An diesem Tag

Heinrich Schütz

Deutscher Komponist und Musiker des Frühbarock

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Heinrich Schütz, in autografen Handschriften immer Henrich, latinisiert Henricus Sagittarius (* 8. Oktoberjul. / 18. Oktober 1585greg. in Köstritz; † 6. Novemberjul. / 16. November 1672greg. in Dresden) war ein deutscher Komponist des Frühbarocks.

Schütz war Zweitgeborener von acht Geschwistern. Er wurde im Goldenen Kranich, dem Gasthof seines Vaters, in Köstritz (damals Reuß, Ostthüringen) geboren und dort am 9. Oktober 1585 in der Kirche St. Leonhard getauft.

Die Familie seines Vaters stammte aus Franken und war im 15. Jahrhundert in das Erzgebirge um Chemnitz gezogen. Sein Vater Christoph Schütz war Stadtschreiber in Gera und zog nach Köstritz, um als Gastwirt und Gutsverwalter zu arbeiten. 1583 ehelichte er Euphrosyne Bieger, die Tochter des späteren Geraer Bürgermeisters Johann Bieger, als dritte Ehefrau. Der Sohn ihrer Schwester war Heinrich Albert, der 1622 Schüler seines Cousins wurde.

Als Heinrich Schütz fünf Jahre alt war, zog seine Familie nach Weißenfels, weil sein Vater dort einen anderen Gasthof übernahm. Hier verbrachte Heinrich Schütz seine Kindheit. 1599 wurde sein musikalisches Talent von Landgraf Moritz von Hessen-Kassel entdeckt, mit dessen Förderung er zum Musiker ausgebildet wurde und die Kasseler Hofschule, das Collegium Mauritianum, besuchte. Ab 1607 in Marburg konnte er zeitweise gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Georg (1587–1637) Jura studieren. Seine Wohnung dort ist nicht genau bekannt. Von 1609 bis 1612 absolvierte Schütz dank eines Stipendiums des Landgrafen ein dreijähriges Studium in Venedig beim Kirchenmusiker und Hauptorganisten am Markusdom Giovanni Gabrieli (1557–1612), das er mit der 1611 veröffentlichten Madrigalsammlung Il Primo libro di Madrigali abschloss. Auf seinem Totenbett vermachte Gabrieli Schütz einen seiner Ringe. Gabrieli war der einzige, den Schütz zeitlebens als seinen Lehrer bezeichnete.

Nachdem sein Lehrer Gabrieli 1612 verstorben war, kehrte er 1613 wieder nach Kassel zurück und wurde von Landgraf Moritz zum zweiten Organisten berufen. Kurz darauf trat er in den Dienst des sächsischen Kurfürsten Johann Georg I. in Dresden, der Schütz auch aus kulturpolitischen Motiven als Landeskind an seinen Hof holte. Dort war Schütz ab 1614 zunächst Hoforganist, neben dem kränklichen Kapellmeister Rogier Michael sowie dem als Kapellmeister „von Haus aus“ wirkenden Michael Praetorius, Hofkapellmeister am Wolfenbütteler Hof. Erst nach Praetorius’ Tod 1621 wurde Schütz Kapellmeister am sächsischen Hof. Dieses Amt hatte er bis zu seinem Lebensende inne. Sein Wechsel nach Dresden war schon ab 1614 Gegenstand diplomatischer Auseinandersetzungen zwischen dem Landgrafen und dem sächsischen Kurfürsten, die erst 1619 ein Ende fanden, als sich der Kurfürst endgültig durchsetzen konnte. Im selben Jahr veröffentlichte Schütz die Psalmen Davids, die er seinem Landesherrn (Johann Georg) widmete.

Als Kapellmeister hatte Schütz die Oberaufsicht über die Mitglieder der Hofkapelle, die aus Sängern und Instrumentalisten bestand. Mit ihr war er für alle Musik am Hofe zuständig: geistliche wie weltliche, zur Unterhaltung und zum Gottesdienst ebenso wie zur politischen Repräsentation. Seine dramatischen weltlichen Werke (Singspiele und Ballette), von denen in der Regel nur die Texte gedruckt wurden, sind jedoch verlorengegangen.

1618 begann der Dreißigjährige Krieg, dessen verheerende Auswirkungen im Laufe der nächsten Jahrzehnte zum Zusammenbruch des kulturellen Lebens in großen Teilen Deutschlands führten. Schütz schrieb selbst davon, wie „die löbliche Music von den anhaltenden gefährlichen Kriegs-Läufften in unserm lieben Vater-Lande Teutscher Nation nicht allein in grosses Abnehmen gerathen, sondern an manchem Ort gantz niedergeleget worden“. Er musste seine Ansprüche an Aufführungspraxis und Instrumentarien erheblich verringern, „damit mein von Gott verliehenes Talentum in solcher edlen Kunst nicht gantz ersitzen bleiben, sondern nur etwas weniges schaffen und darreichen möchte“ (Widmungsvorrede des ersten Teils der Kleinen geistlichen Konzerte, Leipzig, 1636). Hinzu kamen wiederholte Pestepidemien. Nach dem frühen Tod seiner Frau im Jahr 1625 heiratete Schütz nicht wieder.

