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Heinz Rudolf Kunze

Deutscher Rocksänger

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Heinz Rudolf Erich Arthur Kunze (* 30. November 1956 in Espelkamp-Mittwald) ist ein deutscher Rocksänger, Schriftsteller, Liedermacher und Musicaltexter/-übersetzer. Seinen größten Single-Erfolg hatte er im Jahr 1985 mit Dein ist mein ganzes Herz.

Kunze hat über 500 Lieder veröffentlicht (Stand: 2025) und nach eigenen Angaben weitere rund 13.000 Texte geschrieben. Er war gelegentlich als Dozent für verschiedene Hochschulen tätig.

Herkunft, Jugend und Ausbildung

Kunzes Familie stammt aus dem heute polnischen Teil von Guben (Niederlausitz) und Berlin. Heinz Rudolf wurde im Flüchtlingslager Espelkamp bei Minden (Westfalen) geboren, wo sein Vater Rudi Kunze (1925–2001), nach seinem Dienst als Offizier bei der Waffen-SS und der erst 1956 erfolgten Entlassung aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft, Arbeit bei der Lagerleitung gefunden hatte. Der berufliche Werdegang des Vaters als Lehrer brachte in den Folgejahren häufige Wohnortwechsel mit sich: Die Familie Kunze wohnte zuerst in Lengerich (Westfalen), dann in Alte Piccardie an der niederländischen Grenze, später in Bad Grund (Harz). Ende 1963 wurde sie in Osnabrück heimisch. Dort nahm der Vater eine Tätigkeit als Hochschulassistent an der Pädagogischen Hochschule bei der Sozialpädagogin Elisabeth Siegel (1901–2002) an. Die Mutter Gerda Kunze, geborene Lehmann (1926–2010), war Hebamme, Kinderkrankenschwester und Grundschullehrerin. Der Historiker Rolf-Ulrich Kunze (* 1968) ist Kunzes Bruder.

Kunze besuchte das Graf-Stauffenberg-Gymnasium in Osnabrück und legte nach eigenen Angaben mit dem Notendurchschnitt von 1,4 das beste Abitur seines Jahrgangs ab. Wegen einer Arthrose im linken Mittelfußgelenk wurde er als T4 gemustert und nicht zur Bundeswehr eingezogen. Nach dem Abitur studierte er Germanistik und Philosophie und war Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes. Er legte das Erste und Zweite Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien ab; er unterrichtete als Referendar, doch nie als examinierter Lehrer, wie er betont. Kunze arbeitete danach an einer Dissertation über das Gottesbild der Philosophen Baruch de Spinoza und Friedrich Wilhelm Joseph Schelling; diese blieb unvollendet wegen seines Schallplattenvertrags im Jahr 1980.

Als junger Student hörte Heinz Rudolf Kunze mit Vorliebe die Radio-Sendungen des BBC-Moderators John Peel. Seine musikalische Sozialisation erlebte er als jugendlicher Prog-Rocker mit Bands wie Yes, Jethro Tull, Genesis und King Crimson. Außerdem hörte er während der Adoleszenz ihn prägenden Bluesrock von John Mayall und Ten Years After. In einem Interview gab Kunze an, sich im Alter von 13 Jahren an dem Musiker Pete Townshend orientiert zu haben. Die erste Single, die er sich kaufte, war The Sun Ain’t Gonna Shine Anymore von den Walker Brothers. Seine erste Langspielplatte war Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band von The Beatles.

Mitte der 1970er Jahre gewann Heinz Rudolf Kunze den 1. Preis für Kurzprosa in einem Literaturwettbewerb. Im Jahr 1976 gab er sein musikalisches Debüt auf dem jährlich stattfindenden Nürnberger Bardentreffen.

Kunze begann seine künstlerische Laufbahn am 9. November 1980: Er nahm, musikalisch begleitet von Mick Franke, am Pop-Nachwuchs-Festival im Stadttheater Würzburg teil, das die Deutsche Phono-Akademie zum dritten Mal veranstaltete. Die Jury unter Leitung von Michael Kunze (der mit Heinz Rudolf Kunze weder verwandt noch verschwägert ist) kürte ihn zu einem der Preisträger in der Sparte „Folk, Lied, Song“. Sein Titel Bestandsaufnahme (Länge: 8:27 Minuten) schaffte es in voller Länge auf die gleichnamige Festival-LP (CBS 84845) und wurde damit zu Kunzes erster Schallplatten-Aufnahme. Produzent Siegfried Loch holte Kunze mit einem Fünfjahresvertrag zur Plattenfirma WEA.

