Helena Petrovna Blavatsky (russisch Елена Петровна Блаватская Jelena Petrowna Blawatskaja, englisch Yelena Petrovna Blavatskaya; * 31. Julijul. / 12. August 1831greg. in Jekaterinoslaw, Neurussland, Russisches Kaiserreich als Helena Petrowna von Hahn-Rottenstein; † 8. Mai 1891 in London) war eine ukrainisch-deutsche Okkultistin. Ihre Hauptwerke Isis Unveiled (Isis entschleiert, 1877) und The Secret Doctrine (Die Geheimlehre, 1888) trugen maßgeblich zur Begründung der modernen oder anglo-indischen Theosophie bei und erlangten einen bedeutenden Einfluss auf weite Bereiche der modernen Esoterik. 1875 gründete Blavatsky mit Henry Steel Olcott die Theosophische Gesellschaft.
Helena von Hahn wurde 1831 in Jekaterinoslaw (heute Dnipro, Ukraine) geboren. Ihr Vater Peter von Hahn war Offizier in der berittenen Artillerie und der Sohn des Generalleutnants Alexis Hahn von Rottenstein-Hahn; er entstammte einer mecklenburgischen Familie, die in russischen Diensten stand. Helenas Mutter Jelena Hahn (russifiziert Gan), geborene Fadejewa, war eine bekannte Romanautorin und die Tochter des Geheimen Rates Andrei Fadejew und einer Fürstin, der Prinzessin Jelena Dolgorukaja. Über diese Linie war sie die Cousine des russischen Staatsmannes und Reformers Sergei Juljewitsch Witte. Als Kind lebte Helena mit ihrer Mutter bei den Großeltern. Der Vater war als Mitglied der Kaiserlich Russischen Armee in ständig wechselnden Garnisonen im Kaukasus stationiert.
Als sie elf Jahre alt war, starb ihre Mutter nach der Geburt des vierten Kindes, und Helena und ihre Schwester Vera verbrachten den Rest ihrer Kindheit bei den Großeltern. Der Großvater war hoher Regierungsbeamter in den neu entstandenen Provinzen des russischen Reiches und wechselte mehrmals den Standort. Als Heranwachsende zeichnete sie, spielte Klavier und galt als ausgezeichnete Reiterin, die gerne halbwilde Pferde zuritt. Der Aussage ihrer Tante Nadeschda Fadejewa zufolge fühlte sie sich bereits in ihrer Kindheit, und auch später, von einer einfachen Lebensweise angezogen und zeigte sich dem Adel gegenüber betont gleichgültig. Zugleich habe ihr vor allem ihre Offenheit Schwierigkeiten verursacht, denn sie sagte ihrem Gegenüber direkt ins Gesicht, was sie von ihm hielt. Andererseits sei sie immer bereit gewesen, für einen Freund alles zu tun und Bedürftigen alles zu geben. Sie soll aufbrausend und rebellisch gewesen sein und fügte sich nur schwer in die Konventionen ihres gesellschaftlichen Standes.
Schon als Kind erregte sie als „Schreibmedium“ einiges Aufsehen. Bereits als Zwölfjährige verfasste sie automatisch schreibend umfangreiche Manuskripte, die ihr von einer verstorbenen Deutschrussin medial übermittelt worden seien und mit deren Bildern und Briefen sie als Fünfjährige gespielt hatte. Nach einigen Jahren fand man jedoch heraus, dass die Frau noch lebte. Helenas Interesse für Esoterik wurde durch die umfangreiche Bibliothek ihres Urgroßvaters, eines Freimaurers mit rosenkreuzerischer Ausrichtung, geweckt, die sie ausgiebig studierte. Man schrieb ihr eine hohe „Sensitivität“ zu, da sie in ihrer Umgebung ständig Spukgestalten wahrnahm. Von ihrer Familie wurde sie deshalb wegen Somnambulismus mehrfach einem Exorzismus unterzogen.
Mit 17 Jahren heiratete Helena 1848 in Tiflis den sehr viel älteren General und Staatsrat Nikifor Blawatzki (auch: Blavatsky, eigentlich Blavacki), Vizegouverneur des russischen Kaukasus-Gouvernements Eriwan im heutigen Armenien. Der Theologe Gerhard Wehr vermutet, dass diese Eheschließung ihr nur dazu diente, als verheiratete Frau respektiert zu werden. Nach eigenen Angaben verließ sie ihren Mann nach drei Monaten wegen des großen Altersunterschiedes als Jungfrau und floh nach Ägypten.
Am 3. April 1875 heiratete Helena Blavatsky erneut, diesmal den Armenier Michael Betanelly. Sie stellte die Bedingung, dass sie ihren Namen behielt und die Ehe nicht vollzogen wurde. Diese Ehe wurde am 25. Mai 1878 geschieden, worauf Blavatsky erleichtert äußerte, „der Gedanke, in die Lage zu kommen, ihren Körper einem Manne preiszugeben, sei ihr so entsetzlich und unfaßbar, daß sie selber die von ihr gegebene Einwilligung in eine Scheinehe nur durch eine damalige Besessenheit erklären könne.“ Einigen Quellen zufolge soll sie auch den Opernsänger und Carbonaro Arkadi Metrowitsch geheiratet haben, den sie 1850 kennen lernte und mit dem sie sich der Tinten- und Kunstblumenproduktion widmete.
