrechung der Flugtätigkeit; trotzdem wurde er nach bestandenem Examen am 1. April 1937 zum Fähnrich ernannt. Am 1. Februar zum Oberfähnrich und einen Monat später zum Leutnant befördert, begann Lent im März 1938 eine Zusatzausbildung als Bombenschütze. Noch vor deren Ende wurde Lent erneut in einen schweren Verkehrsunfall verwickelt, als er als Fußgänger von einem Auto erfasst wurde und ein Schädel-Hirn Trauma und einen Unterkieferbruch erlitt. Erst am 19. Juli 1938 konnte Lent wieder am Flugbetrieb teilnehmen. Zu diesem Zeitpunkt war er dem Jagdgeschwader 132 „Richthofen“ zugeteilt worden. Im Zusammenhang mit der sogenannten Sudetenkrise flog Lents Einheit Patrouillen im Grenzgebiet zur damaligen Tschechoslowakei. Im Mai 1939 wurde Lent dem Zerstörergeschwader 76 zugeteilt und auf Messerschmitt Bf 110 umgeschult.
Zum Zeitpunkt des Überfalls auf Polen war Lents Einheit in Ohlau bei Breslau stationiert und beteiligte sich an den Kampfhandlungen; am 2. September erzielte Lent seinen ersten Luftsieg. Nachdem seine Einheit nach Jever verlegt worden war, gelang ihm im Luftgefecht über der Deutschen Bucht am 18. Dezember 1939 der Abschuss zweier britischer Bomber vom Typ Vickers Wellington. Im Norwegenfeldzug 1940 war er wesentlich an der Eroberung des Osloer Flughafens Fornebu beteiligt und schoss weitere vier Maschinen ab, womit er seine Abschussbilanz auf insgesamt sieben erhöhte. Schon nach seinen Abschüssen über der Deutschen Bucht wurde Lent in der NS-Propaganda als Kriegsheld stilisiert. Seine Erfolge wurden in der Wochenschau präsentiert.
Anfang September 1940 begann Lent auf Nachtjagd umzuschulen und entwickelte sich hierin zu einem Experten.
Am 30. August 1941 wurde Lent nach acht Tag- und 13 Nachtabschüssen das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen, am 8. Juni 1942 nach 41 Abschüssen als 98. Soldaten der Wehrmacht das Eichenlaub zum Ritterkreuz. Am 4. August 1943 erhielt der inzwischen zum Major beförderte Lent die Schwerter zum Ritterkreuz mit Eichenlaub. Nach seinem 100. Nachtabschuss erhielt er am 31. Juli 1944 als erster Nachtjäger der Luftwaffe das Ritterkreuz mit Eichenlaub, Schwertern und Brillanten. Insgesamt verbuchte Lent 110 Abschüsse, davon 102 bei der Nachtjagd. Damit ist er nach Heinz-Wolfgang Schnaufer der zweiterfolgreichste Nachtjäger aller Zeiten.
Helmut Lent heiratete am 10. September 1941 die vier Jahre ältere gebürtige Russin Helene („Lena“) Senokosnikow. Das Paar bekam zwei Töchter, Christine und Helma-Elisabeth; Letztere wurde am Tag vor Helmut Lents Tod geboren.
Am 5. Oktober 1944 startete Lent 12.46 Uhr mit einer Junkers Ju 88 (D5 + AA) in Stade, um sich auf dem Flughafen Paderborn mit dem Kommodore des Nachtjagdgeschwaders 1, Hans-Joachim Jabs, zu einer Besprechung zu treffen. Mit an Bord waren der Funker Walter Kubisch, der Kriegsberichterstatter Werner Kark in der Funktion eines Bordschützen und Hermann Klöss als zweiter Funker. Beim Landeanflug um 13.20 Uhr fiel der Backbordmotor aus, und es gelang Lent nicht mehr, das Flugzeug rechtzeitig abzufangen, so dass es mit einer Hochspannungsleitung kollidierte und ca. 500 m westlich des Flugplatzes Paderborn abstürzte. Kubisch und Klöss starben noch am selben Tag, Kark am nächsten Morgen und Lent zwei Tage nach dem Unfall.
Beim Staatsakt in der Reichskanzlei am 11. Oktober 1944 hielt Hermann Göring die Totenrede. Tags darauf wurden Lent und seine Besatzung unter großer Anteilnahme der Bevölkerung auf dem Garnisonsfriedhof in Stade beigesetzt. Lent wurde postum zum Oberst befördert.
In einer Todesanzeige in der Deutschen Allgemeinen Zeitung vom 24. November 1944 fehlte die übliche Formulierung „Führer, Volk und Vaterland“ und enthielt stattdessen ein Bekenntnis zum Christentum. Nach Angaben der Familie leitete die Gestapo daraufhin Ermittlungen gegen seine Ehefrau, seinen Vater und den verantwortlichen Redakteur ein. Allerdings konnte die Familie nachweisen, dass Helmut Lent die Anzeige vorsorglich vorformuliert und sich jegliche Bezugnahme auf den Nationalsozialismus verbeten hatte; daraufhin wurden die Ermittlungen eingestellt. Der Text lautete:
Nicht zuletzt im Zusammenhang mit der Kasernenumbenennung (siehe unten) gab es in der Vergangenheit heftige Kontroversen darüber, wie Lent zum Nationalsozialismus stand. Hierzu wurden unter anderem verschiedene Gutachten in Auftrag gegeben. Im Ergebnis ist zusammenfassend festzuhalten: Zweifelsohne entsprach Lent in hohem Maße dem (vom NS-Regime gewünschten) Typus des hochpatriotischen, opferwilligen Soldaten, der auch von seinen Untergebenen eine solche Einstellung verlangte, andererseits gibt es keinerlei Hinweis darauf, dass Lent die eigentliche Basis des Nationalsozialismus, die Rassenideologie, jemals gutgeheißen hat oder gar in entsprechende Handlungen verstrickt war. Umgekehrt ist aber auch explizite Systemkritik Lent nicht nachweisbar.
Von seinem Vorgesetzten Hauptmann Ehle wurde ihm am 28. Oktober 1941 (im Zusammenhang mit seiner Ernennung zum Gruppenkommandeur) bescheinigt, er stehe „fest auf dem Boden der nationalsozialistischen Grundanschauung“ (wobei freilich nicht ausgeschlossen werden kann, dass es sich um eine für die Beförderung obligate Gefälligkeitsformulierung handelte). Hingegen bezeichnete der bekannte Jagdflieger und spätere Bundeswehrgeneral Günther Rall Lent im Jahr 2009 als „erklärten Antinazi“. Eindeutig belegt ist Lents klares Bekenntnis zum Christentum, das er mit den militärischen Tugenden Im Einklang sah.
Eisernes Kreuz (1939) II. und I. Klasse
Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes mit Eichenlaub, Schwertern und Brillanten