An diesem Tag

Heinz Musculus

Deutscher Karikaturist, Zeichner und Illustrator

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Heinz Wilhelm Richard Musculus (* 31. Oktober 1917 in Wesenberg (Mecklenburg); † 26. Mai 1976 in Berlin) war ein deutscher Karikaturist, Zeichner und Illustrator.

Die Eltern von Heinz Musculus waren der Schlosser Richard Wilhelm August Musculus (* 2. November 1892 in Berlin) und Frida Luise Karoline, geb. Bruhne (* 27. November 1893 in Wesenberg). Heinz Musculus, ebendort geboren am 31. Oktober 1917 und auf die Namen Heinz Wilhelm Richard getauft am 26. Dezember 1917, war das einzige Kind seines Vaters.

1923 zog die Familie nach Berlin, wo Heinz Musculus eingeschult wurde. Die ersten nachgewiesenen Zeichnungen stammen aus dem Jahr 1930. In seiner Jugend ist es das Bild des Menschen, das sich in feinen Bleistiftzeichnungen seiner beiden Großmütter und auch in ersten Aktstudien äußert – Darstellungen von menschlichem Charakter und menschlicher Schönheit. Bis 1935 besuchte Heinz Musculus die Graphischen Fachschule Andrasstraße in Berlin. Das geplante Kunststudium wurde Heinz Musculus verwehrt, weil ein Professor seine Aufnahmeprüfungsarbeit – ein gezeichnetes Blatt – für nicht gut genug befunden hatte. So besuchte Heinz Musculus ab 1935 die „Höhere Reichswerbeschule“ in Berlin-Schöneberg am Wittenbergplatz mit Erwerb des Abschlussdiploms für Ausstellungs- und Messebau.

Den Zweiten Weltkrieg verbrachte Heinz Musculus bei den Panzertruppen der deutschen Wehrmacht. Durch eine leichtere Verletzung bedingt, wurde Heinz Musculus von Polen zunächst ins bereits besetzte Prag versetzt, wo er als persönlicher Kraftradfahrer für General Hans-Jürgen von Arnim eingesetzt war. Es folgten Versetzungen u. a. ins besetzte Dänemark. Mit der Gefangennahme durch US-amerikanische Truppen im Frühjahr 1945 endete für Heinz Musculus der Zweite Weltkrieg. Während seiner kurzzeitigen Kriegsgefangenschaft in Westdeutschland arbeitete Heinz Musculus als Kurier für die US-Amerikaner; nach seiner Freilassung kehrte er nach Berlin zurück.

Die Erfahrungen im Zweiten Weltkrieg öffnen dann seine Sinne für das Elend der Nachkriegszeit. Materielle Not und seelische Verzweiflung der Menschen werden ab 1945 in detailreichen Federzeichnungen wie „Sieg“, „Die Kreuzigung“, „Das Stundenhotel“, „Der Hunger“ und „Die Flüchtlinge“ dargestellt. Dennoch kommt der Humor nicht zu kurz, wie etwa in der Zeichnung „Die lebende U-Bahn“. Schon seit 1945 arbeitet Heinz Musculus, der nun wieder in Berlin-Friedrichshain wohnt, als Karikaturist in Berlin, u. a. porträtiert er einzelne Angehörige der Sowjetarmee.

Im Dezember 1952 bekommt Heinz Musculus eine Neubauwohnung in der Stalinallee, heute Frankfurter Allee 4 zugeteilt.

Differenzen mit „kommunistischen“ Funktionären; danach keine weiteren Publikationen bis 1954.

Mit zunehmender Distanz zur Kriegszeit treten andere Themen in den Vordergrund: die vertrauten menschlichen Unzulänglichkeiten, das Streben nach Geld, Gütern und Privilegien (“Der Aufstieg”), die in Tiermord (“Die Tragik der Tiere”), Unfrieden (“Entflogen”) und – in weitem Vorgriff auf spätere Zeiten – die Zerstörung der Natur (“Die Umwelttragödie I-III”) münden. Doch kommen auch die liebenswürdigen Seiten menschlicher Schwächen nie zu kurz, wenn etwa die Flasche zur einzigen Wahrheit der Alkoholiker (“Der Alkohol”) wird oder sich ein armer Säufer in „Die falsche Warteschlange“ einreiht.

Von 1961 bis 1965 arbeitet Heinz Musculus in der Karikaturisten-Gruppe “Die 5” mit, ein von der ostdeutschen “Einheitsgewerkschaft FDGB” initiierter Zusammenschluss der fünf Karikaturisten Artur Grimmer, Heinz Musculus, Henryk Berg, Herbert Böhnke und Herbert Reschke. Die Zeichnungen dieser Gruppe behandelten v. a. beruflich-betriebliche, sportliche alltägliche und politische Themen. Augenzwinkernd karikierte Heinz Musculus hier den Alltag der Menschen und veröffentlichte zwischen 1961 und 1965 ca. 50 aktuelle Karikaturen zu Beruf und Betrieb in Betriebs- und Kreiszeitungen. Die Zeichnungen der Gruppe „Die 5“ wurden allen Betriebs- und Kreiszeitungen zugänglich gemacht, die sich daraus nach Bedarf bedienen und veröffentlichen konnten. Signet der Gruppe „Die 5“ war eine Feder mit schwarzem Stiel und weißer “5” darauf sowie dem Namenszug darunter.1965 kündigte Heinz Musculus seine Zusammenarbeit in dieser Karikaturistengruppe auf, weil es Unstimmigkeiten gab und er nicht gezwungen werden wollte, politische Propaganda-Karikaturen zu zeichnen.

1967 heiratet Heinz Musculus in Berlin-Friedrichshain die aus Czernowitz stammende Genunea Dimitrovici.

Im Juli 1975 kehren Heinz und Genunea Musculus von einem genehmigten Aufenthalt nicht mehr nach Berlin zurück und beziehen schließlich eine Wohnung im West-Berliner Bezirk Kreuzberg.

Am 26. Mai 1976 wird die erste Ausstellung von Heinz Musculus in West-Berlin (Berlin-Frohnau) eröffnet. Direkt daran anschließend, auf dem Weg von der Galerie in ein Restaurant, stirbt Heinz Musculus infolge einer Lungenembolie.

Das künstlerische Werk von Heinz Musculus ist ein Plädoyer für Menschlichkeit im besten Sinne. Wie selbstverständlich wird dieses Plädoyer immer wieder durch Menschenansammlungen geprägt, in denen alles vorkommt: Ruppigkeit, Heiterkeit, Entzücken, Frivolität, Herdentrieb, die kritischen Blicke und die allzeit kritisch beäugten Individualisten in der Masse.

Heinz Musculus gründete, zusammen mit drei weiteren Zeichnern, 1948 den Verband Bildender Künstler (VBK) in Berlin-Charlottenburg (Schlüterstraße).

Federzeichnung Unterdrücktes Europa. Berlin 1945.

Schnellzeichner in der DFF-Fernsehreihe “Sport und Musik” in Berlin-Adlershof von 1957 bis 1961.

Tier-Illustrationen der Geschichte Wie der Igel den Weltfrieden rettete im Kinderbuch Stachelwanst (4. Auflage, Berlin-Reinickendorf 1948) mit sieben Tierzeichnungen.

Illustrationen für das Buch von Werner Bauer: Toi, toi, toi – Antonius. Berlin 1956.

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