An diesem Tag

Heinrich VIII. (England)

König von England (1509-1547) und Herr bzw. König von Irland (1509-1541 bzw. 1541-1547)

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Heinrich VIII. (englisch Henry VIII; * 28. Juni 1491 im Palace of Placentia, Greenwich; † 28. Januar 1547 im Whitehall-Palast, London) war von 1509 bis 1547 König von England, ab 1509 Herr der Lordschaft Irland und ab 1541 König von Irland. Als jüngerer Sohn von König Heinrich VII. und Elizabeth von York wurde er nach dem frühen Tod seines älteren Bruders Arthur im Jahr 1502 Thronerbe. Seine Krönung im Juni 1509 war nach den englischen Rosenkriegen die erste friedliche Thronbesteigung seit beinahe 100 Jahren. Als erster humanistisch gebildeter König von England war Heinrich ein typischer Renaissancefürst: Er sprach mehrere Sprachen, verfasste Gedichte, komponierte und zeigte großes Interesse an religiösen Themen. In seiner Jugend war er ein athletischer, charismatischer Mann, dessen Herrschaftsantritt freudig begrüßt wurde, in späteren Jahren jedoch war er fettleibig, chronisch krank und galt vielen als Tyrann.

Im politischen Tagesgeschäft stützte sich Heinrich auf Ratgeber wie Kardinal Wolsey, Thomas Morus oder Thomas Cromwell. Mit Hilfe Wolseys gelang es dem König einerseits, seine Machtstellung im Sinne des Frühabsolutismus auszubauen, andererseits gestand er dem Parlament auf Betreiben Cromwells erstmals Mitspracherechte in Kirchen- und Verfassungsfragen zu. Ausschlaggebend dafür war sein Konflikt mit der Papstkirche: Da Heinrich Anne Boleyn heiraten wollte, strebte er die Annullierung seiner ersten Ehe mit Katharina von Aragon durch Papst Clemens VII. an. Als dieser das Ansinnen ablehnte, betrieb Heinrich, ursprünglich ein Gegner Luthers und der Reformation, die Trennung der Kirche Englands vom römischen Katholizismus. Mit der Suprematsakte ließ er sich 1534 vom Parlament selbst zu deren Oberhaupt erklären. Schließlich löste er die englischen Klöster auf, wofür er von Paul III. exkommuniziert wurde. Obwohl Heinrichs religiöse Überzeugungen bis zuletzt im Kern katholisch blieben, ebnete er dem Protestantismus in England den Weg, indem er die Autorität des Papstes zurückwies, den Druck einer staatlich autorisierten, englischsprachigen Bibel förderte und sich durch die Veräußerung von Kirchenbesitz eine breite Schicht loyaler, protestantischer Unterstützer schuf.

Nach Heinrichs Tod fiel die Krone nacheinander an seine drei überlebenden Kinder: zunächst an seinen neunjährigen Sohn Eduard, der aber früh verstarb, dann an die älteste Tochter Maria und schließlich an seine Tochter Elisabeth, mit der die Herrschaft des Hauses Tudor 1603 endete. In der Populärkultur ist Heinrich VIII. vor allem für seine insgesamt sechs Ehen bekannt. Zwei davon, die mit Katharina von Aragon und Anna von Kleve, ließ er annullieren. Anne Boleyn und Catherine Howard ließ er hinrichten, Jane Seymour starb im Wochenbett, und Catherine Parr überlebte ihn.

Heinrich wurde am 28. Juni 1491 als das dritte Kind und der zweitälteste Sohn des englischen Königs Heinrich VII. und seiner Frau Elizabeth of York geboren. Getauft wurde er von Richard Fox, Bischof von Exeter, mit dem üblichen großen Pomp für königliche Kinder mit Herolden und Trompeten. Da seine Eltern bereits einen Thronfolger, Prinz Arthur, hatten, war Heinrich zum Zeitpunkt seiner Geburt aber von keiner großen dynastischen Bedeutung. Selbst seine Großmutter Margaret Beaufort, die die Geburten seiner beiden älteren Geschwister gewissenhaft mit genauer Uhrzeit und Ort in ihrem Stundenbuch eingetragen hatte, verzeichnete Heinrich darin eher beiläufig.

Heinrichs frühe Kindheit war geprägt von den Nachwehen der Rosenkriege, den jahrzehntelang anhaltenden, blutigen Kämpfen der Häuser Lancaster und York. Heinrich VII. hatte sich die Krone 1485 auf dem Schlachtfeld errungen, erst seine Kinder aus der Ehe mit einer Plantagenet-Prinzessin konnten ihren Thronanspruch dann auch dynastisch begründen. Daher tauchten wiederholt Thronprätendenten auf, die Heinrich VII. die Herrschaft streitig machten. 1494 gab sich ein junger Mann namens Perkin Warbeck als Richard, Duke of York aus, den jüngeren der beiden verschwundenen Prinzen im Tower und Bruder von Königin Elizabeth of York, der Gemahlin Heinrich Tudors. Er erhob Anspruch auf den englischen Thron und gewann schnell Unterstützung sowohl in England als auch auf dem Festland. Als Maßnahme gegen Warbeck schlug der König seinen zweiten Sohn 1494 in einer groß angelegten Zeremonie zum Knight of the Bath und erhob ihn anschließend zum Duke of York, dem traditionellen Titel des zweitgeborenen Königssohns. Der erst dreijährige Heinrich, der später ein großer, kräftiger Mann und begeisterter Reiter sein würde, ritt in Begleitung vieler Edelleute „alleine auf einem Pferd sitzend“ in London ein und wurde dabei von einem der Zuschauer wohl aufgrund seiner Größe für bereits „vier Jahre alt oder ähnlich“ gehalten. 1495 nahm ihn sein Vater auch in den Hosenbandorden auf.

