An diesem Tag

Heinz Strunk

Deutscher Schriftsteller und Humorist

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Heinz Strunk (eigentlich: Mathias Halfpape; * 17. Mai 1962 in Bevensen) ist ein deutscher Schriftsteller, Musiker, Hörspielproduzent, Satiriker, Schauspieler, Drehbuchautor und Regisseur. Zusammen mit Jacques Palminger und Rocko Schamoni bildet er das humoristische Trio Studio Braun.

Mathias Halfpape wurde in Bevensen in der Lüneburger Heide geboren und wuchs im Hamburger Stadtteil Langenbek auf, der zum Bezirk Harburg gehört. Seine alleinerziehende Mutter, Margarete (Gretchen) Halfpape, war Privatlehrerin für Klavier und Blockflöte an der Musikschule Hanhoopsfeld in Hamburg-Harburg. Seinen Vater, einen Historiker, dessen SS-Mitgliedschaft nach seinem Tod bekannt wurde, lernte Halfpape erst mit 15 Jahren während einer Vortragsreise in Bad Salzuflen kennen. Er war mit einer anderen Frau verheiratet und hatte fünf weitere Kinder. Die Eltern seiner Mutter, Walter und Friedel Halfpape, geb. Beuger, stammten aus dem Harz.

Als Halfpape zwölf Jahre alt war, wurde bei seiner Mutter, die Treffen des Marburger Kreises besuchte, eine schizoaffektive Psychose diagnostiziert. Nach mehreren Psychiatrieaufenthalten und einem Selbstmordversuch war sie bettlägerig. Er pflegte seine Mutter vier Jahre lang in seiner Wohnung bis zu ihrem Tod im Alter von 73 Jahren und verarbeitete ihr Schicksal später in zahlreichen Werken. Die Mutter starb 1998, als Halfpape 36 Jahre alt war.

Seit seiner Jugend litt Halfpape an starker Acne conglobata, die er erst mit der Einnahme eines starken Medikaments im Alter von 26 Jahren überwand. Während der Schulzeit erhielt er klassischen Musikunterricht an der Querflöte und dem Saxophon. Im Alter von 18 Jahren erkrankte er aufgrund von Cannabis-Missbrauch an einer Psychose. Bis zum Alter von 24 litt er an starken Depressionen. Jahrelang litt er außerdem an Angstzuständen, gegen die er Psychopharmaka einnahm. Er begann eine Psychoanalyse und verlor dadurch nach eigenen Angaben seinen evangelischen Glauben. Heute bezeichnet Strunk sich als Atheist. Seit seinem 19. Lebensjahr spielt er regelmäßig an Spielautomaten, was er häufig in seinen literarischen Texten verarbeitet. Er ist Inhaber einer Ehrenkarte des Hamburger Casino Esplanade.

Nach der sechsten Klasse wechselte Strunk auf die Realschule Hanhoopsfeld und kam später aufs Gymnasium. Nach dem Abitur 1983 bereitete er sich auf die Aufnahmeprüfung an einer Musikhochschule vor. Seine Bewerbung beim Heeresmusikkorps der Bundeswehr war erfolgreich. Den Wehrdienst trat er als Sanitätssoldat in der Tannenbergkaserne Marburg an, wurde jedoch aufgrund psychischer Probleme nach drei Wochen ausgemustert. 1983 spielte Halfpape in der Neue-Deutsche-Welle-Band Täglich Morde. 1984 besuchte er den Popkurs an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 1993 ein zweites Mal. Er gehörte Michy Reinckes Band an, die mit Liedern wie Valerie Valerie und einer A-cappella-Version von Taxi nach Paris Erfolge feierte. Zusammen mit Sängerin Anja Krenz produzierte er 1989 als Dis Noir das Album Paradise is Far Away. Von 1985 bis 1997 war er Mitglied der Tanzband Tiffany’s, mit der er durch den norddeutschen Raum tourte.

Seit der Produktion Spaß mit Heinz (1992) veröffentlicht er unter dem Pseudonym Heinz Strunk, das später als Alter Ego in seinen Romanen figuriert und von dem der Spitzname „Heinzer“ abgeleitet ist. Strunk gab später an, das erfundene Pseudonym gefalle ihm nicht, er werde es jedoch nicht mehr ablegen. Außerdem entwickelte er die Figur Jürgen Dose, die er als seine „Lebensfigur“ bezeichnet und mit Dittsche von Olli Dittrich vergleicht. Als Protagonist tritt Jürgen Dose in Trittschall im Kriechkeller (1996) und dem daraus hervorgegangenen Roman Jürgen (2017) auf. 1993 gelangte Spaß mit Heinz an Bela B, den Schlagzeuger der Band Die Ärzte. Durch ihn wurde das Album an Rocko Schamoni weitergeleitet, der später mit Strunk und Jacques Palminger das Trio Studio Braun gründete. Auf dem im selben Jahr erschienenen Album Die Bestie in Menschengestalt von den Ärzten ist Strunks Stimme am Anfang des Liedes Gehirn-Stürm zu hören.

