Heinrich Zillich (Pseudonym: Lutz Tilleweid; * 23. Mai 1898 in Brenndorf bei Kronstadt, Österreich-Ungarn; † 22. Mai 1988 in Starnberg) war ein deutscher Schriftsteller und Vertriebenenfunktionär.
Geboren als Sohn des gleichnamigen siebenbürgischen Zuckerfabrikanten und Fabrikdirektors und Emilie Zillich, geborene Teutsch, machte Heinrich Zillich 1916 am Kronstädter Honterus-Gymnasium sein Abitur. Am Ersten Weltkrieg (1914–1918) nahm er ab 1916 als Tiroler Kaiserjäger in der Armee Österreich-Ungarns teil. 1919 war er nach dem Anschluss Siebenbürgens an Rumänien als rumänischer Leutnant an den Kämpfen gegen das kommunistisch regierte Ungarn beteiligt. Von 1920 an besuchte er in Berlin die Handelsschule (1922 Abschluss als Diplom-Kaufmann) und absolvierte dann ein Studium der Staatswissenschaften an der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin, nach welchem er 1924 zum Dr. rer. pol. promoviert wurde.
Er war Gründer und von 1924 bis 1939 Herausgeber der monatlich in Kronstadt erscheinenden Zeitschrift Klingsor, des bedeutendsten deutschsprachigen Kulturperiodikums in Südosteuropa. Thomas Mann begrüßte das Erscheinen der Zeitschrift als „ins Leben wirkende kulturelle Institution“, Josef Weinheber veröffentlichte darin seine ersten Arbeiten ebenso wie einige deutschsprachige jüdische Autoren aus der Bukowina. Trotz dieses oberflächlichen „Pluralismus“ wurde die Hauptaufgabe der Zeitschrift unter Zillichs Leitung die nationalistische, später offen nationalsozialistische „Volkstumsarbeit“, die sich bei dem evangelischen Zillich mit einem tiefsitzenden Antisemitismus verband. So schrieb Zillich 1932 an den jüdischen Autor Alfred Margul-Sperber vom Judentum als einer „zersetzenden Keimzelle“:
„Nicht das Anderssein der Juden fordert heraus, sondern die bestimmte Art dieser Verschiedenheit, die unmittelbar gegen den seelischen Kern besonders der Deutschen gerichtet ist. […] Die Unfähigkeit der Juden sich innerlich anzupassen, schafft bei Völkern, die noch kulturschaffend sind, die aus Mangel an einer endgültigen Form noch eine geistige Zukunft vor sich haben, den Judenhass. […] Es wird nur dann besser werden, wenn wieder die starke schöpferische Persönlichkeit in Deutschland bestimmt und das Judentum […] entwaffnet.“
Dieser in Vorurteilen und Chauvinismus verhaftete Judenhass zeigte sich auch in der Beschreibung, die Zillich von einem Fest mit jüdischen Teilnehmern lieferte, bei dem er zu Gast war: „Die Juden können meist nicht trinken. Die Sinnlichkeit wird übertrieben.“ Als „Positives“ bleibt ihm nur in Erinnerung: „Es gab ganz hübsche Luderchen dort.“
In Siebenbürgen unterstützte Zillich die Nationalsozialistische Selbsthilfebewegung der Deutschen in Rumänien (NSDR) und – nach deren Verbot 1933 – die Nachfolgeorganisation Nationale Erneuerungsbewegung der Deutschen in Rumänien (NEDR), von der sich Zillich eine „Belebung unseres nationalen und sozialen Gefühls“ versprach: „Unser ganzes Volk ist durch diese Kämpfe für die deutsche weltanschauliche Wiedergeburt gewonnen worden. Die Jugend hat daraus unzählige Antriebe zur völkischen Arbeit entnommen, vor allem den Arbeitsdienst.“
Ab 1936 lebte Zillich, der seit den 1920er Jahren Novellen und Gedichte veröffentlicht hatte und seit den 1930er Jahren als freier Schriftsteller lebte, in Starnberg am Starnberger See. Für Werner Bergengruen, der Zillich seit den frühen 1930er Jahren kannte, war er damals „ein kaltschnäuziger Streber, ein Konjunkturist, der sich schließlich mit Haut und Haaren dem Nationalsozialismus verschrieben hat.“ Mit dem Entwicklungsroman Zwischen Grenzen und Zeiten (1936) gelang ihm sein literarischer Durchbruch. 1937 erhielt er für sein Werk zahlreiche Ehrungen und wurde während der 7. Berliner Dichterwoche von Adolf Hitler empfangen. 1939 pries ihn Zillich in einem Gedicht als „Retter des Reichs und des Volks“:
„Gütiges Auge, blau, und erzene Schwerthand, dunkle Stimme du und der Kinder getreuester Vater,“
„sieh, es stehen geschart über die Erdteile hin, Weib und Mann in den Flammen der Seele heilig vereint,“
„eine endlose Kette, aufbruchumrauscht vor dem Morgen, den deine Schultern allein aus den Klüften der Not über die Grate gehoben.“
Bis 1945 erreichten Zillichs Bücher eine Gesamtauflage von etwa 1,5 Millionen Exemplaren. In den späten 1930er und 1940er Jahren gehörte er zu den „Spitzenautoren“ der NS-Kulturzeitschrift Das Innere Reich. In seinen Zeitschriftenveröffentlichungen präsentierte sich Zillich in dieser Zeit als der „gänzlich unbeschwerte und von keinen erkennbaren Zweifeln geplagte Nationalsozialist“. 1940 erhielt der bis dahin noch rumänische Staatsbürger als „Volksdeutscher“ die deutsche Staatsangehörigkeit. Am 4. Februar 1941 beantragte er die Aufnahme in die NSDAP und wurde zum 1. April desselben Jahres aufgenommen (Mitgliedsnummer 8.798.865). Er war 1943 kurzzeitig (neben Personen wie Hans Friedrich Blunck, Hans Carossa, Wilhelm Pinder und Heinrich von Srbik) als Kandidat für die Präsidentschaft der Deutschen Akademie, der Vorläuferin des Goethe-Instituts, im Gespräch. Als Kriegsteilnehmer und Offizier der Wehrmacht war er im Zweiten Weltkrieg (1939–1945) dann unter anderem Herausgeber der Feldpostausgaben deutscher Dichtung. Zillich stand 1944 in der Gottbegnadeten-Liste des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda.