Um den Anschluss an die neuesten Errungenschaften der Musik nicht zu verlieren, besuchte Schütz 1628 zum zweiten Mal Venedig bzw. dessen Umgebung, wo er über ein Jahr lang blieb. Dass er dabei Claudio Monteverdi begegnete, ist denkbar, aber nicht gesichert. Dort hörte er neue theatralische Musik und empfing so maßgebliche neue Impulse für sein Werk. Auch der erste Teil seiner Symphoniae sacrae, den er nach seiner Rückkehr 1629 veröffentlichte, zeugt von diesem Aufenthalt. Schütz lebte von 1629 bis 1657 in Dresden am Neumarkt 12, dem heute so genannten Quartier V. Die Dresdner Kapelle hatte jedoch schon in diesen Jahren so große Schwierigkeiten bei der Versorgung und Bezahlung ihrer Mitglieder, dass Schütz sich immer wieder nach Beschäftigungen außerhalb Dresdens umsah.

So war er froh, gleich zweimal ein Angebot des Königs Christian IV. von Dänemark und Norwegen annehmen zu können, bei großen Hochzeitsfeiern die Musik zu leiten. Von 1633 bis 1635 und von 1642 bis 1644 war er in Kopenhagen als dänischer Oberkapellmeister tätig. Außerdem arbeitete Schütz als musikalischer Ratgeber der Fürstenhöfe in Hannover, Wolfenbüttel, Gera, Weimar und Zeitz. Anlässlich der Trauerfeier für seinen Landesfürsten Heinrich Posthumus Reuß komponierte er 1635/1636 die Musikalischen Exequien. Im Jahr 1636 veröffentlichte er in Leipzig den ersten Teil seiner Kleinen geistlichen Konzerte, dem er 1639 einen zweiten Teil folgen ließ. Seine Publikationstätigkeit erreichte Ende der 1640er Jahre ihren Höhepunkt: 1647 erschien der zweite Teil der Symphoniae sacrae, 1648 die Geistliche Chormusik und 1650 der dritte und letzte Teil der Symphoniae sacrae. Seine seit 1645 immer wieder eingereichten Gesuche um die Versetzung in den Ruhestand wurden von Johann Georg I. allesamt abgelehnt; erst nach dessen Tod im Jahr 1656 gewährte sein Sohn Johann Georg II. Schütz einen weitgehenden Rückzug. 1661 veröffentlichte Schütz in dessen Auftrag eine Neufassung des bereits 1628 publizierten Becker-Psalters, der daraufhin fester Bestandteil der neuen sächsischen Kirchenordnung wurde. Als „ältester“ Kapellmeister behielt Schütz seinen Titel bis an sein Lebensende. Von Ostern 1655 bis etwa 1666 war Schütz als »Oberkapellmeister von Haus aus« für den Wolfenbütteler Hof tätig.

Den Lebensabend verbrachte Schütz überwiegend in seinem Haus in Weißenfels, dem Ort seiner Kindheit. Aus dieser Zeit stammen seine drei Passionen nach Lukas (um 1664), Matthäus (1665) und Johannes (1666) sowie seine Weihnachtshistorie (1664). Sein letztes Werk ist die vollständige Vertonung des 119. Psalms (1671), aufgeteilt in elf Motetten, gefolgt von einer Vertonung des 100. Psalms und einem deutschen Magnificat. Der 119. Psalm ist der längste in der Bibel, und das gesamte Werk ist durchweg doppelchörig angelegt. Da es – von ihm selbst gewollt – seine letzte Komposition sein sollte, wird das Werk landläufig auch Schwanengesang genannt. Schütz starb im hohen Alter von 87 Jahren in Dresden. Er wurde in der alten Dresdner Frauenkirche beigesetzt. Mit ihrem Abriss 1727 ging auch seine Grabstätte verloren. Ein in den Kirchenboden eingelassenes Gedenkband in der heutigen Frauenkirche erinnert an ihn.

Im Oktober 2010 wurden bei der Sanierung des Schütz-Wohnhauses in Weißenfels zwei Textfragmente einer nicht mehr erhaltenen Komposition gefunden, in der unter anderem Psalm 10 vertont ist. Die Fragmente stammen aus der Zeit zwischen 1650 und 1660.

Am 1. Juni 1619 heiratete Schütz Magdalena Wildeck (* 20. Februar 1601; † 30. August 1625). Aus der aufgrund des frühen Todes Magdalenas nur kurzen Ehe gingen zwei Töchter hervor, Anna Justina, geboren 1621, die bereits im Sommer (vor dem 10. Juli) 1638 im Alter von kaum 17 Jahren starb, und Euphrosine, geboren am 28. November 1623 in Dresden, die am 25. Januar 1648 den späteren Leipziger Bürgermeister Christoph Pincker heiratete und am 11. Januar 1655 im Kindbett starb. Deren Tochter Gertraud Euphrosine (* 13. Juni 1652; † 6. April 1684) erreichte als einziges der fünf Kinder der Familie das Erwachsenenalter. Aus ihrer Ehe mit Johann Seydel gingen sechs Kinder hervor, von denen aber nur der Sohn Johann Christoph (* 26. Januar 1675; † 13. März 1721) eheliche Nachkommen hatte, drei Mädchen und einen Sohn, von denen aber nur Namen und Geburtsdatum bekannt sind. Ein Urenkel, Rittmeister Gottfried Ludwig von Thümmel (1703–1745), unehelicher Sohn von Johann Christoph Seydels früh verstorbener jüngerer Schwester Christiana Eleonora (* 27. August 1676; † vor dem 14. Dezember 1707), blieb kinderlos. Über das erste Drittel des 18. Jahrhunderts hinaus lässt sich die Nachkommenschaft des Komponisten nicht verfolgen.

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