Im Frühjahr 1860 reiste Blavatsky mit ihrer Schwester nach Tiflis, wo sie bleiben wollte. Auf Wunsch des Großvaters musste sie zu ihrem Ehemann zurückkehren, mit dem sie daraufhin ein Jahr lang zusammenlebte. Die meiste Zeit verbrachte sie im Palais des Großvaters, wo sich fast jeden Abend geladene Gäste zu ihren Séancen zusammenfanden, um sich mit Tischerücken, Schreiben von Geisterbotschaften und anderen Manipulationen unterhalten zu lassen. 1863 verbrachte sie erneut drei Tage mit ihrem ersten Mann Nikifor in Tiflis.
1861 oder 1862 soll Blavatskys Sohn Yuri (auch: Juri) zur Welt gekommen sein, der im Alter von fünf Jahren verstarb. Das Kind war offenbar seit 1862 in ihrer Obhut, als sie in Tiflis lebte. Als Vater gab sie Baron Nicholas Meyendorff aus Tiflis an. Als ihr Junge 1867 starb, veranlasste sie seine Beerdigung in Russland.
Eine medizinische Untersuchung 1885 soll die Diagnose Anteflexio uteri ergeben haben. James A. Santucci bezweifelt aufgrund dieser Information, dass sie überhaupt schwanger werden konnte. Die Blavatsky-Biografin Marion Meade hält es dagegen für wahrscheinlich, dass Yuri nicht ihr einziges Kind war.
Gegen Ende ihres Lebens verklagte Blavatsky die New Yorker Zeitung Sun, die behauptet hatte, sie habe ein uneheliches Kind. Dazu ließ sie sich von einem Gynäkologen ihre Jungfräulichkeit attestieren, jedoch veröffentlichte die Sun ein Jahr nach ihrem Tod eine Gegendarstellung.
Über zwei Jahrzehnte, von 1848 bis 1872, hinterließ Blavatsky großenteils unbestätigte und teils auch widersprüchliche Aussagen, woran ihr Biograph A. P. Sinnett schier verzweifelte. Auf Reisen durch Europa, Asien und Amerika, die von ihrem Vater und Großvater finanziert worden seien, soll sie in dieser Zeit von Eingeweihten und „Meistern“ die Grundlagen ihrer späteren Lehren vermittelt bekommen haben.
Nach der Trennung von ihrem ersten Mann begab sie sich wieder in das Haus ihres Großvaters zurück, der sie zu ihrem Vater in die Hafenstadt Poti schickte. Dort freundete sie sich mit dem Kapitän eines englischen Dampfschiffs an, der sie für die Passage bis Konstantinopel verkleidet als Matrose anheuerte. 1850 verdingte sie sich in Konstantinopel als Kunstreiterin im Zirkus und lernte dort den ungarischen Opernsänger und Carbonaro Arkadi Metrowitsch kennen, den sie dann auf seinen Operntourneen begleitete. Mit der russischen Gräfin Kisselev, die sie ebenfalls in Konstantinopel kennenlernte, bereiste sie dann Ägypten, Griechenland und den Balkan.
In Kairo trat sie im gleichen Jahr mit dem koptischen Magier und Okkultisten Paulos Metamon in Kontakt, der in diesen frühen Jahren einer ihrer Lehrer gewesen sein soll.
1851 fuhr sie mit einer Freundin von Frankreich zur Weltausstellung nach London, wo sie ihren „Meister Morya“ erstmals in einem physischen Körper getroffen haben will, der ihr schon in ihrer Kindheit in Visionen erschienen sei. Einer Untersuchung von Paul Johnson zufolge war Morya keine real existierende Person; vielmehr habe Blavatsky zum angegebenen Zeitpunkt den von ihr verehrten italienischen Freiheitskämpfer Giuseppe Mazzini getroffen, der in London im Exil weilte. Angeregt durch die Romane von James Fenimore Cooper reiste sie anschließend nach Québec, wo sie den indianischen Schamanismus studieren wollte. Es folgte ein Aufenthalt in New Orleans mit Nachforschungen über den dort praktizierten Voodoo-Kult.
Das Jahr 1852 verbrachte sie überwiegend in Lateinamerika. Noch im selben Jahr begab sie sich nach Indien und versuchte erstmals, allerdings ohne Erfolg, in das damals sehr abgeschottete Tibet zu gelangen. Auch in den folgenden Jahren hielt sie sich überwiegend im Mittleren und Fernen Osten und in den Vereinigten Staaten auf. 1855 soll Blavatsky vergeblich versucht haben, als Mann verkleidet über Indien nach Tibet einzureisen.