Zillich leugnete in den Nachkriegsjahren jede Affinität zum Nationalsozialismus. Seine Reden und journalistischen Veröffentlichungen zeigten aber keinen inhaltlichen Bruch zu seinen Äußerungen vor 1945: 1950 propagierte Zillich erneut die Aufgabe des deutschen Volkes als „des Abendlandes Hüter“. Über Hitler schrieb Zillich 1968, dass er ein „Genie“ gewesen sei, „aber kein Rechtsgefühl hatte und zuletzt krankhaft maßlos war. Es ist aber nicht allein seine Schuld, daß Europa bis heute nicht zur Ruhe und zu jener rechten Geschlossenheit kommt, die es zur Weltmacht erhöhen könnte.“ Schuld am Niedergang Deutschlands seien vielmehr, so Zillich 1975, die alliierte Umerziehung nach Kriegsende und eine seitdem regierende „Intellektuellen-Clique“, zu denen Zillich unter anderem Heinrich Böll und Günter Grass zählte. „Ihre Sinnesart half mit, daß wir zum geburtenärmsten Land wurden, daß die Abtreibung erleichtert, also die Vernichtung ungeborener Kinder geduldet ist, daß Mütter und Ehefrauen hinter das berufstätige Weib gestellt werden. Die Liebe verkrüppelten sie zum sexuellen Sport.“
Den Holocaust versuchte Zillich zu relativieren („Die Basler Nachrichten schrieben einmal, es seien nur etwa 300 000 Getötete gewesen“). Auch wenn seine Meinung zur „Judenfrage“ sich nicht geändert hatte, hielt er sich in diesem Punkt öffentlich zurück: „Die Judenfrage ernsthaft zu betrachten und zu suchen, wodurch sie entstand und warum kein Volk die Juden mag, ist heute gefährlich, was unsere Freiheit nicht gerade bestätigt. Wer bemüht ist, hier die Wahrheit aufzudecken, kommt bald in Satans Küche.“ Dagegen lobte er die gegen Israel kämpfenden Palästinenser: „Die palästinensischen Terroristen wollen ihre verlorene Heimat zurückerobern; sie sind Patrioten“.
In der Zeit des Kalten Krieges behinderte diese politische Einstellung Zillichs Karriere nicht. Er war weiter als Schriftsteller tätig, seine Bücher erschienen zusammen mit denen anderer NS-Autoren wie Hans Grimm, Friedrich Griese und Gerhard Schumann in der Firmengruppe des Verlegers Herbert Fleissner, so in Zillichs altem Verlag Langen-Müller, sowie bei Bertelsmann. Ferner wurde er einer der aktivsten Funktionäre der westdeutschen Vertriebenenverbände, war ab 1952 Sprecher und ab 1963 Ehrenvorsitzender der Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen. Zillich bearbeitete zahlreiche Bücher des Südostdeutschen Kulturwerks in München, verfasste den Text zu Kurt Peter Karfelds Farbbildbüchern und Beiträge in über 50 Anthologien von 1935 bis 1980. Von 1959 an war er bis zu seinem 82. Lebensjahr (1980) Schriftleiter, Herausgeber und Autor der Südostdeutschen Vierteljahresblätter. Diese wurden unter Zillichs Leitung zu einer Plattform für die „Relativierung und Nivellierung der NS-Verbrechen und der Aufhebung der Chronologie von Ursache und Wirkung“, so der siebenbürgische Historiker Johann Böhm. Zillich war ferner Mitglied im Ostdeutschen Kulturrat, im zur Bekämpfung „staatsfeindlicher Zersetzungsarbeit“ gegründeten Deutschen Kreis 58, Ehrenmitglied des rechtsnationalen Deutschen Kulturwerk Europäischen Geistes, Redner der rechtsnationalistischen Kulturvereinigung Gesellschaft für Freie Publizistik und Autor der rechtsextremen Zeitschrift Nation Europa. 1987 wurde er mit dem Dichtersteinschild des 1999 wegen nationalsozialistischer Wiederbetätigung verbotenen Vereins Dichterstein Offenhausen ausgezeichnet.