An diesem Tag

Helmut Bornefeld

Deutscher evangelischer Kirchenmusiker, Komponist, Organist, Chorleiter, Orgelsachverständiger, Sachbuchautor und Grafiker

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Helmut Bornefeld (* 14. Dezember 1906 in Untertürkheim; † 11. Februar 1990 in Heidenheim an der Brenz) war ein deutscher evangelischer Kirchenmusiker, Komponist, Organist, Chorleiter, Orgelsachverständiger, Sachbuchautor und Grafiker.

Helmut Bornefeld begann seine Berufsausbildung 1922 mit einer Lehre als Gärtner, welche er mit der Gesellenprüfung abschloss. 1924 bis 1928 studierte er Musik am Adler’schen Konservatorium in Stuttgart. 1928 wechselte er zum Studium an die Musikhochschule (heute: Staatliche Hochschule für Musik und Darstellende Kunst) in Stuttgart, wo er Komposition bei Ewald Sträßer, Klavier sowie Orgel bei Hermann Keller studierte. Weitere Lehrer waren Alfred Kreutz und Hermann Roth.

Von 1930 bis 1936 leitete Bornefeld den Esslinger Kammerchor. Neben Alter Musik führte er auch Werke der Neuen Musik von Kurt Weill, Paul Hindemith und anderen sowie eigene Kompositionen auf. Zugleich bemühte er sich, „den Stil seines Freundes und Vorbilds Hugo Distler an die Musik der zeitgenössischen Avantgarde heranzuführen“. Damit geriet er aber in einen Widerspruch zur Kulturpolitik des Nationalsozialismus im Dritten Reich. Sein Zyklus „Afrika singt“ für Singstimme und Klavier nach Worten schwarzer Dichter (1931) wurde als „Rassenschande“ diffamiert. So kam er bereits 1933 auf die KZ–Liste. Nur einer hochmögenden Intervention hatte er es zu danken, dass ihm dieses Schicksal erspart geblieben ist. Als Privatmusiklehrer sah Helmut Bornefeld dann keine Zukunftsperspektiven mehr. Sein musikalisches Wirken wurde ab 1935 von der nationalsozialistisch gleichgeschalteten Presse geächtet. Sowohl seine eigenen Kompositionen als auch die Pflege zeitgenössischer – „entarteter“ – Musik brachten ihn als einen „Kulturbolschewisten“ in Verruf.

1935 bis 1937 ergänzte er deshalb seine Ausbildung durch ein Studium der Kirchenmusik in Stuttgart, welches er mit dem A-Examen abschloss. Von 1937 bis 1971 wirkte er, mit Ausnahme einer sechsjährigen Kriegsunterbrechung von 1939 bis 1945, als Kantor und Organist an der evangelischen Pauluskirche sowie an der benachbarten Michaelskirche in Heidenheim an der Brenz. Die 1969 eingeweihte Orgel der Michaelskirche steht als eine von 30 „Bornefeld-Orgeln“ inzwischen unter Denkmalschutz. Sie wurde von der Giengener Orgelmanufaktur Gebr. Link aus Giengen an der Brenz fertiggestellt. Für Bornefeld typisch – und gut nachzuvollziehen an der Orgel der Michaelskirche – sind auch Obertonregister und Obertonmischungen bis hin zum über den Ton hinausgehenden Geräusch mit Hilfe von Septimen oder Nonen. Die dreimanualige Orgel mit ihren 38 Registern spiegelt geradezu exemplarisch die Klangwelt und Ideenwelt von Bornefeld wider.

1952 wurde Helmut Bornefeld in Heidenheim zum Kirchenmusikdirektor ernannt.

Von 1950 bis 1958 lehrte er als Dozent für Tonsatz und Kantoreipraxis an der Kirchenmusikschule Esslingen (inzwischen in Tübingen). Beim Bau einer Weigle-Orgel für die Neue Aula der Esslinger Kirchenmusikschule sah er seine „geistige Leistung“, die er für dieses Projekt erbracht hatte, ungenügend gewürdigt; dies war für Bornefeld zumindest ein Anlass, „seine Lehrtätigkeit an der KMS mit dem Ende des Jahres 1958 zu beenden.“

Helmut Bornefeld starb am 11. Februar 1990 in Heidenheim und wurde auf dem dortigen Waldfriedhof beigesetzt.

Nachfolger auf seiner Kirchenmusikerstelle in Heidenheim war Friedrich Fröschle.

Heidenheimer Arbeitstage für Neue Kirchenmusik

Helmut Bornefeld organisierte zusammen mit Siegfried Reda von 1946 bis 1960 allsommerlich die Heidenheimer Arbeitstage für Neue Kirchenmusik. Im Zeichen des gesamtkulturellen Nachholbedarfs der Nachkriegszeit ab 1945 wurden diese Arbeitstage zu einer gegenwartsnahen Initiative, die Laien, Profis und Studenten gleichermaßen offen stand. Diese Tage verstanden sich als ein Träger geistigen Neubeginns, als Korrektiv der in den 1920er Jahren einsetzenden kirchenmusikalischen Erneuerungsbewegung und als ein Gegenentwurf zur Singbewegung. Die schier „unüberwindbare Kluft zwischen laienmäßiger Erreichbarkeit und den aufführungstechnischen Ansprüchen einer avancierten Neuen Musik“ führte aber zum Scheitern der hoffnungsvollen Unternehmung.

Orgelpfleger und Orgelstiftung

Von 1937 bis 1977 war Helmut Bornefeld zudem Orgelpfleger mit über hundert verwirklichten Neu- und Umbauten in Kirchen, vorwiegend in Süddeutschland und vielfach mit eigenen Prospektentwürfen. Dabei wurden unter seinem Einfluss zahlreiche, aus heutiger Sicht schützenswerte Orgeln, seinen Vorstellungen entsprechend, – zum Teil unwiderruflich – im Charakter verändert. Unter anderem durch das Absägen von Pfeifen bemühte er sich, den Klang von vornehmlich romantischen oder spätromantischen Orgeln aufzuhellen sowie die Dispositionen seinen ästhetischen Idealen entsprechend umzugestalten. Zeitbedingt standen ihm dafür nur vergleichsweise geringe finanzielle Mittel zur Verfügung. Wie die Umwandlung einer romantischen Orgel in eine Bornefeld-Orgel unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg gelingen konnte, zeigt exemplarisch sein Umbauplan vom 24. April 1947, der an die Evangelische Stadtkirche nach Aalen ging. Neben vielen anderen Hinweisen an die ausführenden Orgelbauer ergeht die Anweisung:

die „Roll- und Seitenbärte an den Pfeifen werden abgenommen“,

„Kernstiche werden nach Möglichkeit ausgerieben“,

„an die Stelle der Expressionsschlitze treten weit aufgerollte Stimmlappen“,

der „Prinzipal 8' wird in diesem Sinn neu intoniert mit trocken-herber Ansprache“,

das Trechterregal „soll von klirrender, penetranter Farbe sein“,

die Anlage der Laden und das vorhandene Pfeifenmaterial soll „möglichst restlos einem neuen Klangbild dienbar“ gemacht werden.

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