Als 1496 zugunsten Warbecks ein Aufstand cornischer Rebellen ausbrach, die ungehindert auf London marschierten, musste der fünfjährige Heinrich mit seiner Mutter in den Tower fliehen. Gleichzeitig fiel Warbeck von Schottland aus in England ein. Der König ritt zunächst mit seinen Truppen gen Norden und kehrte später rechtzeitig zurück, um die Rebellen kurz vor London zu schlagen. Möglicherweise waren diese frühen Erfahrungen ein Grund dafür, dass Heinrich später den Herrschaftsanspruch seiner Dynastie so kompromisslos und streckenweise grausam verteidigte.

Während Kronprinz Arthur in einem eigenen Haushalt in Ludlow in Wales lebte, wurde Heinrich zusammen mit seiner Schwester Margaret auf Eltham Palace erzogen, wo bald noch die Geschwister Elizabeth, Mary und Edmund hinzukamen. Von den insgesamt sieben Kindern erreichten nur Heinrich, Margaret und Mary das Erwachsenenalter. Unter Historikern ist umstritten, ob Heinrich für eine Karriere in der Kirche vorgesehen war. Der Historiker Edward Herbert schrieb im 17. Jahrhundert, Heinrich sei „während der Lebenszeit seines älteren Bruders Prinz Arthur als Erzbischof von Canterbury bestimmt gewesen“. Dagegen spricht Heinrichs Erhebung zum weltlichen Titel des Duke of York, der mit erheblichem Landbesitz einherging und seine Ausbildung an den Waffen.

Sein erster Lehrer war ab etwa 1496 der Hofpoet John Skelton, von dem er die typische Renaissanceausbildung der Zeit erhielt, mit besonderem Augenmerk auf Latein, Geschichte und antike Autoren neben Musik und Poesie. Später setzte Heinrich seine Ausbildung mit einem anderen Lehrer, William Hone, fort, zu dem sich noch der Französischlehrer Giles Duwes und ein Musik- und Waffenlehrer gesellten. Mit dieser Ausbildung wurde der junge Prinz später der erste König Englands mit einer umfassenden humanistischen Bildung, der fließend Latein und Französisch sprach, Musik komponierte und Gedichte verfasste.

Als 1499 der berühmte Humanist Erasmus von Rotterdam in England seinen Freund Thomas Morus besuchte und dieser ihn zu einem Überraschungsbesuch nach Eltham Palace mitnahm, wo „alle königlichen Kinder erzogen werden, Arthur allein ausgenommen, der älteste Sohn“, zeigte sich der Gelehrte beeindruckt vom Können Heinrichs. Er schrieb: „Als wir in die Halle kamen, war alles Gefolge versammelt […]. In der Mitte stand Heinrich, neun Jahre alt, bereits mit einem gewissen königlichen Auftreten ausgestattet, ich meine einer Geistesgröße, kombiniert mit erstaunlicher Höflichkeit. Zu seiner Rechten war Margaret, etwa elf Jahre alt, die später Jakob, König von Schottland, ehelichte. Zu seiner Linken spielte Mary, ein Kind von vier Jahren. Edmund war ein Baby in den Armen seiner Amme.“ Morus präsentierte, wie es üblich war, dem Prinzen eine schriftliche Widmung, was Erasmus peinlich berührte, da er nichts mitgebracht hatte. Später beim Essen schickte Heinrich ihm auch noch eine Nachricht, „um etwas aus meiner Feder zu locken“, woraufhin der Gelehrte innerhalb von drei Tagen eine Lobschrift für ihn verfasste. Mit Erasmus stand Heinrich noch Jahre später in regelmäßiger lateinischer Korrespondenz.

Der Anfang des 16. Jahrhunderts brachte eine umwälzende Veränderung in Heinrichs Leben. 1501, als sein 15-jähriger Bruder Arthur die gleichaltrige spanische Prinzessin Katharina von Aragon heiratete, führte der junge Prinz die Braut zum Altar. Nur wenige Monate danach starb Arthur vollkommen überraschend und der zehnjährige Heinrich wurde Thronfolger. Nachdem klar war, dass Katharina von Aragon nicht mit einem möglichen Thronfolger von Arthur schwanger war, wurde Heinrich per Parlamentsakt am 15. Januar 1504 offiziell zum neunten Prince of Wales erhoben, während ihm der Titel Duke of York aberkannt wurde. Kaum ein Jahr nach Arthurs Tod starb auch Heinrichs Mutter im Kindbett. In einem Brief an Erasmus einige Jahre später bezeichnete er die Nachricht „vom Tod meiner lieben Mutter“ als „verhasste Nachricht“.

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