1997 war er in Werbespots für Lipton-Eistee zu sehen. Ab 1998 hatte Strunk Gastauftritte in der Sat.1-Wochenshow mit dem Programm Offener Kanal Hamburg-Harburg. Er war mit mehreren Comedians Teil einer Pilotfolge für ein Comedy-Format auf dem Sender, das jedoch nicht realisiert wurde. Später äußerte er sich immer wieder negativ über deutsche Comedians. Von 2000 bis 2001 moderierte er die Jürgen-Dose-Schau auf Radio Fritz. 2001 war er als Jürgen Dose in Urlaubsvertretung Moderator der Sendung Salon Helga auf FM4. 2003 moderierte Strunk die VIVA-Sendung Fleischmann TV. Nach einigen im Eigenvertrieb erschienenen CDs veröffentlichte Strunk 2003 sein erstes regulär verlegtes Album mit dem Titel Einz, dem im Juni 2005 das zweite Album mit dem Titel Trittschall im Kriechkeller folgte.

Bei der Bundestagswahl 2005 kandidierte Strunk nach Rocko Schamoni auf Platz zwei der Hamburger Wahlliste der PARTEI, ohne der Partei beizutreten. Bei der Hamburger Bürgerschaftswahl am 24. Februar 2008 kandidierte er als Spitzenkandidat auf Platz 1 der Landesliste. Bei der Bürgerschaftswahl 2011 war er erneut Spitzenkandidat und ging darüber hinaus ausdrücklich als Kandidat für das Amt des Ersten Bürgermeisters ins Rennen. Er erzielte 0,75 Prozent der Wählerstimmen.

Im Hamburger Schanzenviertel war er 2017 und 2018 zusammen mit Ex-RAF-Mitglied Karl-Heinz Dellwo an dem lateinamerikanischen Lokal Cantina Popular beteiligt, wodurch er 106.000 Euro verlor. 2023 beteiligte er sich am von Alvaro Piña Otey betriebenen Hamburger Bistro Carmagnole.

Strunk lebt im Hamburger Bezirk Altona. Er ist ledig und kinderlos, er bezeichnet sich als „Hagestolz“.

Literarisches und filmisches Werk

Nach seinem 40. Geburtstag erlebte Strunk eine psychische Krise. Seine damalige Lebensgefährtin riet ihm, seine Erlebnisse als Tanzmusiker in einem Roman niederzuschreiben. 2004 erschien sein stark autobiografisch gefärbtes Buch Fleisch ist mein Gemüse, in dem er über seine Erlebnisse mit Tiffany’s (im Roman Tiffanys geschrieben) reflektiert und das Schicksal eines ambitionierten Musikers in einer mittelmäßigen Tanzkapelle mit skurrilen Milieu-Beschreibungen der norddeutschen Provinz schildert. Als Erstauflage wurden 4000 Exemplare gedruckt. Das Buch verkaufte sich bis Februar 2012 über 400.000 Mal.

2008 erschien im Rowohlt Verlag der Roman Die Zunge Europas, in dem der Protagonist Markus Erdmann, ein Comedy-Autor, sieben Tage seines Lebens beschreibt. 2005 wurde im Deutschen Schauspielhaus die Operette Phoenix – Wem gehört das Licht uraufgeführt, die auf dem Bestseller Fleisch ist mein Gemüse basiert und bei der auch die anderen beiden Mitglieder von Studio Braun mitwirkten. Das Buch wurde 2005 von Annette Berger als Hörspiel bearbeitet. Im gleichen Jahr erschien das Hörbuch zum Roman. Auch alle weiteren Bücher hat Strunk als Hörbücher beim Label Roof Music eingelesen. Neben seinen Lesungen aus Fleisch ist mein Gemüse trat Strunk mit Charlotte Roche auf, mit der er aus einer Doktorarbeit aus dem Jahre 1978 mit dem Titel Penisverletzungen bei Masturbation mit Staubsaugern las.

Im Frühjahr 2007 wurde Fleisch ist mein Gemüse unter der Regie von Christian Görlitz verfilmt. Strunk selbst ist als Kommentator in den Film eingebunden. Die Uraufführung der Theaterfassung von Fleisch ist mein Gemüse – Eine Landjugend mit Musik fand am 19. Januar 2010 im Kleinen Schauspielhaus der Wuppertaler Bühnen unter der Leitung von Iwona Jera statt. Zusammen mit dem österreichischen Satiriker-Duo Stermann & Grissemann und dem Regisseur Antonin Svoboda drehte Strunk zwei Filme: 2007 Immer nie am Meer und 2015 Drei Eier im Glas. Der Roman Heinz Strunk in Afrika (2011) handelt von einer Reise nach Kenia mit Christoph Grissemann.

Von 2012 bis 2021 schrieb Strunk eine monatliche Kolumne im Satiremagazin Titanic. Sie hieß zunächst Das Strunk-Prinzip (2014 als Buch erschienen), seit 2015 trugen sie den Namen Heinz Strunks Intimschatulle (2019 als Buch erschienen). Das Ende der Kolumne führte er auf das Geschlechterverhältnis innerhalb des Magazins zurück und bezeichnete es als „Ausmusterung“.

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