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Heinz Nixdorf

Deutscher Computerpionier und Unternehmer (1925-1986)

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Heinz Nixdorf (* 9. April 1925 in Paderborn; † 17. März 1986 in Hannover) war ein deutscher Computerpionier und Unternehmer.

1952 gründete Nixdorf mit 27 Jahren als mittelloser Physikstudent aus wirtschaftlich einfachen Verhältnissen seine erste Computerfirma, die er später als Nixdorf AG zu einem internationalen und weltweit tätigen Elektronikkonzern mit knapp vier Milliarden D-Mark Umsatz führte. Seine Kleinrechner stießen im aufkommenden Computerzeitalter in eine Marktlücke vor und konnten sich gegen die Großrechner der Konkurrenz behaupten. Damit galt Nixdorf als einer der Gründungsunternehmer, die in den 1950er bis 1970er Jahren als Symbol für das deutsche Wirtschaftswunder standen. Nixdorf war ein ehrgeiziger Sportler und für die qualifizierte Ausbildung seiner Arbeitnehmer bekannt.

Nixdorf wurde als ältestes von fünf Kindern des Eisenbahners Walter Nixdorf (1901–1944) und dessen Frau Änne, geb. Ströhmeier (1901–1992), in Paderborn geboren. Der Vater stammte aus Torgau in Sachsen, wohin die Familie kurz nach der Geburt von Nixdorf übersiedelte. Sie kehrte erst 1931 nach Paderborn zurück. Als Nixdorf sechs Jahre alt war, wurde er in eine katholische Volksschule eingeschult. Schon hier zeigte er eine Begabung für Mathematik und Naturwissenschaften.

Der Vater war als Geschäftsreisender tätig und bekam in Paderborn erst 1939 eine feste Stelle bei der Reichsbahn. Durch die zeitweilige Arbeitslosigkeit des Vaters in den 1920er- und 1930er-Jahren war Nixdorfs Jugend durch materielle Armut geprägt. In seinen Erinnerungen formulierte er:

Diese erlebte finanzielle Not aufgrund der Arbeitslosigkeit prägte auch den späteren Unternehmer Nixdorf, der seine Erfolgszahlen gerne mit Schaffung von neuen Arbeitsplätzen ergänzte. Erst ein Stipendium aufgrund seiner guten Schulleistungen ermöglichte von 1939 bis 1942 den Besuch von Lehrerbildungsanstalten in Vallendar bei Koblenz, darauf in Boppard am Rhein und schließlich in Alfeld (Leine). Nixdorf jedoch fühlte sich eingeengt, er wollte kein Lehrer werden. Seine Mutter und seine Lehrer ließen sich jedoch nicht überzeugen. Letztlich schrieb Nixdorf eine Eingabe an das Kultusministerium in Berlin. Von dort erhielt er 1941 die Erlaubnis, das Reismann-Gymnasium in Paderborn zu besuchen. Nixdorf hatte sich durchgesetzt. 1943 kam er zum Reichsarbeitsdienst und wurde anschließend zur Luftwaffenschule auf dem Ith im Weserbergland eingezogen. Am 1. Juni 1943 beantragte er die Aufnahme in die NSDAP und wurde rückwirkend zum 20. April desselben Jahres aufgenommen (Mitgliedsnummer 9.595.797). Hier kam das sportliche Talent von Nixdorf und seine Freude am Wettbewerb zum Tragen und er machte alle drei Segelflugzeugscheine. Die Luftwaffenschule wurde 1944 aufgelöst, Nixdorf kam zur Panzer-Division Hermann Göring. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs konnte er sich einer Gefangennahme nach der Niederlage seiner Division in Böhmen entziehen und kehrte nach Kriegsende im Mai 1945 nach Paderborn zurück. Sein Vater war bereits 1944 an der Ostfront gefallen. Daher musste Nixdorf als Zwanzigjähriger und als ältestes männliches Familienmitglied helfen, die sechsköpfige Familie zu ernähren, indem er in der Landwirtschaft arbeitete. Erst im Jahr 1947 konnte er das Abitur am Reismann-Gymnasium ablegen.

Mithilfe eines Stipendiums studierte Nixdorf von 1947 an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt am Main angewandte Physik und belegte Seminare in Betriebswirtschaftslehre. 1951 bekam er in der Entwicklungsabteilung der deutschen Tochtergesellschaft des amerikanischen Büromaschinenhersteller Remington Rand Corp. eine Anstellung als Werkstudent, wo er an der Entwicklung einfacher Zählgeräte, sogenannter Multiplikations- und Saldierwerke, mitwirkte und Grundkenntnisse über den Bau dieser einfachen Rechner erlernte. Nixdorf lernte hier den Physiker und Leiter der Entwicklungsabteilung Walter Sprick kennen und wurde sein Gehilfe. Als Sprick das Unternehmen verließ, weil Remington seine Entwicklungen nicht mehr unterstützte, überließ dieser Nixdorf seine Erfindungen und sein Patent. Nixdorf entwickelte daraus Systeme wie den Elektronensaldierer und den Elektronenmultiplizierer.