Das Debütalbum Reine Nervensache (1981) wurde wohlwollend aufgenommen und das folgende Album Eine Form von Gewalt im Jahr 1982 mit dem Deutschen Schallplattenpreis ausgezeichnet. Kurz danach begann Kunze parallel erste journalistische Arbeiten: Für den Spiegel verfasste er ein Randy-Newman-Essay und moderierte für den NDR sowie den SFB Radiosendungen. Im NDR wurde seine mehrteilige David-Bowie-Analyse Der Favorit ausgestrahlt. Das Phänomen Kunze wurde wohl auch durch den Aufwind für deutschsprachige Texte Anfang der 1980er Jahre im Zuge der Neuen Deutschen Welle erklärbar. Kunze wurde vom damaligen Management und vom Publikum zunächst als Liedermacher mit philosophischem Hintergrund in der Tradition von Bob Dylan oder als Singer/Songwriter nach US-amerikanischer Tradition eingeordnet. In dieser Zeit entstand auch die Bezeichnung „Niedermacher“, um Kunzes Text- und Musikkunst zu umschreiben. Dass er als intellektueller Rock-Poet in den Musikcharts Erfolg haben würde, hatten viele Weggefährten nicht erwartet.

Ein erster kommerzieller Erfolg gelang Kunze im Jahr 1984 zuerst mit der Single Sicherheitsdienst und wenig später mit der deutschen Version des Kinks-Klassikers Lola. Ausnahmezustand (1984) markiert das letzte Album von Kunze als Liedermacher, Singer/Songwriter (siehe oben). Nach Aufnahme des Komponisten und Gitarristen Heiner Lürig in seine Band „Verstärkung“ 1985 und dem Singlehit Dein ist mein ganzes Herz (1985) gelang es Kunze, breitere Hörerschichten zu begeistern und sich auch im Bereich Deutschrock zu etablieren. Diese aus der gleichnamigen und bei Conny Plank aufgenommenen LP ausgekoppelte Single war sein Durchbruch als Musiker im Rock-/Pop-Bereich. Dabei blieb Kunze seinen eigenen hohen Texter-Maßstäben treu, auch wenn die Melodien dank Heiner Lürig eingängiger wurden: „Wie fühlt man sich als Schnee von morgen? Als Bombe, die nicht richtig tickt? Als Teilchen ohne Masse, als Bester ohne Klasse, als Welt, die nie das Licht erblickt?“ (aus Heul mit den Wölfen, 1989). 1986 kam sein Titel Mit Leib und Seele auf den Markt. In der Folge wurde der Musiker erstmals mit der Goldenen Stimmgabel ausgezeichnet und tourte durch die DDR. In den Folgejahren wurden mit 1986 Wunderkinder, 1988 Einer für alle, 1989 Gute Unterhaltung, 1991 Brille und 1992 Draufgänger teils sehr erfolgreiche Rock/Pop-Alben veröffentlicht. 2021 bezeichnete Kunze Finden Sie Mabel die 2. Auskopplung vom Album Wunderkinder – eine musikalische Verehrung des Hardboiled Detective Romans im Country-Pop Stil – als seine schönste Single.

Zwischen den Alben-Veröffentlichungen waren Kunze und Verstärkung immer wieder auf ausgedehnten Tourneen deutschlandweit unterwegs und auf den Bühnen präsent, auch in der DDR. Wohl als Höhepunkt kann dabei das Konzert bei Rock am Ring am 7. Juni 1987 als Vorband von David Bowie angesehen werden. Ende der 1980er Jahre begann auch seine Zusammenarbeit mit Herman van Veen, für dessen Alben er seitdem regelmäßig Songbeiträge leistete.

Heinz Rudolf Kunze, der seit 1984 auch eigene Bücher veröffentlicht, ging 1994/95 mit einem zweiten literarischen Programm Der Golem aus Lemgo auf Tournee durch Deutschland.

Nach dem Album Kunze: Macht Musik 1994 trennte er sich von fast allen Musikern seiner Band „Verstärkung“. 1996 und mit bis auf Heiner Lürig komplett neuer Besetzung der Band „Verstärkung“ folgte das Album Richter Skala, das in der Fachpresse hochgelobt wurde, aber beim breiten Publikum nicht den erhofften Zuspruch bekam. 1997 erschien das bereits 13. Studioalbum Alter Ego und erreichte Chartplatz 33.

Im Jahr 1996 beklagte Kunze in einem Interview des Spiegel als Sprecher von rund 600 deutschsprachigen Künstlern „die Flut von ausländischer Musik und eben auch ausländischem Schund“ und sprach sich für eine Mindestquote deutscher Rockmusik im Radio aus. Diese Forderung stieß in vielen deutschen Medien auf Kritik. In der Folge wurde Kunze in der öffentlichen Diskussion oft als allein verantwortlicher „Quotenforderer“ dargestellt.

1999 kehrte für Kunze mit der Lürig-Komposition Aller Herren Länder mit dem Thema „Flüchtlinge“ als Singleauskopplung aus dem Album Korrekt der Erfolg zurück. Für diese Single erhielt er erneut die Goldene Stimmgabel sowie den Fred-Jay-Preis der GEMA. Mit Nicht mal das befindet sich laut Kunze auf diesem Album auch sein wichtigstes Lied, ein Ausdruck der Verzweiflung in Psychedelic Rock Stil. Ebenfalls 1999 folgte eine goldene CD für die Übersetzungsarbeit am Musical Miss Saigon.

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