Nixdorf war von dem Konzept seiner Rechner auf der Basis von Elektronenröhren überzeugt und stellte es mehreren Großunternehmen in Nordrhein-Westfalen vor. Dank seiner begeisternden Art gelang es ihm dann, den Leiter der Lochkartenabteilung („Hollerith-Abteilung“, siehe auch: Tabelliermaschine) bei der RWE (Rheinisch-Westfälische Elektrizitätswerk AG) in Essen zu überzeugen, dass dieser ihn bei dem Bau einer Rechenmaschine mit Elektronenröhren unterstützte. Er bekam 30.000 Mark von der RWE (für 50.000 Mark bekam man damals ein einfaches Reihenhaus), allerdings musste sich sein ehemaliger Lehrer Walter Sprick für die Summe verbürgen. Nixdorf brach sein Physikstudium im neunten Semester ab. Mit dem Startkapital und dem Entwicklungsauftrag der RWE konnte er 1952 das Heinz Nixdorf Labor für Impulstechnik (LFI) in Essen gründen, das sich in den Kellerräumen der RWE-Verwaltung befand.

Als seinen ersten Mitarbeiter stellte er am 1. September 1952 den gelernten Radio- und Fernsehtechniker Alfred Wierzoich für die Entwicklung ein. Finanziell wurden sie mit weiteren 10.000 DM durch einen Freund unterstützt. Anfang 1954 wurde für die Buchhaltung der RWE der erste Elektronenrechner auf Basis von Elektronenröhren ausgeliefert. Die sogenannte ES konnte auf Lochkarten gespeicherte Daten verarbeiten und war der erste in Deutschland gebaute Röhrencomputer. In schneller Folge gab es Weiterentwicklungen, die immer wieder bei RWE eingesetzt wurden. Das junge Unternehmen entwickelte sich nun in großen Schritten, sodass Nixdorf schon 1954 gezwungen war, die Raumkapazitäten zu erweitern und weitere Räume in der Nähe der RWE anzumieten. Damit begann er sich aus der engen Zusammenarbeit mit RWE zu lösen. Sein Personal wuchs, jedoch stellte Nixdorf erst 1958 einen Entwicklungsingenieur ein. Bis dahin hatte er die Entwicklungen immer selber verantwortet. Seine Produkte erweiterten sich von den Rechenmaschinen für RWE zum Zulieferer von elektronischen Rechenwerken.

Den Markt für Informationstechnik beherrschten in der Zeit Weltfirmen wie IBM mit Großrechnern. Nixdorf sah in seinen kleinen Rechenmaschinen die Möglichkeit, mittelständische Unternehmen mit Buchungs- und Rechenmaschinen zu unterstützen. Bei der Entwicklung und später half ihm wieder sein Kollege Sprick aus seiner Zeit als Werkstudent. Trotz häufig auftretender finanzieller Engpässe gelang es Nixdorf, seine Firma und deren Produkte am Markt zu etablieren. Seine Firma wurde zum Zulieferer elektronischer Rechenwerke für bedeutende Büromaschinenhersteller wie die Exacta Büromaschinen GmbH, ab 1963 die Wanderer-Werke in Köln und die Compagnie des Machines Bull in Paris.

1959 verlegte Nixdorf den Firmensitz in seine Heimatstadt Paderborn. Hier hatte er mehr Raum, um seine Firma weiter auszubauen. Zudem konnte er das niedrigere Lohnniveau und das größere Arbeitskräftereservoir in der westfälischen Mittelstadt nutzen. Nixdorf begann dort 1961 mit 50 Mitarbeitern seine Firma aufzubauen.

Das Labor für Impulstechnik war aber nach wie vor ein Zulieferer, der von seinen Kunden abhängig war. Als es bei den Wanderer-Werken zu weniger Bestellungen kam, gleichzeitig der französische Hersteller Bull finanzielle Schwierigkeiten hatte und viel weniger Geräte vom Labor für Impulstechnik abrief, kam es aufgrund der Überkapazität in ernste Schwierigkeiten. Nixdorf brauchte neue Kunden und ein neues Produkt. In dieser Phase bekam er von Kienzle-Apparate GmbH in Villingen das Angebot, dort die Entwicklungsabteilung zu übernehmen, wenn Kienzle gleichzeitig das Labor für Impulstechnik in ihre Firma integrieren konnte. Zu dieser Zeit kämpfte Nixdorf um die Unabhängigkeit: „Eine Niederlage einzustecken, war so ziemlich das Schlimmste, was es gab.“

Nixdorf holte sich Otto Müller, einen Entwicklungsingenieur, der ihm bei einer Hannover-Messe aufgefallen war. Dieser bekam die Möglichkeit, seine eigene Idee von einem eigenständigen Rechner umzusetzen und ihn zu entwickeln. Doch Nixdorf zögerte, als es um die Umsetzung ging. Er zweifelte daran, ob Müller dieser Aufgabe gewachsen war. Nixdorf selbst verstand nichts von der Mikroprogrammsteuerung. Erst das Eingreifen der Frau von Otto Müller half Nixdorf zu der Entscheidung für den neuen Tischrechner.

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